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Cruiser im September 2010

Dieses Magazin ist schwul
CRUISER Edition September 2010
Photographer Patrick Mettraux, EuroPride
Warschau, Pride Brighton, Nudie-ty, Mine Vaganti,
Ferzan Ozpetek, Kim Wilde, Cirque du Soleil, Mark
Halasi, Waria Mariani, Palazzina Grassi in Venedig
3
CRUISER Edition September 2010
Editorial
Warschau, Brighton, Lecce
Unsere Reisevorschläge? Nein, anhand dieser «Destinationen» beleuchten wir die Unterschiede
in der Akzeptanz der schwullesbischen Lebensweise. An die Pride in Warschau reisten Vertreter
aller wichtigen schwullesbischen Organisationen der Schweiz, um geschlossen Solidarität zu zei-
gen mit den Menschen, die dort in einer ungleich schwierigeren Situation leben als hierzulande.
In Brighton hingegen scheint die Toleranz grenzenlos zu sein. Die dortige Pride ist ngst von He-
terosexuellen vereinnahmt worden und sozusagen ein Karneval der Massen. Und wie es sich als
Schwuler im südlichen Italien lebt, zeigt der Film «Mine Vagant.
Martin Ender, Verleger
6
Das war Warschau
Die erste EuroPride Osteuropas
8
Brighton Pride Karneval der Massen
Die wenigsten der Besucher waren schwul
14
Familiäre Minen in Apulien
Ein wertvoller Beitrag von Ferzan Ozpetek
24
Kim Wilde: Neues Comeback!
Die Pop-Ikone der 80er gibt nochmals Gas
32
Varekai die Show
Cirque du Soleil mit einer neuen fantastischen Show
36
Allah und die Waria
Die Waria in Indonesien sehen sich als drittes Geschlecht
News 4 Prominent 10 Als ich schwul wurde 12 Fashion 13 Ferzan Ozpetek 17
Szene 18 Beauty 22 Fotostrecke 25 Kultur 38 Musik 40 Film 41 Palazzina Grassi 42
Buch 43 BOX-STOP 44 Rainbowline 45 Hildegard 46 Dr. Gay 47 VEGAS 47 Agenda 48
4
News CRUISER Edition September 2010
Internationale
News
Seattle
Freddie Ljungberg findet
schwul cool
Steht das ultimative Selbst-Outing eines gros-
sen Fussballstars bevor? Gerüchte, Freddie (Karl
Frederik) Ljungberg sei schwul, gibt es schon
seit den Zeiten, als der Schwede für Arsenal Lon-
don kickte. Nun hat der 33 Jahre alte Fussballer,
der inzwischen bei den «Seattle Sounderin
den USA unter Vertrag steht, gesagt, er habe
gar nichts gegen solche Gerüchte. «Ich bin stolz,
Gegenstand solcher Gerüchte zu sein», sagte
Ljungberg, der gut aussieht, Mode liebt und sich
auch schon als Model für Calvin-Klein-Unter-
sche betätigt hat, in einem Interview. Der Fuss-
ballgott mit einer Vorliebe für Musicals fügte
mit Betonung hinzu: «Ich weiss wirklich nicht,
warum das die Leute so interessiert. Ich habe
die Entscheidung getroffen, nicht darüber zu
sprechen
Staffordshire
Hooligans werden
schwulenfreundlich
Ausgerechnet die rabiatesten Hooligans haben
sich zu toleranten Mitbürgern gewandelt. 93
Prozent aller englischen Fussballfans nden,
dass Schwulenfeindlichkeit im Sport nichts
mit Fair Play zu tun hat. Das ist das Ergebnis ei-
ner Online-Befragung der Universität der Graf-
schaft Staffordshire in Stoke-on-Trent. «Es gibt
eine neue Generation von Fussballfans, Mana-
gern, Trainern und Spielern. Sie scheren sich
nicht viel um die sexuelle Orientierung einer
Person», sagte Soziologieprofessor Ellis Cash-
more. Dennoch hat sich in Grossbritannien,
wie auch in keiner anderen grossen Fussball-
nationen, bislang kein Spitzenspieler während
seiner Prolaufbahn geoutet. Mutige Ausnah-
me war der Stürmer Justin Fashanu, der aber
für sein Outing mit seinem Leben bezahlte. Er
wurde danach von den Fans so sehr gemobbt,
dass er sich 1998 umbrachte.
Wien
«Zur Zeimal wieder Homohatz
Die rechtslastige österreichische Partei «FPÖ»
hat sich einmal mehr als schwulenfeindliche po-
lit isc he Verein ig ung bew iesen, obwoh l es inz wi-
schen ein mehr als offenes Geheimnis ist, dass
ihr tödlich verunglückter Gründer und Füh-
rer Jörg Haider schwul war. In einem Artikel in
dem der Fnahestehenden Magazin «Zur Zeit»
hetzten die braunen Politiker über den schwulen
Stadtf ührer «Queer Gu ide». A ls «Wien -Füh rer f ür
Perverse» diffamierten sie den Stadtführer und
mokierten sich in schlimmster rassistischer Ma-
nier über einen «groben Fehler» des «Queer Gui-
de». «Auf den Photos lächelnder, händchenhal-
tender Damen und Herren zeigt sich die heile,
weisse Welt von Wien Tourismus – keine Neger,
Transgender oder Migranten. Wenn das mal kei-
ne Klagen wegen Diskriminierung gibt»
Iran
Todesurteil für schwulen
Iraner
Wegen Ehebruchs ist eine Frau im Iran zum
Tod durch Steinigung verurteilt worden. Der
Fall hat Entsetzen und Proteste in der ganzen
Welt ausgelöst. Zu Recht. In die Weltpresse hat
es Ebrahim Hamidi leider noch nicht geschafft,
obwohl sein Fal l n icht minder verabscheuungs-
würdig und entsetzlich ist. Der junge Mann
wurde am 21. Juni von einem Provinzgericht
im Iran wegen der angeblichen Vergewaltigung
eines Mannes zum Tode verurteilt, obwohl das
angebliche Opfer gestanden hatte, den Verge-
waltigungsvorwurf frei erfunden zu haben.
«Es gibt keinen Beweis, dass Hamidi schwul ist
oder er irgendein Verbrechen begangen ha,
hiess es in dem Internetportal Gay Middle East.
«Diese Exekution muss gestoppt werden. Dafür
brauchen wir Ihre Hilfe.»
Coachella Valley
Bestsellerautorin sagt sich
vom Christentum los
Weil Religionen für Schwule, Lesben und Frauen
nur Hass und Diskriminierung übrig haben, hat
die amerikanische Bestsellerautorin Anne Rice
(«Interview mit einem Vampir») sich vom Chri-
stentum losgesagt. Der Tropfen, der das Fass
zum Überlaufen brachte, waren radikale, von
den Republikanern unterstützte evangelikale
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CRUISER Edition September 2010 News
Kirchen in den USA, die sich für die Todesstrafe
für Homosexuelle einsetzen. «Vielleicht kön-
nen die Menschen, die die Lehren Christi ernst
nehmen, keine Christen sein», schrieb die 68
Jahre alte Rice auf ihrer Facebook Seite. Weiter
schrieb die Mutter eines offen schwulen Sohnes:
«Ich weigere mich, gegen weltlichen Humanis-
mus zu sein. Ich weigere mich, gegen das Leben
zu sein. Im Namen Christi sage ich mich vom
Christentum los.»
New York
Eminem für Homo-Ehe
Es ist noch nicht lange her, dass Rüpel-Rapper
Eminem in seinen Songtexten und in Inter-
views mit Ausfällen gegen alles und jeden auf-
wartete. Neuerdings schlägt der 37-Jährige mil-
dere Töne an. Jetzt hat sich Eminem gar für
die Homo Ehe ausgesprochen, wenn auch in
gewohnt sarkastischer Weise. «Wenn sich zwei
Menschen lieben, warum nicht?», sagte er ge-
genüber der «New York Times», fügte aber hin-
zu, dass Schwule genau die gleiche Chance ha-
ben sollten, unglücklich zu werden wie Heten
in ihren Ehen. Auch auf seiner neuen Platte
schlägt Eminem nachdenklichere Töne an. «Das
ist mein neues tolerantes Ich!», erklärte der Me-
gastar, fügte aber die Warnung hinzu, dass sein
anderes künstlerisches Alter ego, der Widerling
Slim Shady, noch immer existiere.
New Jersey
Beim Cruising von Polizei
erschossen
Das Cruising eines 48 Jahre alten Mannes in
einem Pa rk i m US -Bundesstaat New Jersey ende -
te tödlich. Eine Polizeistreife auf der Jagd nach
schwulen Männern erschoss DeFarra Gaymon.
Der Mann habe sich gegen seine Verhaftung
gewehrt und einen Fluchtversuch unternom-
men, verteidigte die Polizei von Atlanta den
Todesschuss. Der tödliche Schuss traf den Ge-
schäftsmann in die Brust. Gaymon war ein Fa-
milienvater mit einem Doppelleben, der seine
Teilnahme an einem Klassentreffen nutzte, um
in seiner Heimatstadt Newark seinen schwulen
Neigungen mal wieder nachzugehen. Seine Fa-
milie warf der Polizei vor, «einen Unschuldigen
getötet» zu haben. Die Polizei zeigte sich jedoch
ihrem schiesswütigen Kollegen gegenüber ver-
ständnisvoll und beurlaubte ihn wegen «Trau-
matisierun.
Washington D. C.
Hillary Clinton für schwule
Menschenrechte
Hillary Clinton hat einmal mehr betont, dass
die Rechte Homosexueller zu den Menschen-
rechten gehören. Bei dem Empfang von Ver-
tretern schwul-lesbischer Organisationen im
Weissen Haus aus Anlass der Gay Pride Saison
2010 sagte die amerikanische Aussenministe-
rin, sie habe sich schon hrend der Präsident-
schaft ihres Mannes Bill Clinton für die Rechte
Sc hw uler und Lesben eingeset zt. «Ich war die er -
ste First Lady, die bei einer (Gay) Parade mitmar-
schiert ist.» Dann erinnerte Clinton an die Opfer
homophober Gewalt: «Männer und Frauen wer-
den verfolgt, geschlagen, sexuell missbraucht,
sogar getötet nur weil sie das sind, was sie sind
und lieben, wen sie lieben.» Clinton versprach,
im «politischen Dialog über Menschenrechte...
immer die Rechte der Lesben, Schwulen, Bisexu-
ellen und Transsexuellen miteinzubeziehen.»
Mexiko
Homo-Ehe besteht Verfas-
sungstest
Die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in Me-
xiko City verstösst nicht gegen die Verfassung.
Das entschied Ende Juli der oberste Gerichtshof
des Landes in der Klage gegen die Homo-Ehe der
konservativen Regierung von Psident Felipe
Calderón. Die Richter befanden, Fortpanzung
sei kein «grundlegender Bestandteil der Ehe»,
wie die Regierung argumentierte. Vielmehr sei
Familie ein «offenes Konzept», das in der Verfas-
sung Mexikos nicht näher deniert sei. Mexiko
City hatte Ende vergangenen Jahres die Homo-
Ehe beschlossen. Seit Inkrafttreten des Gesetzes
im März dieses Jahres haben sich 300 Paare vor
dem Standesbeamten das Ja-Wort gegeben.
Surabaya
Deutsche Regierung verurteilt
Gewalt in Indonesien
Die deutsche Bundesregierung sieht die Proteste
gegen die ILGA-Konferenz in Indonesien als
Werk radikaler religiöser Gruppen an. Die Kon-
ferenz des Internationalen Lesben- und Schwu-
lenverbandes (ILGA) sollte Ende März in Suraba-
ya stattnden. Polizei und Stadtverwaltung von
Surabaya gaben jedoch dem Druck militanter
muslimischer Organisationen nach und verbo-
ten die Veranstaltung in letzter Sekunde. «Die
Bundesreg ieru ng sieht in den Vor fäl len den Ver -
such einzelner sehr konservativer bis radikaler
religiöser Gruppen in Indonesien, die Rechte
von Homosexuellen einzuschränken», hiess es
in einer Antwort der Regierung in Berlin auf
eine parlamentarische Anfrage der Grünen.
Die deutsche Botschaft in Jakarta stehe aber mit
Homo-Aktivisten in Kontakt und habe ihnen
Unterstützung angeboten.
Erftstadt
Theologe rechnet mit katholi-
scher Kirche ab
David Berger ist arbeitslos. Der Jobverlust dürf-
te den deutschen Theologen aber wenig über-
rascht haben. In seinem Beitrag «Ich darf nicht
nger schweigen» für die deutsche Tageszei-
tung «Frankfurter Rundschau» (FR) hat sich der
Theologe an der «Päpst lic hen A kademie des hei-
ligen Thomas von Aquin» in Rom als schwuler
Mann geoutet, nachdem Mitglieder der Förder-
gemeinschaft der Akademie in dem Facebook-
Prol Bergers «eindeutig das Verwurzeltsein in
einem homosexuellen Milieu» entdeckt hatten.
Gegenüber der FR beschied Berger der katho-
lischen Kirche «ein System perder Unterdrü-
ckungsmechanismen». Berger fragt: «Wovor hat
die Kirche AngstUnter der Regentschaft von
Papst Benedikt XVI. hat die Schwulenhatz der
Kirche zugenommen. Immer mehr Priester wer-
den wegen angeblicher Homosexualität entlas-
sen und immer mehr Erzbischöfe setzen Homo-
sexualität mit Pädophilie gleich.
Hamburg
Bedauernswerte Rücktritte
Deutschlands Gay Community bedauert den
Rücktritt von gleich zwei schwulenfreund-
lichen Persönlichkeiten. Im Juli trat Hamburgs
evangelische Bischön Maria Jepsen als Reakti-
on auf den Vorwurf zurück, einen Fall von sexu-
ellem Missbrauch vertuscht zu haben. In einer
Stellungnahme einer Hamburger Schwulenor-
ganisation hiess es: «Bischön Jepsen hat sich in
besonderer Weise stets für Menschen engagiert,
die se xuel le Disk rim inierung er fahren u nd u n-
ter sexualisierter Gewalt gelitten haben.» Eben-
falls im Juli kündigte Hamburgs offen schwuler
Bürgermeister Ole von Beust seinen Rückzug
aus der Politik an. Von Beust war der erste Spit-
zenpolitiker der konservativen CDU, der sich als
schwuler Mann outete. Darüber hinaus hat er
als Chef der ersten schwarz-grünen Koalition in
Deutschland Politgeschichte in geschrieben.
6
Gesellschaft CRUISER Edition September 2010
Das war Warschau
Eindrücke und Beeindruckendes von der ersten
EuroPride Osteuropas
Von Michael Rüegg
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CRUISER Edition September 2010 Gesellschaft
Das Publikum im Flieger nach Warschau war
schwuler als in jeder Edelweiss-Maschine
nach Mykonos doch die Reise sollte nicht
dem Vergnügen dienen. Der Anlass war ein
politischer, trotz Party, trotz Restaurants und
trotz Spaziergängen im pittoresken Herzen von
Polens Hauptstadt. Zum ersten Mal fand eine
EuroPride in Osteuropa statt. Was das hiess,
wusste niemand so recht.
Wer in Polen, Russland, im Baltikum oder auf dem Balkan eine Homo-
Demo organisieren will, dem werden in der Regel die Türen vor der Nase
zugeknallt. 2005 verbot der mittlerweile abgestürzte Psident Kaczin-
ski die Gay Pride in Polen. Also demonstrierte man stattdessen gegen das
Pride-Verbot und kriegte teils kräftig Haue dafür. Ein paar Jahre später
befand der in dieser Sache angerufene Europäische Gerichtshof das Ver-
bot für widerrechtlich. Nun waren die Augen Europas auf Polen gerichtet,
wo im Vorfeld die Botschafter der westlichen Länder stark für die Euro-
Pride lobbyiert hatten. Dass die Schweizer Medien mit Ausnahme der NZZ
kaum über den Anlass berichteten, wollen wir mal der Tatsache anlasten,
dass wir kein EU-Mitglied sind, sonst müsste man nämlich zwangsläug
behaupten, die machoid geprägte Schweizer Medienlandschaft sei ein
ignoranter Haufen.
Einen Vorgeschmack auf die Parade, die gegnerische Mischung aus Ka-
tholizismus und Nazi-Propaganda, bot der vor dem Sotel versammelten
Schweizer Delegation am Samstagmittag eine Gegendemonstration von
auffällig kurzhaarigen jungen nnern, die dumpfe Choräle zum Besten
gaben und Banner in Polens Nationalfarben schwangen – nachdem wir
Abends zuvor bereits zwei Bischöfen begegnet waren, die in einer kleinen
Menschenmenge mit hübschen Trachtenfrauen gegen uns gebetet hatten.
Die paar hundert jungen Faschos verstreuten sich jedenfalls just in dem
Park, durch den wir zum Ausgangspunkt schlenderten. Entsprechend an-
gespannt war die Situation, und dass ein alter Sack unter einem Laubbaum
«Switzerland go home» in ein Megafon krächzte und nebenan gepanzerte
Polizisten einen Schläger abführten, machte es auch nicht besser.
Hoi, Sali, sind er ä da?
Wie schön, dass irgendwann mal das rote T-Shirt mit dem weissen Kreuz
zur Mode erkoren wurde. Ohne sich abzusprechen, waren zwei Drittel der
Eidgenossinnen und -nossen darin erschienen, und davon gab es etliche.
Keine zehn Meter konnte man gehen, ohne auf ein bekanntes Gesicht zu
stossen. Network war gut vertreten, die Präsidenten von Pink Cross, HAZ
und HALU waren da, Wybernet und etliche, die sich irgendwo angehängt
hatten. Einige Herren verteilten ein paar tausend Toblerönchen, die sie in
einer hlbox mitführten, als ssen Gruss aus Gay Switzerland.
Doch bevor die Parade losging, spitzte sich die Situation erst einmal zu.
Aus dem Park drängten skandierende junge Polen, die faule Eier, Steine,
Flaschen und Rauchbomben in unsere Richtung warfen. Hunderte Poli-
zisten waren zur Stelle und hinderten in Kampfmontur die gewaltberei-
ten Demonstranten daran, die Parade zu sprengen, bevor sie überhaupt
starten konnte. Unter der drückenden Hitze (über 35°C, herrje) warteten
die Paradeteilnehmer und die immer lauter trötendenden Vuvuzelas
zeugten von wachsender Ungeduld. Dann endlich ging es der hrer des
polnischen Linksbündnisses, das als einzige politische Kraft im Land auf
unserer Seite stand, durchtrennte das Band und grimmige Dykes on Bikes
brummten los. In dichten Einerkolonnen marschierten Polizisten und po-
lizeiliche Hilfskräfte links und rechts der Parade, insgesamt zweitausend
sollen es gewesen sein. Plakate, auf denen Strichmännchen Analsex prak-
tizieren, religiöse Parolen auf Pappkarton und junge nner mit Stinke-
ngern in der Luft säumten die Alleen. Ein aufblasbarer Regenbogensdis-
kus wurde aus der Parade heraus in die Höhe geworfen, aufgefangen und
wieder geworfen – bis er im Abseits landete. Triumphierend schnappte
sich ein Kurzhaarträger das Spielzeug und zerriss es unter dem Gegröle
seiner Kollegen. Doch von den umliegenden Passanten erntete er damit
keinen Applaus, sondern Kopfschütteln. Und langsam wurde klar, dass ne-
ben den massiv aufgefahrenen Fundis und Faschos auch etliche da waren,
die uns gut gesinnt waren. Mit jedem Kilometer wurden die Plakate und
Banner weniger, aus den Fenstern winkten alte Damen, junge Männer,
alle in Unterhosen und am Strassenrand standen Familien mit Kindern.
Noch, so schien es uns plötzlich, ist Polen nicht verloren.
Fortsetzung auf Seite 8
8
Gesellschaft CRUISER Edition September 2010
Während in Warschau die
Schwulenbewegung noch viel
Arbeit vor sich hat, zeigte sich
in der britischen Küstenstadt
Brighton das andere Extrem.
Mit 160 000 Besuchern war die
«Brighton Pride» eine der wohl
grössten europaweit. Und eine
Verbeugung an die Toleranz:
Die wenigsten der Besucher
waren schwul.
Preston Park am 7. August: Menschenmassen
drängten sich in die sonst idyllische Grünan-
lage, Musik dröhnte aus jeder Ecke, der ölige
Geruch von Fisch und Chips lag in der Luft und
in den Kinderzelten kreischte die nächste Ge-
neration vor sich hin. Moment Kinderzelte?
Richtig, es ist die Brighton Pride, eine schwule
Parade, welchen ihren Abschluss (des Nachmit-
tags) im eingangs erwähnten Park fand und
alle feierten sie mit.
Senioren wie Junioren tragen die Regenbogen-
agge oder zumindest deren Farbe im Ge-
sicht. Und die Bierdose nicht zu vergessen. Bei
strahlendem Wetter wird das grösste Fest der
Stadt zelebriert. Mit 160‘000 Besuchern spra-
chen die Organisatoren von «the best Brighton
Pride eve.
Längst ist die dortige Pride von Heterosexuel-
len vereinnahmt worden. Die Toleranz gegen-
über Schwulen im Süden Englands kennt auf
den ersten Blick keine Grenzen, jedenfalls in
der Woche der Pride. Eine Veranstaltung jagt
die nächste, selbstverständlich alle unter dem
Decknamen «Gay-Pride». Jedes Pub zeigt Flagge
und bekennt sich zur Homosexualität. Oder
vielleicht doch nicht?
Wo waren die Schwulen?
Viel eher bekennen sich die Massen wohl zur
Party selbst. Was die Schwulenbewegung dort
jahrelang aufbaute, geriet mittlerweile ausser
Rand und Band. Und in die Kritik der Gay-Com-
munity selbst. Längst gibt es keine politischen
Kundgebungen mehr. Wer sollte denn auch zu-
hören? Die zahlreichen Familienväter, sie sich
bereits morgens mit Federboa um den Hals die
Kante geben? Die unzähligen Jugendlichen, wel-
che das Billig-Bier vom Supermarkt mit in den
Park nehmen? Die schicken Bio-Familien, die
mit ihren Kinderwagen jeden Durchgang in ei-
nen Hindernislauf verwandeln? Schwule jeden-
falls galt es im Preston Park zu suchen. Zugege-
ben, das Party-Zelt einer Gay-Disco platzte aus
allen Nähten, aber drum herum? Fehlanzeige.
Zu Recht wird nun das Organisations-Komitee
ausgewechselt, die ganze Schose soll hinter-
fragt werden.
Brighton gilt als schwulste Stadt des Vereinig-
ten nigreichs. 20 Prozent der Bevölkerung,
so wird gemunkelt, sollen dort die gleichge-
schlechtliche Liebe bevorzugen. Nicht umsonst
spr ic ht ma n auc h vom br itischen San Fra ncisco.
Und so sind Brightons Schwule und Lesben ziem-
lich akzeptiert, jedenfalls dann, wenn sie eine
Party auf die Beine stellen. So wird in etwa der äl-
teste Schwule der Stadt eigens zelebriert bzw. er
darf die Parade auf seinem Rollstuhl anführen.
Was ein CSD nie sein wollte
Ansonsten gleicht die rechtliche Situation etwa
der in der Schweiz: Eine Hochzeit-light und kei-
ne Chancen auf Adoption. Trotzdem ist die To-
leranz der Heterosexuellen in Brighton durch-
aus zu würdigen. Aber die Pride wurde das, was
ein CSD eigentlich nie sein sollte: ein Karneval
für die Massen. Ganz ohne Sinn, einfach nur
Party. Man könnte die Pride in etwa mit dem
Berner Gurten-Festival vergleichen, nur das
dort Schwule offen rumlaufen rfen, ohne
verprügelt zu werden (oder bis gewisse Leute
sich in die Aggression saufen).
Die Party im Preston Park dauerte bis acht Uhr
abends. Danach zog Mann, Frau und Kind weiter
an die St. James Strasse: Dasselbe in Blau, sozu-
sagen. Der Preston Park glich danach übrigens
einer riesigen llhalde. Es dauerte zwei Tage,
bis er wieder einigermassen begehbar war.
Fortsetzung von Seite 7
Von Anfeindung über Skepsis bis zu grosser Sympathie begegnete einem
an diesem Tag so ziemlich jede Emotion. Und interessanterweise standen
die Blutten hier für einmal nicht in der Parade, sondern auf den unzähli-
gen Balkonen entlang der Route. Warschau ist offenbar die Stadt, wo man
an heissen Sommertagen grundsätzlich nur Unterwäsche trägt mit Vor-
liebe Modelle aus der Sowjetzeit.
Feiern und Flaggen verbrennen.
Warschau ist kein kommunistischer Moloch. Es ist überraschend hübsch.
Die Leute sind reserviert, aber freundlich. Das Essen ist nicht so schwer
und fettig, wie man glaubt, und ein paar Restaurants können locker mit
denjenigen in Berlin, London und Paris mithalten. Die Gayclubs haben
etwas Unverbrauchtes, ein paar der Jungs erfreulicherweise auch. Die
Prachtstrasse ist echter Jugendstil, wenn auch nach der Bomberei wieder
aufgepeppelt und ein paar der Shops haben erf reulicher weise auc h sonn -
tags geöffnet. Das Soft-Ice wird zu penisförmigen Türmen aufgebaut und
so kann man verggt zuschauen, wie Familienväter an etwas lutschen,
was wie das Geschlechtsteil eines Schwarzafrikaners aussieht.
Warschau geht aber auch unter die Haut. Vor dem Pride House, einem
Kulturzentrum, das zum zentralen Treffpunkt umfunktioniert wurde,
standen Plakate, die über die Situation von Schwulen und Lesben auf
der ganzen Welt informierten. Und zu jeder Tageszeit blieben Passanten
stehen, um zu lesen. Sie lasen über Dinge, von denen sie noch nie gehört
hatten. Über Themen, die Jahrzehnte totgeschwiegen wurden. Zum er-
sten Mal vermutlich sahen sie eine Karte, auf der eingezeichnet war, in
welchen Ländern auf Homosexualität die Todesstrafe steht. Und sie blie-
ben vor der Karte stehen, länger als je einer in Zürich stehen bleiben wür-
de. Doch auch hier werden die Gegensätze deutlich. hrend drinnen
am Abend ein bunter Mix aus Heteros und Homos bei weit über 50 Grad
und maximaler Luftfeuchtigkeit fröhlich feierte, versuchte draussen ein
Grüppchen eine Regenbogenfahne zu verbrennen. In einem Café, das sich
fürs Wochenende eine Rainbowag ins Fenster gehängt hatte, riss ein
fetter Typ sie raus, zerbrach sie und warf sie auf den Boden. Und hrend
wir betreten daneben sassen, stürzte der junge Kellner raus und las dem
Randalen die Leviten mehr noch, er rief zwei Security-Leute und drohte
mit der Polizei. Vielleicht, dachten wir danach, hätten wir aufstehen und
uns dem Kellner anschliessen sollen. Denn dafür waren wir ja nach War-
schau gekommen. Um zu protestieren.
Doch wir sind es nicht gewohnt, auf diese Weise für unsere Rechte einzu-
stehen, zu handeln, nicht bloss zu denken oder zu reden. Vielleicht ha-
ben wir es schlichtweg verlernt, schwule Wohlstandsverwahrlosung. Auf
alle Fälle hat Warschau geholfen, die politischen Batterien aufzuladen.
Denn Warschau ist nicht bloss eine Stadt irgendwo im Osten. Warschau
ist der Rest der Welt, wo Schwule und Lesben noch immer unterdrückt,
verfolgt, gefoltert werden.
Und Warschau hat gezeigt: Es gibt noch viel zu tun.
Brighton Pride
Karneval der
Massen
Längst ist die dortige Pride
von Heterosexuellen verein-
nahmt worden.
Von Daniel Diriwächter
SONNTAG 19. SEPTEMBER
INSATIABLE «CARNE»
MAD>LAUSANNE
Ivan Pica>Madrid
(Space of Sound, Pacha)
Antoine909>London
(Circuit Festival, Jungle)
Shequida>New York
(American Star)
Severino>London
(Horse Meat Disco)
Filthy Luka>London
(Horse Meat Disco)
Live violin: Dillon>Hamburg
(Philharmoniker)
The «Insatiable» Gaydar Gogo-Boys
MAD, rue de Genève 23, LAUSANNE
www.gay-party.com
Tel:
-
340
69
69
SHEQUIDA
10
Prominent CRUISER Edition September 2010
George Michael
Promis vor Gericht waren in diesem Sommer
ein überaus beliebtes Fotosujet. Naomi Camp-
bell vor dem Kriegsverbrechertribunal, Kachel-
mann, über den die Boulevardpresse während
der gesamten Sauregurkenzeit fast täglich aus-
führlich berichtete oder Lindsay Lohan, die den
roten Teppich gegen den orangen Gefängnis-
Overall tauschte, die mit frisch aufgespritz-
ten Lippen und neuen Extensions 13 Tage Haft
absass und nun eine Million für ein exklusi-
ves Interview über diese harte Zeit verlangt.
Schliesslich legte sich auch noch ein Wieder-
holungstäter mit der Justiz an: George Michael.
Nach der Londoner Gay Pride raste der nger
mit seinem eleganten Range Rover alkoholisiert
in ein Fotogeschäft und kam erst nach mehr-
stündigem Verhör gegen Kaution wieder frei.
Bereits vor einem Jahr rammte George einen
Sattelschlepper und 2007 kassierte er wegen
Fahrens unter Drogeneinuss einen zweijäh-
rigen Ausweisentzug. Ganz zu schweigen vom
legendären Vorfall in Los Angeles 1998, wo er
beim Cruisen in einer öffentlichen Toilette er-
wischt wurde und dafür 80 Stunden gemein-
tzige Arbeit leisten musste. Immerhin inspi-
rierte ihn jener Vorfall zum Song «Outside», der
zwar in den USA nur zwölfmal im Radio gespielt
wurde, hierzulande hingegen zum gssten Hit
seit der W ham-Zeit w urde. Seine Sänger-K arr ie -
re erklärte George zwar inzwischen ofziell für
beendet, und doch dürften bald wieder berau-
schende Songs statt berauschter Autofahrten
für Schlagzeilen sorgen: Ende September wird
sein geniales Solo-Debüt «Faitin einer neu ab-
gemischten Version veröffentlicht. (rg)
Ronaldo
Erst nach W M-Sc hlusspf f und abseits des Spiel-
felds sorgte unser Liebling Cristiano Ronaldo
für die fette Schlagzeile. Er gab bekannt, Va-
ter geworden zu sein. Von der Mutter fehlte
allerdings jede Spur. Angeblich hatte er sich
für einige Millionen eine Leihmutter ausge-
sucht, um einen perfekten Klon in die Welt zu
setzen. Da läuteten natürlich sofort die Gay-
Alarmglocken. Hatte nicht Ricky Martin kurz
vor seinem Coming-out die gleiche Familien-
planung gewählt? Und hatte nicht Paris Hilton
einst Ronaldo den Laufpass gegeben, weil ihr
dieser einfach zu tuntig war? Nach allen wilden
Spekulationen kam jedoch eine ganz andere
Wahrheit ans Licht. Die Millionen waren ledig-
lich als Schweigegeld gedacht, bekannt wurde
die Identität der Mutter trotzdem. Ronaldos
Nachwuchs ist das Ergebnis eines One-Night-
Stands mit einer Kellnerin. Als diese auf seine
plumpe Anmache «You, me, fuck fucratlos
reagierte, griff er tief in die Romantikkiste und
zeichnete ein Herz auf die beschlagene Scheibe.
Nun will er aber lieber seine Vorzeige-Model-
Freundin Irina Shayk heiraten. Irgendwie hat
der Ballkünstler mit dieser Geschichte einige
Sympathiepunkte verloren, da helfen weder
die knackigen Urlaubsbilder in knappen Shorts
noch das Geständnis einer Ex-Bettgespielin, er
sei furchterregend gut bestückt. Punkten will
die Fussball-Ikone künftig übrigens auch als
Desig ner, er will sei ne «C R7» -Kollek tion auswei -
ten und sich welch Überraschung auch an
schnittige Babykleidung wagen. (rg)
Ole von Beust
Berlin hat Klaus Wowereit, Zürich hat Corine
Mauch, Hamburg hat Ole von Beust. Hatte, denn
der schwule rgermeister der Hansestadt, mit
vollem Namen Carl-Friedrich Arp Ole Freiherr
von Beust, ist zurückgetreten. Zeitgleich mit
Wowereit übernahm er 2001 das rgermeister-
Amt, zwei schwule Stadtvorsteher der grössten
deutschen Städte, die unterschiedlicher nicht
hätten sein können. In Interviews zu seinem
Rückzug aus der Politik sprach von Beust nun
auch zum ersten Mal über sein unfreiwilliges
Coming-out durch seinen Vater. «Ein Freund rief
mich an und fragte, ob ich schon die Zeitung
gelesen hätte. Mein Vater habe mich geoutet.
Ich sagte damals: Du spinnst doch. Dann bin
ich mit klopfendem Herzen zum Briefkasten
gegangen.» Zu diesem Zeitpunkt auch von an-
deren Parteien unter Druck gesetzt, verwies
von Beust stets darauf, seine Sexualität sei reine
Privatsache und setzte seine Karriere als erfolg-
reicher Politiker ungehemmt fort, behielt sein
Image als Sonnyboy. In Justizfragen griff er hart
durch, setzte sich etwa für ein Alkoholverbot
in öffentlichen Verkehrsmitteln ein, daneben
mpfte er auch unermüdlich für mittellose
Minderheiten. Es gebe immer mehr Menschen
am unteren Rand und auch immer mehr, die un-
verhohlen mit ihrem Reichtum angeben, so sei-
ne resignierte Bilanz zum Rücktritt. In der deut-
schen Gay-Community hiess es immer wieder,
von Beust gehöre der falschen Partei an, sei zu
konser vat iv. Er w ir d a ls C DU -Polit ike r i n E ri nne -
rung bleiben und nicht in erster Linie als homo-
sexueller rgermeister, und das ist auch gut so.
In der deutschen Presse konzentriert man sich
derzeit sowieso viel mehr auf die heikle Frage,
ob Aussenminister Westerwelle mit oder ohne
Lebenspartner in schwulenfeindliche Länder
reisen soll. (rg)
11
CRUISER Edition September 2010 Prominent
TV-Herbst
Wenn die lauen Sommerabende vorbei sind,
zappt man doch gerne mal wieder durchs Fern-
sehprogramm. Nachdem wir alle Sommerloch-
Wiederholungen und Aeschbachers Versuche
als Schuster und Wurster bewundern durften,
geht’s endlich auf in eine neue TV-Saison. Eine
frische Staffel DSDS gibt’s bei RTL demnächst zu
sehen, in der Jury wird diesmal Patrick Nuo für
Swissness und Sweetness sorgen. Pro7 schickt
eine weitere Popstars-Folge an den Start, Mot-
to diesmal: Girls Forever. Auch das Schweizer
Fernsehen gibt sich musikalisch, in «Kampf der
Chöre» versuchen sich Michael von der Heide
und Maja Brunner als Dirigenten. Zudem wer-
den die grössten Schweizer Talente gesucht
(Bewerbungsfrist läuft noch!), Christa Rigozzi
steigt als Co-Moderatorin von Marco Fritsche
auf den Heuboden und Weltwoche-Kolumnist
Mark van Huisseling blamiert sich in der neu-
en Sat1-Promishow «MvH The Place to b. Der
TeleZüri-Kuppelsendung SwissDate sind sowohl
Zuschauer als auch Kandidaten ausgegangen.
Zum letzten Mal erinnern wir uns an Pattys ein-
zigen Versuch, auch schwule Singles glücklich
zu machen, der in einem Skandal endete: Der
Kandidat war gar nicht an Liebe interessiert,
sondern lediglich an TV-Präsenz. Jetzt werden
die Zuschauer des Lokalsenders am Samstag-
abend mit einer Kochshow beglückt, Topf sucht
Deckel, statt Single sucht Partner. Ein Fernseh-
programm zum Davonlaufen? Auch dafür das
passende Format: «Adieu Heimat» auf 3+. Viel-
versprechendes winkt immerhin aus der Soap-
Ecke: In der neusten Staffel Beverly Hills 90210
(ja, gibt’s noch immer) outet sich der Tennisleh-
rer Teddy Montgomery, und RTL zeigt ab Januar
2011 die US-Kult-Gay-Serie GLEE. (rg)
Anne Rice
Die amerikanische Schriftstellerin Anne Rice,
bestens bekannt für «Interview mit einem Vam-
pir», brach jü ngst eine Lanze f ür die Homose xu-
ellen. Um genau zu sein, brach sie mit der Kirche.
Auf ihrer Facebook-Seite verkündete die 68-Jäh-
rige im August ihre Abkehr vom Christentum,
weil dieses Homosex uellen, Frauen w ie auch an-
deren Randgruppen nur Hass entgegen-bringe.
Stein des Anstosses war eine radikale Baptisten-
kirche sowie eine von den Republikanern un-
terstützte Formation, welche die Todesstrafe
für Homosexuelle fordert mittels christlicher
Gospel-Musik in Schulen. Anne Rice kommen-
tierte dieses Handeln folgendermassen: «Heute
höre ich auf, eine Christin zu sein. Ich bin raus».
Sie weigere sich, gegen Schwule zu sein. Sie
fühle sich jedoch weiterhin den Werten Christi
verpichtet, wolle aber kein Teil des Christen-
tums mehr sein: «Vielleicht können die Men-
schen, die die L ehren Chr isti ernst nehmen, kei-
ne Christen sein», so Rice weiter. Die Sympathie
der Schriftstellerin für Schwule kommt nicht
von ungefähr: Ihr Sohn Christopher, ebenfalls
ein Schriftsteller, ist offen schwul. Bei Facebook
jedenfalls sind Tausende Kommentare im Prol
eingegangen, die meisten wohlwollend. Ande-
re hingegen wünschten (Überraschung!) der
Schriftstellerin den Tod im Höllenfeuer, doch
sie «danke auch diesen Leuten». (dd)
Michelle
Die deutsche Schlagersängerin Michelle verfügt
über mindestens ebenso viele schwule Fans wie
heterosexuelle. Und von denen erhielt sie, wie’s
scheint, eine gehörige Portion Drama, um im
harten Showbusiness zu bestehen, zumindest
in der Klatschspalte. Unzählige private Tief-
schläge führten wohl auch dazu, dass sich die
reale Michelle bald von ihrer Bühnen-Persona
distanzierte. Seit Jahren redet sie immer wieder
von diversen Michelles, zeitweilig auch Tanja
Thomas genannt. So wurde es schwer ihr zu fol-
gen. Und weil so viele Charaktere in Michelle
drin stecken, gab sie immer mal wieder ihren
Rückzug aus der Musik bekannt. Und ein Jahr
später folgte dann eine neue CD. Letzten Winter
rührte sie die Schlagergemeinschaft zu tnen,
als sie mit dem Album «Goodbye Michelle» nun
endgültig aus dem Rampenlicht treten wollte.
Florian Silbereisen weinte bitterlich, denn Mi-
chelle, die Sängerin, war die Königin des deut-
schen Schlagers. Und enorm erfolgreich, ihre
«letzten» Lieder stürmten die Charts. Deswegen
dürfte nun alles wieder vergessen sein, ganz
nach dem Motto: Was kümmert mich das Ge-
schwätz meiner gefühlten sechsten Person von
gestern? Michelle plant wieder ein Comeback.
Dies verkündete sie jedenfalls dem Sender RTL.
Dafür reiste sie nach Hollywood, «stärker und
schöner» denn je. Die Schlagerfans wird’s freu-
en, denn seien wir mal ehrlich, ein solch talen-
tierter Piepmatz mit einer ziemlichen Meise
kommt in diesem Genre eher selten vor. (dd)
Sara Gilbert
In Europa kennen wir Sara Gilbert meist nur aus
der TV-Serie Roseanne. Diese ist seit 1997 ein-
gestellt, erfreut sich aber immer wieder zahl-
reicher Wiederholungen. Zur Erinnerung, Rose-
anne war jene leicht vulgäre sowie vollschlanke
Vorstadthausfrau, die den White Trash zur Ko-
mödie hochstilisierte. Und Sara Gilbert spielte
deren pubertäre Göre Darlene. Diese vergnügte
die Fans mit ihren unkonventionellen Weltan-
schauungen. Heute ist es nun Gilbert selbst, die
Amerika derzeit zu schockieren vermag. Lange
war ihr Privatleben in den Staaten ein Geheim-
nis, ein offenes zwar, aber damit ist nun Schluss.
Anlässlich einer Pressekonferenz des Fernseh-
senders CBS outete sich Sara Gilbert als lesbisch.
Eine neue Talkshow zu Familienthemen wurde
präsentiert. Alle Moderatoren, wie etwa Sharon
Osbourne, wurden zusammen mit Ehepartner
vorgestellt. Nur nicht Gilbert, weswegen ihr
wohl der Kragen platzte. Sie bestätigte vor lau-
fender Kamera, dass sie bereits seit 2002 mit
der Produzentin Allison Adler zusammenlebe.
Zusammen haben sie zwei Kinder: Sohn Levi
wurde 2004 von Adler ausgetragen, hrend
Gilbert die Tochter Sawyer 2007 zur Welt brach-
te. Das nennt sich wohl lesbisches Teamwork.
Unaufgeregt fügte Gilbert hinzu, dass sie halt
«einfach nur ihr Leben lebe» und nie in Begrif-
fen wie «out» oder «idenke. Ihre Serienmutter
Roseanne wird’s freuen, engagiert sie sich doch
selbst lautstark in der Gay-Szene. (dd
12
Kolumne CRUISER Edition September 2010
Als ich schwul
wurde. (Rückblick
auf die frühen
Achtzigerjahre)
Von Michi Rüegg
Trifft man, beispielsweise auf einer Party oder
Beerdigung, einen interessierten Hetero, tau-
chen im Verlaufe des Gesprächs drei Fragen in
Bezug aufs Schwulsein besonders häu g auf:
1. Wann hast du gemerkt, dass du auf
nner stehst?
2. Tut das nicht weh?
3. Wie kriegt man die Flecken aus der
Bettwäsche?
Frage 2 sst darauf schliessen, dass die fragende
Person zwar mit dem Gedanken an Analsex
spielt, jedoch bislang nicht mit dem Anus an
sich. Frage 3 hingegen deutet darauf hin, dass
schon rumexperimentiert wurde. Am häu-
gsten ist jedoch Frage 1, und welch Dilemma
sie ist auch am schwierigsten zu beantworten.
Vor allem, wenn man damals, als mans raus-
gefunden hat, gar nicht auf Männer, sondern
auf kleine Jungs stand. Was unweigerlich die
Frage aufwirft, ob ein 12Jähriger, der sich in
einen gleichaltrigen Klassenkameraden ver-
liebt, schwul oder pädophil ist? Nun wissen wir,
dass der Männergeschmack im Idealfall mit
einem selbst mitaltert, was nicht nur rde
ausdrückt, sondern auch Auslagen vermeidet,
weil ab einem gewissen Alter der Konsum von
18Jährigen kostenp ichtig wird.
Damit hätten wir bereits den Hinweis darauf,
dass viele von uns nicht erst mit dem Erreichen
des Erwachsenenalters auf homo umgestellt
haben, sondern lange vorher – und vermutlich
nicht mit den anderen Buben in der Umkleide-
kabine der Turnhalle durchs Schlüsselloch zu
den Meitli gepeept haben, sondern es mit einem
Lächeln auf den Stockzähnen locker zur Kennt-
nis nahmen, wenn der Lehrer befahl, es sei nach
jeder Turnstunde zu duschen.
Bis man jedoch von der heterosexuellen in die
homosexuelle Sozialisation wechselte, dauer-
te es noch ein paar Jahre. Woher sollten wir
denn den Umgang mit Federboas, Foulards und
bauchfreien T-Shirts erlernen, wenn alle rund-
heru m A BM -Jea ns und Faserpelzjac ken mit nor -
wegischen Mustern trugen?
Dass jedoch schon im frühen Kindesalter ers te
Anzeichen von schwuler Subkultur auftauchen,
bewies ich mir diesen Sommer selbst. Bei einem
meiner seltenen, weil obligaten Besuchen im El-
ternhaus holten Mama und Papa Kinderzeich-
nungen hervor, die sie beim Aufumen fanden,
weil die Hauseigentümergemeinschaft beschlos-
sen hatte, dass sie ihren Schrank aus dem Trep-
penhaus zu entfernen hatten, was meine Eltern in
ihrem typisch kleinbürgerlichen vorauseilenden
Gehorsam umgehend an die Hand nahmen. Item.
Jedenfalls blätterte ich so durch meine frühen
Werke, a ls mein Blic k a n e iner Ze ic hnung aus de r
sachlich-expressionistischen Kindergartenperi-
ode hängen blieb. Sie zeigte eine Landschaft mit
einem grossen Haus in der Mitte, das ein wenig
an eine Burg erinnerte. Drum herum standen Pal-
men, meine damaligen Lieblingsp anzen, was
darauf schliessen lässt, dass ich hier so eine Art
Traumhaus gemalt hatte.
Und auf dem Haus wehte stolz am Stecken eine
Regenbogen agge. Die erste in meinem Leben.
Zwar verkehrt herum, mit der Lesbenseite nach
oben (w ie Nachbar Ta ma ra schn ippisch bemerk-
te, als ich das Foto rumzeigte), aber immerhin,
eine Gay-Flag.
Ich glaube, ich wusste schon immer, dass ich
schwul war. Lange bevor ich entdeckte, dass
das Pimpeli nicht nur von der nassen Badehose
hart wird.
Für alle Fragen rund ums
lesbische, schwule, bi- und
transsexuelle Leben
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13
CRUISER Edition September 2010 Fashion
«Nudie-ty»
Das Label «Nudie» bekennt
sich zur authentischen Her-
stellung von Jeans
Von Mark-Philip Ingenhoff
Zuletzt erhielt die Marke «Nu-
die Jeans» durch die Eröff-
nung eines Flagship-Stores
im rcher Viadukt starken
Auftrieb und mauserte sich
zum kommerziellen Newco-
mer auf dem Jeans-Markt. Vor
der Kommerzialisierung im
Raum rich vertrieb Roger
egg, Inhaber der Jeanskan-
tine neben der Barfüsser Bar
im Niederdörfli, den Brand
mit dem weitaus grössten Sor-
timent und bringt seine Lieb-
lingsmarke «Nudiimmer
noch mit genauso viel Enthu-
siasmus an den Mann wie vor
sechs Jahren.
Welches Kleidungsstück re für Mann und
Frau gleichermassen nicht mehr wegzudenken?
Die Antwort liegt auf der Hand, wenn man an
modische und zeitlose Beinbekleidung denkt.
Die Jeans ist seit der Erndung durch Levi
Strauss im 19. Jahrhundert die unangefochtene
Königin unter den Hosen.
Aus Liebe zur Jeans eröffnete Roger Rüegg im
Jahr 2004 die Jeanskantine in Zürich, wo bis
dato renommierte Markenjeans der Brands
«Edwin» und «Nudie» verkauft werden. Der Ge-
mischtwarenladen vertreibt ausschliesslich
Marken, die sich mit der Philosophie der Jeans-
Herstellung à la Levi Strauss identizieren. Und
genau d ies t ut «Nud ie» m it dem Ver tr ieb authen-
tischer Five-Pocket-Jeans.
Eine zweite Haut
Auf ihrer Homepage (www.nudiejeans.com) ge-
ben die Hersteller das Versprechen «Nudie will
stay true to jeans and all about jeans.» Mit dem
Leitgedanken «Nudie is the naked truth about
denim» haben sich die Jeans-Fanatiker hinter
dem Brand zum Ziel gemacht, ihre Jeans wie
eine zweite Haut an den Träger zu verkaufen.
Der Denim-Stoff hat die Eigenschaft, sehr schön
zu altern. Durch das Ausbleichen des Indigo-
Farbstoffes verändert sich mit dem Tragen die
Oberächenstruktur. Das Garn wird nie kom-
plett durchgefärbt, weshalb man diese Jeans
so gut auswaschen und durch Reibung (Stone-
Wash) aufhellen kann. So wird jede «Nudie»-
Jeans zur individuellen zweiten Haut, deren Er-
scheinung durch den Träger beeinusst wird.
Roger Rüegg liebt die Marke «Nudie» ganz be-
sonders, wie er selbst sagt. Er lt sie für ehr-
lich und authentisch. «Nudie» sei schliesslich
kein Fashionlabel, so wie «G-Star». Er begründet
dies damit, dass der Brand konstant auf einer
Schiene fährt. Diese Schiene heisst Unisex und
ist zudem sehr vintage-geprägt. nner tragen
Jeans, die ansatzweise für Frauen konzipiert
wurden und umgekehrt. Die Kollektionen, die
«Nudie» auf den Markt bringt, sind zudem kon-
stant gut. «Die Marke hat ein sehr gutes Flair für
Trends», so Rüegg, «zum Beispiel bietet Nudie in
jeder Kollektion zwei bis drei schmale Modelle.
70 Prozent unseres Umsatzes verdanken wir
schmal geschnittenen Silhouetten.» Vor eini-
gen Jahren sah dies noch anders aus: Damals
verkaufte die «Jeanskantine» noch zunehmend
Boot Cut-Jeans, da der «Skater/Boarder»-Style
noch mehr im Trend gewesen war.
Der Favorit «Thin Fin
Das Lieblingsmodell der Jeanskantine-Inhaber
ist das Modell «Thin Fin. «Es ist schlicht und
einfach die genialste Hose!», so Rüegg, «Mit die-
sem Modell hat Nudie‘ einfach einen Glücks-
treffer kreiertTatsächlich passt die Jeans ab-
solut perfekt ins ansteigende Trendbild: Sie ist
zeitgemäss eher eng anliegend und trotzdem
nicht zu feminin. Hollywood-Grössen wie Colin
Farrell oder Brad Pitt, die hin und wieder mal
den Grunge-Look zelebrieren, würden einwand-
frei in das «Thin Fin-Modell passen.
Trotz der Eröffnung des «Nudie»-Flagship-Stores
macht sich Roger Rüegg keine Sorge um die Zu-
kunft der Jeanskantine. «Wir bieten nach wie
vor ein grosses Sortiment der Marke ‚Nudiean
und informieren unsere Kunden ausführlich
über die Handhabung jedes einzelnen Jeans-
Modelles, welches wir verkaufen». Und das ist es
tatsächlich, was ein Besuch in der Jeanskantine
zum lohnenswerten Einkauf macht. Das Rezept
zur optimalen Handhabung der persönlichen
Jeans gibt es mündlich überliefert dazu. Und
bei Fragen oder Problemen stehen dem Kunden
Roger und Bettina, zwei fachkundige Jeans-Ex-
perten, zur Verfügung.
Jeanskantine, Spitalgasse 8, 8001 Zürich
14
Kino CRUISER Edition September 2010
Familiäre Minen in
Apulien
Aus Italien kommt ein wertvoller Beitrag r den
cineastischen Herbst
Von Alex Rudolf
15
CRUISER Edition September 2010 Kino
Familiäre Minen in
Apulien
Aus Italien kommt ein wertvoller Beitrag r den
cineastischen Herbst
Von Alex Rudolf
Ein schwuler Regisseur
macht einen Film, dessen
Protagonist schwul ist und
um dessen Schwulsein
sich die Handlung dreht.
Und trotzdem ist Ferzan
Ozpeteks «Mine Vaganti»
kein Homo-Streifen.
Wandelnde Minen (it. Mine Vaganti) sind in der apulischen Grossfamilie
Cantone so einige vorhanden. Der Vater hat eine Affäre, die Grossmutter
weint noch nach 60 Jahren ihrer Jugendliebe nach und die Schwägerin
ist im tristen Dasein einer alternden Schönheit gefangen. Anlässlich
eines Familientreffens im elterlichen Haus reist Sohn Tommaso (Riccardo
Scamarcio) nach Lecce. Bei dieser Gelegenheit nimmt er sich vor, seiner
versammelten Familie drei Eingeständnisse zu machen. Erstens studiert
er Literatur und nicht Wirtschaft, zweitens will er Schriftsteller werden
und nicht die Pasta-Fabrik seiner Familie übernehmen und drittens ist er
schwul. Homosexualität ist in der Cantone-Familie und deren sozialem
Umfeld jedoch noch immer etwas Unsittliches, Krankes, das nur in Gross-
städten gelebt wird – die größte Mine sozusagen.
Als Tommaso jedoch beim geselligen Nachtessen das Wort ergreifen will,
unterbricht ihn sein Bruder Antonio und gesteht der versammelten Fami-
lie sei ne Vorl iebe f ür das mä nn liche G esc hle cht u nd die la ng jäh rige A ff är e
mit einem Fliessbandmitarbeiter der Fabrik. Da der cholerische Patriarch
Vincenzo diesen sogleich enterbt und von Familie und Firma verbannt,
traut sich Tommaso noch weniger, zu sich und seinem Leben zu stehen.
Die Aufregung um das Coming-out seines Sohnes, löst bei Vater Vincenzo
sogar einen Herzinfarkt aus. Tommaso wird darauf dazu gedrängt, die
Pasta-Fabrik zu übernehmen, da der Patriarch ans Bett gefesselt ist.
Tommaso, gefangen zwischen Pichtgefühl seiner Familie gegeber
und dem Drang nach Selbst ver wirk lichung, versucht, einen Weg aus die -
ser Situation zu nden. Die PR-Frau der Pasta-Fabrik, Alba Brunetti, und
seine Grossmutter erweisen sich als grosse Inspirationsquellen, wenn
es um das Leben in der Provinz geht. Diese Entwicklung geht jedoch
stockend voran, bis eines Tages sein Lebenspartner und drei schwule
Freunde vor der elterlichen r stehen.
Wenig Klischees trotz Baccara
Ferzan Ozpeteks Film begeistert in vielerlei Hinsicht. Die Thematik des
schwulen Südländers, der es nicht schafft, seiner Familie reinen Wein
einzuschenken, mag von allein zwar nicht unterhalten. Da der Regisseur
das brüderliche Doppel-Coming-out zum einen nicht plakativ inszeniert
und zweitens die Reaktion der Familie als Persiage der süditalienischen
Mittelschicht daherkommen lässt, ist der Film sehr sehenswert. Die Ner-
venzusammenbrüche von Vater Vincenzo (Ennio Fantastichini) sind
derart überspitzt, dass dem Zuschauer nichts anderes übrig bleibt, als
herzhaft über diese zu lachen.
«Mine Vaganti» überzeugt auch aus ästhetischer Sicht. Ozpetek vermag
die Schönheit Lecces und die seiner Protagonisten einzufangen, ohne
dass dem Film dabei die Natürlichkeit abhanden kommt.
Obwohl gegen Ende des Films die aus Rom angereisten Freunde Tomma-
sos in knappen Badehosen am Meer zu Baccaras «Sorry, I’m a Lady» singen
und tanzen, bedient «Mine Vaganti» wenig Klischees.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass Ozpetek grossen Erfolg mit sei-
nem Werk feiern kann. Am ersten Wochenende spielte der Film in Italien
bereits über zwei Millionen Euro ein, was vermutlich nicht zuletzt an der
attraktiven und talentierten Besetzung liegt. Ein leichtes Filmvergnügen
mit Tiefgang.
Mine Vaganti von Ferzan Ozpetek, läuft in den Schweizer Kinos
ab 26. August.
Der schwule Regisseur erklärt im Interview mit CR, warum er es
nicht für sinnvoll hält, aus allem eine Sache der (Homo)-Sexualität zu
machen. (Seite 17)
BOYAHKASHA!
SAMSTAG | 25. SEPTEMBER 2010 | START: 22 UHR
GET READY FOR THE LAST
SUMMER NIGHT 2010
2 DANCE FLOORS
LUC LE GRAND | RAFFINESS
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ACQUA | MYTHENQUAI 61 | 8002 ZÜRICH | WWW.ACQUA-CLUB.CH | WWW.BOYAHKASHA.CH
17
CRUISER Edition September 2010
Kino
«Am Ende gibt es
schwule Tische,
schwule Sofas
und schwules Do-
senbier»
Der schwule Regisseur Ferzan
Ozpetek erklärt, warum er
es nicht r sinnvoll lt, aus
allem eine Sache der (Homo)-
Sexualität zu machen.
Von Alex Rudolf
Der gebürtige Istanbuler
Ferzan Ozpetek lebt seit rund
dreieinhalb Jahrzehnten in
Rom und avancierte zu einem
der erfolgreichsten Regisseure
Italiens. In seinem neuen Film
«Mine Vaganti» (Seite 14) the-
matisiert er auf humoristische
Weise den Umgang mit Ho-
mosexualität in der d-
italienischen Provinz. Der
59-Jährige sträubt sich jedoch
dagegen, als Regisseur von
Schwulenfilmen angesehen zu
werden. Ihm gehe es um das
Zwischenmenschliche, losge-
löst von Geschlechtern. CR
traf ihn in einem Zürcher Nobel-
hotel.
CR: Herr Ozpetek, Sie haben «Mine Vagant
ihrem Vater gewidmet. Hat er bei Ihrem Co-
ming-out gleich reagiert wie der cholerische
Vater im Film?
FO: Nein, überhaupt nicht. Aber man muss den
Vater im Film an dieser Stelle auch verteidigen,
denn er reagiert nicht derart cholerisch auf das
Coming-out des Sohnes, sondern darauf, dass
Sohn Tommaso nicht nger Teil des Vaters, son-
dern zu etwas eigenem geworden ist. Es ist, als
wenn der Sohn dem Vater gesagt hätte, dass er
gerne Artist in einem fremden Zirkus werden
wolle.
CR: Dies ist also gar nicht als kleine Kritik am
Umgang der südländischen Kultur mit dem
Thema Homosexualität zu verstehen?
FO: Die Leute im Süden reagieren gar nicht an-
ders als die Leute im Norden, wenn es ums
Schwulsein geht. Ich habe mich im Vorfeld mit
vielen Bewohnern Lecces, dem Drehort, unter-
halten. Ich habe sie gefragt, wie sie reagieren
würden, wenn ein Sohn aus gutem Hause plötz-
lich schwul wäre. Alle sagten, dass es erst zu
einem Gesprächsthema würde, wenn man es
zu verstecken versuche. Ich muss jedoch vorweg
nehmen, dass ich den Begriff «Homosexualität»
nicht sonderlich mag. Ich mag es nicht, wenn
man einen Menschen so deniert. Viele andere
wertvolle Aspekte einer Person werden so aus-
geklammert.
CR: Warum wird man so schnell auf seine
sexuelle Orientierung reduziert?
FO:
Diese Denkweise hat ihren Ursprung zeit-
gleich mit den grossen Religionen. Davor waren
die Menschen mehr oder weniger frei zu tun,
was sie wollten. Der Mensch braucht ein Mus-
ter. Und dieses erfüllen einige schwule nner
auch sehr plakativ. Ich spiele in meinem Film
mit diesem Bild, denn die Hauptdarsteller, die
schwule Charaktere spielen, sind in Italien eher
für typisch männliche Rollen bekannt. Dass
sich diese Schauspieler nun von einer anderen
Seite zeigen, freut mich sehr.
CR: Im Film gibt es eine Anspielung darauf,
dass die Akzeptanz von Schwulen in den
letzten zehn Jahren schlechter geworden ist.
Warum sagen Sie das?
FO: Es kommen immer wieder neue Errungen-
schaften, welche die Community der absoluten
Gleichberechtigung ein Stück näher bringen.
Zeitgleich werden aber in sehr fortschrittlichen
ndern immer wieder homophob motivierte
Gewaltakte publik. Gesellschaften zeichnen
sich dadurch aus, dass sie gegen etwas vorge-
hen, das zu stark vorhanden ist. Die einen sind
zu blond, die anderen sind zu schwul. Die Wei-
terentwicklung der Schwulenakzeptanz war
Ende der 1990er sehr stark, daher folgte in den
Nullerjahren ein leichter Rückschritt. Ich muss
jedoch auch sagen, dass es in «Mine Vaganti»
nicht hauptsächlich um Homosexualität geht.
Es geht um das Gebilde der Familie und um El-
tern-Kind-Beziehungen.
CR: Zwei Protagonisten sind jedoch schwul.
Hatten Sie nie Angst, dass «Mine Vaganti» zu
einem Schwulenlm ernannt wird und da-
durch einem breiten Publikum verwehrt
bleibt?
FO: Diese Angst hatte ich nie. Ich folge immer
meinem Gefühl und dieser Weg hat sich bisher
immer als richtig erwiesen. Ich muss jedoch
nochmals betonen, dass es sehr gefährlich ist,
einen Film als Schwulenlm zu bezeichnen.
Am Ende gibt es schwule Tische, schwule Sofas
und schwules Dosenbier. Man sollte Filme als
Gesamtwerk betrachten, nicht als etwas, das, in
diesem Falle Heterosexuelle, ausschliesst.
CR: Wollen Sie damit sagen, dass man in Fil-
men Liebe zwischen nnern zwar zeigen
darf, Homosexualität jedoch nicht themati-
sieren sollte?
FO: Natürlich nicht. Ich sage nur, dass man, um
ein breites Publikum anzusprechen, den Blick-
winkel ändern muss.
CR: Also liegt der ausbleibende Erfolg von Fil-
men mit schwulen Protagonisten an der ein-
tönigen Darstellung?
FO: Ein Journalist hat über meinen letzten Film
«Le Fate Ignoranti», in welchem es um verheirate-
te nner geht, die sich in nner verlieben, ge-
sagt, dass er es schaffe, die Menschen zu berüh-
ren. Es ist ein Film, in welchem das Schwulsein
stark im Zentrum steht, jedoch versuche ich
stets, noch andere Aspekte einzubauen, denn
schlussendlich ist dies die Realität. Niemand
ist nur schwul, wir sind auch Söhne, Brüder,
Freunde und natürlich Liebhaber. «Le Fate Igno-
ra nti» wa r i n Ita lien ein sehr g rosser Erfolg. Dies
zeigt, dass Emotion a n sic h w ic htiger ist, a ls z wi-
schen welchen Geschlechtern sie stattndet.
18
Szene CRUISER Edition September 2010
Triebwerk die
nnerbar
Lust auf ein Bier und etwas
Spass auch hrend der
Woche?
Ab Mittwoch, den 8. September, ist dies auch in
Zürich wieder möglich. Chris, Matthias, Lucas
und Alex bieten in den hrend der Woche zum
Barbetrieb umgestalteten Räumen des XceS Club
an der Albulastr. 40, eine tolle Alternative, um
auch mal während der Woche auszugehen. Die
Triebwerk Bar ist von Montag bis Donnerstag
ab 18.00 Uhr bis 1Uhr offen. Ein Bier kostet bis
20.00 Uhr 4 Franken. Der Eintritt ist natürlich
gratis. Nur für nner ab 18 Jahren.
An den Abenden am Montag und Dienstag gibt
es kein Motto. Am Mittwoch ist Bärenabend
(Haare sind Trumpf!). ren und deren Lieb-
haber kommen voll auf ihre Kosten. Donners-
tags gibt’s abwechselnd eine Anzugparty oder
Sportsparty von 18.00 bis 21.00 Uhr. Danach ist
für jedermann geöffnet.
Am zweiten Sonntag im Monat ist zudem un-
ter dem Motto «Kaffee, Kuchen, Klekse...» eine
Nakedparty geplant. Für nur 10 Franken kann
man sich mit Kuchen und Kaffee stärken (solan-
ge Vorrat) und sich danach im Naked-Bereich
amüsieren.
Start ist am 8. September mit dem renabend.
Natürlich mit einem Willkommensgetränk und
Snacks!
Triebwerk
Eröffnung: 8. September 18.00 Uhr
Jeweils Montag bis Donnerstag
Ab 18.00
Albulastrasse 40, 8048 rich
www.triebwerk-bar.ch
Naughty & Gor-
geous Popcorn
Party for Gays & Friends
Am 4. September ist die FOLSOM Berlin. Viele
Fetisch-nner werden somit nicht im Lande
sein! Lucas & Alex bieten mit der Naughty &
Gorgeous PopCorn Party im XceS Club ein Kon-
trastprogramm zur üblichen Men-Only-Party.
r die perfekte Discostimmung sorgen die ein-
malig glitzernde und berauschende Dekoration
vom XceS-Club. Auegen werden die DJs Harry
M und Sonik. DJ Harry M ist bekannt für seine
sensationellen Sets an der Sexy Pop in der Dani-
el H Bar und DJ Sonik wird sich mal von einer
ganz anderen Musikseite präsentieren, aber
immer streng Vinyl. Das ist sein Element. Auf
eine schillernde und sexy Nacht mit den be-
kanntesten Hymnen aus den 70er-, 80er-, 90er-
Jahren und Gay Anthems, also von Abba bis
Zucchero!
Zur Begrüssung gibts einen Glamour-Welcome-
Shot mit essbaren GOLD-Flöckchen, ob man
nun mit Pornoschnauz oder im Pailettenkleid
aus der Mottenkiste erscheint.
Naughty & Gorgeous PopCorn
4. September 2010, ab 22.00 Uhr
Eintritt: Fr. 25.–, mit Kitschoutt Fr. 20.–
Hundert Prozent
Testosteron
Men Only Dress Kinky
Am 2. Oktober gibts wieder eine Testosteron
Men-Only-Party. Dazu lassen Lucas & Alex ei-
gens aus Kopenhagen DJ John Eltong einiegen.
Er hat im kühlen Norden schon einige Dance-
oors zum Kochen gebracht und ist auch im
GMF Berlin regelmässig anzutreffen. Umrahmt
wird sein Set von unseren Jung-Talenten aus Zü-
rich, die Wanderkameraden, die auch schon die
Heldenbar kräftig gerockt haben.
Kein Wunder, denn Roman und Valentin sind
Stammgäste im Berghain Berlin. Wie üblich
geht die Testosteron im XceS Club in Zürich über
die hne. Mit einer heissen, geladenen Party
dem kühlen Herbst trotzen!
100 % Testosteron
Men Only - Dress kINKY
2. Oktober 2010, ab 23.00 Uhr
Eintritt: Fr. 25.
XceS-Club, Albulastrasse 40, 8048 rich
Red The Party
Das T&M mit neuem
Erscheinungsbild
Mit der Red Party präsentiert sich das T&M
dieses Jahr von seiner erotischen roten Seite.
Drei Nächte lang feiert der Club sein neues
Erscheinungsbild und sst exklusiv für die-
se Party Sherry Vine aus New York einiegen.
Mit ihren Parodien wie «Telephone» (Make me
Moan) und «Alejandr(You’re a Homo) von Lady
Gaga hat sie die Herzen der Gay Community im
Sturm erobert und bereits acht Millionen Hits
auf Youtube überschritten. Hut ab!
An der Red Party startet die Queen of Broadway
ihre Shows jeweils um 22.00 Uhr. Und wer sie
kennt, weiss, dass sie auf der Bühne ihre Zunge
nicht zügeln kann. Wenn es um Selbstironie
geht, kennt sie keine Grenzen.
Doch die Red Party lädt nicht nur zur Show von
Sherry Vine ein. Nein, die Party anlässlich des
neuen Designs des T&M bietet ab Ende Septem-
ber auch erotische Leckerbissen. Die Rack Gogo
Boys aus Berlin haben sich dem Motto gewid-
Parties und
Events
19
CRUISER Edition September 2010 Szene
DJ Willi P
met und ziehen ihre roten Tenues an, jedoch in
knappster Version.
Und als musikalisches Highlight wird Jack
Chang aus London den Club Aaah! beschal-
len. Auch dies ist eine Premiere für den Club
im zweiten Stock. Jack gilt als der Schwule DJ
schlechthin. Er fasziniert mit seiner Musik der -
zeit an den angesagten Parties und Clubs in
ganz Europa. Sein Elektro-Triable ist nicht nur
treibend, sondern zugleich unterlegt mit ero-
tischen Elektro- Beats.
DJs T&M: DJ Qbass, DJ Chris, DJ Marc S
DJs Club AAAH!:DJ Groovemaster, DJ Jack Chang
London
Red The Party
Donnerstag, 30. 9. 2010 – Samstag, 02. 10. 2010,
21.30 Uhr
Live Show Act: Sherry Vine, New York
Showbeginn jeweils 22.00 Uhr
T&M, Marktgasse 1, 8001 Zürich
www.g-colors.ch
Boyahkasha!
Party
Get ready for the last Summer
Night 2010
Das Acqua direkt am Zürisee hat sich als neue
Boyahkasha-Location bewährt und wird Ende
September für eine zweite Party geentert.
Wie gewohnt, kennt die Boyahcrew den Ge-
schmack der Gäste sehr genau. Sie setzt mit DJs
wie Luc Le Grand, Rafness, Gaetano und Zör
Gollin auf L oka lmatadore, die im mer f ür eupho -
rische Stimmung sorgen.
Auf den beiden Danceoors machen die Stil-
richtungen R’n’B und House gemeinsame Par-
tysache und auf der Terrasse mit Blick auf das
nächtliche Zürich darf man(n) dann auch mal
romantisch werden.
Wetter hin oder her, eine heisse Nacht ver-
spricht es auf jeden Fall zu werden.
Boyahkasha! Party
Samstag, 25. 9. 2010, 22.00 Uhr
Acqua Club, Mythenquai 61, 8002 Zürich
www.acqua-club.ch, www.boyahkasha.ch
Flexx
September Issue
Die Sommerpause ist vorbei. Nachdem der
Flexx-Wagen an der Parade des Zürich Pride
Festivals rund um das Zürcher Seebecken der
Menge heftig eingeheizt hat, ist es im Septem-
ber wieder Zeit, die Räumlichkeiten des Loop38
zum Brodeln zu bringen.
Am 4.September startet das Party-Label Flexx
im Club Loop38 an der Albulastrasse eine neue
Saison. Die DJs der «September Issue», DJ Vasco
aus Genf und DJ Willi P aus Zürich, heizen dem
Partyvolk mit Progressive, Tribal- und Tech-
House ein. Jetzt, wo der Sommer zu Ende geht
und die Temperaturen sinken, zieht es die Leu-
te wieder vermehrt in die Clubs. «Die Clubsze-
ne läuft im Sommer nicht gut, obwohl Zürich
europaweit die gsste Club-Dichte hat», so
Party-Veranstalter Beat Eltschinger. «Im Som-
mer zentrieren sich die Grossveranstaltungen
meistens auf einen bestimmten Ort. Die Leute
verreisen nach Barcelona oder Berlin, um an
Prides oder gsseren Festivals teilzunehmen.
Deshalb sind viele Clubs gezwungen - selbst die
grossen Locations wie das OXA und der Club Q
- eine Sommerpause einzulegen.» Für das zwei-
te Jahr von Flexx setzen die Veranstalter auf
ihr altbewährtes Konzept und wollen genauso
fortfahren wie bisher. Am 2. Oktober feiert das
Label Flexx seinen ersten Geburtstag und bit-
tet Star-DJ José Parra ans Mischpult, welcher in
den renommierten Zürcher Clubs OXA, Q und
Kaueuten bereits ein gefeierter DJ ist. Beson-
ders stolz sind die Veranstalter von Flexx auf die
Location des Loop38. «Das Loop ist kein Schicki-
micki-Club und doch nicht versifft», sagt Beat,
«hier herrscht noch ein authentisches Under-
ground-Feeling vor und wirklich speziell ist
die verglaste Raucherlounge. Wenn man eine
Zigarette geniessen möchte, darf man das im
Club selbst tun und man ist trotzdem noch mit-
ten in der Party.» Hinter dem Label Flexx ste-
cken Beat, Chris und Thomas. Chris ist für das
Booking der DJs zuständig, Thomas organisiert
Flüge und Unterkünfte für die gebuchten ste
und Beat kümmert sich um die Promotion des
Party-Labels. An der Konzeption der einzelnen
Anlässe feilen alle drei gleichermassen mit. Die
Zielgruppe sei bis dato gemischt gewesen, sagt
Beat Eltsch inger über Fle xx. «Menschen jeder se -
xuellen Orientierung im Alter zwischen 25 und
Mitte 40 nden sich bei uns ein.» (M.P.I)
Flexx September Issue
Samstag, 4. September
Loop 38, Albulastrasse 38, 8048 rich
exx-party.ch
Flexx Birthday
Bash
Zum einjährigen Bestehen
Happy Birthday Flexx! Unglaublich, wie schnell
die Zeit vergeht. Im Oktober 2010 feiert Flexx
bereits das einjährige Bestehen. Wahrlich ein
Grund zum Feiern. Und wie könnte man das
besser a ls m it Star -DJ José Pa rra. Er ist einer der
weltweit angesagten DJs und Flexx ist stolz, ihn
wieder hier zu haben. Sein unverwechselbarer
Stil hat schon viele Partygänger in den Bann
gezogen. In den letzten Jahren spielte er unter
anderem in Ibiza, China, Türkei, Deutschland
und Österreich. In Zürich kennt man ihn aus
dem Moonrage, Om Club, Kaueuten, Club Q,
Stairs, Lotus-Club, OxA , Supermarket, Aaah-
Club, T&M aber auch in anderen Schweizer
Städte wie Luzern (Pravda), Bern (Liqid), Tessin
(La Rotonda), Basel (Borderline). Tatkftige Un-
terstützung kriegt er vom Resident DJ Ajaxx,
welcher die örtlichen Vorlieben beherrscht.
Gute News für Raucherinnen und Raucher:
Durch die neue verglaste Raucherlounge ver-
passt man keinen einzigen Track der hoch-
karätigen DJs. Geile Partystimmung und ex-
zellenter Progressive- und Tribal-Sound sind
garantiert
FLEXX Birthday Bash
Samstag, 2. Oktober 2010
Loop 38, Albulastrasse 38, 8048 rich
exx-party.ch, loop38.ch, aliens.ch
GentleBoyz
Neue Partyreihe in Bern
Die «Bubennacht» ist Vergangenheit. In Zukunft
soll’s in Bern heissen «GentleBoy. Unter dem
Motto «The most gentle gay nights in the capital»
ndet am 11. September der grosse Eröffnungs-
Event der zukünftigen Party-Serie «GentleBoyz»
statt. Wo denn sonst als im Ambiente des «Du
Théâtre» in Bern, einem der feinsten Clubs der
Schweiz, werden Gays und Freunde geladen.
Leckere Drinks, coole Beats und heisse Boyz sol-
len eine unvergessliche Nacht bescheren. An
den Turntables einheizen werden Darren Flecta
(London, UK), David Cruso & Kary (AG) und An-
thony Vega (BE).
20
Szene CRUISER Edition September 2010
geht`s mit der Tauscherei. Keine Lust mehr auf
den Freund? Kein Problem, gegen einen neuen
eintauschen!
Supertausch
25. September 2010, ab 23.00 Uhr, XceS Club,
Albulastrasse 40, 8048 rich
www.supertausch.ch
Büsi Enterprise
meets Fashion-
slave
Mit Live-Performance aus
Paris
Sklaven der Nacht aufgepasst! Zum 6. Mal steigt
die Büsi Enterprise Party, diesmal steht die Sau-
se ganz im Zeichen des internationalen Mode-
zirkus. Denn Büsi trifft sich mit den Mädels von
Fashionslave, dem angesagten Männermode-
label und gibt nicht nur in Sachen Mode den Ton
an! Zürich, Paris und London schmettern sich
die neusten Platten um die Ohren! si Enterpri-
se hat mit Fashionslave den richtigen Riecher.
Denn hier wird nicht nur der Sound grossge-
schrieben, hier entstehen neue Trends. Direkt
aus Paris mit einer Live-Performance startet
zuerst La Chatte durch. Das Trio hat soeben sei-
ne erste Scheibe auf den Markt geworfen und
gilt in der Clubszene als die neue Entdeckung.
Das nächste Highlight kommt aus London und
gastiert zum ersten Mal in Zürich. DJ Tatu, das
Enfant terrible des Londoners Undergrounds,
setzt mit seinem schrägen Set neue Trends und
bringt mit seiner Erscheinung gleich noch den
passenden Glam-Trash mit. Mit Julian & Fuchs,
zwei jungen und äusserst kreativen DJs, ist auch
Zürich mit einem heissen Doppel vertreten.
Büsi Enterprise Party
24. September 2010, ab 23.00 Uhr,
Cabaret Club, Geroldstrasse 15, 8005 Zürich,
www.cabaret.im, www.fashionslave.ch
Bootylicious
Neu mit DJ Qbass
und DJ Chris
Jeden ersten Freitag im T&M
Bootylicious wechselt seine DJs aus. Neu werden
die DJs Chris und Qbass die Bootylicious Party
jeweils am ersten Freitag im Monat abrocken.
Das Konzept bleibt das gleiche. Easy Junx und
geile Musik. An den besagten Freitagen gibt’s ein
wenig mehr RnB als gewöhnlich und das nicht
ohne Grund. Ein Jahr Bootylicious hat gezeigt,
dass das Partyvolk hinter dem Label steht.
Mit G ent leBoyz wollen die Mac her ei ne Gay Par -
ty auf höchstem Niveau nach Bern bringen. Der
Vorverkauf läuft bereits. Bern: Lorenzini, -
rich: Cranberrys, Basel: Basel Tourismus (Stadt
Casino), Luzern: Coiffeure del arte
Es Besteht die Möglichkeit, Tische im VIP-Bereich
zu reservieren unter: gentleboyz@gmx.ch
GentleBoyz
11. September 2010, 22.00 Uhr bis 3.30 Uhr
Du Théâtre, Hotelgasse 10, 3011 Bern
www.dutheatre.ch
Dejavu
Wie in alten Zeiten
Endlich, nachdem der Donnerstag völlig von der
Partybildäche verschwand, kommt mit dem
neuen Label Dejavu wieder neuer Drive in den
Zürcher Ausgehhimmel!
Ab September steigt jeden Donnerstag an der
Limmatstrasse 195 (nähe Limmatplatz) wieder
eine fette Party und zwar gleich mit allen Local
Heroes der Stadt: Gleichschritt, Gogo, Jesse Jay,
Bang Goes, Styro 2000, Marc Fuhrmann, Pasci,
Tomback, Beda, Cherie, Nico, Freddyextasia,
Don Ramon, San Marco, Sonik, Mandeg, Saba-
ka und als Host Branko B. Gabriel. Gespielt wird
der geile Sound der Guten alten Zeit, von Tech-
house, Minitech über Progressive bis hin zu
Techno. Der neue Donnerstag für Gays & Friends
und verrückte Freaks. Weitere Infos und das ak-
tuelle Line-Up unter: www.facebook.com
Dejavu
Ab 2.September jeden Donnerstag ab 23.00
Limmatstrasse 195, 8005 rich
Supertausch
Party
Heisse Jungs und hämmernde
Beats. Tauschen inklusive!
Leider ist der Sommer schon vorbei. Nicht so bei
Supertausch, dem neuen Partylabel. Hier sst
man es noch einmal so richtig krachen! Ende
September steigt die erste Summer-Closing-Par-
ty von Supertausch im Club XceS in Zürich, mit
zwei Dance-Floors. Supertausch ist balearisches
Party-Vergnügen pur.
Nach dem ersten Ausug in den Club Sentidos
in Barcelona ist die nächste Destination der
Club XceS in Zürich. Mit an Bord sind diesmal DJ
Allure (Resident / Berlin / Ibiza / BCN), DJ Angelo
(Zürich Whiteparty), DJ Physical (Zürich / Lon-
don). Für die heisse Tanzanimation sorgt die
Tanztruppe von Supertoy (Beach Boom). Super-
tausch steht, wie es der Name schon sagt, fürs
«Tauschen». Also alte T-Shirts, Turnschuhe, Son-
nenbrillen oder Jeans nicht vergessen und los
Im Oktober machen die Jungs ausnahmsweise
ein wenig Platz für Sherry Vine. Denn Anläss-
lich der Red Party wird die Queen des Broad-
ways ihre Live Show um 22.00 Uhr präsentie-
ren. Das T&M wird an jenem Wochenende sein
neues Design zeigen. Doch für alle Booty-Fans
wird vorgesorgt: DJ Chris bleibt am 01. Oktober
hinter dem DJ Pult erhalten.
Und wem es doch noch nach elektronischen
Kngen lüstet, der hat an besagtem Abend ei-
nen der angesagtesten DJs im Haus. Im Club
Aaah! wird DJ Jack Chang aus London den Laden
so richtig aufheizen.
Bootylicious
Erster Freitag im Monat, 21.30 Uhr
T&M Club, Marktgasse 14, 8001 rich
www.tundm.ch
Australian
Selection
Mit Mike Kelly und Rob White
Nach einem jahreszeitlich bezogenen konzep-
tionellen Exkurs im achten Monat des zehnten
Ja hres i m neuen M ille niu m fok ussieren d ie Sele c-
tiuon-Macher nun wieder die geograschen As-
pekte ihres ursprünglichen Eventgedanken und
21
CRUISER Edition September 2010 Szene
haben einen Musikmacher aus Australien enga-
giert. Was dieser unheimlich blöde Schachtelsatz
sagen soll: Geile Muckke aus Down-Under!
Mike Kelly, gebürtiger Australier aus Sydney,
nun in Köln lebend, ist nicht zum ersten Mal
bei der Selectionreihe in Zürich. Man darf also
auf ein hammerhartes Monsterset gespannt
sein. Darüber hinaus wurde noch Rob White
eingeogen. Rob ist gebürtiger Engländer aus
London und lebt nun auf Ibiza. Das Opening
und die Afterhour werden vom Local Hero
Willi P. bestritten.
www.selectionparty.ch
Australian Selection @ Lotus Club
Eintritt ab 18 Jahren: Fr. 25.-
Samstag, 25. September 2010, 23.00 Uhr
Lotus Club, Pngsweidstrasse 70 8005 rich
Jack hat
Geburtstag
Gefeiert wird mit dem welt-
weit besten Pferd im Stall
Vom New Yorker Nachtleben inspiriert, galop-
piert der pinkfarbene Disco-Ferrari seit gut
sieben Jahren durch die Londoner Gayszene.
Was einst als allsonntägliche Abwechslung
zum immer gleich pumpenden Cluballtag be-
gonnen hat, wird heute stilübergreifend in der
ganzen Queer-Szene als zeitgemäss kulturelle
Horizonterweiterung weltweit zelebriert. Paris,
Berlin und Istanbul sctteln regelmässig ihre
hnen zu Disco- Klassikern und ausgefallenen
Kuriositäten, die «Horse Meat Disco» einer nach
Fröhlichkeit lechzenden Tanzgemeinde vor die
Füsse legt. Dass da nicht nur der Puls von Disco-
und House-Vernarrten mächtig auf Trab gehal-
ten wird, davon sind die Jack Macher überzeugt.
Exklusiv holen sie deshalb diesen schweisstrei-
benden farbenfrohen Soundtrack für ihr Ge-
burtstagsfest nach Zürich und verpassen der
hiesigen Disco-Kugel einen neuen Dreh.
Die HMD-Begründer, die mit etwas Mut zum
anderen aus einem Londoner Untergrund-Gay-
Club ein Disco-Imperium schufen, veranschla-
gen ihre rauschenden Partynächte als «queer
party for everyone». Wer mit der Clubmenta-
lität in New York oder Chicago vertraut ist,
versteht, was mit «everyone» gemeint ist: Club
Kids, Bären, Fashionistas, Naturisten oder Gue-
rilla Drag Queens, die fest entschlossen sind,
sich in der Dunkelheit der Nacht verlieren zu
wollen.
Auch Jack freut sich über jeden, der mit ihm am
18. September unter lautem Wiehern seinen
1. Geburtstag bis in die frühen Morgenstun-
den feiert. Denn das Besondere an solchen Spe-
cial-Events ist, dass sie nie mehr wiederkehren.
Nebst dem Mainact HMD werden der Zürcher
Juiceppe und Luke Hope, ein weiterer Stern aus
dem Londoner Nachthimmel, Jacks Birthday-
Bash tatkftig und vor allem rhythmisch un-
terlegen. Videoclips und Ausschnitte aus der
aktuellen Compilation von Horse Meat Disco
sowie alle Eckdaten zur Jack Party ndet man
unter jackcompany.com.
Jack - Horse Meat Disco
The Saturday Night Fever Issue
Samstag, 18. September 2010
Festsaal, Pelikanplatz, 8001 Zürich
www.jackcompany.com
Madonna Zurich
Celebration
Ein Selection-Special-Event
Madonna! Heilige und Hure, geliebt, gehasst
und vergöttert! Die Mutter aller Britneys, Kylies
und Gagas! Seit 1982 bis heute ist sie wohl die
erfolgreichste nstlerin im Musikbusiness!
Kontrovers, provokant und unerreichbar.
Dieser, «unserer» Göttin soll im September ein
Denkmal gesetzt werden mit «Madonna Zurich
Celebration». Zum ersten Mal in Zürich und eine
Schweizer Premiere, präsentiert von den Ma-
chern der erfolgreichen Selection Partyreihe.
r diese einzigartige Nacht konnten die Ma-
cher DJ Dimitri (madonnaparty.com) verpich-
ten, welcher seit 1996 in Süddeutschland die er-
folgreichste Madonna-Partyreihe durchführt.
Hundert Prozent pure Madonna Music, rare Vi-
suals, special Decoration und die besten Mixes
stehen auf dem Programm! In den frühen Mor-
genstunden gehts über in die allseits beliebte
Selection-Afterhour mit Progressive-Mixes von
Madonna und treibenden härteren Progressive-
Sounds, wie man sie von der Selection kennt.
Be there and be part of it. «get into the groove
and join the party it‘s a celebration»!
Madonna Zurich Celebration
Eintritt 25,Einlass ab 18 Jahren
Samstag, 18. September 2010, ab 23:00 Uhr
Lotus Club, Pngstweidstrasse 70, 8005 Zürich
madonnaparty.com, selectionparty.ch
22
Beauty CRUISER Edition September 2010
VIP Vitamin Power
VIP Vitamin Power ist die Weiterentwicklung der Pflegelinie von Med Beauty Swiss. Die
neue liposomale Verkapselung erglicht den Vitaminen, schneller und verlustfreier tief
in die Haut vorzudringen und dort zu wirken, wo sie gebraucht werden und langanhal-
tend gespeichert werden können. Vitamine spielen eine wichtige Rolle für den Schutz, die
Wiederherstellung, die Erneuerung und Gesunderhaltung des Körpers und der Haut.
Nicht allein die Jahre lassen unsere Haut altern, auch schädliche Umwelteinflüsse, denen sie
ständig ausgesetzt ist. Die Haut hält zwar mehr als andere rpergewebe Kälte, Hitze oder
UV-Strahlen stand, reagiert aber besonders empfindlich auf schädliche, freie Radikale. Die
neuen VIP-Power-Produkte dringen tief in die Haut ein und sorgen so zusätzlich für einen opti-
malen Schutz. Morgens und abends auftragen und schon ist man rund um die Uhr mit Vita-
min Power der Extraklasse geschützt.
Im ausgesuchten Handel erhältlich
Force von Biotherm Homme
Frisch, männlich, energiegeladen ist der neue Duft von Bio-
therm Homme: In ihm wurden Zitrus-Duftnoten von Limone,
Zitrone und Grapefruit mit holzig-warmen Aromen von Zedern-
holz, Haïti-Vetiver sowie Amber, Patschuli, Absinth und Anis
kombiniert. Das neue Eau de Toilette sprüht nur so vor Energie
und belebt nicht nur den Körper, sondern auch die Sinne. Kein
Wunder, steht Supermodel Tyson Ballou so auf den vibrierenden
Duft. Und wir stehen auf Tyson. Unser Favorit!
Ab sofort im Handel, Eau de Toilette 100ml, CHF 89.
23
CRUISER Edition September 2010
Kapitel Titel
Beauty & Spa Clarins
Seit diesem Sommer hat der Globus Beauty
und Spa einen neuen Pflegepartner. Mit
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lässt es sich jetzt noch besser verwöhnen.
Einfach mal kurz entspannen, auftanken,
verwöhnt werden, Schönheit und Wohlbe-
finden geniessen. Bei Globus Beauty und
Spa ist man(n) jetzt an der richtigen Ad-
resse. Das aktuelle Angebot umfasst hoch-
wertige Gesichts- und Körperbehandlun-
gen sowie wohltuende Spa-Packages
und Massagen. Gönnt euch einfach
mal in der Mittagspause eine Energie-
Rücken- und Kopfmassage. Herrlich
entspannt für den
ganzen Tag, das
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Beauty und Spa!
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die Haut
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paste! Zucker macht nicht nur fett, es ent-
fernt auch stige Haare an Brust und Po.
Die Produkte von EpilaDerm sind beson-
ders sanft zur Haut, sie brennen nicht und
reduzieren die Rötungen. Die Paste wird
im Gegensatz zu anderen Methoden mit
der Haarwuchsrichtung abgezogen. Das
bedeutet eine viel effektivere Epilation
der Haare mit Wurzelkontakt und weit-
gehend ohne Abbrechen des einzelnen
Haares in dem Haarfollikel.
Zur Reduzierung einge-
wachsener Haare sowie
Glättung der Haut emp-
fiehlt sich, nach dem Haar-
entfernungstermin, ein- bis
zweimal pro Woche ein
sanftes Peeling vorzuneh-
men. Das EpilaDerm-En-
zym-Peeling ist gut ver-
träglich, da keine Reibung
durch Schleifpartikel auf
der Hautoberfläche statt-
findet. Also mein sser,
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24
Musik CRUISER Edition September 2010
Kim Wilde:
N e u e s C o m e b a c k !
Die Pop-Ikone der 80er gibt
nochmals Gas
Von Daniel Diriwächter
Ihr neues, Album «Come Out
and Play» soll an frühe Erfolge
anknüpfen. Sollte der Come-
back-Versuch jedoch fehl-
schlagen, hat sie noch ihren
grünen Daumen.
Es war Ende der 80er Jahre, als Kim Wildes Stern
zu sinken begann. Nach dem Release ihres Al-
bums «Closer» schrieb damals ein Musikkritiker
des Teenie-Magazins «Popcor, dass das ein-
zige, was Kim Wilde von anderen Sängerinnen
unterscheide, ihre Stimme sei. Diese war (und
ist) so unverkennbar stark, wie verführend. Nur
der Vergleich zu «anderen Sängerinnen» war
weniger schmeichelhaft. Es waren Sabrina und
Samantha Fox gemeint. Trash vom Feinsten.
In der Tat konzentrierte sich Kim Wildes Musik
da mals auf den Mainstream. Wa r sie d iesem im-
mer verbunden, so hatten ihre ersten Hits doch
etwas rebellisches, etwas «wildes» eben. Davon
war auf «Closer»und den Nachfolgewerken nicht
viel zu hören. Perfekte Popsongs zwar, aber be-
langlos. Trotzdem folgten bis heute zehn Alben,
30 Singles und gut 20 Millionen Verkäufe.
Musikalische Familie
Kim Wildes Liebe zur Musik liegt in der Familie.
Als Tochter des Rock’n’Roll Sängers Marty Wil-
de und seiner Frau Joyce wuchs Kim in London
auf. «Musik und Kreativität bestimmten mein
ganzes Leben», sagt sie heute. «Mein Vater ist 71
und er macht immer noch seine Konzerttouren.
Meine Mutter war Mitglied einer der ersten Girl-
groups, und mein Bruder Ricky ist ein fantas-
tischer Songwriter und Produzent.» Ihr Bruder
war es auch, der der blonden Röhre originelle
Sounds zu entlocken vermochte.
Ihre erste Single «Kids in America» wurde zum
Welthit. 1981, gerade mal 20 Jahre alt, avan-
cierte sie über Nacht zum Star. Weitere Hits wie
«You Keep Me Hanging Ooder «You Came»
folgten. Im Laufe ihrer Karriere erhielt Kim
Wilde beinahe alle nur möglichen musika-
lischen Auszeichnungen, unter anderem den
Brit Award als «Best British Female Singer».
Vom Zenit in den Garten
Den Zenit erreichte sie 1988. King of Pop, Michael
Jackson, lud sie ein, mit ihm auf Tour zu gehen.
nf Monate lang war sie Supportstar von Jack-
son und trat vor insgesamt mehr als zwei Millio-
nen Menschen auf. «Ich erinnere mich noch an
die Tour mit Michael Jackson. Es war wunderbar,
ihn so nahe zu erleben», so Kim Wilde heute.
Danach wollte aber niemand mehr so richtig
was von Kim Wilde wissen. Alben gab es den-
noch, geliebt von den Fans, doch einträglich
war das kaum. Kim Wilde, mittlerweile stolze
Mutter, konzentrierte sich auf ihre zweite gros-
se Liebe: die Gartenarbeit. So präsentierte sie
im englischen TV eine entsprechende Sendung
und avancierte zur gelobten Gartenarchitektin.
«Wilde» war aber etwas anderes.
Heute meint Kim dazu: «Der Anfang meiner Kar-
riere war so: Lippenstift...Videos...TV, die Ober-
ächlichkeit der 80er Jahre. r damals herr-
lich, aber mein Leben ist weitergegangen. Es ist
wunderbar im Studio zu sein, es ist wunderbar
auf der Bühne zu sein, es ist wunderbar so viele
unterschiedliche Erfahrungen machen zu dür-
fen. Das alles ist es, was mich antreibt.»
Comeback mit Nena
Ein erstes Comeback folgte 2003, als ihr
deutsches Pendant Nena, damals selbst so er-
folglos wie Kim Wilde, ein Album produzierte,
welches deren Hits musikalisch neu verpackte.
Darauf interpretierten beide Sängerinnen den
Megaseller «Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann»
neu. Ein Riesenerfolg. Kim Wildes darauffol-
gendes Album «Never Say Nevewurde nach
demselben Muster gestrickt. Doch der Versuch
an alte Erfolge anzukpfen scheiterte.
Schnee von gestern: In diesen Tagen erscheint
das neue Album «Come Out And Play», von
dem Kim Wilde sagt, dass es ein Album wurde,
welches an die 80er erinnere, aber dennoch ty-
pisch 21. Jahrhundert sei. Wiederum fungierte
ihr Bruder Ricky Wilde als Produzent. Einige
der Songs erinnern an frühe Erfolge, jeden-
falls dann, wenn Kim ihre Stimme wieder at-
tern sst. Das Album selbst «ist ein opulentes
Ganzes, außergewöhnlich in Musikalität und
Sprachschöpfung», beschreibt Sony Music.
Sollte der Comeback-Versuch jedoch fehlschlagen,
hat sie noch ihren grünen Daumen. Wilde Musik
gibt’s weiterhin. «Meine Tochter Rose spielt Klavier
und singt wunderbar», schwärmt Kim Wilde, und
weiter, «ich bin sicher, dass auch Rose einmal auf
der Bühne stehen und Musik machen wird.»
Quelle: Sony Music
25
CRUISER Edition September 2010
Fotostrecke
Patrick Mettraux
Photographer
www.patrickmettraux.com
32
Show CRUISER Edition September 2010
Varekai
die Show
Cirque du Soleil mit einer
neuen fantastischen Show
Von Kurt Büchler
33
CRUISER Edition September 2010 Show
Vom Himmel herab
schwebt ein junger Mann.
Sein Fallschirm sst ihn
sanft zu Boden gleiten. Er
ist allein. Die Geschichte
von Varekai beginnt. Die
Geschichte einer ausserge-
wöhnlichen Welt, in der
alles möglich ist.
Tief in einem Wald, auf dem Gipfel eines Vulkans existiert eine aus-
serordentliche Welt eine Welt, in der alles möglich ist. Varekai in
Romani bedeutet in der Sprache des Volkes der ewig Wandernden:
«Wo auch immer». Magische Momente, unglaubliche Begegnungen
und fantastische Kreaturen charakterisieren diese Show – ein Aben-
teuer am Rande der Zeit. Mit seiner Regie zollt Dominic Champagne
der Nomadenseele seinen Tribut, dem Geist und der Kunst der Zir-
kustradition. Eine explosive Mischung aus Drama und Akrobatik, ein
atemberaubendes Zusammenspiel von Kraft und Können, mit inno-
vativer Musik und einem übernatürlichen hnenbild machen das
Unmögliche möglich.
Eine faszinierende Show
Ein Blick zurück fällt auf antike und seltene Zirkustraditionen wie die
Ikarischen Spiele, Wasser-Meteoren und Georgischen Tanz. Dann kata-
pultiert Varekai die Besucher mit revolutionären Drehungen, mit der
Russischen Schaukel, gleitenden Flächen oder dem Dreifach-Trapez auch
in die Zukunft. Über 600 Kostüme, Schuhe, Perücken, Hüte und Acces-
soires wurden im internationalen Headquarter in Montreal, Kanada, von
Hand gefertigt. Musik aus Hawaii wird mit Liedern der südfranzösischen
Troubadours aus dem 11. Jahrhundert, traditioneller armenischer Musik
und mit zeitgenössischen Melodien kombiniert. Ein Wald mit über 300
Bäumen, vier bis zehn Meter hoch, bilden das Bühnenbild. Zwanzig da-
von sind Akrobatik-Bäume – da hinauf klettern die Waldbewohner und
verfolgen das Geschehen von oben – in der grossen Waldlichtung läuft
die Show ab.
Cirque du Soleil seit 1984
Guy Laliberté, 1959 in Quebec geboren, war Akkordeonspieler, Stelzen-
läufer und Feuerschlucker, bevor er mit Strassenkünstlern 1984 den Cir-
que du Soleil gründete. Seither leitet er das Kreativteam jeder einzelnen
Show und kämpft um die Anerkennung der Zirkuskunst als eine der
grossen künstlerischen Disziplinen. Dominic Champagne, Autor und
Regisseur, 1963 ebenfalls in Quebec geboren, ist ein äusserst vielseitiger
Künstler mit vielen Talenten. Nach der National Theatre School of Cana-
da hat er seit 1987 mehr als 100 Produktionen für hne und Fernsehen
kreiert und zahlreiche Preise und Anerkennungen verdient. Für ihn be-
deutet der Zirkus eine Rückkehr zu seinen Wurzeln.
Ein Dorf auf Rädern
Der Aufbau der gesamten Anlage dauert acht Tage, deren Abbau drei.
Insgesamt werden zum Transport der 1000 t Ausrüstung, die Varekai mit
sich herumführt, 71 Lastanhänger benötigt. Während den Gastspielen
werden einige als Lager, Küchen oder Werkstätten verwendet. Das Grand
Chapiteau mit vier 24 m hohen Masten ist 17 m hoch, hat 50 m Durchmes-
ser und 2500 Sitzplätze. 170 Personen gehen mit auf Tournee, nämlich 127
Mitarbeiter davon 56 Artisten, die anderen sind Familienmitglieder. Am
Spielort werden zusätzlich 150 lokale Arbeitskfte engagiert. Gespro-
chen wird immer Französisch und Englisch.
Varekai
Seit der Premiere 2002 in Montreal hat die Show 46 Städte in 10 Ländern
in der ganzen Welt besucht. Seine 1000. Vorstellung feierte Varekai 2004
in Dallas, Texas, und seine 2500. im Februar 2009 in Sevilla. Nach Saltim-
banco, Alegría, Quidam und Dralion ist Varekai die fünfte Show des Cir-
que du Soleil in Europa. Die internationalen Darsteller und Mitarbeiter
kommen aus 21 verschiedenen Nationen. Weltweit beschäftigt der Cirque
du Soleil über 4000 Menschen, darunter mehr als 1000 Artisten am in-
ternationalen Hauptsitz in Montreal arbeiten rund 1800 Mitarbeiter. In
neun permanenten Theatern in den USA und je einem in China und Japan
treten das ganze Jahr hindurch Artisten auf.
Zürich Hardturm. 17. September bis 24. Oktober 2010 im Grand Chapiteau
des Cirque du Soleil.
Tickets unter www.cirquedusoleil.com oder Ticketportal
Vorverkaufsstellen.
Mark Halasi im Interview
hrend im antiken Griechenland Icarus ins Meer stürzt, schwebt bei
Varekai ein junger Mann Mark Halasi vom Himmel herab. Mit 10 ging
Mark auf die Zirkus-Schule. Mit 21 erhielt er sein Diplom. Und seit vier
Jahren ist er Hauptdarsteller in der Varekai-Show beim Cirque du Soleil.
CR hat sich mit ihm unterhalten.
CR Mark Halasi, wer bist du?
MH Ich bin ein 25jähriger ungarischer Akrobat im Cirque du Soleil. In der
Varekai-Show trete ich als Icarus und auch in einer Trapez-Nummer auf.
CR Welches waren deine Karriere-Schritte?
MH 1995 startete ich mein Studium an der Budapest Circus School, wo
ich 2004 mein Diplom erhielt. Bereits hrend der Ausbildung hatte
ich Engagements bei verschiedenen Events. Nach dem Studium zog ich
als freier Artist durch ganz Europa. 2006 kam ich zum Cirque du Soleil
und ging nach Montreal, wo ich während drei Monaten meine Rolle für
Varekai einstudierte. Meine erste Show war ebenfalls 2006 in Vancouver.
Seither bin ich mit dem Cirque du Soleil durch Kanada, Australien, New
Zealand und Europa getourt.
CR Wann hast du dich entschlossen, Artist zu werden? Und warum?
MH
Schon als kleiner Bub war ich fasziniert vom Zirkus, denn meine Gross-
eltern nahmen mich als Zweijährigen zum ersten Mal mit. Als ich zehn
war, motivierten mich meine Eltern, mich zu einer Audition bei der Bu-
dapest Circus School zu melden. Und ich wurde angenommen.
CR Wie hast du die Rolle des Icarus erlernt?
MH Wie schon erwähnt, war ich drei Monate in Montreal mit verschie-
denen Trainern, die mir das Schauspielern, die Akrobatik und die nötigen
Bewegungen beibrachten.
CR Und wie hast du es geschafft, Hauptdarsteller in der Varekai-Show
zu werden?
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CRUISER Edition September 2010
Show
CR Ist der Text und das Design von dir?
MH
Der Text ist vollumfänglich von mir, teilweise
auch das Design. Und praktisch alle Bilder sind
von mir eine riesige Zahl an Städtebildern.
CR Du warst im Juli in rich. Was denkst du
über diese Stadt und ihre Bewohner?
MH Ja, ich war mit meiner Familie da. Die Stadt
ist wunderschön und erinnert mich an mei-
ne Heimatstadt, Budapest. Die Leute sind sehr
freundlich und praktisch alle sprechen Eng-
lisch, was sehr hilfreich ist, aber ich muss sa-
gen, dass alles ziemlich kostspielig ist.
CR Welches ist deine schönste Erinnerung an
rich?
MH Ich mag die Altstadt und auch eine Fahrt mit
dem Schiff auf dem Zürichsee ist mir in sehr
guter Erinnerung.
CR Du liest sehr viele Bücher. Welches sind
deine fünf Lieblingsbücher?
MH Ja, ich lese sehr viel. Ich kann meine liebsten
Bücher nicht aufzählen, aber zu meinen lieb-
sten Autoren gehören alte ungarische, dann Ha-
ruki Murakami, ein japanischer Schriftsteller,
und Bohumil Hrabal, ein tschechischer Autor
(beide gehören zu den bedeutendsten Autoren
ihres Landes, die Red).
CR Mark, erzähle uns, was du planst für deine
neue Zirkus-Nummer. Ich habe gelesen, da
spielt James Dean eine Rolle wie und warum?
MH Es wird eine Flug-Nummer sein. Ich bin ge-
genwärtig noch in der kreativen Phase und so
will ich noch nicht alles verraten. Tatsächlich
hole ich meine Inspiration bei alten Schwarz-
weiss-Fotos nicht nur von James Dean. Dies ist
eine Möglichkeit, meine Kreativität zu nutzen
und sie lebendig zu erhalten.
MH
2004 war eine Audition in meiner Circus
Sc hool und die Talentsucher sahen m ich in mei-
nen bisherigen Rollen in Ungarn. Obwohl ich
kein Engagement erhielt, riefen sie mich zwei
Jahre später an und offerierten mir einen Ver-
trag, zur Varekai-Familie zu stossen und den
jungen Mann zu ersetzen, der ursprünglich
Icarus war.
CR Wie fühlst du dich, wenn du vom Himmel
llst?
MH A m A nfang war es seltsam und f remd, weil
das f ür m ich ga nz neu war. Jetzt habe ich mich
daran gehnt, und es ist Teil meiner täg-
lichen Routine und meines Lebens geworden!
CR Wie steht es mit dem Privatleben, wenn du
immer mit dem Zirkus unterwegs bist?
MH Es ist herausfordernd, weil mein Freund
nicht mit mir auf der Tour ist. Und so sehen wir
uns nicht so oft, wie wir das chten.
CR Arbeitet dein Freund auch beim Cirque du
Soleil?
MH Er ist Kanadier, aber arbeitet nicht beim Zir-
kus.
CR Dein Blog im Internet «The Fabulous Life of
Mark Halasi» ist wunderschön. Du bist echt
ein toller Poet und ein sehr begabter Foto-
graf. Wie hast du die Idee gehabt, diesen Blog
zu realisieren? Es scheint, als ob er dein Tage-
buch ist.
MH Ich habe meinen Blog eröffnet, um mein Le-
ben unterwegs mit dem Zirkus und den Erleb-
nissen anderen zu zeigen. Es ist nicht unbedingt
mein Tagebuc h, da es ja öf fent lic h i st e s ist n ic ht
so persönlich, auch wenn der Blog eine Idee von
meinem täglichen Leben geben soll und von den
Städten, die ich das Glück habe zu besuchen.
CR Und zuletzt: Warum sollen die Schweizer
in den Cirque du Soleil gehen und bei Vare-
kai dabei sein?
MH Weil das eine ganz spezielle Unterhaltung ist.
Wer noch nie eine Show vom Cirque du Soleil
gesehen hat, sollte unbedingt eine besuchen.
Übrigens ist jede Show wieder eine andere.
CR Mark, besten Dank für das Gespräch und
viel Erfolg mit Varekai in Zürich
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Portrait CRUISER Edition September 2010
Allah und die
Waria
Zu Besuch in einer Pesantren,
einer Bildungsstätte, die dem
Gebot Allahs, Wissen zu su-
chen, nachkommt.
Von Michael Lenz
Thailand ist berühmt für seine
Katois (Mann-zu-Frau-Trans-
gender). Aber auch in den an-
deren dostasiatischen Län-
dern sind Transsexuelle keine
seltene Spezies. Die Waria in
Indonesien zum Beispiel sehen
sich eher als ein drittes Ge-
schlecht denn als Frauen.
Im vor-islamischen animistischen Indonesien
genossen die Waria, Wanderer zwischen den
Welten, eine gewisse gesellschaftlich-religi-
öse Akzeptanz. Religion steht auch im Mittel-
punkt der «Pesantren Khusus Waria» einer
Bildungsstätte ausschliesslich für Waria in
Yogyakarta.
Mariani ist eine gläubige Muslimin. Aber wie
die Transsexuelle nicht ihr Leben lang eine Frau
war, so gehörte die 53-Jährige auch nicht immer
dem Islam an. Die Mutter der neun Jahre alten
Adoptivtochter Ariani war in eine katholische
Familie in Yogyakarta in Zentraljava geboren
worden. Aber selbst ihre Arbeit im Teenager-
alter in der Küche eines katholischen Klosters
konnte sie nicht von einem Religionswechsel
abhalten. «Ich habe mich immer zum Islam hin-
gezogen gefühlt», gesteht die für einen Javane-
sen ungewöhnlich grosse und kftig gebaute
Mariani mit einem sanften Lächeln.
Ausgerechnet durch das tragische Erdbeben
in Yogyakarta im Jahr 2006 erhielt Mariani die
göttliche Eingebung zur Gründung der Islam-
schule für ihresgleichen. Mehr als 6000 Men-
schen kamen durch das Erdbeben ums Leben
und zehntausende fanden ihre Häuser schwer
beschädig t oder zerstört. «Auch v iele Tran ssex u-
elle waren von dem Erdbeben betroffe, erzählt
Mariani. «Wir haben für sie Spenden gesammelt
und eine Gebetsveranstaltung organisiert. Die
war sehr gut besucht und mir wurde klar, dass
viele von uns gläubige Muslime sind, deren re-
ligiöse Bedürfnisse aber von den traditionellen
Pesantren nicht erfüllt werden.»
Sonntagsgebet hinter Hühnerbraterei
Jeden Sonntag um 18 Uhr versammeln sich
transsexuelle Frauen und ein paar schwule
nner in dem in einem knalligen Orange ge-
strichenen Hinterzimmer von Marianis Schön-
heitssalon hinter einer Hühner braterei unweit
des Sultanspalasts von Yogyakarta. Die Frauen
sind vorschriftsmässig islamisch gekleidet,
komplett mit Hijab und weissen Gebetskleidern.
Ein grosses Schild mit der Aufschrift «Pesan-
tren Khusus Wariweist den Weg. Die Nach-
barn, allesamt Handwerker, Ladenbesitzer, Be-
treiber kleiner Warungs (Restaurants), stören
sich nicht an der ungewöhnlichen Islamschule.
«Alle unterstützen mich und meine Pesantre,
sagt Mariani.
Gut fünfzehn Frauen und Männer sind an die-
sem Sonntag gekommen. Andächtig hören sie
dem Ustad (Islamgelehrter) zu. Abdul Muiz
schreibt ein paar Worte auf eine Tafel, spricht
dazu, verbindet die geschriebenen Worte mit
Mariani, Transsexuelle Muslimin
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CRUISER Edition September 2010 Portrait
ein paar Pfeilen. Nach nur zwanzig Minuten ist
der Korankurs auch schon vorbei. Dann wird
gebetet.
«Heute habe ich über die Bedeutung der Dank-
barkeit gesprochen», erklärt Abdul Muiz spä-
ter. Der 33-Jährige in dem schönen javanischen
Batik hemd will den Transsexuellen Gott näher
bringen, ohne aber von dem missionarischen
Eifer getrieben zu sein, die nner und Frauen
auf den rechten sexuellen Orientierungsweg
zu bringen. «Die Geschlechter haben keine Be-
deutung. Im Auge Allahs sind wir alle gleic,
sagt der unverheiratete Abdul Muiz mit Über-
zeugung.
Militante Islamisten bestimmen die
Schlagzeilen
Moderate Muslime bilden die Mehrheit der Mus-
lime Indonesiens, das weltweit die Nation mit
dem grössten muslimischen Bevölkerungsan-
teil ist. Die Schlagzeilen aber bestimmen die
Vertreter eines konservativen Islam, die lieber
heute als morgen aus dem kularen, demokra-
tischen Indonesien einen islamischen Gottes-
staat machen möchten. Die militanteste Orga-
nisation ist die «Islamische Verteidigungsfront»
(FPI), die mit brutaler Gewalt gegen alles vor-
geht, was ihr «unislamiscscheint. Ein bevor-
zugtes Ziel: Schwule, Lesben und Transsexu elle.
In Bandung wurde in diesem Jahr eine Aids-
Konferenz bedroht; in Surabaya musste auf mas-
siven Druck der FPI die Regionalkonferenz der
ILGA abgesagt werden. Mit Witz wurde aller-
dings in Yogyakarta die Gewaltandrohung der
FPI gegen eine Demo zum IDAHA unterlaufen.
Etwa 100 mutige Schwule und Transsexuelle
fuhren auf Fahrrädern um den grossen Platz
vor dem Kraton, dem Sultanspalast. Als per SMS
Warnungen vor einem Angriff der FPI kamen,
fuhren sie den islamischen Hooligans in ver-
schiedene Richtungen davon.
Mariani sagt, sie fürchte die «islamische Vertei-
digungsfront» nicht und habe auch noch kei-
ne Drohungen erhalten. Vielleicht stimmt das,
vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall kann es
gefährlich sein, die FPI zu kritisieren, wie King
Oey, Sprecher der Schwulenorganisation «Arus
Pe la ng i» we iss. «Die F PI ist e ine M inde rhe it sorga -
nisation, aber sie ist mächtig. Sie hat politische
Rückendeckung in Teilen von Armee, Polizei
und Politik. Aber sie kann auch frei agieren,
weil die moderaten Indonesier aller Religionen
es nicht wagen, ihre Stimme gegen die Radi-
kalen zu erhebenTom, ein schwuler Christ aus
Yogyakarta, ist so einer, der berechtigte Angst
hat. Der 32-jährige Werbefachmann würde ger-
ne unter den mehr als 30 000 Indonesiern sein,
welche im Internet veröffentlichte Petition ge-
gen die FPI unterschrieben haben. Aber er traut
sich nicht: «Dann haben sie meinen Namen und
könnten mich aus ndig machen.»
Klatsch und Lebenshilfe beim Tee
Nach Sonntagsschule und Gebet beginnt der
gemütliche Teil. Tee wird serviert und ein
Abendessen mit Reis und Tofusuppe. Man er-
hlt sich den neuesten Klatsch und Tratsch,
Schminktipps werden ausgetauscht und auch
Erfahrungen aus dem für Warias meist nicht
einfachen Leben, das im konservativen Indone-
sien oft aus Diskriminierung, Spott und Aus-
grenzung besteht. Viele unter Yogyakartas Wa-
rias verdienen sich tagsüber ein paar Rupien als
Musikantinnen auf den notorisch verstopften,
von Abgasen eingenebelten Strassen der Stadt
und nachts als Prostituierte.
Nur ist ein wenig schüchtern. Sie ist erst vor
kurzem aus