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Cruiser Sommer 2018

CR U I S E R SOMMER 2018
s t a r k . s p a n n e n d . s t o l z .
cruiser
RICHTIG GENDERN
Ein Leitfaden
HEISS, HEISSER… SOMMER
Pack die Badehose ein
MAMMA MIA!
Alles über das Erfolgsmusical
DAS GRÖSSTE
SCHWEIZER
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SOMMER 2018 CHF 8.10
Denk daran: Ein Kondom schützt dich vor HIV. #undetectable – Menschen
mit HIV unter erfolgreicher Therapie stecken niemanden an. Und:
PrEP schützt dich genauso gut vor einer HIV-Infektion wie ein Kondom.
Also: Geniess den Sommer und behalte einen kühlen Kopf.
Alle Infos auf drgay.ch und myprep.ch.
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3
CR U I S E R SOMMER 2018
4
SOMMER-SPECIAL
BADEMODE DAMALS & HEUTE
7
KOLUMNE MICHI RÜEGG
8
MAMMA MIA!
ALLES ÜBER DAS ERFOLGSMUSICAL
12
KOLUMNE ANDREAS LEHNER
13
KULTUR BUCHTIPP
14
RICHTIG GENDERN EIN LEITFADEN
17
LIFESTYLE BRUSTHAARE
18
KULTUR BLUE BALLS 2018
20
NEWS & KULTUR
NATIONAL & INTERNATIONAL
24
KULTUR JOHANN STRAUSS
28
KOLUMNE MIRKO
29
RATGEBER DR. GAY
30
SERIE WAS MACHT EIGENTLICH
32
SERIE HOMOSEXUALITÄT IN
GESCHICHTE UND LITERATUR
35
SOMMERWÜNSCHE
IMPRESSUM
CRUISER MAGAZIN PRINT
ISSN 1420-214x (1986 – 1998) | ISSN 1422-9269
(1998 – 2000) | ISSN 2235-7203 (Ab 2000)
Herausgeber & Verleger Haymo Empl, empl.media
Infos an die Redaktion redaktion@cruisermagazin.ch
Chefredaktor Haymo Empl
Stv. Chefredaktorin Birgit Kawohl
Bildredaktion Moel Maphy, Astrid Affolter.
Alle Bilder mit Genehmigung der Urheber.
Art Direktion Astrid Affolter
Agenturen SDA, DPA, Keystone
Autor_Innen Vinicio Albani, Haymo Empl, Daphne
Hafner, Birgit Kawohl, Marco Krefting, Andreas Lehner,
Moel Maphy, Mirko, Hannes Rudolph, Michi Rüegg
Korrektorat | Lektorat Birgit Kawohl
Anzeigen anzeigen@cruisermagazin.ch
Christina Kipshoven | Telefon +41 (0)31 534 18 30
WEMF beglaubigte Auflage 11 539 Exemplare (2016)
Druck Druckerei Konstanz GmbH
Wasserloses Druckverfahren
REDAKTION UND VERLAGSADRESSE
Cruiser | Clausiusstrasse 42, 8006 Zürich
redaktion@cruisermagazin.ch
Haftungsausschluss, Gerichtsstand und weiterführende
Angaben auf www.cruisermagazin.ch
Der nächste Cruiser erscheint am 7. September 2018
Wir vom Cruiser setzen auf eine grösstmögliche Diversität
in Bezug auf Gender und Sexualität sowie die Auseinander-
setzung mit diesen Themen. Wir vermeiden darum sprach-
liche Eingriffe in die Formulierungen unserer Autor_Innen.
Die von den Schreibenden gewählten Bezeichnungen
können daher zum Teil von herkömmlichen Schreibweisen
abweichen. Geschlechtspronomen werden entsprechend
implizit eingesetzt, der Oberbegriff Trans* beinhaltet
die entsprechenden Bezeichnungen gemäss Medienguide
«Transgender Network Schweiz».
EDITORIAL
Liebe Lesende*
Wer den Cruiser jeweils ordentlich studiert, weiss, wie schwer wir uns in
der Redaktion immer noch und immer wieder damit tun, allen Geschlechtern
gerecht werdende Formulierungen und Anreden zu finden. Manche Mitmen-
schen machen sich diesbezüglich aber immer noch wenig Gedanken. Was
Betroffenen wehtut und wie man sprachliche Patzer vermeiden kann, damit
beschäftigt sich Hannes Rudolph in seinem Leitfaden.
Erwartungsvoll sieht die Redaktion dem Sommer entgegen und unser Cover-
boy (plus der Posterboy!) machen sicher allen Lesern Lust auf die warme
Jahreszeit und ihr wichtigstes Kleidungsstück, der Badehose. Was in und
hinter der Badehose steckt, verraten wir in einem historischen Rückblick.
Mit der Badehose taucht in der warmen Jahreszeit in den Printmedien un-
weigerlich das Sommerloch auf, welches sich in den letzten Jahren immer mit
Artikeln über «Carlo ankündigte. Und was den Heteros ihr Carlos, ist die
Werdinsel in der Gay-Szene. Gut haben wir beim Cruiser Michi Rüegg, der
damit den Sommer in seiner Kolumne ausruft.
Wir wünschen viel Spass bei der Lektüre der
Sommerausgabe und lesen uns hoffentlich gut
erholt in zwei Monaten wieder!
Herzlich; Birgit Kawohl
Stellv. Chefredaktorin
INHALT
Cover Model: Léon / Foto: Patrick Mettraux
4
CR U I S E R SOMMER 2018
SOMMER-SPECIAL
BADEMODE DAMALS & HEUTE
Cruiser und Mode? Eigentlich untypisch. Aber das Coverfoto der Sommeraus gabe
hat die Redaktion dazu inspiriert, einmal über das wichtigste Kleidungsstück der
heissen Jahreszeit nachzudenken.
«Pack die
Badehose ein»
VON B I R G I T K AW OHL
S
o sicher wie im Frühjahr die Frage
kommt, welche Diät es denn dieses
Jahr sein soll, um die überzähligen,
sich mit Weihnachtsguetsli angefutterten
Pfunde loszuwerden, ebenso sicher taucht
kurz danach die Überlegung auf, welche
Bademode denn wohl dieses Jahr die an-
gesagte ist: kurz oder lang, enganliegend
oder weit atternd, uni oder mit graschen
Mustern?
Die Männer in der Antike hatten es da
noch gut (also die reichen zumindest): Sie
konnten sich am Abend Trauben und
hnchen in den Mund fallen lassen, lies-
sen sich von ihren willigen und nach dem
eigenen Geschmack ausgesuchten Sklaven
massieren und – und hier gerät der (schwu-
le) Mann im Jahr 2018 schnell in Schnapp-
atmung – sassen oder lagen nackt in den
Badeanstalten der Metropolen. Leider hat
diese Sitte die Antike nicht überlebt. Nach-
Jüngling aus «Der Kreis» von 1946. Damals galt das Motto, je knapper, desto heisser. Die Jünglinge heute zeigen weniger, wie das aktuelle Bild demonstriert.
Z)er
y4r/77e/7/er
Georges
yk/a/îOH^/an
5
SOMMER-SPECIAL
BADEMODE DAMALS & HEUTE
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Rücken / Schulter 329.–
dem das Baden im Mittelalter als gesund-
heitsgefährdend galt und damit völlig aus
der Mode kam, machte es die ab dem 19.
Jahrhundert in den Badeanstalten eben-
falls anwesende Damenwelt vonnöten, dass
Mann sich beim Bade bekleidete. Zunächst
geschah das mit Badeanzügen aus Trikot-
sto – denitiv unerotisch –, bald hielt man
den oberen Teil davon nicht mehr für not-
wendig und beliess es bei einem mehr oder
weniger knappen Höschen.
Aber was nun wann wie angesagt ist
und welcher Erotikfaktor damit jeweils aus-
gestrahlt wird, das ist nicht nur in der
schwulen Welt eine ewige Frage. hrend
kluge Betriebswissenschaftler in Bezug auf
die Rocklänge von Frauen einmal die Koin-
zidenz von wirtschaftlicher Lage eines Staa-
tes und der angesagten Länge von cken
festgestellt haben je besser die Wirtschaft
läuft, desto kürzer die Röcke – re eine sol-
che Feststellung für die Badebekleidung si-
cherlich zu kurz gedacht. Zum einen ist die
Badehose immer auch dem modischen
Wandel und sportlichen Bedürfnissen un-
terworfen will man darin nur liegend gut
aussehen oder soll sie auch bei einem
Sprung ins kühle Nass ihren Sitz und ihre
Passform beibehalten? –, andererseits be-
rührt sie viel stärker sexuelle Vorstellungen,
nsche und Begierden. Kann man daraus
vielleicht folgern, dass die Wahl der Hose
vielmehr vom Ort und vom Anlass abhängig
ist, an dem sie getragen wird?
Zwischen Dreiecksbadehosen
und Mankinis
Während es sich in der Familienbadi sicher-
lich ziemt, in einer alle erotischen Körper-
teile ausreichend bedeckenden Hose daher-
zukommen, kann dies in einer Männerbadi
geradezu das Todesurteil bedeuten. In wei-
ten Badeshorts wird man dort in einem
Sekundenbruchteil zu einer persona non
grata. Die knappen Dreiecksbadehosen, die
in den 20er-Jahren des vergangenen Jahr-
hunderts aufkamen und damals mehr als
einen Skandal auslösten, sind spätestens
seit den von der Kunstgur Borat etablier-
ten Mankinis häug auch nur noch ein mü-
des Schulterzucken wert. Von diesem Son-
derfall Mankini einmal abgesehen, wird
eine Badehose und damit ihr Träger
umso interessanter, je mehr Sto weggelas-
sen wird. Aber natürlich nur, wenn der
Träger dann auch den entsprechenden
Body vorzeigen kann.
Die Badehose an und für sich scheint
dabei prädestiniert zu sein, Fantasien zu we-
cken, was sich bei einer Recherche in der
Zeitschrift «Der Kreis» bestätigte. Denn dort
lassen sich überproportional oft Erhlun-
gen nden, in denen Badehosen vorkom-
men. So schildert ein unbekannter Autor im
Jahr 1949 ein Ferienerlebnis, in der jemand
«mit seiner kleinen, frechen Badehose be-
kleidet» ist. Eine «freche» Badehose! Steht
die Badehose hier für ihren Träger? Macht
die Knappheit der Hose diesen zu einem
Frechling? Der Autor scheint ob der gerin-
gen Grösse der Badebekleidung eine gewisse
Erwartungshaltung an ihren Träger zu
knüpfen. Ähnlich geht es dem Erzähler einer
Kurzgeschichte von J. Lerbeer aus dem Jahr
1956, in der der Mann seiner Lüste «sich eine
leuchtend rote Badehose anzieht und irgend-
einem Glücklichen [...] die Gunst seiner Lie-
be schenkt». Das Leuchten der Badehose
6
CR U I S E R SOMMER 2018
SOMMER-SPECIAL
BADEMODE DAMALS & HEUTE
sieht der Leser geradezu auf das Leuchten
der Augen des so Beglückten überspringen
und dann ist diese Hose auch noch rot – die
Farbe der Liebe! Wenn hier nicht erotische
Gedanken geweckt werden, dann kann mit
dem Leser etwas nicht stimmen.
Badehosen sind nicht nur
zum Baden da
Dass die Badehose aber auch immer wieder
einmal ihrem eigentlichen Zweck entfrem-
det wurde, zeigt ein Foto von Willard im
«Kreis» von 1964. Hier geht es um das e-
ma Fasching und der Leser bekommt einen
sich lasziv an ein Karussellpferd lehnenden
ngling in einem Penissichtschutz mit der
Bildunterschrift «Holzpferd, ll und
Schwer mutspo und fast ohne Badehose ...»
präsentiert. Hier dient das Kleidungsstück
oenbar lediglich dem Verhindern eines
Nacktfotos und der Leser kann sich so un-
gehemmt am Restkörpers des Darstellers
erfreuen, ohne ein schlechtes Gewissen
haben zu müssen, was weitere Fotos von
sehr gut gebauten und trainierten Modellen
in der Zeitschrift bestätigen.
Dass der «Kreis»-Leser generell spar-
sam bekleidete Modelle bevorzugte, ergab
auch eine Umfrage unter den Abonnenten
des Magazins im Jahr 1958. Je ausgezogener
die Modelle waren, desto beliebter waren
sie bei den Lesern. Übertragen auf die Bade-
hosen-Frage lässt sich also schliessen, dass,
wenn schon überhaupt ein Kleidungsstück
notwendig schien, es dann doch bitte ein
möglichst kleines sein sollte, und da ist eine
(knappe) Badehose sicherlich nicht die
schlechteste Wahl. Zumal das Schwimmen
in erotischen Schwulenlmen sowieso
einen hohen Stellenwert hat, wie Martin
hlheim in der Cruiser-Sommerausgabe
des vergangenenen Jahres bereits festge-
stellt hat.
Vieles gibt es also vor einem Badibe-
such in Bezug auf die Wahl des Outts zu
bedenken, letztendlich sollte man aber ent-
spannt bei der Badehosenwahl sein und
sich zu Herzen nehmen, was Roland Her-
lory, der Geschäftsführer der Badehosen-
marke Vilebrequin, im Jahr 2016 in einem
Interview sagte: «Das Muster [einer Bade-
hose] muss zur Seele passen.» Nicht nur das
Muster, sondern auch Farbe und Schnitt
kann man da sicherlich ernzen.
Tätowiert
und
frisch
frisiert,
und
die
Arme
eingeschmiert,
auch
fast
ohne
Badehose
bleibt
die
gern
geübte
Pose!
Aus der Zeitschrift «Der Kreis», 1954.
Foto: Studio Arax, Paris.
Bild oben rechts
Frei nach Roland Herlory: Das Muster, die Farbe und
der Schnitt müssen zur Seele des Trägers passen.
Bild unten rechts
Aus der Zeitschrift «Der Kreis», 1967.
Foto: Euromale, Nicolaas Maisstraat, Amsterdam.
7
CR U I S E R SOMMER 2018
KOLUMNE
MICHI RÜEGG
Die Insel der
Sittsamkeit
Passend zur Titelgeschichte wundert sich Michi Rüegg über die neue Zürcher
Prüderie und macht sich Gedanken zu Fallobst und die letzten nicht verbotenen
Annehmlichkeiten des Lebens.
VON M I C H I R Ü E G G
S
pätestens, wenn die reifen Zwetsch-
gen auf der Wiese liegen, ist Sommer.
Auf der rcher Werdinsel fallen sie
jedoch nicht von den Bäumen, sondern
radeln aus Wiedikon, Aussersihl und Alt-
stetten heran. Früher waren die meisten
Zwetschgen au naturel, also unbehandelt.
Seit einigen Jahren verllen sie sich wieder.
Es ist seltsam, je lauter die Rufe nach
Burkaverboten erklingen, desto weniger
nackte Menschen sonnen sich an den altbe-
hrten Plätzen. Verhüllungsverbote zie-
hen Entllungshemmungen nach sich.
Allerdings muss man der Bademode
Respekt zollen, sie hat in den vergangenen
Jahren riesige Fortschritte erzielt. So man-
che Zwetschge zeigt sich nun lieber in den
üppig gepolsterten ES-Slips, die grosszügig
das Vorhandene aufpushen. Eine grosse,
rundliche Fata Morgana tut sich zwischen
den Schenkeln auf. Die Enttäuschung folgt
erst daheim, bei ihm oder bei ihm, wenn das
Höschen fällt.
Richtig. Daheim. Denn von den Bäu-
men können die Zwetschgen nur schon des-
halb nicht fallen, weil da kaum noch Bäume
sind. Die Stadt fuhr mit dem Riesenrasen-
her einmal übers Wäldli und schlug das
Ding kahl. Seit zwei Jahrzehnten besuche
ich die Insel, immer war da ein kleiner Wald.
Jetzt sieht die Stelle aus wie getrimmtes
Schamhaar. Man sieht, da ist noch was, aber
es ist äusserst licht.
Grosse Schilder weisen nun darauf
hin, dass auf der Wiese Nacktsein erlaubt
sei. Das ist allein schon deshalb interessant,
weil Nacktsein eigentlich nirgendwo verbo-
ten ist. Nicht mal Sex im Freien ist verboten.
Man sollte sich dabei einfach niemandem
zeigen, den das stören könnte. rich hats
wieder einmal geschat, etwas zu erlauben,
was nicht verboten war und etwas zu verbie-
ten, was erlaubt ist.
Wobei, mich hat das ja nie gestört, wenn
früher irgendwo der Busch rüttelte und ich
schüchtern die Umrisse zweier kopulieren-
der ren sichtete. Kam eh sehr selten vor.
Oenbar waren derlei Schauspiele nachts um
zwei häuger, sagt man. Aber normale Men-
schen wie ich schlafen um die Zeit. Aller-
dings soll es entrüstete Nachbarn geben, die
just um diese Zeit mit ihrem Fieine Runde
drehen mussten, genau durchs Wäldli. Da-
mit sie sich danach darüber empören konn-
ten, was sie dort mitansehen mussten.
Nach der Logik der Stadtverwaltung
darf Sex im Freien vor allem an einem Ort
nicht existieren: in den Köpfen der Ord-
nungshüterinnen und aller Ordnung lie-
bender Menschen. Es geht nicht darum, ob
jemand im Gebüsch pimpert. Es geht dar-
um, sich sicher zu sein, dass ers nicht kann.
Deshalb entfernt man das Gebüsch.
Aber auch das ist nicht so schlimm,
schliesslich geben sich auch die Zwetschgen
heutzutage freiwillig der Prüderie hin. Sie
sitzen auf ihren Tüechli und spielen das neu-
este Sommergame: Man schaut auf Grindr,
wer alles in der he ist und bespricht die
Typen dann mit der besten Freundin neben-
an. Dazwischen konversiert man zu den
Lieblingsthemen, die da sind: Welche Diät
mache ich als nächstes, wer hat neuerdings
ein Sixpack und wieso iegt Marcel jedes
Wochenende nach Berlin? Haben die wirk-
lich die geileren Fäuste dort oben?
Zum Glück gibts wenigstens den Bier-
mann, der extra aus dem Aargau anreist
und gekühlte Dosen zu äusserst konsumen-
tenfreundlichen Preisen verkauft. Es wird
wohl nicht lange dauern, und die Polizei hat
auch ihn im Visier. Denn Bier verkaufen ist
bestimmt verboten. Darauf verwette ich
mein nicht vorhandenes Höschen.
«Zürich hat’s geschafft, etwas
zu erlauben, was nicht verboten
war und etwas zu verbieten,
was erlaubt ist
«Jetzt sieht der Wald aus wie
getrimmtes Schamhaar.»
8
CR U I S E R SOMMER 2018
MAMMA MIA!
ALLES ÜBER DAS ERFOLGSMUSICAL
ABBA Musical
Mamma Mia auf
Schweizerdeutsch
Diesen Sommer präsentieren die Thunerseespiele mit Mamma Mia! erstmals
ein weltberühmtes Musical in schweizerdeutscher Sprache. Wir haben uns mit
Dominik Flaschka und Gigi Moto über den ABBA-Knaller unterhalten.
Mamma Mia! auf Schweizerdeutsch wartet mit einem tollen Cast auf: Gigi Moto, Monica Quinter und Patricia Hodell.
IN T E R V I E W: H AY M O EMPL
D
onna und Sophie sind Auswande-
rinnen woher sie ursprünglich
stammen, das bestimmt das Land
der jeweiligen Auührung. So würzt das
Kreativ-Team der unerseespiele das
ABBA-Musical mit einer Portion Swissness
und verleiht dem modernen Alltags-Mär-
chen ein neues Gewand. r die Umset-
zung des dritten Dialekt-Musicals nach
«Gotthelf» und «Dällebach Kari» setzen die
uner Musicalmacher auf ein erfolgrei-
ches Duo: Dominik Flaschka und Roman
Riklin. Sie waren bereits für die Schweizer
Musicals «Ewigi Liebi», «Mein Name ist Eu-
gen» und «Ost Side Story» mitverantwort-
lich und übertragen nun Mamma Mia! ins
Schweizerdeutsche.
Foto Dominik Flaschka: Raphael Hadad
9
MAMMA MIA!
ALLES ÜBER DAS ERFOLGSMUSICAL
Dominik, «Mamma Mia!» ist ein klassisches
Jukebox-Musical und wirklich überraschen
kann man mit dieser Produktion niemanden
mehr. Für dich auch nicht mehr eine wirkliche
Herausforderung, oder?
Ich bin überzeugt, dass wir die Zuschauer
mit unserer Fassung für un überraschen
können. Immerhin bringen wir das Stück
erstmals auf Schweizerdeutsch. Das wird
ein riesiger Spass, der ans Herz geht. Der
trockene Humor unseres Dialekts eignet
sich wunderbar für eine Musical-Komödie
wie Mamma Mia!
Die riesige Seebühne ist ebenfalls eine
Neuheit für dieses Musical. Eine tolle Kulis-
se, die perfekt zum Inhalt des Musicals passt.
Wie bist du auf dieses Projekt gekommen,
wessen Idee war das?
Ich kenne die Verantwortlichen der uner-
seespiele seit vielen Jahren. Wir waren
schon seit längerer Zeit im Gespräch für
eine mögliche Zusammenarbeit. Seit «West
Side Storhabe ich alle Produktionen der
unerseespiele gesehen. Als mich der aus-
führende Produzent Markus Dinhobl im
rz 2017 anfragte, die Regie für Mamma
Mia! in un zu übernehmen, wusste ich
noch nichts vom Plan «Mamma Mia! auf
Schweizerdeutsch». Nach weiteren Gesprä-
chen sagte ich gemeinsam mit Roman Riklin
auch die Übersetzungsarbeiten zu.
Zur Übersetzung: Diese dürfte nicht einfach
gewesen sein und wir hoffen sehr, dass das
Stück frei von Germanismen ist…
Wir sind für die schweizerdeutsche Fassung
von Mamma Mia! ganz ins Berndeutsche
eingetaucht. Alle Songs sind auf Bern-
deutsch, unsere drei Hauptcharaktere
Donna, Tanja und Rosi und natürlich auch
Donnas Tochter Sophie stammen aus dem
Bernbiet. Nur die potenziellen Väter von
Sophie sind keine Berner. Bei der Adaption
vom Schweizerdeutschen in den Berner
Dialekt hat uns Ben Vatter ein absoluter
Berndeutsch-Experte tatkftig unter-
stützt. Dabei haben wir die berühmten
Hooklines wie «Dancing Queen» oder «Mo-
ney, Money, Money» – wie vom Verlag vorge-
geben natürlich behalten. Diese Erken-
nungsmerkmale der ABBA-Songs ergänzen
sich wunderbar mit den schweizerdeut-
schen Texten.
Einfach so als kleiner Sneak peek: «The
Winner Takes It All» wurde in der hochdeut-
schen Version mit «Der Sieger hat die Wahl»
übersetzt und Marianne Rosenberg trällerte
«Nur Sieger steh’n im Licht». Wie ist dein
schweizerdeutscher Song-Titel?
«e Winner takes it all» ist ein wunderbares
Beispiel. Ich nde, dass es Roman Riklin und
Ben Vatter gelungen ist, mit der Überset-
zung in «Der Gwinner isch der Star» ein
Foto Dominik Flaschka: Raphael Hadad
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10
CR U I S E R SOMMER 2018
adäquates Pendant zum englischen Ori-
ginal zu entwickeln. Natürlich ist es nicht
immer einfach, geeignete Reime zu nden.
Vor allem, wenn die Vorgabe des Verlags
lautet, den Inhalt eins zu eins und nicht ein-
fach sinngemäss ins Schweizerdeutsche zu
übertragen. Da hatten Roman und Ben ei-
nen wirklich kniigen Job mit den Songs,
den sie meiner Ansicht nach bravous
gemeistert haben!
Du hast dich bestimmt intensiv mit den Kom-
positionen – vor allem auch mit den Texten –
von Björn Ulvaeus sowie Benny Andersson
auseinander setzten müssen / rfen: Wie
wirken diese auf dich?
Mit den Kompositionen der Lieder haben
sich natürlich in erster Linie Roman Riklin –
der alle Lieder übersetzt hat und Iwan
Wassilevski der musikalische Leiter der
unerseespiele auseinandergesetzt. Na-
türlich habe auch ich mich intensiv damit
beschäftigt, wenn auch vor allem zur Vorbe-
reitung der Inszenierung. Speziell im Musi-
cal Mamma Mia! ist die Platzierung der
Lieder sehr clever. Die Lieder halten die
Handlung nicht auf, sondern treiben diese
weiter. Das macht Mamma Mia! meiner
Ansicht nach zu einem der besten Compi -
la tion-Musicals, das derzeit auf dem inter-
nationalen Markt ist. Und es ist sicher auch
Teil seines Erfolgs. Zudem sind die von
Benny Andersson und Björn Ulvaeus kom-
ponierten ABBA-Songs absolut zeitlos. Ich
liebe die Melodien sie erinnern mich an
meine Jugend.
Eine Open-Air-Bühne ist nicht der Hechtplatz:
Wie gehst du mit diesem Umstand um und
was ist besonders spannend an einer Open-
Air-Inszenierung?
Nachdem ich bisher rund 65 Indoor-Pro-
duktionen verantworten durfte, ist Mamma
Mia! in un meine erste Freiluftinszenie-
rung. Ich freue mich sehr auf diese Heraus-
forderung. Ich habe ein tolles Team und ei-
nen sensationellen Cast an der Seite. Die
Proben sind gut gestartet und wir freuen uns
sehr, das Stück ab Mitte Juni auf der See-
hne zu adaptieren und ihm den letzten
Schli vor der Premiere am 11. Juli zu geben.
Gigi Moto als Rosi
Das unschlagbare Trio aus «Donna und die
Dynamos», das in jungen Jahren die Party-
welt unsicher machte, kommt auf der grie-
chischen Insel nach vielen Jahren wieder
zusammen, um Sophies Hochzeit zu feiern.
In der uner Inszenierung wird die feurige
Tanja von der Bernerin Patricia Hodell
verkörpert. Sie stand in un bereits 2011
als Frau Jenny in «Dällebach Kar auf der
hne und begeisterte das Publikum 2010
als Amnnin in «Gotthelf».
Ihr Openair-Debüt in un gibt Gigi
Moto als Rosi, die reife Geniesserin der
«Dynamos». Die Zürcherin mit der souligen
Stimme ist schweizweit als ngerin be-
kannt. In un feiert das Musical mit den
ABBA-Hits ausserdem seine Open Air-Welt-
premiere.
Gigi, du spielst die Rolle der Rosi Mulligan.
Die Figurenzeichnung ist weder im Film noch
im Original-Musical besonders stark. Wie
hast du Rosi Leben eingehaucht?
Die Rosi ist zwar eine Nebenrolle, sie ist
aber meiner Meinung nach in allen Versio-
nen eine starke Persönlichkeit und sehr
lebendig das kommt auch im Schweizer-
deutschen gut zur Geltung. Sie ist quirlig,
bodensndig, hat einen trockeneren Hu-
mor und keinen sehr guten Geschmack,
was Kleider angeht. Im Zusammenspiel mit
ihren Freundinnen trägt sie einen witzigen
Teil in die Runde. In unserer Inszenierung
sind alle Rollen wichtig und das Zusam-
menspiel massgebend. Gewisse Nebenrollen
braucht es, damit die Hauptrollen die Mög-
lichkeit haben, sich voll in Szene zu setzen.
Du bist vor allem Musikerin – musst aber
auch schauspielernnnen. Was fällt dir bei
«Mamma Mia!» schwerer? Und weshalb?
Den Gegensatz, den meine beiden Welten
als Musikerin und Schauspielerin mit sich
bringen, nde ich besonders interessant.
Wenn ich als Musikerin auf der hne ste-
he, bin ich ganz ich selbst. Im eater darf
ich jemanden verkörpern, der unter Um-
ständen ganz anders ist als ich. Das ist ein
spannender Prozess. Dabei gebe ich mich
total in die nde des Regisseurs. Ich mag
es, eine Rolle im Team zu erarbeiten. Aber
es ist natürlich auch immer mit viel Nervo-
sität verbunden: Wie kommt meine Inter-
pretation einer so berühmten Rolle wie die
von Rosi beim Publikum an? Diese Frage
kann erst nach der Premiere beantwortet
werden. Das muss man in der Probenarbeit
aushalten können.
Du hast dich bei den Proben intensiv mit den
Kompositionen von Brn Ulvaeus sowie
Benny Andersson auseinander setzten müssen /
rfen: Was ist dein musikalisches Fazit?
Ich bin mit den Songs von ABBA aufgewach-
sen. Als Teenager habe ich die Lieder mitge-
tllert, später fand ich die Band eher etwas
stier. Heute weiss ich durch die intensive
Auseinandersetzung meines Mannes mit
den ABBA-Songs und viele Diskussionen
darüber, dass Björn Ulvaeus und Benny
Andersson sehr schlau getextet, die Songs
clever komponiert und phonetisch wirklich
sensationell ausgearbeitet haben. Sie blieben
dran bis zum Schluss und haben nie einen
Song einfach so in die Tonne getreten, nur
weil sie grad nicht auf einen grünen Zweig
kamen. Das ist wirklich bemerkenswert.
Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?
Die grösste Herausforderung ist das Bern-
deutschlernen. Wir spielen das Stück ja auf
Schweizerdeutsch. Donna, Tanja und Rosi
kommen aus dem Bernbiet und auch alle
Lieder sind auf Berndeutsch. Das ist für eine
rcherin nicht ganz leicht (grinst). Wenn
das «e» zum «ä» wird, muss man ganz genau
überlegen, wie man das Wort ausspricht. Bei
den Liedern geht das schon ganz gut. Rich-
tig schwierig sind für mich die Sprechtexte.
Zum Glück werden wir von unserem Bern-
deutsch-Coach Ben Vatter unterstützt.
Wie erklärst du dir den weltweiten Erfolg von
Mamma Mia?
Ich denke, dass die ABBA-Songs ein wichti-
ger Teil des Erfolgs sind. Mamma Mia! ist
ausserdem eines der besten Compilation-
Musicals, die es gibt. Die starken Frauen,
die im Mittelpunkt stehen, sind glaubwür-
dig und tolle Identikationsguren. Der
Witz des Musicals und das Tempo tragen
sicherlich ebenfalls zum Erfolg bei.
MAMMA MIA! auf der Seebühne in Thun
11. Juli bis 30. August
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«Das wird ein riesiger Spass,
der ans Herz geht. Der trockene
Humor unseres Dialekts eignet
sich wunderbar für eine Musical-
Komödie wie Mamma Mia!»
MAMMA MIA!
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SAUNA
Z U R I C H S W I T Z E R L A N D
S T . G A L L E N S W I T Z E R L A N D
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CR U I S E R SOMMER 2018
KOLUMNE
ANDREAS LEHNER
VON A NDR EA S L E H N E R
D
ie grosse Um_ordnung war eine Per-
formance auf dem Helvetiaplatz in
rich. Unter anderem spielten die
Anwesenden ein Spiel: Die Privilegienpyra-
mide. Alle stehen um ein Dreieck. Es wer-
den Fragen zu Gender, Einkommen, Haut-
farbe, sexueller Orientierung etc. gestellt.
Bei einem «Ja» musste man einen Schritt
nach vorne gehen. Das Ganze wurde von ei-
nem benachbarten Dach gelmt. Spannend
irgendwie. r mich hatte dieses Spiel zwei
Probleme: Erstens trug ich ein rotes Tischi,
welches auf der Übertragung aus der Menge
leuchtete. Und zweitens wäre ich fast aus
dem Dreieck wieder hinausgelaufen vor
lauter Privilegien. Zum Glück bin ich schwul
und werde nichts erben. Diese Tatsache hat
mich gerettet. Wenigstens zweimal nicht
«Ja» sagen müssen.
Soweit so gut. Aber was heissen all die-
se Privilegien für mein Leben? So ganz aus-
serhalb der laufenden Debatten? Ich kann’s
euch sagen: Genau gar nichts. Suizidversuch
mit 19, Panikattacken mit 40 und so weiter
und so fort. Oder re der Verlauf meines
bisherigen Lebens einfach schlimmer gewe-
sen als Weniger-Privilegierter? Oder wirbelt
einem die Zugehörigkeit zu einer Minder-
heit per se das Leben durcheinander?
Die Diskussion um Privilegien ist
wichtig. Und richtig. Und dass ein Privile-
gien-Aufbau auf der einen Seite einen Ab-
bau auf der anderen Seite bedingt, versteht
sich von selbst. Es liegt noch viel Arbeit vor
uns. Der Kampf ist noch nicht gewonnen.
Und so langsam lerne ich, dass «solidarisch
Fernbleiben» vielleicht dazu gehören muss.
Privilegien gibt’s nicht nur im Ge-
schlechterkampf. Nein. Es gibt auch den Pri-
vilegiengraben zwischen Mitteleuropa und
Afrika. Zwischen Amerika und Osteuropa.
Auch hier gibt es noch viel zu tun. Und zwar
nicht auf die bekannte koloniale Art. Auch
hier muss ich lernen, dass «solidarisches
Fernbleiben» manchmal mehr helfen könn-
te als gutgemeinte Unterstützung der Weis-
Privilegien, Angst
und Sommerapéros
Unser Kolumnist macht sich Gedanken über den Umgang mit eigenen Privilegien
und wie sie sich im Leben eines schwulen Mannes zeigt. Ein Aufruf zu mehr
Sommerapéros.
sen für die Mitglieder aller weniger privile-
gierten Ethnien, die längerfristig das Leid
nur vergssert. Denn so haben die «Ge-
schenke» des europäischen Kapitalismus
zum Beispiel afrikanische Märkte zerstört.
Genauso wie Afrika selber stark ist
und sich selber helfen kann, so sind auch
Frauen* genügend stark, um für ihre Rechte
zu kämpfen. Und trotzdem muss ich bereit
sein, wenn es darum geht, mit anzupacken.
Ich freue mich auf viele Sommerapé-
ros. Um mit den Menschen* um mich herum
genau über solche emen zu reden. Dies
ohne zu streiten. Dafür mit viel Zuhören.
Und auch mit einmal Nachgeben. Damit wir
dann nach dem Kampf wieder zusam-
men an der Idee einer Gesellschaft weiter-
arbeiten können. Zusammen. Dann viel-
leicht solidarisch miteinander. Ich wünsche
einen guten Sommer!
Die Diskussion um Privilegien
ist wichtig. Und richtig. Und
dass ein Privile gien-Aufbau auf
der einen Seite einen Abbau auf
der anderen Seite bedingt, ver-
steht sich von selbst.
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CR U I S E R SOMMER 2018
KULTUR
BUCHTIPP
BUCHTIPP
Steven Amsterdam: Einfach gehen.
Unionsverlag Zürich 2018.
Preis CHF 33.90
ISBN 9783293005273
Ein junger Mann zwischen Leben, Liebe und Tod. Kann er seiner unheilbar
kranken Mutter ihren letzten Wunsch erfüllen?
VON B I R G I T K AW OHL
D
er erwachsene Evan sorgt sich rüh-
rend um seine Mutter Viv, eine ehe-
malige Lehrerin, die an Morbus Par-
kinson erkrankt ist. Vivs behandelnder Arzt
hat eine neue Behandlungsmethode aus-
probiert, die zu einer Besserung ihres Zu-
standes führen soll. Nachdem sich zunächst
nichts tut, verbessert sich ihr Zustand dann
plötzlich so, dass sie das Pegeheim verlas-
sen und wieder auf eigenen ssen stehen
kann. Doch dann kommt es zu einem Rück-
schlag und schliesslich sogar zu einem
Hirnschlag, der sie endgültig aus der Selbst-
ständigkeit herauskatapultiert. Evan steht
vor der Frage, ob er den Wunsch seiner Mut-
ter erfüllen soll, die immer gesagt hat, bevor
sie noch einmal in ein Pegeheim gehe,
möchte sie lieber sterben.
Dabei hilft es Evan, der ausgebildeter
Krankenpeger ist, dass er bereits auf einer
Station für begleitetes Sterben von un-
heilbar Kranken sowie bei einem privaten
Sterbedienst gearbeitet hat. Trotzdem ist es
natürlich etwas ganz anderes, jemand
Fremdem auf seinem letzten Weg zu assi s-
tieren oder aber der eigenen Mutter den
Becher mit dem Gift zu reichen.
Kompliziertes Privatleben
Privat ist Evans Leben nicht weniger kom-
pliziert. Er führt eine Dreierbeziehung mit
Simon und Lon, wobei diese beiden ein fes-
tes Paar sind, das auch zusammenwohnt.
Evan ist dort zwar ein gerngesehener Gast
sowie ein sehr willkommener Sexpartner,
doch ihm selbst fehlt das Selbstversndnis,
sich zu den beiden völlig zugehörig zu füh-
len. Sowieso kann er, und das liegt an seiner
Erziehung durch die ebenfalls keine Hilfe
annehmen könnende Viv, seine Probleme
weder bei Simon und Lon noch bei jemand
anderem wirklich abladen. Wenn er es
einmal tut, erlt er Unterstützung, aber
irgendwie macht ihn das nicht sicherer in
seinem Umgang mit seinen Mitmenschen.
Interessant ist, dass hier, wie man es
sonst wohl bisher nirgendwo so sachlich
und objektiv gelesen hat, eine Dreierbezie-
hung für alle Beteiligten zu funktionieren
scheint. Evan hat jemanden, mit dem er Sex
haben kann, ohne viel Risiko eingehen zu
müssen. Zugleich hat er aber auch die Si-
cherheit, dass, wenn er einmal keine Lust
hat oder einfach nach dem Sex abhaut, die
beiden ja noch einander haben, er also nie-
manden alleine lässt. Die allgemein verbrei-
tete Ansicht, dass bei Dreierbeziehung im-
mer alle Beteiligten leiden müssen, wird hier
absolut auf den Kopf gestellt. Dies mag mit
Sicherheit auch daran liegen, dass die drei
nner ihre Beziehung vollkommen oen
und liebevoll ausleben. Hieran könnten sich
viele egal ob in einer Zweier- oder Dreier-
beziehung lebend – ein Beispiel nehmen.
Zwei Handlungsstränge bestens
verknüpft
Dem Roman gelingt es, beide Handlungs-
stränge mit Leben zu füllen und so ist man
als Leser, ähnlich wie der Protagonist, im-
mer wieder hin- und hergerissen zwischen
der lebensentscheidenden Frage «Wann ist
der richtige Zeitpunkt zu gehen?» und dem
einfachen menschlichen Bedürfnis nach
Zuneigung, Verständnis, Unterstützung
und – ja, natürlich auch nach Sex. Der Be-
reich des frei gehlten Zeitpunkts für den
eigenen Tod, der bei der heutigen Entwick-
lung der demograschen Verhältnisse und
dem an und für sich steigenden Wunsch
nach Eigenentscheidung für alle Teile des
Lebens vor allem im Bereich der Kranken-
und Pegedienste, aber ngst nicht nur
dort, von gsster Wichtigkeit ist, wird an
verschiedenen Episoden deutlich gemacht.
Dabei werden diese Beispiele jedoch nicht
in einer additiven Weise aneinandergereiht,
dem Autor gelingt vielmehr eine geschickte
Einbettung in den Gesamtkontext, sodass
nie Langeweile aufkommt, sondern eher
immer wieder eine neue Welle von Mit-
gefühl in Bezug auf die unterschiedlichen
Lebensschicksale hochschwappt.
Und so sst der Roman seine Leser
letztendlich mit der schicksalsschweren
Frage zurück: Wie chte ich sterben? Was
wünsche ich mir für meine Liebsten und
was sich diese von mir? Ganz nebenbei regt
er noch ein Nachdenken über die Akzep-
tanz von Hilfe und Liebe an. Und das ist weit
mehr, als viele Romane aus diesem Jahr ge-
schat haben.
Interessant ist, dass hier, wie
man es sonst wohl bisher nir-
gendwo so sachlich und objek-
tiv gelesen hat, eine Dreierbe-
ziehung für alle Beteiligten zu
funktionieren scheint.
Einfach ist es nie
zu gehen
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CR U I S E R SOMMER 2018
RICHTIG GENDERN
EIN LEITFADEN
Was darf ich überhaupt noch sagen?
Ein Lehrgang in
sechs Lektionen
Warum man «behindert» und «schwul» nicht als Schimpfwörter benutzen soll,
ist den meisten von uns klar. Aber was ist sprachlich eigentlich ok – und warum?
Und wer entscheidet das?
Wie redet man wen an und wie wird ein Text so formuliert, dass dieser verständlich bleibt? Keine einfache Aufgabe, oder?
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CR U I S E R SOMMER 2018
Wie Menschen genannt werden, sollten diese selbst entscheiden können. Diese Wahlfreiheit sollte sich
auch in der Sprache niederschlagen.
VON H ANNES RUDOLPH
Lektion 1:
Die Perspektive ist entscheidend
«Aber die Leute meinen doch gar nicht
Schwule, wenn sie ihre Klassenarbeit
schwul nden!» Ich sitze mit überwiegend
cis hetero Menschen am Tisch. Ja, natürlich.
Schwul ist – so verwendet einfach ein Syno
-
nym für «uncool» und «nervig». Aber DAS
ist eben ein Problem. Ich grinse und sage:
«Meine Nachbarin hämmert den ganzen
Tag, das ist sooo hetero! Und gestern wollten
wir wandern, und es hat nur geregnet – voll
hetero.» Plötzlich merken die Kolleg*innen,
dass ihr Hetero-Sein dadurch doch irgend-
wie schlechtgemacht wird.
Dinge, die dich selbst nicht betreffen, wirken
oft weniger schwerwiegend als Dinge, die dich
betreffen. Darum vorsichtig mit Aussagen wie:
«Da seid ihr doch zu empfindlich!»
Lektion 2:
Wer darf entscheiden, wie Leute
genannt werden?
Neulich in einer Kommentarspalte es ging
um Kinder mit Trisomie 21 und irgendein
omas wetterte: «Wieso darf ich nicht mon-
goloid sagen?» Gegenfrage: Wieso willst du
es denn sagen? Wenn Leute, die einer Min-
derheit angehören, auf eine sprachliche For-
mulierung bestehen, dann hat das in der
Regel einen Grund. Du musst ihn nicht ein-
mal wissen. Leute, die es betrit, haben
meist mehr Ahnung von dem ema und
sie spüren die Auswirkungen des Sprach-
gebrauchs, den sie kritisieren am eigenen
Leibe. Auch wenn du bei «Mohrenkopf»
nicht an schwarze Menschen denkst: Men-
schen, denen das auf dem Schulhof nach-
gerufen wurde, denken anders darüber.
Und ebenfalls wichtig: Du hast kei-
nen Anspruch darauf, dass sie es dir erklä-
ren. Niemand hat Anspruch darauf, dass
eine andere Person ohne Gegenleistung
ihre Zeit investiert, um einem etwas zu er-
klären, was man sich auch selbst anlesen
könnte. Dazu kommt, dass Angehörige von
Minderheiten sehr oft in die Rolle gedngt
werden, sich und «ihr ema» zu erklären.
Das ist anstrengend und ungerecht.
Menschen so zu nennen, wie sie das
möchten, ist eine simple Frage von Respekt.
Jede*r, der*die mal einen unschmeichelhaf-
ten Spitznamen verpasst bekommen hat,
weiss, wie es nervt und wehtut, wenn Leute
ignorieren, wie du genannt werden willst.
Wenn die genaue Wortwahl keinen Unter-
schied macht, wieso darf ich zu dir nicht
Stefan sagen, wenn du Markus heisst? r
mich ist das genau das Gleiche.
Wie Leute genannt werden, entscheiden die
Leute, die es betrifft.
Lektion 3:
Sichtbarkeit von Geschlechtern
Lehrerinnen und Lehrer, LehrerInnen,
Lehrer*innen – können sich nicht mit «Leh-
rer» alle gemeint fühlen, die den Lehrberuf
ausüben? Nein. Warum, das zeigt die For-
schung: Wenn Kinder «Wissenschaftler»
zeichnen sollen, malen sie Männer mit weis
-
sen Haaren. Wenn sie «Wissenschaftlerin-
nen oder Wissenschaftler» zeichnen sollen,
werden auch Frauen gezeichnet. In einer
Welt, in der in der Öentlichkeit viel mehr
nner vorkommen, in Zeitungen, im
Fernsehen, in Romanen, in einer Welt, in
der nur in etwa jedem achten Kinderbuch
die Heldin ein Mädchen ist, ist es wichtig,
nicht nur nner sprachlich abzubilden.
Jedes Mal, wenn ich (ohne zu wissen, wer
mein Flugzeug iegt) sage: «Der Pilot
kommt sicher gleich.», verstärke ich das Bild
eines nnlichen Piloten. Wie stark das ist,
wird klar, wenn ich sage: «Die Pilotin kommt
sicher gleich Irgendwer wird mich sofort
darauf hinweisen, dass es keine Frau sein
muss. Und mit Sternchen oder Unterstrich
gendern bedeutet, auch Leute anzuspre-
chen, die weder Mann noch Frau sind.
Wenn alle Geschlechter angesprochen werden
sollen, gibt es drei gute Optionen: Neutrale
Formen (Publikum, Gäste, Leute, Personen,
Menschen etc.), Genderstern (Astronaut*innen,
Helfer*in, Ärzt*in) oder Gender-Gap (Maler_in,
Betroffene_r, Schüler_in).
Lektion 4:
Sichtbarkeit von LGBTIQA
und anderen
«Das mit den Buchstaben nimmt ja kein
Ende! LGBTIQA… Warum ssen Men-
schen ständig neue Gruppen ernden?»
Aus Sicht von (cis) Schwulen und Les-
ben mag das etwas anstrengend sein. Für
bisexuelle und trans Menschen, für Leute
die asexuell oder aromantisch sind und für
andere queere Leute ist Sichtbarkeit aber
wichtig. Wenn Leute dir nicht glauben, dass
das, was du bist, überhaupt existiert, dann
ist es existenziell, dass du vorkommst in
den Medien, in politischen Forderungen
usw. Zum Beispiel ist aus dem IDAHO
(International Day Against Homophobia)
erst der IDAHOT (plus trans), dann der
IDAHOBIT (mit inter und bi) geworden und
irgendwo im Netz habe ich auch schon mal
eine Schreibweise mit «A» entdeckt. Es ist
hsam aber wichtig. Falls du schwul
oder lesbisch bist, kannst du es vielleicht
Menschen so zu nennen,
wie sie das möchten, ist eine
simple Frage von Respekt.
RICHTIG GENDERN
EIN LEITFADEN
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CR U I S E R SOMMER 2018
RICHTIG GENDERN
EIN LEITFADEN
nachvollziehen, wenn du dich an den ersten
Film mit einem gleichgeschlechtlichen
Kuss erinnerst, den du je zu sehen gekriegt
hast: Wow, das sind Leute, die auch gleich-
geschlechtlich lieben!
«Mitgemeint» sein funktioniert nicht. Gruppen,
die weniger sichtbar sind, müssen genannt
werden, um nicht vergessen zu werden.
Lektion 5:
Sprache prägt Weltbilder
«Ach, du warst früher mal eine Frau?». Äh,
nein. Ich habe früher als Frau gelebt, weil
bei meiner Geburt alle dachten, ich sei ein
Mädchen.
Spitzndig? Nein. Oft sind sprachliche
Feinheiten in ihrer Auswirkung von grosser
Bedeutung. Wenn ich sage, ein trans Mann
war mal eine Frau, dann setze ich Ge-
schlecht gleich mit der biologistischen Zu-
ordnung und der damals gelebten Rolle.
Wenn ich hingegen sage, er wurde für eine
Frau gehalten, akzeptiere ich, dass nicht die
Zuordnung bei der Geburt entscheidet, was
für ein Geschlecht eine Person hat. Da viel
zu wenige Leute wissen, dass Identität (also
das Wissen darüber, wer ich bin) das Ge-
schlecht bestimmt und nicht die Zuord-
nung, die bei der Geburt anhand der sicht-
baren Geschlechtsteile gemacht wird, ist
dieser sprachliche Unterschied sehr wichtig.
Anderes Beispiel: Wenn ich Witze darü-
ber mache, dass in der Herren-Fussball-Nati
viele Urschweizer sind, dann sage ich damit:
Ein Fernandez und ein Shaqiri sind irgend-
wie keine richtigen Schweizer. Will ich das?
Und wenn ich meinen Kollegen, der sich
nicht vom 3-Meter-Brett traut, als Mädchen
necke, sage ich, dass Mädchen feige oder
sonst minderwertig sind. Will ich das? Aus
dem Grund benutze ich auch Homo- oder
Transphobie nicht mehr: Menschen, die Pho-
bien haben, können nichts für ihre Angststö-
rung (und sind dafür auch nicht zu kritisie-
ren). Wer queeren Menschen feindlich und
ablehnend begegnet, aber schon. Darum
treender: Homo-, Bi-, Transfeindlichkeit.
Sprache festigt Weltbilder und Sichtweisen,
die bestimmten Leuten Schaden verursachen.
Es lohnt sich also, Sprachgebrauch zu hinter-
fragen und bei Kritik zuzuhören.
Lektion 6:
Kritik, Abwehr und
Fehlerfreundlichkeit
«Das ist ja alles gut und recht – aber wer soll
sich das merken? Und überhaupt, lasse ich
mir nicht gern Sachen vorschreiben. Spra-
che ist nun mal, wie sie ist und lässt sich
nicht auf Befehl vendern. Und man kann
es ja eh niemandem mehr recht machen
Sei ganz beruhigt. Im Moment ben-
dest du dich in einer komfortablen Mehr-
heit, wenn du all diese Dinge nicht beach-
test. Das Ignorieren von Dingen, die sich
Minderheiten schon lange wünschen, ist
noch immer mehrheitsfähig. Wie könnte es
sonst sein, dass Begrie wie Indianer und
Eskimo immer noch überall auftauchen?
Wenn ich dich bitte, deinen Sprachgebrauch
zu überdenken, dann bin ich nicht der Staat.
Ich kann folglich auch keine Zensur aus-
üben. Das Sprachveränderungsargument
lasse ich auch nicht gelten. So schnell wie
Kopftuchmädchen und Flüchtlingswelle im
Sprachgebrauch gelandet sind, so leicht
lassen sich auch andere Wörter etablieren.
Indem Menschen sie benutzen.
Na klar: Niemand wird gern kritisiert
und niemand sagt gern etwas, mit der Angst,
dass der Ausdruck vielleicht unabsichtlich
verletzend ist. Es ist aber so: Kein Mensch
weiss alles. Alle machen ab und zu Äusserun-
gen (auch Witze), die verletzend sein können,
die Menschen unsichtbar machen oder die
unbeabsichtigt bestimmte schädliche Struk-
turen bestätigen und stärken. Das ist nicht zu
ändern. Kritik bedeutet aber nicht, dass du
als Person nicht in Ordnung bist. Fehler sind
erlaubt. Cool wäre aber, auf Kritik nicht mit
Abwehr zu reagieren sondern zu versuchen,
bestimmte Dinge zu verstehen und zu ver-
ändern. Der Versuch zählt. Und bei Sprache
ist vieles Gewohnheit. Also probiere es ein-
fach. Und habe Mut zu scheitern.
Alle machen Fehler. Das ist nicht schlimm.
Schlimm ist nur, auf Kritik pampig zu reagieren.
Zuhören, danke sagen und sich korrigieren –
und alles wird gut, versprochen.
In einer Welt, in der in der
Öffent lichkeit viel mehr Männer
vorkommen, in der nur in etwa
jedem achten Kinderbuch die
Heldin ein dchen ist, ist es
wichtig, nicht nur Männer
sprachlich abzubilden.
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CR U I S E R SOMMER 2018
LIFESTYLE
BRUSTHAARE
Auf 2,5 Zentimeter bringt es ein Brusthaar im Schnitt. Davon dürften diesen
Sommer deutlich mehr zu sehen sein denn Brustbehaarung liegt im Trend.
Cruiser hat für den nachfolgenden Bericht eine ganze Armada an Experten
aufgetan aber lest selbst.
VON M ARC O K REF T I N G
D
ie Männerbrust wird wieder mehr zu
einer haarigen Angelegenheit. Die
Zeiten metrosexueller Glätte à la
David Beckham sind vorbei. «Aktuell bewe-
gen wir uns in eine neue Hippie-Ära. Der
perfekt glatte überstylte Prototyp der
1990er-Jahre trit endgültig nicht mehr den
Modegeschmack», sagt Constantin Herr-
mann, Beauty-Director des Stil-Magazins
«GQ Gentleman's Quarterly». «In den kom-
menden Jahren werden viele ästhetische
Elemente der späten 60er- und frühen 70er-
Jahre wiederkehren Heisst: Es wird auch
wieder mehr Körperhaar kommen. «In Wer-
bung, Filmen und – wenn man das Glück
eines regelssigen Haarwuchses hat
auch auf der eigenen Brust.»
Wildwuchs wie einst bei Tom Selleck,
welcher optisch an ein plattgelegenes Meer-
schweinchen erinnerte, ist aber auch nicht
angesagt. Auch die Hersteller von Rasierern
und Zubehör stellen einen «Trend zur In-
dividualität» fest, wie es bei Braun und Gil-
lette heisst. «Der eine mag das Brusthaar
eher getrimmt, während der andere eine
glatte Brust bevorzugt.» Das ema Körper-
rasur sei zu einer Frage des Lifestyles ge-
worden und mittlerweile ein fester Bestand-
teil der (nnlichen) Pege-Routine. Wobei
die Firmen naturgemäss jene Kunden im
Visier haben, die lieber einmal mehr zum
Rasierer greifen.
Laut einer repräsentativen Studie der
Uni Leipzig (wir vom Cruiser wundern uns
manchmal doch, was an Unis so alles er-
forscht wird) entfernten 2016 zwölf Prozent
der nner Haare am Oberkörper. Vor allem
in der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen war
diese Art der Körperpege beliebt, dort war
es mehr als ein Viertel (27,7 Prozent) der be-
fragten Personen, die zum Rasierer grien.
Gillette verweist auf eine eigene Stu-
die, wonach 56 Prozent der nner in der
D/A/CH Region ihren Körper enthaaren.
Viele machten das nicht nur aus ästheti-
schen Gründen, sondern auch aus hygieni-
schen: «Schweiss, Hautzellen und schlechte
Gerüche setzen sich im Körperhaar fest und
lassen die Frische schnell verschwinden
Da Seife nach der Haarentfernung doppelt
so lange halte wie auf unrasierter Haut,
bringe die Haarentfernung einen Frische-
vorteil von bis zu 24 Stunden.
Trend und Gegentrend
Wenn nun das Brusthaar wieder spriesst,
sieht die Psychologin Ada Borkenhagen der
Uni Leipzig darin eine Art Gegentrend: Auf
das recht androgyne Äussere mit nglings-
hafter Glattheit folgte zuerst der Bart, nun
das Brusthaar. «Das kommt aus der Schwu-
lenszene, wird aber inzwischen auch bei he-
terosexuellen Männern schick.» Tendenziell
folgten eher junge nner in Grossstädten
der Mode zum gestutzten Brusthaar. «Aber
auch auf Ältere, die jung erscheinen wollen,
hat der Trend übergegrien.»
Ein weiterer Grund: Heterosexuelle
Frauen hätten bei Tätowierungen aufgeholt,
sagt Borkenhagen. Brusthaar tauge da für
nner als Abgrenzungsmerkmal. Ein Re-
vival des Rückenhaars droht ihrer Einschät-
zung nach übrigens nicht: «Das erinnert zu
sehr an Aen», meint die Expertin. «Dann
ist die Grenze zwischen den Arten nicht
mehr gehrleistet.»
Nichtsdestotrotz gibt es beim ema
Brusthaar einiges zu beachten. Ein durch-
schnittliches Brusthaar werde ungefähr
2,5 Zentimeter lang, sagt «GQ»-Stilexperte
Herrmann. «Wer die Länge an sich mag,
braucht nicht zu trimmen Ansonsten
trage Mann Brusthaar länger als auf dem
Bauch, idealerweise rzer als zwei Zenti-
meter. Die Schultern bleiben in jeder Ver-
sion völlig haarfrei. Auch die Brustwarzen
sollten gerne freigehalten werden. «Zuge-
wuchert wirken sie unsexy.» Wer ein Vorbild
suche, werde bei Schauspielern fündig:
«Bradley Cooper trägt das aktuell vielleicht
schönste Brusthaar, gefolgt von Jason
Statham
Ausserdem mahnt Herrmann: «Oen
zur Schau getragene Brusthaare sind eben-
so wie eine völlig blankrasierte Brust immer
noch sexuelle Attribute Wir vom Cruiser
nden also: her damit!
Ein Hoch aufs
Brusthaar
Bei diesem Exemplar hier im Bild stimmt das
Gesamtkonzept, eigentlich völlig egal, ob mit
Brusthaar oder ohne.
18
CR U I S E R SOMMER 2018
KULTUR
BLUE BALLS 2018
Rufus Wainwright wird am diesjährigen Blue Balls Festival auftreten. Der Künstler
sorgt im angelsächsischen Raum seit Jahren für Furore, jetzt macht er einen
Zwischenstopp in Luzern.
VON D A P H N E H A FNER
W
ährend sich die Musikwelt immer
schneller dreht, die Events immer
grösser werden und ein Hype den
nächsten jagt, bleibt sich das Blue Balls Fes-
tival treu. Das heisst: Musik und Kunst mit
Seele - hrend neun Tagen rund um das
Luzerner Seebecken. Seit über 20 Jahren
präsentiert das Festival handverlesene
Talente und Entdeckungen über zwanzig
von ihnen spielen zum ersten Mal in der
Schweiz. So etwa Keir, das dieshrige Blue
Balls-Face oder Delgres und Black Pistol
Fire. Auch bei den bereits bekannten Acts ist
die künstlerische Qualität wichtiger als
kommerzieller Erfolg: Die Indie-Helden
Eels, Kritiker-Liebling Rufus Wainwright
oder der neue Blues Star Gary Clark Jr.
mögen alle weder die Charts anführen noch
die ganz grossen Hallen füllen dafür
haben sie mit ihren Konzerten noch kaum
einen Musikfan kaltgelassen.
Highlight für die LGBT*-Community
Rufus Wainwright ist für die LGBT*-Com-
munity ein Highlight, aber nicht nur. Denn
der Star wurde von der New York Times für
seine «genuine originality» in mehreren
Artikeln immer wieder gelobt und gehypt,
in den USA und Grossbritannien hat ich
Rufus Wainwright ngst als einer der ganz
grossen Singer / Songwriter seiner Genera-
tion etabliert.
Der in New York geborene, in Montreal
aufgewachsene Singer-Songwriter hat sie-
ben Studioalben, drei DVDs und drei Live-
Alben veröentlicht, darunter das fan
tas-
tische, für den Grammy nominierte
«Rufus
Does Judy» in der Carnegie Hall, das seine
gefeierte «Judy Garland-Tribute-Performan-
ce» im Londoner Palladium festhielt, und
das Album «Release e Stars», das in Kana-
da und Grossbritannien Gold erhielt.
Und einfach noch so fürs Herz und
den Kitschfaktor: Bei einem Konzert in der
Berliner Passionskirche lernte Wainwright
seinen heutigen Lebensgefährten, den
Berliner eaterproduzenten rn Weis-
brodt, kennen und im Februar 2011 kam
Wainwrights Tochter zur Welt; die Mutter
ist Lorca Cohen, die Tochter von Leonard
Cohen.
Musik- und Kulturspektakel mit Starbesetzung
und hohem Gay-Faktor
Rufus Wainwright: Ein Künstler, der auf vielen Bühnen zu Hause ist.
BLUE BALLS FESTIVAL
Das Blue Balls Festival ist mit mehr als 100 000
Besuchern eines der grössten Musik- und Kunst-
Festivals der Schweiz; qualitativ herausragend
und einmalig.
Das internationale Festival präsentiert an neun
Tagen über 100 Events: Blues-, Jazz-, Soul-,
Funk-, World-, Rock- und Pop-Konzerte, Foto-
grafie, Street-Art, Video, Film und Talks. Das
Ambiente rund um das Luzerner Seebecken mit
dem KKL Luzern, dem Pavillon Open-Air und
den Late Night Shows im Hotel Schweizerhof
machen es einzigartig.
Es findet vom 20. 28. Juli 2018 statt,
alle Infos und Tickets auf der Webseite:
www.blueballs.ch
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THE SUN
20
CR U I S E R SOMMER 2018
NEWS & KULTUR
NATIONAL & INTERNATIONAL
ABBA DAS COMEBACK. UND WARUM WIR ABBA DANKBAR SEIN KÖNNEN & SOLLTEN.
Wir wissen ja: Abba bereitet sich auf ein
Comeback vor. Die älteren Cruiser-Lesen-
den aus der LGBT*-Szene sind entsprechend
seit Monaten ganz aus dem Häuschen. Die
Schweden gehören zu den weltweit erfolg-
reichsten Musikern aller Zeiten und haben
mittlerweile auch einen festen Platz in der
Musikgeschichte inne. Irgendwie sind sie
vor allem in der LGBT*-Szene beliebt, ob-
schon sich ABBA nie sonderlich kämpferisch
diesbezüglich gab. In ihrem Heimatland
werden die Vier fast wie Nationalheilige
verehrt und auch der Begri Schweden-Pop
bildete sich erst in ihrem Windschatten.
Wie es begann: Am Abend des 6. April
vor 40 Jahren wurde im Brighton Dome ein
Lied aufgeführt, das unvermutet die Ge-
schichte der Popmusik venderte. Man
ahnte nicht, dass Historisches vor sich ging
als die vier Schweden, die in Euroglam-
Raumangen herumpften, auftraten.
Vielmehr schienen sie ein typisches ESC-
One-Hit-Wonder zu sein. Schon alleine der
für britische Ohren starke Akzent der Frauen
(«Napoleon deed surrend) war für viele
Kritiker ein absolutes No-Go. Tja. Es kam
anders: «Waterlo startete nicht nur die
Kar riere der die Beatles ausgenommen
erfolgreichsten Popgruppe der Welt, son-
dern auch die Popindustrie eines Landes.
Und die Nachfrage nach Abba lt heute
noch an. «Waterloo» bildete lediglich den
musikalischen Urknall ihres Erfolgs.
Allerdings war der Erfolg nicht einfach
Zufall, sondern es steckte viel harte Arbeit
dahinter. Abba wurde zuvor als Schwedens
Eurovisionsbeitrag von 1973 mit dem Song
«Ring Ring» abgelehnt; aber das Stück ver-
kaufte sich gut im Ausland und ermutigte
die Band, 1974 mit einer Nummer zurück-
zukommen, die einen musikalischen Don-
nerkeil liefern sollte, statt eine Mid-Tempo-
Ballade zu bieten.
Kritiker nicht begeistert
«Waterloo» wurde geschrieben, als die
Abba-Männer, Benny Andersson und Björn
Ulvaeus, zusammen am Klavier jammten.
Sie hatten eine tolle Melodie und brauchten
einen dreisilbigen Titel, der nicht übersetzt
werden musste die Texte waren zunächst
zweitrangig. Stig Anderson, der Manager
der Gruppe, dachte an «Honey Pie», kam
dann aber auf «Waterloo». Es war perfekt für
den Eurovision Song Contest; der Text ent-
stand anschliessend an einem Nachmittag.
Die Verachtung, mit der Kritiker Pop-
songs behandelten, war damals so gross,
dass nur wenige erkannten, was Abba rich-
tig machte. Man nahm die Musik ernster als
alle anderen und machte den Schlager zur
Kunstform. Ihr Studio, Polar Music, wurde
das schwedische Pendant zu Abbey Road.
Sie feilten an Gesangsharmonien und Ris.
Ein gut erkennbarer Chor war aber nicht
genug, so suchte man einprägsame Motive
und ein sofort erkennbares Intro. Das «oom
pa-pa» in «Super Trouper», das «ah-haaa» in
«Knowing Me, Knowing You» das sind die
kleinen Dinge, die süchtig und Spass ma-
chen. Diese kleinen Tricks wurden später
dann von nstlern wie Madonna und den
Sex Pistols kopiert.
Die CD «Abba Gold» ist statistisch
gesehen in einem von zehn britischen
Häusern zu nden; die Songs sind Hymnen
für alle Lebenssituationen rund um den
Globus. Und sicher hat schon jede LGBT*-
Person sich in diversen Lebenssituationen
mit den Texten von Abba identizieren kön-
nen oder ssen. Und deshalb danken wir
auch nach 40 Jahren noch immer Abba für
die Musik und freuen uns, auf das was da
noch kommt. Und bangen auch ein biss-
chen, denn: was, wenn durch das Comeback
der Mythos zerstört wird?
News & Kultur
Eines der bekannten ABBA Bilder: Die Gruppe in
ihren Anfangszeiten im Jahr 1970.
ABBA im Jahr 2016 bei einer privaten Party in Stockholm, es wurde «Me an I» aus dem Album «Super
Trouper» gesungen. Im selben Jahr waren die Ikonen erstmals nach 30 Jahren gemeinsam im Rahmen
eines «Mamma Mia»-Jubiläums wieder auf der Bühne, allerdings ohne zu singen.
21
CR U I S E R SOMMER 2018
NEWS & KULTUR
NATIONAL & INTERNATIONAL
RASIERTES V ALS COOLSTER BART DES JAHRES?
Der Bart-Hype ndet kein Ende, doch dieses
Jahr soll die Behaarung im Gesicht angeb-
lich in eine neue Form gebracht werden.
«Wer richtig lässig aussehen will, rasiert
sich ein V vom Kinn bis zu den Schfen»,
schreibt das Männer-Stilmagazin «GQ» in
seiner Juli-Ausgabe. Nach all den Zausel-
rten der vergangenen Jahre sei der Drei-
tagebart zurück, er rfe aber keinesfalls
überkorrekt aussehen, als wäre er mit dem
Lineal rasiert worden. Die V-Form sei der
«der coolste Bart des Jahres». Als prominen-
ter Träger gilt der fransische Schauspieler
Gaspard Ulliel, bei uns vor allem bekannt
aus dem Film «Saint Laurent» aus dem Jahr
2014. Ulliel spielte dort den Modeschöpfer
Yves Saint Laurent.
Zurück zum Bart: Die Anweisung zur
Neuinterpretation des Bartschattens lautet
wie folgt: «Mit dem Trimmer die Fläche un-
terhalb der Mundwinkel frei rasieren. Nur
der Patch unter der Lippenmitte bleibt
stehen. Der Eekt: Das Kinn wirkt breiter
und der Barttger maskulin Wir geben
das nun einfach so wieder wie es bei «GQ»
steht und kommentieren nicht weiter.
Schauspieler Gaspard Ulliel hat angeblich den
coolsten Bart des Jahres. © DPA
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22
CR U I S E R SOMMER 2018
NEWS & KULTUR
NATIONAL & INTERNATIONAL
ERSTER HIV-SCHNELLTEST FÜR ZU HAUSE ZUGELASSEN
HIV-Tests zur Eigenanwendung, sogenann-
te HIV-Selbsttests, rfen per sofort in der
Schweiz verkauft werden. Im Interesse der
öentlichen Gesundheit und auf Empfeh-
lung der Eidgenössischen Kommission für
sexuelle Gesundheit (EKSG) und des Bun-
desamtes für Gesundheit (BAG) hat die
Heilmittelbehörde Swissmedic die Abgabe
solcher HIV-Selbsttests bewilligt. Andreas
Lehner ist stellvertretender Geschäftsfüh-
rer der Aids-Hilfe Schweiz und Leiter des
Programmes MSM. Er steht der Abgabe
solcher Heimtests positiv gegenüber: «Wir
begrüssen die Zulassung von Heimtests in
der Schweiz, selbst wenn es noch eine Weile
dauern wird, bis diese wirklich im Markt
verfügbar sind. Gerade für Routinetests eig-
net sich dieser Test der dritten Generation
sehr gut, auch wenn er nur ein Risiko, wel-
ches mindestens drei Monate zurückliegt,
sicher erkennt. Wer Risikosituationen be-
reits nach sechs Wochen sicher ausschlies-
sen will, ist bei einem Checkpoint oder einer
anderen Teststelle nach wie vor besser auf-
gehoben. Diese verwenden alle einen Test
der vierten Generation. Und bieten eine Be-
ratung an», erklärt Andreas Lehner gegen-
über dem Cruiser.
Im Dienste der Gesundheit
In der Schweiz durften HIV-Tests bisher nur
in einem professionellen Umfeld, beispiels-
weise von einem Arzt oder in einem Spital,
durchgeführt werden. In Zukunft kann je-
der und jede, wie dies bereits in mehreren
anderen Ländern der Fall ist, mit einem so-
genannten Selbsttest zuhause überprüfen,
ob er oder sie sich glicherweise mit HIV
angesteckt hat. Das Bundesamt für Gesund-
heit (BAG) und die Eidgenössische Kommis-
News & Kultur
Bisher wurde der HIV-Test beim Checkpoint oder beim Arzt gemacht, neu geht dies auch zu Hause.
Allerdings ist die Durchführung nicht ganz einfach.
sion für sexuelle Gesundheit (EKSG) erwar-
ten, dass der einfachere Zugang zu HIV-
Tests mehr Menschen dazu bewegen wird,
eine allfällige HIV-Infektion
abzukren –
im Interesse der öentlichen, aber auch der
eigenen Gesundheit. Andreas Lehner sieht
dies ebenso: «Die Vision unserer Arbeit ist
die Elimination von HIV. Um dies zu errei-
chen, ist ein einfacher Zugang zu einem Test
unabdingbar.»
Bisher waren die «Checkpoint» An-
laufstelle für Fragen rund um sexuelle Ge-
sundheit. Ändert sich dies nun? «Nein. Wir
gehen davon aus, dass die Arbeit in den
Checkpoints nicht nachsst. Denn die Be-
ratung ist vielen Menschen wichtig. Auch
denke ich, dass Menschen, die einen Heim-
test gemacht haben, trotzdem im Check-
point einen zweiten Test machen oder sich
zumindest beraten lassen», erkrt Andreas
Lehner auf Anfrage des Cruisers weiter.
«Das A und O eines Heimtests ist die rich-
tige Anwendung. Auf Beipackzetteln wird
dies sehr gut erklärt.
Nicht alle Krankheiten werden erfasst
Trotzdem würden gewisse Menschen sicher-
lich Mühe bekunden, erklärt Andreas
Lehner weiter. Und die Interpretation des
Resultats könne auch Schwierigkeiten be-
reiten. «Vor allem, wenn jemand ners ist
oder Angst hat», gibt Andreas Lehner zu
bedenken. «Und nach wie vor können an-
dere sexuell übertragbare Krankheiten wie
Chlamydien, Syphilis und Tripper mit dem
Test nicht erfasst werden. Gerade Syphilis
und Tripper sind in der Szene auf dem Vor-
marsch. Da rum sind die Checkpoints in der
Schweiz nach wie vor gute Anlaufstellen»,
so Lehner weiter. «Bei einem HIV-Test beim
Checkpoint wird im Falle eines reaktiven
Resultats direkt vor Ort eine erste Strategie
mit dem beratenden Arzt erarbeitet, ausser-
dem ist auch entsprechende Betreuung
gehrleistet. Alles in allem ist der Schnell-
test eine gute Möglichkeit, für Menschen,
die öfters Risiken eingehen, aber denitiv
nicht die beste Wahl».
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24
CR U I S E R SOMMER 2018
KULTUR
JOHANN STRAUSS
Eine liebenswerte
Abrechnung mit
Johann Strauss
Das Casinotheater Winterthur wagt sich an Johann Strauss’ «Die Fledermaus».
Ohne Geigen und Plüsch, dafür mit Tobias Bonn & Christoph Marti. Bestens
bekannt als die «Geschwister Pfister».
VON H AY M O E M PL
D
as Casinotheater bringt den Klassiker
in einer Form auf die Bühne, die Lieb-
haber und Hasser von Operetten glei-
chermassen zu begeistern vermag. In einer
witzig-schgen Bearbeitung der «Fleder-
maus» bedienen sich Kai Tietje (musikali-
sche Leitung) und Stefan Huber (Regie) res-
pektlos aller musikalischen Klischees, verar-
beiten die Hits des Walzerkönigs zu Swing
und Tango oder lassen die berühmte Ouver-
türe als A-cappella-Nummer erklingen. In
der Geschichte um Vergnügungssucht, Scha-
denfreude und elende Besäufnisse singen,
spielen und betgen Tobias Bonn und
Christoph Marti (Geschwister Pster) als
übersättigtes Ehepaar Gabriel und Rosalin-
de, während Stefan Kurt (Papa Moll) als dau-
erbesoener Gefängnisrter Frosch durch
das Geschehen stolpert. Musik und Figuren
wirbeln wild durch sämtliche Epochen, von
der Belle Époque bis zur Hippie-Zeit.
«Die Rache der Fledermaus»
ab 30. August im Casinotheater Winterthur.
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25
KULTUR
JOHANN STRAUSS
Cruiser hatte die Gelegenheit, im Vor-
feld ein Gespräch mit den Hauptakteuren,
Tobias Bonn und Christoph Marti, zu führen.
Cruiser: Tobias, welche Rolle spielst du und
was hat diese für einen Charakter?
T.: Ich spiele Gabriel von Eisenstein, einen
in seinem Städtchen angesehenen Klein-
rger, der zwar zufrieden verheiratet ist
mit seiner Frau Rosalinde, aber doch eine
gewisse Sehnsucht nach Abenteuern hat.
Ein bisschen simpel gestrickt ist er wohl
auch; jedenfalls lässt er sich ohne Probleme
von seinem Freund Dr. Falke dazu überre-
den, ohne das Wissen seiner Frau auf einen
Ball zu gehen und damit in Falkes Falle zu
stapfen.
Christoph, gleiche Frage: Wen spielst du und
wie ist die Figurenzeichnung?
C.: Ich spiele Rosalinde, die Gattin des
Herrn von Eisenstein. Sie hatte vor einigen
Jahren, als sie noch nicht mit ihm verheira-
tet war, eine leidenschaftliche Romanze mit
einem nger namens Alfred. Dieser steht
nun ausgerechnet an dem Abend, als ihr
Mann eine achttägige Arreststrafe antreten
soll, vor der r und macht ihr singender-
weise den Hof. Einerseits ist das äusserst
ungünstig für sie, denn sie ist sehr auf ihr
Ansehen und ihre gesellschaftliche Stel-
lung bedacht und möchte unter gar keinen
Umständen kompromittiert werden. Ande-
rerseits ist die Aufregung naturgemäss so-
fort die allergrösste. Ist sie zu Anfang des
Stücks eher noch ein Heimchen am Herd,
wird sie später, auf dem Ball des Prinzen Or-
lofsky im zweiten Akt als ungarische Grän
verkleidet und maskiert, einen feurigen
Csardas zum Besten geben und davon sin-
gen, dass sie ihrem Mann, sollte sie ihn krie-
gen, die Augen auskratzen und sich von ihm
scheiden lassen wird.
Spielt ihr diese Figuren als die «Pfisters»?
T.: Nein, das geht nicht. Eisenstein ist eine
ganz andere Person als Toni Pster.
C.: Ich sehe die Psters in dem Zusam-
menhang eher als Marke. Das Team um
Regisseur Stefan Huber, Kostümbildnerin
Hei ke Seidler und dem Choreographen Dan-
ny Costello sind allesamt sehr Pster-an,
sie sind mit unserer Arbeit und unserem
Stil seit vielen Jahren bestens vertraut. Aber
inhaltlich haben Ursli und Toni Pster in
der Fledermaus wirklich nichts verloren.
Tobias und Christoph als «Geschwister Pster» wie
man sie bestens kennt.
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26
CR U I S E R SOMMER 2018
Auf der Bühne spielt ihr das Paar Gabriel und
Rosaline. Privat seid ihr ebenfalls ein Paar; ist
das eher hilfreich oder hinderlich?
T.: Dass wir uns so gut und so lange kennen
und schon so viel miteinander gearbeitet
haben, ist bei den Proben und während der
Vorstellung hilfreich. Wir wissen fast immer
sofort, was der andere meint und wir s-
sen kein Blatt vor den Mund nehmen. Ein
Nachteil kann sein, dass wir die Arbeit und
die manchmal damit verbundenen Sorgen
oder Ärgernisse automatisch auch mit nach
Hause nehmen.
C.: In der Arbeit überwiegen ganz klar
die Vorteile. Privat kann es, vor allem in
Endproben, wenn es auf eine Premiere zu-
geht, schon manchmal eng werden. Da stos-
sen wir dann an unsere Grenzen und das ist
manchmal nur sehr schwer auszuhalten.
Wir haben aber eine ausgezeichnete Streit-
und vor allem Wiedervereinigungskultur
und möchten es nicht anders haben, keiner
von uns. Frei zu sein und selbstbestimmt
arbeiten zu können, ist in unserem Beruf
ein grosser Luxus. Das gibt man nicht ein-
fach so her, nur weil es wieder mal gekracht
hat. Nein.
Hat eigentlich jemals Tobias eine Frauen-
rolle gespielt? Warum spielt immer Christoph
Marti die weiblichen Rollen?
T.: Ab und zu spiele auch ich Frauenrollen.
Zuletzt war ich zum Beispiel mal als Anne-
liese Rothenberger zu sehen («Servus Peter –
Oh Mireille») oder als Alice Kessler
(«Die Geschwister Pster in der Toskana»)
und jetzt gerade wieder als Hilde Czapek in
unserem Heurigenabend. Das macht mir
schon auch Spass, aber Christoph kann in
diesen hohen Schuhen einfach besser lau-
fen als ich
C.: Ich hatte hrend meines Anfän-
gerengagements von 1988 bis 1990 an den
Staatlichen Schauspielhnen Berlin einen
Regisseur, der mir während der Proben im-
mer wieder die Anweisung gegeben hat:
Christoph, du musst männlicher werden.
Er war selber schwul und hat es ganz sicher
nur gut gemeint. Ich wusste aber damals
schon, dass das völlig sinnlos ist und über-
haupt nichts bringt. Wie denn, wie soll
denn das gehen? Ein kleiner Durchbruch
kam dann Anfang der 90er-Jahre an der
Berliner Schaubühne, als mich Luc Bondy
in einer Urauührung eines Stücks von
Botho Strauss als Frau besetzt hat. Er muss
wohl gespürt haben, dass tief in mir eine
grosse Schauspielerin schlummert. Inzwi-
schen
werden mir fast ausschliesslich
Frauen rollen angeboten, ich nde es prima!
Sie sind allesamt grösser und interessanter
als das, womit man mich damals als Anfän-
ger besetzt hat. Ach ja, und deutlich besser
bezahlt sind sie auch. Der Regisseur von
damals ist leider in der Zwischenzeit ver-
storben und hat nicht mehr mitbekommen,
wie sehr sich mein Durchhalten und mein
Mirtreubleiben bezahlt gemacht haben.
Ihr wart früher oft in Zürich, in diesem Jahr
habt ihr in Bern gespielt und sehr oft in
Deutschland. Merkt man auf der Bühne die
Kantonsnuancen?
T.: Manche Klischees ndet man auf Tour-
nee tatsächlich bestätigt, aber entscheiden-
der für die Stimmung im Zuschauerraum ist
doch eher das Stück, das wir spielen und das
eater mit seinem Stammpublikum, als
die Stadt, in der wir gerade sind.
C.: Ich habe in Bern gerade wieder die
Erfahrung gemacht, dass das Berner Publi-
kum eine grosse Bereitschaft mitbringt,
sich mit einem ernsten ema es ging um
Transidentität auseinanderzusetzen. Das
Berliner Publikum ist durch das enorme
kulturelle Angebot in der Stadt verwöhnt
und dementsprechend ungeduldiger. Da
werden Urteile tendenziell schneller gefällt.
Wie kam es zu diesem Engagement?
T.: Das Casinotheater Winterthur ist ja seit
vielen Jahren ein regelmässiger Gastspielort
für uns Psters. Wir kommen gerne hierher
und haben immer schon mal darüber ge-
sprochen, in einer Hausproduktion mitzu-
wirken. Konkret haben dann der Regisseur
Stefan Huber und der musikalische Leiter
Kai Tietje die Idee für die Fledermaus ge-
habt und die Initiative ergrien.
Wie soll die «Rache der Fledermau verstan-
den werden? Als Parodie? Als Neuinszenie-
rung?
T.: Also eine Neuinszenierung ist es natür-
lich sowieso (das Stück ist ja in dieser Fas-
sung und Besetzung vorher noch nicht ge-
spielt worden). Die grosse Herausforderung
ist hier, dieses bekannte Werk in so einer
ungewöhnlichen Besetzung zu präsentie-
ren. Die Musik ist von einem grossen Or-
chester auf fünf (allerdings sehr vielseitige)
Musiker umgeschrieben worden, alle Rollen,
inklusive Chor und Ballett, werden von nur
neun Darstellern übernommen. Aber die Fi-
guren und die (ziemlich geniale) Geschich-
te wollen wir natürlich schon so spielen, wie
sie mal gedacht waren…
C.: Mit der Parodie haben wir es ja
nicht so, dafür lieben wir die Originale
meist viel zu sehr. Sei es als Peter Alexander
und Mireille Mathieu oder wie jetzt bei un-
serem Abend mit Wiener Heurigenliedern
als Hilde und Richard Czapek, wir verste-
hen unsere Arbeit eigentlich immer als Ver-
beugung vor den Originalen. Der Spott und
die Komik entstehen dadurch, dass wir
zwar die Arbeit, nicht aber uns selber allzu
ernst nehmen.
KULTUR
JOHANN STRAUSS
«Frei zu sein und selbstbestimmt
arbeiten zu können, ist in unse-
rem Beruf ein grosser Luxus
Tobias und Christoph sind auch privat ein
(herziges) Paar.
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28
CR U I S E R SOMMER 2018
KOLUMNE
MIRKO
Gläubige Tops und Bottoms
verpassen etwas
VON M I R KO
S
o chli am cruise durch das Internet,
am chille, mit eme Bier näbe mir und
streng auf das Display stierend. So
falle ich sicher d auf, obwohl’s schon ko-
misch ist, ich bin, wie alle anderen, unter
Leuten und doch gehe ich durch die Pix auf
Grindr, obwohl ich eigentlich ja auch eifach
chönnti umeluege, denn gsächti villicht ou
no s Gsicht zum uftunete Bodybildli da i
dem Prol, das müsste gehen, denn der ist
nur gerade sächs Meter vo mir wäg, aber
jetzt, wo n ich uuege, gseh n en doch d,
jedefalls nd ich das Sixpack nöd i mire Um-
gäbig. Ach, ich geniesse einfach mal die
Sonne, die Füsse im Fluss und ja, s isch scho
mega im Summer z Züri, wenn mer’s rn
eng het, wenigstens. Wenn s die richtige
sind, wo mir znöch chömed, han ich kein
Problem, aber weisch, was mich do eine
gfrogt het, nei, leider d de wo sin Ober-
schenkel an meinen drückt, da an der Lim-
mat, dem hätte ich gerne die paar Tropfen
Wasser, die aus sim nasse Haar über de Rug-
ge glaufe sind, ab sire Huut sst, nei, nöd
de, sondern dä do uf dere App. Der fragt
mich, ob ich Top oder Bottom sei, Alte, hey,
zerscht müsst ich noch was ganz anderes
klären, zum Bispil, ob ich dich überhaupt
sexy nde und ob dini Stimm mir passt oder
so. Ja, Sack.
Ich ha denn gschribe: I would bottom
myself so hard! Aber das würd i sicher ma-
che, wenn i chönnt, chasch glaube. Wenn’d
Spass wöttsch ha mit mir, dänn würd ich
dir, falls Top bisch, s gliche rate. Oder viel-
leicht würden wir’s dann auch umgekehrt
mache. Uf jede Fall, weisch, ich verstah’s
nöd. Es hat ja nun auch nicht so vil Jungs wo
superhot sind, warum söllsch du denn kei
Sex mit mir welle, nur will ich grad e domi-
nante Tag ha? (Lach.) Also ich habe gar kei
Troubles mit eme Bro umezmache, auch
wenn er Hetero isch, warum soll ich dann
bei dene, wo schwul sind, noch zwischen
Top und Bottom unterscheiden. Weisch, vil-
licht will ich einfach Fun haben mit Män-
nern, das langt doch, da muss ich mich doch
zu nüt bekenne, das machts nur unnötig
schwierig. Ah ja, falls du jetz kei Sex mit mir
willsch, wenn i grad ufem Stächertrip bi,
denn nd mir ja villicht chst mol mehr
Glück und s passt. Aber warum warten, wir
können ja au mol luege, wo mir hüt ane chö-
med zäme. Weisch, es wäre ja dann was zwi-
schen uns, zwei Type, nöd zwei Maschine,
wo nur eis Programm druf hend. Hey,
Mann, ich ha Fründe, die sind schon lange
zusammen, aber beide sind voll gläubige
Tops und beide haben gerne Katzen und
Hunde, aber irgendwie klappt das bei de-
nen. Frog mi nöd wie, aber das cha mir egal
sii, für sie passt’s. Das ist gut genug.
Wenn ich ehrlich bin, verstehe ich
nicht mal so recht, weshalb ich jetz schwul
sött si. So, weisch, vo ge Identität und so.
Und denn han i e erapie nötig, wenn ich
denn wieder nichts mehr mit nner will
oder was? Alte, können wir das alles einfach
mal trashen, bitte. Weisch, was de anderi,
vom Grindr, wo als erschts wissen wollte, ob
ich Top oder Bottom bin, weisch, was der
mir dann geschrieben hat? Mit Irren mache
er sowieso nichts. Echt jetzt. Das meinte ich
ja, vielleicht wärs ja wichtiger, zersch mol
useznde, ob mer einander überhaupt ver-
steht. Aber dann, wenn’s d passt, de an-
deri no beschimpfe, isch d nötig. Wahr-
scheinlich hät er mich no e Schwuchtle
gnennt, oder so, wenn i gschribe tti, ich
sei Bottom. Hesch Problem, Mann? Du
machst dir das Leben selber nicht einfacher.
Mir cha’s ja gliich si. Ich g nur. Wir reden
hier nicht über die iranische Atombombe,
Mann, es goht um Sex, das wär das, wo mer
nöd muess funktioniere, sondern öppis aus-
probiert und das macht, was einem grad
gfallt und was für alli im Moment passt, wo
zuefällig grad mit dabei sind.
Wenn’d Spass wöttsch ha mit
mir, dänn würd ich dir, falls Top
bisch, zum Bottoming rate.
Wir reden hier nicht über die
iranische Atombombe, Mann,
es goht um Sex.
29
RATGEBER
DR. GAY
Dr. Gay
VON VINICIO ALBANI
WARUM WOLLEN SCHWULE IMMER
NUR SEX OHNE BEZIEHUNG?
Mein Verhältnis zu Männern ist ziem-
lich gestört. Manchmal habe ich
Angst vor sexuellen Handlungen, weil
ich mich dabei verlieben könnte, ob-
wohl ich ein Beziehungsmensch bin.
Ich bin unsicher, ob das am Alter liegt
oder ob ich für die Schwulenszene
einfach zu verklemmt bin. Mir scheint,
als würden die meisten Schwulen Sex
ohne Liebe immer bevorzugen (zum
Beispiel auf Grindr oder Planetromeo).
Manchmal tut es weh, anders zu
ticken als die meisten. Ich habe Angst,
niemals einen Freund zu finden, weil
ich in meinem Alter immer nur als
«Frischfleisch» gesehen werde. Ich
hoffe auf einen Rat von dir. Noah (16)
Hallo Noah
Es ist nicht immer einfach, sich in der
schwulen Welt zurechtzunden. Gerade die
Digitalisierung und die dadurch entstehen-
den glichkeiten, immer und überall Sex
haben zu können, machen die Sache nicht
unbedingt leichter. Du sehnst dich nach
Liebe und Geborgenheit. Das ist normal,
menschlich und völlig ok. Selbst wenn es so
re, wie du schreibst, dass alle anderen
Schwulen ausschliesslich Sex ohne Gefühle
bevorzugen (was nicht der Fall ist), musst du
dich deshalb nicht unbedingt ebenso ver-
halten, wenn du das nicht möchtest. Ich bin
überzeugt, früher oder später wird dir ein
Junge über den Weg laufen, der ähnlich tickt
wie du und bei dem die Chemie stimmt.
Warum also nicht versuchen, mehr auf
physisch echte Begegnungen zu setzen und
Online-Plattformen nur in einem begrenz-
ten Masse zu besuchen? Grindr, Planet-
romeo und Co. sind in erster Linie Plattfor-
men, über die sich Menschen für Sex treen.
Sicher gibt es Ausnahmen, aber machen wir
uns nichts vor: Es geht hauptsächlich um
schnell verfügbaren Sex. Und sollte es eben
mal nicht so sein, tret euch zuerst auf neu-
tralem Grund, zum Beispiel in einem Café.
Ansonsten: Gehe aus, tree Leute, engagie-
re dich in schwulen Vereinen oder Selbst-
hilfegruppen. So lernst du reale Jungs ken-
nen, die vielleicht nicht nur auf das Eine aus
sind. Vergiss dabei aber nicht, dass du auch
sexuelle Berfnisse hast. Sex ist nichts
Schlechtes. Er kann anonym und schnell
genauso geil und toll sein, wie wenn Gefüh-
le im Spiel sind. Es kommt darauf an, was
deine Erwartungen sind, wie deine Einstel-
lung ist und was du willst. Die Regeln, die
A N Z E I G E
für dich gelten, bestimmst nur du selbst.
Lass dir dafür so viel Zeit, wie du brauchst.
Solltest du persönlichen Rat benötigen,
wende dich an das Beratungsangebot von
«Du bist du»: https://du-bist-du.ch/
Alles Gute, Dr. Gay
BIS WANN IST SYPHILIS NACH DER
BEHANDLUNG ANSTECKEND?
Ein Kollege von mir hat Syphilis und
ist in Behandlung. Er meint, wenn er
mich küsst, bläst oder rimmt, sei das
nicht ansteckend. Stimmt das?
David (22)
Hallo David
Syphilis kann auch beim Blasen, Rimmen
oder sogar beim Küssen übertragen werden.
Nach der Behandlung gilt grundsätzlich
eine Wartefrist von sieben Tagen, bis der
Betroene wieder Sex haben kann, ohne
jemanden anzustecken.
Alles Gute, Dr. Gay
DR. GAY
Dr. Gay ist eine Dienstleistung der Aids-Hilfe
Schweiz. Die Fragen werden online auf
www.drgay.ch gestellt. Ein Team von geschul-
ten Beratern beantwortet dort deine Fragen,
welche in Auszügen und anonymisiert im
«cruiser» abgedruckt werden.
5
C R U I S E R S o m m E R 2 0 17
sliPPery
Sub j eCtS
VoN MARTIN MüHLHEIM
C
oming-out-Filme gibt es mittlerweile
viele, und entsprechend unterschied-
lich kommen sie daher: leichtfüssig-
komisch wie der britische Klassiker
Beautiful ing (1996), eher nachdenklich
wie das brasilianische Kleinod Seashore
(2015), bisweilen auch zutiefst tragisch so
im israelischen Drama Du sollst nicht lieben
(2009), das in der ultraorthodoxen Gemein
-
de in Jerusalem spielt.
Angesichts solcher Unterschiede er-
staunt es umso mehr, mit welcher Regel-
mässigkeit uns Coming-out-Filme Jungs oder
nner zeigen, die – alleine, zu zweit oder in
Gruppen schwimmen gehen. Nun könnte
man das natürlich als Zufall oder Neben-
sächlichkeit abtun. Bei genauerem Nachden-
ken zeigt sich allerdings, dass sich gleich
mehrere Gründe für diese erstaunliche Häu-
gkeit nden lassen.
Nackte Haut ohne allzu viel Sex
Eine erste, nur scheinbar oberächliche Er-
krung ist, dass (halb)entblösste Körper
sich nicht bloss auf der Leinwand, sondern
auch auf Filmpostern und DVD-Covern äus-
serst gut machen. Schwimmszenen bieten
ein perfektes Alibi für das Zeigen von nack-
ter Haut: Sex sells, wie es so schön heisst.
Warum «Alibi»? Weil man – gerade bei
Filmen mit jungen Protagonisten aufpas-
sen muss: «Sex sells» mag zwar zutreen,
aber allzu explizite Sexszenen können
schnell mal zu hohen Altersfreigaben füh-
ren. Dies wiederum möchten Filmemacher
in der Regel vermeiden: Filme, die erst ab 18
freigegeben sind, lassen sich nämlich weni-
ger einfach vermarkten. Auf Amazon.de
zum Beispiel werden Filme mit Altersfreiga-
be 18 nur an nachweislich volljährige Perso-
nen verkau und gerade für Coming-
out-Filme, die sich auch an ein junges Publi-
kum richten, ist dies sicher kein wünschens-
werter Eekt.
Schwimmszenen bieten hier eine per-
fekte Kompromisslösung: Man kann nackte
Haut lmisch ansprechend inszenieren, da-
bei aber allzu heisse Techtelmechtel tugend-
ha vermeiden (beispielsweise, indem der
Wasserspiegel immer über der Gürtellinie
bleibt, wie im niederländischen Film Jon-
gens, 2014). Um das Rezept knapp zusam-
menzufassen: Man nehme eine grosszügige
Portion feuchter Erotik, eine vorsichtige Pri-
se Sex und um Himmels Willen kein Körn-
chen Porno.
Eingetaucht ins Triebleben
Man täte den lesBischwulen Filmemache-
rInnen aber unrecht, wenn man ihre erzäh-
lerischen Entscheidungen allein auf nan-
zielles Kalkül reduzieren wollte. Es gibt
mlich auch ästhetisch-symbolische Grün-
de, die Schwimmszenen für das Genre inter-
essant machen.
Da wäre zunächst die Funktion des
Wassers als Symbol für das Unbewusste.
Dieses Unbewusste, so weiss man spätestens
seit Sigmund Freud, hat viel mit der Triebna-
tur des Menschen zu tun – und so erstaunt es
nicht, dass Hauptguren auf der Suche nach
ihrer sexuellen Identität sozusagen symbo-
lisch in die Tiefen des Unbewussten eintau-
chen müssen, um ihr gleichgeschlechtliches
Begehren zu entdecken.
Figuren in der Schwebe
Daber hinaus hat die Filmwissenschale-
rin Franziska Heller in ihrem Buch über die
Filmästhetik des Fluiden (2010) gezeigt, dass
schwimmende Figuren immer wieder als
«schwebende Körper» inszeniert werden: o
in Zeitlupe und seltsam herausgelöst aus
dem sonst zielstrebig voranschreitenden
Erhlprozess. Dieser Schwebezustand wie-
derum ist eine wunderbare visuelle Meta-
pher für die Phase kurz vor dem Coming-out:
Man ist nicht mehr der oder die Alte, aber
auch noch nicht ganz in der neuen Identität
angekommen. Ein Film macht das Schweben
sogar explizit zum ema: In Kinder Gottes
aus dem Jahr 2010 zeigt Romeo dem neuro-
tisch-verklemmten Johnny, wie befreiend
das «Floating» im Meer sein kann.
Neben der Inszenierung von Schwebe-
zuständen und dem Wasser als Symbol für
das Unbewusste ist drittens das Motiv von
Filme, die ersT ab 18
FreiGeGeben sind, lassen
sicH nämlicH WeniGer
einFacH VermarKTen.
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CR U I S E R SOMMER 2018
Sexy Stiefel für Dragqueens
Das Musical «Kinky Boots», das in Deutsch-
land in Hamburg läuft, erhlt davon, wie
der Erbe einer Schuhfabrik diese vor dem
Ruin rettet, indem er sexy Stiefel für Drag-
queens und Travestiekünstler herstellt. Seit
2013 läuft es erfolgreich in New York und
wird auch weltweit aufgeführt. «Das war
Freiheit», sagt Lauper. «Es war eine Mög-
lichkeit, mal nicht ich selbst zu sein, und
einfach nur Songs zu schreiben.»
Bereits in den 1990er-Jahren hatte sich
die Sängerin immer wieder r die Rechte
der LGBT*-Community stark gemacht und
wurde dafür sogar oft belächelt. Erst viel
später kam dann die Wende: Lauper wurde
für ihre humanitäre Arbeit gefeiert, insbe-
sondere als Verfechterin der LGBT*-Rechte
in den Vereinigten Staaten, ihre wohltätigen
Bemühungen wurden 2013 gewürdigt, als
die ngerin als besonderer Gast zur Amts-
einführung von US-Psident Barack Oba-
ma eingeladen wurde.
Wrestling-Managerin, Schauspielerin
und Sängerin
Lauper ist ein Energiebündel, tanzte schon
in den 80er-Jahren durch MTV-Videos und
versuchte sich neben der Musik als Schau-
spielerin, Wrestling-Managerin und Aktivis
-
tin für Rechte von Schwulen und Lesben.
Mehr als 50 Millionen Alben hat Lauper ver-
kauft, allein ihr Debüt-Album «She's so un-
VON M O E L M A P H Y
S
chon auf Cyndi Laupers Debüt-Al-
bum waren Hits wie «Girls just want
to have fun» und «Time after time»
inzwischen Klassiker der LGBT*-Commu-
nity. Lauper ist 40 Jahre später immer noch