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Cruiser im März 2010

Dieses Magazin ist schwul
CRUISER Edition März 2010
Photographer Babalooga, Golden Gay, Alexander McQueen,
Nine, Checkpoint Zürich, Raphael Gygax, Wahlen in Zürich,
Gaël Roth, lden, Mr. Gay Clubtour,
die besten Hotels
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3
CRUISER Edition März 2010
Inhalt
Theater, Theater
«Sie sind König, Bettler, Clown im Rampenlicht, doch wie’s tief in ihnen aussieht, sieht man nicht...»
Alexander McQueen ist als König von der Modebühne abgetreten. Für ewig genug vom Rampen-
licht? Der tief gehende Text stammt aus dem Song «Theater», beschwingt gesungen 1980 von Katja
Ebstein am Grand Prix Eurovision de la Chanson. Wir stellen Textauszüge in Zusammenhang mit
den starken «Bühnenbildern» der Fotogran Babalooga aus Nizza zum Thema Rampenlicht.
Martin Ender, Verleger
6
Alles Gold, was glänzt?
Im «GOLDEN GAY» gibts 18 Karat blattvergoldete Wände
10
Freitod eines Freigeistes
Zum Tod von Alexander McQueen
14
«Nine», Allein unter Frauen
Fellinis Meisterwerk zurück im Kino
18
Weekend auf dem Stoos
Checkpoint rich lädt zu einem Workshop ein
34
Branko B. Gabriel trifft...
Raphael Gygax
31
Babalooga
Photografer
News 6Prominent 8«Ich bin dann mal we 12 Lifestyle 13 Szene 16 Wahlen 19
Peter der Zweite 20 • Sölden 21 • Film 22 Mr. Gay 31 Kultur 32 Buch 33 Fit mit Power Plate 36
Horoskop 38 • Musik 39Hildegard 40 Dr. Gay 41 • VEGAS 41 Agenda 43
4
News CRUISER Edition Winter 09/10
Internationale
News
London
Grossbritannien wird wärmer
Die gesellschaftliche Akzeptanz von Schwulen
und Lesben in Grossbritannien hat sich deutlich
verbessert. Zwar halten noch immer 36 Prozent
der Briten Homosexualität für falsch, als die
staatliche Statistikbehörde jedoch 1983 zum
ersten Mal die Briten nach ihren Einstellungen
befragte, waren es noch 62 Prozent. Gut die Hälf-
te der Befragten der aktuellen «British Social
Attitudes Study» hatten keine Einwände gegen
Schwule und Lesben. Der Europa-Abgeordne-
te Michael Cashman, Vorsitzender der schwul-
lesbischen Intergruppe im EU-Parlament, be-
grüsste gegenüber der BBC den Wertewandel,
warnte aber: «Es gibt immer noch Hochburgen
der Intoleranz.» So habe das Oberhaus gerade
eine Ausweitung des Antidiskriminierungsge-
setzes auf Kirchen abgelehnt. Religiöse Organi-
sationen dürfen daher weiterhin Schwule und
Lesben diskriminieren.
Hollywood
Familie von Anne Hathaway
verlässt katholische Kirche
Hollywoodstar Anne Hathaway und ihre Fa-
milie haben sich aus der Katholischen Kirche
verabschiedet, nachdem sich der Bruder der
Schauspielerin als schwuler Mann geoutet hat-
te. «Die ganze Familie trat zur episkopalen Kir-
che über, als mein ältester Bruder sich outete.
Warum sollte ich eine Organisation unterstüt-
zen, die einen sehr eingeschränkten Blick auf
meinen geliebten Bruder hat», sagte Hathaway
im Interview mit dem GQ-Magazin. Allerdings
ist sich der 27-hrige Star aus Filmen wie «The
Devil wears Prada» und «Brokeback Mountai
ihrer neuen Konfessionszugehörigkeit noch
nicht so ganz sicher. «Momentan weiss ich sel-
ber nicht, was ich glauben soll - ich bin auf
dem Weg.»
London
IBM We are family
Zum zweiten Mal in vier Jahren ist IBM von der
britischen Homosexuellenorganisation «Stonew-
alzum schwulen- und lesbenfreundlichsten
Arbeitgeber in Grossbritannien gekürt worden.
Das Engagement des Unternehmens bezüglich
Diversität am Arbeitsplatz sei vorbildlich. «Seit
dem letzten Jahr haben wir unsere Aktionen
hinsichtlich gleicher Behandlung neu bewertet…
Wenn sich die Mitarbeiter wohlfühlen, hat das
Unternehmen Erfolg», sagte ein Sprecher des Un-
ternehmens in Grossbritannien. Auf die Plätze
zwei und drei der schwulen- und lesbenfreund-
lichsten Arbeitgeber in Grossbritannien kamen
das Gesundheitsamt Nottinghamshire und der
Stadtverbund Brighton und Hove. «Stonewal er-
mittelt jährlich die schwulen- und lesbenfreund-
lichsten Arbeitgeber durch eine Umfrage unter
7000 schwul-lesbischen Angestellten.
Luxemburg
Heiraten im Herzogtum
Noch in diesem Jahr wird Luxemburg die Ehe
für schwul-lesbische Partnerschaften öffnen.
Das kündigte Justizminister François Biltgen
im Parlament des kleinen Herzogtums an. Bilt-
gen ist Mitglied der Christlich Sozialen Volks-
partei (CSV) von Premierminister Jean-Claude
Juncker, die bisher der Ehe-Öffnung kritisch
gegenüberstand. Eine Verabschiedung des Ge-
setzes noch vor der Sommerpause gelte als sehr
wahrscheinlich, berichtete das «Luxemburger
Tagblatt». Fünf der sechs im Parlament vertre-
tenen Parteien haben sich dafür ausgespro-
chen. Auch eine deutliche Mehrheit der 500 000
Luxemburger befürwortet Umfragen zufolge
die Ehe-Öffnung. Lediglich die rechtsgerichtete
Alternativ Demokratische Reformpartei (ADR),
die bei den Wahlen im vergangenen Jahr acht
Prozent der Stimmen erhielt, ist gegen eine
Reform.
Malawi
Verhaftet wegen Homo-Ehe
Zwei schwule Männer in Malawi müssen vor Ge-
richt für ihre Rechte streiten. Tiwonge Chimba-
langa und Steven Monjeza waren verhaftet wor-
den, weil sie in Blantyre, der grössten Stadt des
Landes, eine Trauungszeremonie abgehalten
hatten. Nach altem britischen Kolonialrecht ist
»Sodomie», wie Analverkehr bezeichnet wird,
in dem südostafrikanischem Land illegal. Die
malawischen Behörden wollen nun mit einer
Zwangsuntersuchung nachweisen, dass das
Paar Anal-Sex hatte. Im Falle einer Verurtei-
lung drohen den beiden 20 und 22 Jahre alten
nnern 14 Jahre Haft. Die Menschenrechts-
organisation «amnesty internationahat die
beiden Männer zu politischen Gefangenen er-
krt. Malawi gehört zu den ärmsten Ländern
der Welt. Rund die Hälfte der 15,2 Millionen
Einwohner lebt von weniger als einem US-Dol-
lar am Tag.
5
CRUISER Edition Winter 09/10
News
Stuttgart
Strammer Schwulengegner
neuer Ministerpräsident
Der CDU-Politiker Stefan Mappus, ein erkr-
ter Gegner von Homo-Rechten, ist neuer Mi-
nisterpräsident von Baden-Württemberg. Der
43-jährige Nachfolger von nther Oettinger,
der neuer EU-Energiekommissar in Brüssel wur-
de, ndet den CSD «abstossend». Die frühere
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD)
beschuldigte er, «Experimente» mit Kindern
durchzuführen, weil sie sich für die Gleichstel-
lung von Homo-Paaren beim Adoptionsrecht
ausgesprochen hatte. Baden-Württemberg ist
unter den deutschen Bundesländern das schwu-
lenpolitische Schlusslicht. So gibt es keine ein-
heitliche Regelung dafür, wo gleichgeschlecht-
liche Paare ihre Lebenspartnerschaft eintragen
lassen können. In manchen Gemeinden ist statt
des Standesamtes die Kfz-Zulassungsstelle zu-
ständig.
New York
Homosexuell, gay oder was?
Dass es um die Bildung der Amerikaner nicht
immer bestens bestellt ist, hat jetzt eine von
der Tageszeitung New York Times und dem
Fernsehsender CBS durchgeführte Umfrage
deutlich gemacht. Die beiden Medien wollten
wissen, was ihre Landsleute von Schwulen
im Militär halten. Bei der lfte der 1084 Be-
fragten wurde der Begriff «homosexual» und
bei der anderen «gay and lesbia benutzt. Das
Ergebnis war erstaunlich. Fast 70 Prozent wa-
ren dafür, dass «gays and lesbians» im Militär
dienen dürfen. Immerhin noch 60 Prozent hat-
ten auch keine Einwände gegen offen schwule
und lesbische Soldaten. Bei den «Homosexual
sieht es anders aus. Nur 59 Prozent sind für
Homosexuelle in der Armee und gar nur 44
Prozent für offen Homosexuelle. Was die Ver-
mutung zulässt, dass die Befragten gar nicht
wussten, wozu sie eigentlich eine Meinung
haben sollten. Aber gut, dass wir drüber ge-
sprochen haben.
Moskau
CSD nimmer
Moskaus extrem schwulenfeindlicher rger-
meister Juri Luschkow will für die russische
Hauptstadt ein CSD-Verbot auf ewig erlassen. Er
werde sich dem seit Jahren anhaltenden Druck,
die «teuflische» Gay Pride zuzulassen, niemals
beugen, versicherte Luschkow Ende Januar auf
einer Veranstaltung in Moskau. «Eine solche
Parade kann nur als satanisch bezeichnet wer-
den. Wir haben sie bisher verhindert und wir
werden sie auch in Zukunft niemals zulassen.
Jeder muss das als unseren politischen Grund-
satz anerkennen», sagte der 73-Jährige. Die «Pla-
ge» Homosexualität stehe auf der gleichen Stufe
wie «Drogenmissbrauch, Ausländerfeindlich-
keit und ethnische Konikte». Dagegen müs-
se man rigide vorgehen. «Wir brauchen eine
gesellschaftliche Peitsche... und kein liberales
Zuckerbrot.»
Washington
US-Armee will Schwulen-
verbot aufheben
Das Pentagon hat sich bei einer Senatsanhö-
rung für die Aufhebung des «Don’t ask, don’t
tell»-Gesetzes ausgesprochen. Verteidigungs-
minister Robert Gates und Generalstabschef
Mike Mullen haben im Verteidigungsausschuss
für ein Ende des Verbots geworben. «Es beunru-
higt mich, dass wir junge nner und Frauen
zwingen, über ihre Identität zu lügen», so Mul-
len. Gates versetzte jedoch der Reform einen
mpfer. Die Aufhebung dieser Bestimmung
sei ein langwieriger Prozess, für den gut ein
Jahr benötigt würde. Er werde zunächst eine
Änderungen der Ausführungsbestimmungen
erlassen, um die Anwendung «Don’t ask, don’t
tell»-Regelung «fairer» zu machen. So sollen
etwa Soldaten, die von Dritten geoutet wurden,
nicht automatisch ihren Job verlieren.
Brasilia
Schwule sind ein Sicherheits-
problem
Schwule sollten keine Soldaten befehligen r-
fen, da ihnen dazu die nötige Autorität fehle.
Das sagte der brasilianische General Raymun-
do Nonato bei einer Anhörung vor einem Aus-
schuss des Senats, der über die Einstellung des
Ofziers als oberster Richter der Militärge-
richtsbarkeit Brasiliens zu befinden hatte. «Ich
würde schwule Soldaten nicht feuern, solange
sie ihre sexuellen Vorlieben für sich behalten»,
sagte Nonato, um dann mit Nachdruck hinzu-
zufügen: «Allerdings stellen sie ein Sicherheits-
problem dar, da ihnen jede Achtung seitens ih-
rer Kameraden fehlt.» Einer, der Klartext redet,
gefiel den Ausschussmitgliedern so gut, dass sie
Nonato einstimmig zum Richter ernannten. Die
Berufung Nonatos stiess auf scharfen Protest
schwuler Bürgerrechtsorganisationen als auch
der brasilianischen Anwaltskammer.
Washington
Homo-Ehe spaltet Familie
McCain
Im Hause des ehemaligen republikanischen
Präsidentschaftskandidaten John McCain pral-
len politische Welten aufeinander. Gattin Cin-
dy und die 25-jährige Tochter Meghan sind ak-
tive Mitglieder der NOH8-Kampagne, die für die
Wiedereinführung der Ehe für Schwule und
Lesben in Kalifornien kämpft. Die freie Mei-
nungsäusserung der McCain-Damen kommt bei
den notorisch schwulenfeindlichen Republika-
nern schlecht an. Die Partei hat den für republi-
kanische Verhältnisse als liberal geltenden John
McCain gezwungen, in einer Presseerklärung
der Homo-Ehe abzuschwören: «Senator McCain
glaubt, dass die Ehe einen besonderen Stellen-
wert hat und als Verbindung zwischen Mann
und Frau definiert wird.»
Madrid
Todesursache von Stephen
Gately geklärt
Jetzt ist es amtlich. Der Tod von Boyzone-Star
Stephen Gately hatte eine natürliche Ursache.
Es gäbe keine Anzeichen r Drogenmissbrauch
oder Alkoholvergiftung, hiess es in dem im Ja-
nuar von den spanischen Behörden veröffentli-
chten Abschlussuntersuchungsbericht. Auch
be es keine Hinweise auf Gewalteinfluss.
Der 33 Jahre alte Gately sei an einem nicht er-
kannten Herzfehler gestorben. Der offen schwu-
le Popstar war am 10. Oktober 2009 hrend
eines Urlaubs in seinem Ferienhaus in Andratx
auf Mallorca tot aufgefunden worden. Nach sei-
nem Outing im Juni 1999 war Gately mit Eloy de
Jong von der niederländischen Boyband Caught
in the Act zusammen. Nach dem Ende der Bezie-
hung lernte Gately Andrew Cowles kennen, mit
dem er im März 2006 in England eine Lebens-
partnerschaft einging.
6
Unternehmen CRUISER Edition März 2010
Alles Gold, was glänzt?
Im «GOLDEN GAY Spa+Wellness»-Club gibts 18 Karat
blattvergoldete Wände
7
CRUISER Edition März 2010
Unternehmen
Das Golden Gay Spa + Well-
ness wurde Mitte Januar
im rcher Binzquartier
effnet. Schnell ging ein
Raunen und Rauschen
durch den Blätterwald:
«Erstes Gay-Bordell der
Schweiz» titelten «20 Minu-
ten» und der «Tages-Anzei-
ger», «Erotik amtlich be-
willigt» die «NZZ». Das
Medienecho war gross
aber einseitig bordell-be-
tont. Und darum fragte
man sich in der Szene,
braucht es so was?
«Wer ein Etablissement eröffnet, um dort erotische Begegnungen entgelt-
licher und unentgeltlicher Art zu ermöglichen, der braucht viel Ausdauer
beim Gang durch die Ämter obwohl es sich um ein legales Gewerbe han-
delt», schrieb die NZZ, und der Clubbetreiber Erich Brandenberger präzi-
siert gegenüber CR: «Wir wollten am 1. Oktober 09 eröffnen, bekamen die
Bewilligung aber erst im Januar 2010. Nicht mal das Weihnachtsgeschäft
hat man uns gegönnt.»
Eine Eröffnung mitten im Januarloch ist natürlich denkbar ungünstig.
Dennoch will Brandenberger nicht in das Gejammer anderer schwuler
Geschäftsleute einstimmen, die mit Behörden und Bewilligungen Pro-
bleme hatten. Er gewinnt der «Verzögerungstaktik» der Behörden noch
was Gutes ab: «Dieser Betrieb ist für mich neu, das ganze Personal ist neu
und so können wir uns erst mal ruhig einarbeiten und sind gewappnet,
wenn die Besucherzahlen jetzt ansteigen.» Doch Brandenberger kommt
nochmals auf das Bewilligungsverfahren zurück und erzählt: «Norma-
lerweise geht man zu den einzelnen Abteilungen sieben Behörden sind
involviert –, legt die Pläne und das Konzept vor und sammelt die einzel-
nen Bewilligungen. Da unser Konzept so einzigartig war in der Schweiz
und in der Gay-Szene, haben die Behörden gesagt ‚ups, da wollen wir uns
nicht die Finger verbrennenund haben das Ganze in ein Vernehmlas-
sungsverfahren geschickt. Da kommt automatisch jede Behörde zum
Zug. Das dauert dann zwar länger, aber man kann sicher sein, dass alle
Behördestellen Kenntnis haben und zur Bewilligung stehen.»
Mehr Wellness als Bordell
Brandenbergers Ziel war, nicht eine weitere Gaysauna in Zürich zu eröff-
nen. Er betont, dass sein Wellness-Club mehr Relaxzonen aufweist, als
man es bisher gewohnt war. Und ja, es ist ein Escort-Service integriert.
Doch zwei von drei Etagen, insgesamt 1200 Quadratmeter, sind für den
Wellness-Bereich reserviert. Der Bereich ist vom obersten dritten Stock-
werk getrennt, wo Boys gegen Bezahlung auf Kundenwünsche eingehen.
Das gibt die Gewähr, dass man im ganzen Wellnessbereich nicht von Stri-
chern angemacht wird. So sieht Brandenberger auch eine gute Chance,
dass zum Beispiel zwei in einer Beziehung lebende Männer zusammen
herkommen und sich hier einfach für ein paar Stunden wohlfühlen, das
ganze Angebot nutzen und geniessen können von der Bio-Sauna über die
Finnische Sauna, die Massage, das Dampfbad, den Whirlpool, bis hin zu
den bequemen weissen Leder-Liegen im Relax-Raum und, je nach Ein-
trittspreis, auch noch freie Getränke an einer der Bars... dazwischen ein
Billard-Spiel. Oder, dass man sich hier zum Feierabend-Drink verabredet
statt in einer Bar.
Die aufgehängten Schlüssel hinter der Empfangstheke erinnern an einen
Hotel-Empfang. Die Schlüssel haben einen guten Grund: Wer sich mal für
eine halbe Stunde zurückziehen will, kann dies ohne Aufpreis tun. Er
holt sich den Schlüssel für ein luxuriös eingerichtetes Zimmer mit Liege,
grossflächigem Fernseher, Video und eigener Dusche. Nach Rückgabe des
Schlüssels weiss das Personal, dass das Zimmer gereinigt werden muss.
Vorher wird es nicht weitergegeben. Mögliche Spuren eines Sexaktes will
Brandenberger nachfolgenden Gästen ersparen.
Bedürfnisse der Gäste erkennen und mit Gästen umgehen, das hat Bran-
denberger gelernt. Der 47-jährige eidgenössisch diplomierte Hotelier ist
in der Gastronomie zuhause. So überlegt er sich denn auch neue, abgestuf-
te Preise. Zu Beginn galt ein Eitrittspreis von Fr. 99.–. r einen ngeren
Aufenthalt im luxuriös ausgestatteten Club findet Brandenberger diesen
Preis nach wie vor gerechtfertigt. Zumal bei diesem Angebot Sknacks
und Getnke à discrétion inbegriffen sind. Doch wer nur mal für zwei
Stunden daherkommt und in dieser Zeit noch eine Massage von einem
der freischaffenden professionellen Masseure will, der nutzt die freie
Getränkewahl wohl nicht aus. Darum gibts jetzt ein Angebot für Fr. 49.
(ohne Getränke) und eines für Fr. 69.(mit drei Getränken inklusive).
Die Escort-Jungs
Brandenberger hat ofziell eine sexgewerbliche Bewilligung für den
obersten Stock. Er sucht dafür seine Leute persönlich aus und stellt ein
paar klare Bedingungen.
Sie müssen schwul sein. Einem schwulen Mann kann eigentlich nur ein
schwuler Boy einen guten Service leisten, ist Brandenberger überzeugt.
Und er lässt nur Jungs mit Bewilligung, mit EU-Pass oder Schweizer ar-
beiten. Sie sind freischaffend, aber er bespricht mit ihnen die Präsenz-
zeiten und den Kostenrahmen für ihre Leistungen. Für den Gast soll al-
les transparent sein. Die Jungs bezahlen keinen Eintritt und bekommen
gratis Softgetränke vom Haus. Das Honorar mit dem Boy macht der Gast
selber ab. Auf der andern Seite verlangt der Club für die Suite für eine
Stunde Fr. 150.– (wer z.B. den Einrittspreis von Fr. 49.– bezahlt, muss für
die Suite nur noch Fr. 101.– aufzahlen). Dafür aber erhält er eine Luxussu-
ite mit luststeigerndem Decor und privatem Jacuzzi hier beginnt denn
auch in der Regel das Warmwerden mit dem Escort-Boy.
Ein Glücksfall
Eigentlich schwirrte Brandenberger schon vor 20 Jahren die Idee Im Kopf
herum, in der Schweiz einen sauberen Escort-Service aufzubauen. Nun
sind ihm die Probleme des Hausbesitzers «Grubenstrasse 1entgegenge-
kommen. Ein Glücksfall. Im Haus, genauer gesagt, in dem Stockwerk, wo
jetzt der Escort-Service angeboten wird, war für kurze Zeit mal ein Hete-
ro-Bordell. Die damaligen Betreiber unterboten die stadtüblichen Preise
massiv und wurden prompt massiv bedroht. Anschläge mit Buttersäure
und das Hacken der Internetseite waren die Druckmittel. Der Hausbesit-
zer wollte diesem Ärger aus dem Weg gehen und kündigte den Mietern.
Es folgte die Idee, einen Massagetempel zu errichten. Dazu wurden bereits
Um- und Einbauten vorgenommen, aber der Bereich war nie offen.
Nun wurden die Räume ausgeschrieben als «Exklusiver Erotiktempel in
der Stadt Zürich» und im Inserat stand, dass Bewerber aus der homosexu-
ellen Szene bevorzugt werden. Brandenberger meldete sich, erstellte ein
Konzept und verhandelte. Das Resultat ist für ihn insofern befriedigend,
dass er sich einen einigermassen rentablen Betrieb erhoffen kann – die
angenommenen Besucherzahlen vorausgesetzt.
Bei der Luxus-Ausstattung des Clubs stellt sich natürlich die Frage: «Wer
hat so viel Geld?» Auf das Gerücht angesprochen, ob denn wirklich die
Russen dahinter stecken, winkt Brandenberger ab: «Bei solchen Pro-
jekten wird viel gemunkelt, in unserer Szene sowieso...». Fakt ist, dass
bereits eine Ausstattung vorhanden war. Dafür wird Miete bezahlt. Der
unterste Stock wurde neu ausgestattet. Auf die Frage, ob denn eine Bank
für solche Investitionen Kredite gäbe, meint Brandenberger kurz: «nein,
sicher nicht».
Da staunt man erst recht über die Luxusausstattung mit so viel Marmor,
Leder und Gold. Doch was kümmerts den Gast! Er darf stundenlang
puren Luxus auf sich wirken lassen und in vollen Zügen geniessen.
10 Gratis-Eintritte für das GOLDEN GAY
Zu gewinnen: Ein 10er-Abo all inclusive für das GOLDEN GAY
SPA+WELLNESS im Wert von Fr. 900.–.
Als garantierten Sofort-Preis gibt es bei der Teilnahme einen Gutschein
für das all inclusive Paket zum Preis von Fr. 49.– (Ersparniss Fr. 50.–).
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8
Prominent CRUISER Edition März 2010
Big Brother
Die gefühlte 127ste Staffel der Container-Soap
ist wieder auf Sendung und die Crème de la
Crème der Unterschicht wittert die fette Kohle
mit Option auf einen Callcenter-Job. Carlos Fas-
sanelli war mit seinem eingetragenen Partner
Harald mit von der Partie. Beide schwul, doch
das ist ngst kein Skandal mehr. Beide offen
HIV-positiv, da wird’s brenzliger. Zwar wollen
sie Berührungngste abbauen, doch bereits
nach einem Tag suchte ein Mitkandidat das
Weite. Wenn sie tränenüberströmt über Kombi-
Therapien sprechen, sind Exhibitionismus und
Voyeurismus kaum noch erträglich. Unbezahl-
bare Vorbilder? Billige Provokation? Tabubruch
um jeden Preis? Die Containertüren sind zu
und alle Fragen offen. Der Sender RTL2 lobt das
Fingerspitzengefühl von Zuschauern und Pres-
se, die Hasstiraden in Internet-Foren sprechen
eine andere Sprache. Das öffentliche Interesse
hat den Fokus zeitweilig ganz auf Silikon-Cora
und Porno-Horst gerichtet. So blieb nach dem
Rauswurf von Harald seinem Partner Carlos
nichts anderes übrig, als mal mächtig auf den
Putz zu hauen und verbale Attacken vom Sta-
pel zu lassen. Worte wie «Scheiss-Zuschaue
sind deutlich und beweisen, dass auch HIV-po-
sitive Schwule total normal und unterirdisch
sein können. RTL2 sst übrigens ausrichten, die
Big Brother-Einschaltquoten seien so hoch wie
schon lang nicht mehr. (RG&DD)
Sandra Bullock
Als Aktrice Sandra Bullock dank «Speed» über
Nacht zum Superstar avancierte, wurde sie
als Nachfolgerin von Julia Roberts gehandelt.
Nur, die Roberts liess sich nicht vertreiben und
Bullock kam vom Image der romantischen Ko-
mödiantin nicht weg. Anspruchsvolle Rollen
ergatterte sie zwar, jedoch meist, weil sie als
Produzentin fungierte. Nun scheint sich das
Blatt zu wenden. Julia Roberts ist derzeit lie-
ber Mutter statt Holly woodstar, somit ergat-
tert Sandra dankbar deren Rollen und jüngst
eine Oscar-Nomination als beste Darstellerin
in dem Drama «The Blinde Side». Das macht die
mittlerweile 46-Jährige übermutig. So liefert sie
sich mit der ebenfalls nominierten Kinolegende
Meryl Streep einen witzig-ironischen Schlagab-
tausch. Laut Gala kommentierte Bullock dies
folgendermassen: «Als es rauskam, hinterliess
ich Meryl eine Sprachnachricht, die besagte:
Du musst jetzt immer aufpassen. Ich schneide
dic. Dann schickte Meryl mir Orchideen und
wünschte mir den Tod, also schickte ich ihr
eine Kiste Schnaps und wies sie an, auf die weis-
se Unterschicht zu trinken.» Mit dieser Aktion
möchte Sandra Bullock vielleicht davon ablen-
ken, dass diese Nomination nicht ihre einzige
ist. Denn zeitgleich ist die Brünette auch für den
Razzie-Award im Gespräch als schlechteste
Schauspielerin in «All about Steve». Die Chan-
cen stehen gut, dass Sandra Bullock nun beide
Preise gewinnt. Julia Roberts hat nurden Os-
car bekommen. (DD)
Alice Schwarzer
Die Ikone der deutschen Frauenbewegung
spricht einmal mehr Klartext. Im Prinzip spricht
sie nicht, sondern schreibt. Ihre jüngsten Worte
sind an Bushido gerichtet, welchen man getrost
als homophoben wie horizontarmen Skandal-
rapper bezeichnen darf, der im aktuellen Ki-
nofilm «Zeiten ändern sich» eine schwere Rolle
spielt: sich selbst. Alice Schwarzers Reaktion
ist eine Antwort auf Bushidos Attacke gegen
die Feministin. In einer Talkshow sinnierte
der Rapper über ein fiktives Streitgespräch bei-
der. Unter anderem phantasierte er folgenden
Schlusssatz an Frau Schwarzer zusammen:
«Ganz ehrlich, fick dich ins Knie, du Fotze».
Der hat gesessen. Und die Retourkutsche folgte
in Form eines offenen Briefes auf Schwarzers
Website der EMMA. Und dieser tut weh: «Bushi-
do, du bist irgendwie zerrissen. Zwischen dieser
deutschen, ergebenen Mutter und diesem tune-
sischen, abwesenden Vater. Der war schwach,
aber stark genug, deine Mutter regelmässig zu
verprügeln.» Er habe daraus keine Lehren gezo-
gen, so Schwarzer. Auch er verachte die Frauen,
und «wir sind für dich nur Fotzen, die man von
hinten fickt». Zum Schluss wird Bushido als
kleinbürgerlicher Spiesser betitelt, der null Re-
spekt verdiene. Dass Bushido nur provozieren
und Werbung für seinen Film machen wollte,
ist sonnenklar. Den Gefallen wolle sie ihm nicht
tun. Dummerweise zu spät. Trotzdem, Schwar-
zers Worte machen Sinn und sollten sich ange-
sehene Schauspieler verinnerlichen, welche in
Bushidos Film auftreten. So spielen u.a. Moritz
Bleibtreu und Hannelore Elsner in dem Mach-
werk mit. Akteure, denen man ein gewisses
Mass an Intelligenz zugetraut hätte. Aber auch
die benötigen wohl wieder einen Hit an der Ki-
nokasse. (DD)
Tokio Hotel
Facebook kann eben doch mehr als alte Schul-
freunde wiedernden, denen man eigentlich
nie mehr hätte über den Weg laufen wollen.
Facebook kann 30 000 Leute für einen interna-
tionalen Jogging-Hosen-Tag mobilisieren. Face-
book macht Stars. Jüngstes Beispiel: eine Brezel.
«Kann diese Brezel mehr Fans als Tokio Hotel
haben?», fragte der Wiener Student Martin Sa-
morajski. Ja, sie kann. Bereits nach zehn Tagen
war der Tokio Hotel-Fanclub, der immerhin fast
400 000 Mitglieder hat, überrundet. Die Brezel
bendet sich in guter Gesellschaft mit einer
Essiggurke, die gegen Nickelback antrat und
einem Zwiebelring, der es mit Justin Bieber auf-
nehmen wollte, in diesen beiden Fällen aller-
dings chancenlos. Die Schar der melancholisch
aufgebrezelten Comicfiguren der Emo-Szene
ist aufgebracht und nun noch trauriger als oh-
nehin schon. Auch mit den Verkaufszahlen der
neuen Tokio Hotel-CD sieht es eher düster aus.
«Die Träume verbrennen, die Liebe friert ein,
wir schreien zusammen allein», singt Bill da.
Hoffentlich kann ihn seine neue Freundin ein
bisschen trösten. Freundin? Irgendwie schwer
vorstellbar, aber er ist halt emosexuell. Nach
metrosexuell und retrosexuell mal wieder eine
interessante Wortschöpfung, die das Spiel mit
dem Androgynen bezeichnet. Übrigens wurde
Bill vom Magazin FMH bereits zweimal in die
Liste der «Unsexiest Women Alive» aufgenom-
men, als einziger Mann. Traurig ist auch, dass
man jetzt nie mehr eine Brezel essen kann, ohne
an Tokio Hotel denken zu müssen. Und noch
eine traurige Meldung: Mit der Trennung von
Thomas Borer und Shawne Fielding verliert die
Schweiz das einzig wahre Glamour-Promipaar.
Wo jetzt hier der Zusammenhang ist? Shawne
Fielding hat das Aus öffentlich gemacht auf wo
sonst? Facebook. (RG)
9
CRUISER Edition März 2010
Prominent
Charl Van den
Berg
Oslo hat gewählt, der neue Mr. Gay World ist der
28-jährige Charl Van den Berg, Südafrikaner aus
Kapstadt, zeitgleich Restaurantbesitzer und Un-
terwäschemodel. Neben «unserem» Ricco Mül-
ler, welcher bereits Mr. Gay International wurde
(und deswegen nicht teilnehmen durfte), gibts
nun also auch einen weiteren Homosexuellen,
der gleich die ganze Welt vertritt. Van den Berg
setzte sich Mitte Februar gegen 19 Kandidaten
durch. U.a. gegen den Schweizer Vertreter Tobi-
as Dickenmann, welcher quasi aus dem Nichts
auftauchte (und sich ungefähr dort auch wieder
platzierte, leider). Des Siegers erste Amtshand-
lung führte ihn direkt zur Olympiade nach
Vancouver. Denn neben Schweizer Goldregen
und dlichen Bobbahnen gab‘s dort auch ein
sogenanntes «Pride-House», eine Art schwul-
lesbischen Kontakt-Center. Als weltweit attrak-
tivster Schwuler konnte sich Van den Berg dort
bereits prominent in Szene setzen. Aber «nur»
schön sein darf er nicht. Denn die Veranstalter
von Mr. Gay World wollen einen «engagierten
Mann, welcher die Verantwortung als Vertreter
der Gemeinschaft übernehmen will und sich
auf internationaler Bühne für Gleichheit und
Menschenrechte stark macht». Weswegen das
stolze politische Engagement beim viertägigen
Event in Oslo auch in knappster Badehose prä-
sentiert werden musste. Logisch. (DD)
Helene Hegemann
Nachdem Charlotte Roches «Feuchtgebiete» eini-
germassen trockengelegt worden sind, braucht
die Literaturszene dringend einen neuen Pro-
mi. Enfant terrible und Wunderkind Helene
Hegemann ist zwei in einem. Gerade mal 17,
wird sie vom strengen Chor der Literaturkriti-
ker einstimmig gefeiert als Stimme einer neuen
Generation. Knallhart und durchgeknallt, ab-
gewrackt und abgefuckt ist ihr Roman «Axolotl
Roadkil. Zentraler Schauplatz darin ein Berli-
ner Club in einem ehemaligen Heizkraftwerk.
Er verschluckt eine aufgeregte Warteschlange,
führt sie in eine Zwischenwelt und kotzt sie
nach zwei Tagen als Partyleichen wieder aus.
Unzweifelhaft ist damit das Berliner Berghain
gemeint, das sich vom schwulen Technoschup-
pen zum angeblich besten Club der Welt gemau-
sert hat. Sprachgewandt beschreibt die junge
Autorin den ultimativen Absturz. Aber alles nur
geklaut, vieles jedenfalls, wie sich bald heraus-
stellte. Hegemann hat abgeschrieben, vom Blog-
ger Airen etwa, der selbst lieber im Hintergrund
bleibt und unter einem Pseudonym schreibt.
Warum nicht gleich das Original «Strobo» le-
sen, wenn doch die rund 40 kopierten Stellen
die besten sind? Die Kritiker beschwichtigen
und legen den Skandal unter den Deckmantel
von Intertextualität und Sharing-Kultur. Klar,
denn dass ein höchstens mittelmässiges Werk
zum grossen Hype wurde, zeigt ja vor allem
eins: Auch Kritiker schreiben voneinander ab.
Schön pubertär hingerotzt und jetzt ist es ange-
strengte Literatur. Schade, dass dieses treffende
Urteil nur geklaut ist, von der Seite 1 des Hege-
mann-Romans. Also doch lesen, unbedingt! Als
Gutenachtlektüre für Fortgeschrittene. Was
man hingegen bestimmt nicht lesen sollte, sind
Promi-Kolumnen. Lesenswerte Medienbericht-
erstattung gibt es nicht, das hat Frau Hegemann
bei Harald Schmidt gesagt. Oder hat sie das even-
tuell auch nur nachgeplappert? (RG)
Lindsay Lohan
Wenn in Wien Frackdichte und Promiquote
rasant in die Höhe schnellen, wenn sich alles
linksherum dreht und man bald nicht mehr
weiss, ob das vom Tanzen oder vom Champa-
gner kommt, dann ist alles Walzer, dann ist
Opernball. Da trifft sich alles, was Rang und
Namen, Geld und Silikonimplantate hat. Die
grosse Frage jedes Jahr: Wer begleitet Hausherr
Richard Lugner als Stargast über den roten Tep-
pich? Paris Hilton hatte schon die Ehre, Pamela
Anderson und Teri Hatcher. Diesmal sollte es
Lindsay Lohan sein. Die feine Gesellschaft äus-
serte im Vorfeld Bedenken, macht Lohan doch
immer wieder mit unfeinen Exzessen Schlag-
zeilen. Mit 23 hat sie schon so einiges erlebt: er-
ste TV-Erfahrungen als Dreijährige, dann rund
60 Werbespots, Versuche als Schauspielerin,
Model, Sängerin und Schriftstellerin. Stets be-
gleitet von Alkohol und Drogen, auch die An-
klage wegen Trunkenheit am Steuer fehlt nicht
in ihrer Biografie, daraufhin Sozialstunden im
Leichenschauhaus und 84 Stunden Gefängni-
saufenthalt. Immer in der Öffentlichkeit, ohne
viel zu leisten, ein It-Girl eben. Zum Walzertan-
zen kam es dann doch nicht. Sie verpasste ihren
Flieger, weil sie am Shoppen war. Kann ja jedem
It-Girl mal passieren, sie hatte wohl einfach
das passende Kleidchen noch nicht gefunden.
Die bescheidene Gage von 200‘000 Euro wurde
auch brav wieder nach Wien zurückgesendet
und Lugner fand doch noch die passende Be-
gleitung. Dieter Bohlen sprang in die Bresche
und schwang sich aufs Parkett, und er machte
es erst noch günstiger. Sonst für taktlose Sprü-
che bekannt, blieb er brav im Dreivierteltakt.
Einmal mehr wurden für einen Abend C-Promis
zur Primadonna und Boxenluder zum Logen-
luder, und draussen am Würstlstand, wo die
betagten Herren ihre steifen Kragen lockerten
und die Damen stillos ihre Stilettos auszogen,
wo bestimmt auch Lindsay Lohan eine gute Fi-
gur gemacht hätte, da fragte man sich natür-
lich bereits, wer Lugners nächstes Ballhäschen
sein wird. Dralles Weibchen oder fesches nn-
chen? (rg)
10
Gesellschaft CRUISER Edition März 2010
Freitod eines Freigeistes
Zum Tod von Alexander McQueen
11
CRUISER Edition März 2010
Gesellschaft
Mitten in der New Yorker
Fashion Week kam am
11. Februar die erschüttern-
de Nachricht: Alexander
McQueen hat Selbstmord
begangen. Damit hat die
Modeindustrie eines ihrer
letzten Enfants terribles
verloren.
Der britische Designer wurde tot in seiner Wohnung gefunden. Die Poli-
zei liess mitteilen, dass sein Tod nicht verdächtig erschien. Schnell mel-
deten die ersten Zeitungen, McQueen habe sich erhängt. Angestellte wur-
den vor seinem Studio gefilmt, wie sie die Hände vors Gesicht schlugen.
Wachleute stellten daraufhin grosse, weisse Wände vor den Eingang.
McQueens Freunde und Mitarbeiter baten in Stellungnahmen um Wah-
rung ihrer Privatsphäre in dieser schweren Zeit. Man müsse den schweren
Schlag erst verarbeiten.
Enfant terrible der britischen Modewelt
McQueen wurde als Sohn eines Taxifahrers im Londoner East End gebo-
ren und brachte den rauen Charme des Londoner Ostens in die vornehme
Welt der Haute Couture. Er war von allen Modemachern der unkompli-
zierteste Schwule. Schon als Schneiderlehrling machte er keinen Hehl aus
seiner Sexualität. «Ich habe nichts zu verbergen. Mein Weg führte direkt
aus dem Leib meiner Mutter in die Schwulenparade.»
McQueen besuchte eine Jungenschule, wo er sndig Frauenkleider
zeichnete. Mit 16 wurde er Schneiderlehrling beim renommierten Mass-
schneiderhaus «Gieves & Hawke». McQueen arbeitete fast zehn Jahre als
Schneider, bevor er auf der Londoner Central Saint Martins, einer Kunst-
akademie, Mode studierte. Seine Kreationen nahmen wenig Rücksicht
auf Konventionen. So war auch das Thema seiner Abschlusskollektion
im Jahre 1992 «Jack the Ripper». Wie das Thema schon erahnen sst, war
auch tatsächlich Blut im Spiel. Die englische Moderedakteurin Isabella
Blow, eine der grössten Exzentrikerinnen der Modewelt, war davon so
angetan, dass sie seine gesamte Kollektion für 5000 Pfund aufkaufte.
Seit diesem Moment galt sie als die grosse Entdeckerin McQueens. Noch
im selben Jahr gründete McQueen sein eigenes Label. Fünf Jahre später
wurde er Nachfolger von John Galliano und damit Chefdesigner für das
französische Modehaus Givenchy. Das machte aus dem Enfant terrible
einen hoch geachteten Designer. Seine eigene Linie wurde 2000 vom ita-
lienischen Modekonzern Gucci zu 51 Prozent übernommen.
McQueen provozierte wie kein anderer seiner etablierten Kollegen: Bei
einer Modenschau unter dem Titel «Highland Rape» («Bergland-Vergewal-
tigung») schickte er mutmassliche Vergewaltigungsopfer in zerrissenen
Kleidern auf den Laufsteg, von der Presse wurde er gern als «Bad Boy» oder
gar als «Hooligan» tituliert. Viermal wurde er zum britischen Designer
des Jahres gekürt. «Ich muss die Leute zwingen, sich die Dinge genau an-
zusehen», sagte er einmal. Spektakulär waren McQueens Fashionshows
immer. Seien es Schneeflocken, Farbbespritzungen, an Leinen geführte
Wölfe oder Models mit bandagierten Köpfen in einer Glasbox McQueen
langweilte nie.
Trotz seiner kontroversen Shows schaffte es McQueen in die Herzen
der Modeliebhaber. Als Vorbereitung für seine Kollektion, die er im Ok-
tober 2008 in Paris zeigte, las McQueen Darwin. Er stellte jede Menge
ausgestopfte Tiere auf den Laufsteg und übte damit Kritik an dem Motto
«Survival of the fittest». Dass er am Schluss im Ganzkörperkostüm eines
weissen Plüschhasen winkend auf die Bühne trat, liess selbst das rteste
Herz erweichen und war wohl das Komischste, was die Modewelt in jener
Saison vor Augen bekam.
Düstere Zeiten
McQueens Förderin und Entdeckerin, Isabella Blow, nahm sich vor drei
Jahren das Leben, nachdem sie von ihrer Eierstockkrebserkrankung er-
fuhr. Ein Verlust, den Alexander McQueen nie verkraftete. Denn Isabella
Blow war nicht nur Entdeckerin und Förderin des Designers, sondern
auch seine beste Freundin. Nachdem nun jedoch mehrere Abschieds-
briefe an Freunde gefunden wurden, war klar, dass ihn der Tod seiner
Mutter, die bloss einen Tag vor McQueens Selbstmord starb, und eine in
die Brüche gegangene Beziehung zu diesem Schritt bewegten. Die Mode-
welt reagiert geschockt auf McQueens Tod. Auf Twitter schrieb Peaches
Geldof, Londoner It-Girl und Tochter von Sir Bob Geldof: «Ruhe in Frieden,
Alexander McQueen. Nur die, die es riskieren, zu weit zu gehen, können
herausfinden, wie weit ein Mensch gehen kann.» Der US-Blog «Jezebe
erwies dem Designer auf die wohl zutreffendste Art und Weise seine Re-
verenz und wies zugleich auf die bleibende Bedeutung seines Genies hin:
«McQueen is dead, long live McQueen.»
Marc-André Capeder
Kolumne CRUISER Edition März 2010
«Ich bin dann
mal weg»
von Michi Rüegg
Winter ist Suizidsaison. Nicht nur Alexander
McQueen hat die Krone für immer abgelegt, es
scheint sich eingebürgert zu haben, dass sich
jedes Jahr im Januar einer meiner Bekannten
ins Jenseits befördert. Auf diese Bemerkung hin
rzlich in einer Bar von mir geäussert sagte
ein Freund: «Bei dir auch?» Und erhlte mir,
dass sich innert weniger Wochen drei Leute aus
seinem Umfeld das Leben genommen hätten.
Wir Schwuppen sind ja im Grunde sehr anfällig
für Modeströmungen jeder Art, aber müssen wir
uns denn gleich alle umbringen? Das ist irgend-
wie so 50er Jahre, als dem Schwulen entweder
die Lüge und das Leben in der Vorstadtfamilie,
die Einsamkeit oder als Trost spendende Alterna-
tive dazu der Freitod blieb. Wir erinnern uns an
die frühen Filme und Serien, in denen Schwu-
le vorkamen. Diese Figuren waren permanent
scheissdeprimiert und in aller Regel auch am
anfälligsten für Suizideinfälle ihrer Drehbuch-
autoren. Man wollte damals gar nicht so recht
schwul sein, weil das gleichbedeutend war mit
depressiv, ausgegrenzt und todunglücklich.
Doch sollte man meinen, dass die Emanzipati-
on der letzten Jahre eine Wende eingeleitet hät-
te. Stattdessen bringen wir uns heute vermut-
lich um, weil wir nicht dem gesellschaftlichen
Druck standhalten. Dieser schreibt vor, dass wir
zusammen mit unserem Partner eine Altbau-
oder Maisonette-Wohnung beziehen müssen,
total spannende Berufe haben, sonntag Hand
in Hand mit dem Hund spazieren gehen, unse-
re Hetero-Nachbarn immer zum Essen einladen
(und umgekehrt, lled!) und bei den Erdbeben-
bildern aus Haiti zuallererst fragen müssen, in
welcher Farbe wir denn das Kinderzimmer für
unseren noch zu adoptierenden Nachwuchs
streichen wollen.
Vielleicht sehe ich das auch zu einfach. Viel-
leicht kommt bei gewissen Menschen einfach ir-
gendwann der Zeitpunkt, wo sie einen Schluss-
strich ziehen müssen, unabhängig von ihrer
Umwelt.
Denn jeder und jede hat das Recht, den Zeitpunkt
des eigenen Ablebens selber zu bestimmen, so
will es zumindest die Europäische Menschen-
rechtskonvention. Und wenn der Leidensdruck
woher er auch immer rührt zu gross wird,
dann muss man sagen nnen: «Bis hierhin und
nicht weiterNur schade, dass einem in solchen
Fällen einzig Strick, Pistole, Tablette, Messer oder
Sprung von der Brücke bleiben. Ein Tod in Ein-
samkeit. Und die Gewissheit, dass irgendjemand
irgendwann eine Leiche ndet. Und vielleicht
einen Abschiedsgruss mit ausführlicher Begrün-
dung. Wer sich umbringt, kann sich nicht von
den Liebsten verabschieden wie der Soldat, der
in den Krieg zieht. Und er stirbt für sich allein.
Im Keller. In der Badewanne. Im Büro.
Das ist doch gut so, meint der Bundesrat. In
seinen Vorschlägen zur Regelung der organi-
sierten Suizidhilfe, will er nämlich chronisch
und psychisch Kranke ausklammern. Sie sollen
nicht mehr die Unterstützung von Suizidhilfe-
organisationen in Anspruch nehmen können,
sondern sich bitte dem Willen des Herrn beu-
gen, und erst dann von uns gehen, wenn die-
ser es wünscht. Das ist unmenschliches, wenn
nicht gar mittelalterliches Denken. Aber offen-
bar gilt in dieser Gesellschaft die Pflicht zu le-
ben mehr als das Recht zu sterben.
So sind sicher einige von uns gefangen zwischen
der Trauer über einen lieben Menschen, der
wie sagt man? sich von uns gegangen hat, und
der tiefen Überzeugung, dass wir die Zügel un-
seres Lebens selber in der Hand halten. Wir kön-
nen nur versuchen, für unsere Freunde da zu
sein und Zeichen frühzeitig zu erkennen. Wir
können die Hand ausstrecken. Und wir können
uns sagen, dass uns keine Schuld trifft, wenn
jemand trotzdem mit seinem Leben Schluss ma-
chen will. Verhindern nnen wir es in der Regel
nicht. Erst recht nicht, wenn ein des Lebens mü-
der Mensch keinen Ausweg mehr sieht.
Traurig ist das trotzdem. Ob er nun Alexander
McQueen hiess oder Michel oder Dani.
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13
CRUISER Edition März 2010
Lifestyle
Lacoste bringt Farbe in den Frühling
Sie erinnern and Kunstwerke von Andy Warhol oder Roy Lichtenstein: die neuen Sneakers von Lacoste. Das französische Unternehmen nennt ihre
neue Kreation «Dot Fade», was so viel heisst wie «Punktausblendung». Damit ist das Prinzip des Designs gemeint, welches auf farbigen Punkten ba-
siert, die in einen Farbhintergrund verlaufen. Das neue Modell ist erhältlich in den Farbkombinationen gelb-pink, blau-gn, weiss-pink, weiss-
grün und schwarz-weiss. Auf jeden Fall ein garantierter Hingucker.
Erhältlich ab CHF 179 bei Lacoste.
VANITY The Art of Beauty
Seit den 80er-Jahren bietet VANITY am Bleicherweg und im Hotel Baur au Lac in Zürich massgeschneiderte P ege von Kopf bis Fuss. Weil sich die
Beauty- und Wellness-Trends in den letzten Jahren massiv verändert haben, wurde die Filiale am Bleicherweg 17 nun komplett umgebaut. Die neue
Beauty-Welt bietet ab sofort auf 340 Quadratmetern ein noch attraktiveres und umfangreicheres Angebot.
Ein Termin drei Behandlungen
Neu gibt es am Bleicherweg beispielsweise den amerikanischen Trend der Beauty-Combos. Dabei gibt man die zur Verfügung stehende Zeit und die
Wünsche vor und wird dann von bis zu drei Profi s gleichzeitig behandelt. Wer den hektischen Alltag ganz hinter sich lassen will, kann sich im Un-
tergeschoss in sieben Wellness- und Beauty-Räumen verwöhnen lassen. Ein Höhepunkt ist die neu erschaffene Erlebniskabine mit Sternenhimmel
und vielen Überraschungen. Insgesamt kümmern sich rund 30 Hairstylisten und Beauty-Profi s um das Wohlergehen von Frau und Mann. In den
neuen Räumlichkeiten machen exklusive Produktelinien wie Thalgo, !QMS von Dr. med. Erich Schulte oder die Make-up-Linie des deutschen Star-
Visagisten Horst Kirchberger das Wellnessen einzigartig.
Mehr Informationen unter: Tel. 044 201 80 18 oder unter www.vanity.ch.
Schlafen mit Dita
Wir alle kennen es: Man tanzt die Nacht durch, kommt heim und will nur noch schlafen. Doch die gnadenlos durch die Vorhänge blitzende Sonne
verunmöglicht jeglichen Schlaf. Dita von Teese weiss Rat. Die 37-Jährige kennt die Problematik durchtanzter Nächte nur allzu gut. Als wohl be-
kannteste Vertreterin des New Burlesque hat sie sich nun mit dem italienischen Modelabel Moschino zusammengetan und eine exklusive Schlaf-
maske kreiert. Die Schlafmaske wird hergestellt aus rosa Seidensatin, eingefasst von schwarzer Spitze – ganz Ditas Stil. Wer erst probetragen
möchte, kann dies auf www.moschino.com tun. Nur rasch ein Portraitfoto von sich raufl aden, den Anweisungen auf der Seite folgen und schon
kann man sehen, wie man mit der Schlafmaske aussieht. Und als re dies nicht genug, geht ein Drittel des Verkaufspreises an «amFAR – The
Foundation for Aids Research». Die gemeinnützige Einrichtung engagiert sich in Bezug auf die Aufklärung und Prävention des HI-Virus und steht
für eine AIDS-relevante Politik ein. Also, auch mit der Schlafmaske auf den Augen: Safety rst!
Erhältlich für 90 Euro auf www.moschino.com
14
Kino CRUISER Edition März 2010
«Nine»
Allein unter Frauen
Von Fellinis Meisterwerk, zum Broadway-Hit
und zuck ins Kino
15
CRUISER Edition März 2010
Kino
Mit «Nin präsentiert Rob
Marshall eine opulente
Musical-Verfilmung, die
auf Federico Fellinis «Acht-
einhalb» basiert. Nach ei-
ner erfolgreichen Broad-
way-Laufzeit ndet die
Story um einen verwirrten
Regisseur ihren Weg zu-
rück ins Kino. Oscar-Ge-
winner Daniel Day-Lewis
lässt darin die weibliche
Erstliga Hollywoods antan-
zen. Es spielen u.a. Nicole
Kidman und Penélope
Cruz neben Kinolegenden
wie Judi Dench und So-
phia Loren.
Alles begann mit Federico Fellini. Dessen mit dem Oscar ausgezeichne-
tes Meisterwerk «Achteinhalb»(1963), eine ebenso surreale wie magische
Fabel über einen Regisseur in der Schaffenskrise, avancierte zu einem
der am meisten diskutierten Filme. Für viele wurde «Achteinhalb» durch
seine überbordenden Bilder zum perfekten Kinoerlebnis, welches ein Ge-
fühl der Rätselhaftigkeit des Menschseins vermittelte.
Wie geschaffen für ein Musical, dachte sich der Komponist Maury
Yeston. Dieser änderte die Geschichte in ein genrbergreifendes
hnenmusical mit dem kreativen Segen des Meisters Fellini. So
wurde «Achteinhalb» zu «Nine». Denn Yeston war sich sicher, wenn er
«Achteinhalb» um Musik und Tanz ernzen würde, käme in der Sum-
me «Nine» heraus. Als das Stück 1982 seine Premiere feierte, ging die
Rechnung auf: «Nine» wurde ein riesiger Erfolg. Das Musical bot das
seltene Bild eines einzelnen nnlichen Hauptdarstellers, umgeben
von 24 Schauspielerinnen, die jede Facette weiblicher Macht, Stärke
und Schönheit verkörperten.
Zurück ins Kino
Doch «Nine» hatte eine weitere künstlerische Verwandlung vor sich: Zu-
rück in das Medium, das einst seine Entstehung inspiriert hatte - das Kino.
Und mit «Nine» liefert nun Rob Marshall, welcher schon «Chicago» und
«Die Geisha» inszenierte, eine neue Variation ab. Genau wie Fellini einst
Maury Yeston komplette nstlerische Freiheit hinsichtlich der Verwen-
dung von Versatzstücken aus «Achteinhalb» gewährt hatte, liess nun auch
Yeston selbst Marshall für seine Leinwand-Adaption freie Hand.
Die Story zu «Nine» ist so simpel wie genretypisch: Regisseur Guido Conti-
ni ist ganz oben angekommen: Er gilt in den 60er-Jahren als bester Filme-
macher der Welt, hat dem italienischen Kino zu internationalem Glanz
verholfen und wird von den schönsten Frauen der Welt begehrt. Doch
plötzlich stürzt er in eine kreative Schaffenskrise. Verwirrt, verführt
und angeregt von den Frauen in seinem Leben, ringt er um Inspiration
und Rettung. Die legendäre hne 5 in den Cinecittà-Studios in Rom wird
dabei zum Schauplatz von Guidos wildesten Träumen.
Einzigartiges Ensemble
Marshall wollte das laut Pressetext «atemberaubendste und glamou-
röseste Kinoerlebnis des Jahres» abliefern. So engagierte er nur die Besten
ihrer Klasse, u.a. Kameramann Dion Beebe (Oscar für «Die Geisha») oder
Colleen Atwood (Oscars für «Chicago» und «Die Geisha»), welche bereits
für ihn arbeiteten. Dies erklärt auch, warum «Nine» rein visuell stark
an Marshalls Vorgänger erinnert. Dem stehen die teilweise neu kompo-
nierten Songs von Maury Yeston und das von Anthony Minghella («Der
englische Patient») geschriebene Drehbuch entgegen.
Einzigartig ist das Ensemble, das Marshall für «Nine» engagieren konnte:
Mit Daniel Day-Lewis, Penélope Cruz, Marion Cotillard, Nicole Kidman,
Judi Dench und Sophia Loren beweisen gleich sechs Oscar-Gewinner ihr
musikalisches Talent. Ergänzt werden sie durch Kate Hudson und Pop-
Superstar Fergie.
Flop an US-Kinokasse
Marschalls Verneigung vor Maury Yeston und Federico Fellini überzeugte
jedoch nicht durchgehend. «Nine» erwies sich als Flop an den US-Kinokas-
sen. Zwar liegt «Nine» mit vier Oscar-Nominationen fabelhaft im Rennen
um künstlerische Anerkennung, dennoch dürften die Produzenten ver-
ärgert sein, erhoffte man sich doch einen weltweiten Erfolg.
Das amerikanische Mainstream-Publikum kann offensichtlich mit einem
europäisch angehauchten Musical nichts anfangen, ebenso wenig wie
mit den Begriffen Fellini oder Cinecittà. Auch die zahlreichen Superstars,
inklusive das Leinwand-Comeback von Diva Sophia Loren, vermochten
die Massen nicht anzulocken. In Europa dagegen wird «Nine» mehr Chan-
cen zugesprochen. Verdient hätte es das opulente Musical durchaus.
Daniel Diriwächter / Ascot Elite Entertainment
16
Szene CRUISER Edition März 2010
«Aera Nacht der
Blumen» feiert
Jubiläum
Zum 15. Mal utet das Party-
Label Aera den Frühling mit
seiner Blumenparty ein
Das Zürcher Party-Label Aera feiert das 15-jäh-
rige Jubiläum seiner legendären Blumenparty.
Zum Frühlingsbeginn wird wieder im Club Hive
die «Nacht der Blumen» über die Bühne gehen.
Die Aera-DJs Alphajet, Chérie, Don Ramon, Jesse
Jay, Sampayo, San Marco und Valentino werden
auf zwei Dancefloors für eine ausgelassene Par-
tystimmung sorgen. An der Nacht der Blumen
des Schwulenparty-Labels Aera sind auch gay-
freundliche Hetero-nner und -Frauen herz-
lich willkommen.
Wer schon einmal an einer Nacht der Blumen
mitfeierte, wird sie für immer in bester Erin-
nerung haben: Das Aera-Team putzt jeweils
Schnittblumen aus einer vollen Ladung eines
Kleinlasters, schneidet Pflanzenstile zurecht
und drapiert dauraus opulente Sträusse und Ar-
rangements, um den ganzen Hive Club in einem
Meer von Tausenden von Blumen versinken zu
lassen. Aera schafft so nach der kalten Jahres-
zeit genau das richtige Ambiente, um mit bun-
ten Farben und betörenden Düften den Fh-
ling an einer ausgelassenen Party willkommen
zu heissen. Und das Beste daran: Auch an der 15.
Ausgabe der Nacht der Blumen darf jeder Gast
am Schluss der Party gratis so viele Blumen mit
nach Hause nehmen, wie er tragen kann.
Aera Nacht der Blumen
Samstag, 20. rz 2010, 22.00 Uhr
Hive, Geroldstrasse 5, 8005 rich
www.hiveclub.ch, www.aera.ch
Flexx Springtime
Line-up mit pumpenden,
progressiven Sounds
Endlich ist die kalte Zeit vorbei. Es wird lang-
sam wieder rmer und Frühlingsgefühle ma-
chen sich breit. An der Flexx Springtime Party
im Loop38 wird es nicht nur warm, sondern
regelrecht heiss. Dafür sorgt das Line-up mit
pumpenden, progressiven Sounds. Der Basler
DJ Mental X ist einer der beliebtesten DJs der
Schweiz. Angefangen auf dem Areal der legen-
ren Stückfärberei in Basel, dem «Stucki»,
kann er auf eine unglaubliche Erfolgsgeschich-
te zurückblicken. Er hat bereits in angesagten
Clubs wie dem «Under» in Paris und der «Green-
komm» in Köln aufgelegt, hat eine eigene Radio-
Show beim Radiosender Virus und produziert
erfolgreich Musik, unter anderem in Zusam-
menarbeit mit Live Act Greed. Sein Stil lässt
sich als eine Mischung aus den eher sanften,
melodiösen Elementen der Trance-Musik, ver-
bunden mit den faszinierend treibenden Beats
des Techno oder House beschreiben. Ergänzend
zu Mental X wird Resident DJ Ajaxx die Plat-
tenteller zum kochen bringen. Seine Sets sind
eine Synthese von verschiedenen Einflüssen von
Parties wie der Rapido (Amsterdam), Trade (Lon-
don), La Demence (Brüssel), Greenkomm (Köln),
Souvenir (Barcelona), Under (Paris) und White
Party (Miami).
Flexx Springtime
Samstag, 6. rz 2010, ab 23.00 Uhr
Loop38, Albulastrasse 38, 8048 Zürich
www.flexx-party.ch, www.loop38.ch
Shaft Sportsnight
Scharfe Outts sind gern
gesehen
Kaum ist Olympia überstanden, geht’s auch an
der Shaft sportlich weiter. Medaillen gibt’s zwar
keine mehr, aber Sportler kriegen trotzdem ih-
ren Preis. Skifahrer und Eishokeyaner nehmen
wohl besser das leichtere Tenue – heiss wird es
ihnen schon wegen den geilen Sportlern über-
all... Im «Trainingsraum» kann dann auch mit
den «Bällen» gespielt werden. Aber bitte nicht
zu feste, sie werden noch gebraucht!
Trainiert werden die Schwimmer, Schwinger,
Judokas, Leichtathleten, Fechter, Reiter, Orien-
tierungsläufer, Kanuten, Eisläufer, Handballer,
Surfer, Biker und Fussballer von den DJs 5th Ele-
ment und Tokee. Wetten, dass sie die nner zu
Höchstleistungen treiben!?
Wie immer ohne Dresscode, aber scharfe Outfits
sind natürlich gern gesehen.
Deshalb: Nicht abseits stehen, auf Vorteil spie-
len und an die Shaft dribbeln!
Shaft Sportsnight, no dick – no entry,
Samstag, 13. Februar 2010, 23.00 Uhr
Lotus Club, Pfingstweidstrasse 70
8005 Zürich, www.shaft.ch
Cologne-
Selection
Mit den Kölner Szene-Hot-
Shots Jon Doe und Marcel B
Selten ist es Veranstaltern gelungen, so rasch
eine Partyreihe zu etablieren, wie den Machern
der Selectionreihe. Nicht verwunderlich, läuft
doch die Reihe schon um einiges länger und äus-
serst erfolgreich in der Maultaschenmetropole
Stuttgart. In Zürich gibt’s nun die fünfte Party:
die Cologne-Selection. Eingeflogen werden die
Kölner Szene-Hot-Shots Jon Doe und Marcel
B., Garanten für undergroundige Sounds, die
schnell ins Blut gehen.
Natürlich gibt es oben wieder einen Züri-Floor,
der von lokalen Top-DJs regiert wird. «Wer nicht
hinkommt, ist definitiv selber schuld,», meinen
die Veranstalter und verweisen auf die Bilder-
galerien unter www.selectionparty.ch. Achten
Parties und
Events
17
CRUISER Edition März 2010
Szene
sollte man übrigens auf den Facebook-Auftritt
der Selectionparty, denn da werden regelssig
VIP-Packages (freier Eintritt plus Freigetnk!)
verlost.
Cologne-Selection
Samstag, 27. 3. 3010, 23.00 Uhr, Lotus Club
Pfingstweidstrasse 70, 8050 Zürich
Mr. Gay Clubtour
Jazzmin Dian Moore präsen-
tiert die zwölf Finalisten
Die zwölf Finalisten zeigen sich auf der T&M-
Bühne. So viel Erotik auf so engem Raum kann
gefährlich werden. Begleitet von Jazzmin Dian
Moore stehen die Kandidaten an besagtem
Abend Rede und Antwort. Ob sie einen Badeho-
sen-Durchgang haben werden, wollte man nicht
verraten. So viel ist jedoch sicher: Die Jungs sind
Knackig, sexy und zum Teil noch single.
Nach der Vorstellung der Finalisten geht’s na-
türlich gleich weiter mit der Party. DJ Marc S.
spielt dann gleich auch die Lieblingshits der Mr.
Gay Anwärter na, wenn die nicht abgehen…
Mr. Gay Clubtour, die 12 Finalisten
13.03.2010 um 22.00 Uhr
T&M Marktgasse 14, 8001 Zürich
www.tundm.ch, doors 21.30
9 Jahre Club
AAAH!
Der sexy Club im Niederdorf
feiert sein 9-jähriges Bestehen
Der schicke Club inmitten der Altstadt hat in
den letzten Jahren den Weg in die Herzen der
Gay Clubbers gefunden. Der Club AAAH! gilt
nicht nur bei den DJs als Insider-Tipp zum Auf-
legen, sondern auch für kreative Jungkünst-
ler, welche in der Vergangenheit das Outfit des
Clubs gestaltet haben. Am 5. rz wird ange-
stossen, auf neun Jahre Club AAAH! mit geiler
Musik, geilem Design und geilen Jungs.
Dj-Nick Harvey steht hinter den Plattentellern
und rockt die Birthday-Party mit knackigem
Elektro und treibendem House bis in die frühen
Morgenstunden. Die sympathischen Barkeeper,
Oli und Bay kümmern sich um die Getränke &
Snacks und der zeigefreudige Diego um die Ero-
tik an diesem Abend.
9 Jahre Club AAAH!
5.3.2010, 22.30, www.aaah.ch
Flexx Eastereggs
Party
Ostern steht vor der Tür
Ostern steht vor der Tür, die Zeit des Eiersu-
chens und der Osterhasen ist da! Ob grosse oder
kleine Eier, echte oder falsche Easterbunnies,
für jeden Geschmack ist etwas dabei. An der
Flexx Eastereggs Party wird der international
bekannte DJ Mike Kelly hinter den Turntables
stehen. Der sympathische Australier hat schon
an einigen namhaften Parties wie der Space of
Sound in Madrid oder der Curcuit-Party in Bar-
celona aufgelegt. Er brachte den White Room
der letzten Black Party zum Kochen. Zudem ist
er Resident DJ im legendären Afterhour-Club
Greenkomm in seiner Wahlheimatstadt Köln.
Neben Mike Kelly wird auch Flexx-Resident DJ
Ajaxx den Tanzwütigen ordentlich einheizen.
Und wie immer ist der Abend voller Überra-
schungen. Ostern war nie schöner!
Flexx Eastereggs Party
Samstag, 3. April 2010, ab 23.00 Uhr
Loop38, Albulastrasse 38, 8048 Zürich
www.flexx-party.ch, www.loop38.ch
6 Years
Boyahkasha!
Im Zürcher Volkshaus
Genau zur Umstellung auf die Sommerzeit star-
tet Boyahkasha! ins neue Jahr und lässt es gleich
richtig krachen. Die bekannte R’nB-Sause fei-
ert an diesem Abend ihr 6-jähriges Bestehen
und hat sich diesmal einen ganz besonderen
Ort dafür ausgesucht. Das Zürcher Volkshaus,
welches vor allem durch die Angels bekannt
geworden ist, wird kurzerhand zum Gayclub
umfunktioniert.
In Zusammenarbeit mit den Mr. Gay Wahlen, die
direkt vor der Party stattfinden, lassen es die Ver-
anstalter auf 3 Floors heiss zu und her gehen. Mit
den DJs Rafness, Charbon de Bois & Zör Gollin.
Nebst dem satten Boyah-Sound gibts auch einen
Floor für die Houseliebhaber. Das verspricht si-
cher, eine lange Nacht zu werden.
6 Years Boyahkasha!
Samstag, 27.3.2010, 22.30 Uhr
Volkshaus rich
Stauffacherstrasse 60, 8004 Zürich
www.boyahkasha.ch, www.mrgay.ch
Take off
Celestial-Start in den Frühling
«Take off» ein mehrdeutiges Motto: Einerseits
Start des Frühlings aus eisiger Umklammerung
des Februars; die Party, ein Frühlingstanz qua-
si, auf dass er komme. «take off the shirt» – die
Befreiung erleben.
Take off steht aber auch für den Beginn des
Neuen. Bislang wurde bei der Auswahl der DJs
gewissermassen auf Altmeister gesetzt.
DJ Jesse Jay (Take a Dance, Galaxy Space Night
Radio LoRa) ist auch ein Meister, ein «Jungmei-
ster», mit überraschend breitem Progressive-
Spektrum.
Thomi B & Jesse Jay, das spricht für abwechs-
lungsreichen Sound!
Celestial – take off
Samstag, 6. 3. 2010, 23.00 Uhr bis Ende
Lotus Club, Pfingstweidstrasse 70, 8050 Zürich
www.celestial.ch
Facebook-
Geburtsanzeige
Queer Voter aktiviert die
LGBT-Community
Die Stimm- und Wahlbeteiligung in der Schweiz
ist leider sehr gering. Grosse Teile der Bevölkerung
verzichten damit auf ihr Mitbestimmungsrecht
und überlassen die wichtigen Entscheidungen
anderen. Gerade in der LGBT-Community (Lesbi-
an, Gay, Bisexual, Transgender) ist dieser Trend
verstärkt festzustellen. Dennoch bestehen gerade
hinsichtlich Gleichstellung im Adoptionsrecht,
Einhrung eines griffigen Diskriminierungs-
verbots, Aufhebung des Blutspendeverbots und
der Anerkennung der sexuellen Orientierung
als Asylgrund noch viele Ziele, die es zu errei-
chen gilt.
Der genannte Trend in der LGBT-Community soll
gewendet werden. Darum wurde der Queer Voter
auf Facebook ins Leben gerufen. Als Sohn zweier
Männer fordert er die LGBT-Community dazu auf,
sich aktiver ins politische Leben einzubringen
und auch an Wahlen und Abstimmungen teil-
zunehmen. Queer Voter selbst ist heterosexuell,
unterstützt aber seine schwulen Eltern dabei, die
Anliegen der Community auf politischer Ebene
umzusetzen. Einen ersten wichtigen Schritt sieht
er darin, weltoffene Menschen wieder zur Wahl-
und Abstimmungsteilnahme aufzufordern und
so den Zielen zum Durchbruch zu verhelfen.
Fanpage auf Facebook:
http://www.facebook.com/pages/Queer-
Voter/323198262312
18
Gesundheit CRUISER Edition März 2010
Weekend auf
dem Stoos
Checkpoint rich lädt zu
einem Workshop-Weekend
auf dem Stoos ein.
Checkpoint rich ein
Angebot r schwule Männer,
dt alle mit HIV neu infizier-
ten schwulen Männer und ihre
Partner zu einem Workshop
ins Seminar- und Wellness-
hotel Stoos ein.
Es soll ihnen eine Einstiegshilfe bieten, sich mit
der neuen Situation in ihrem Leben auseinan-
derzusetzen. Dank den heutigen Medikamen-
ten ist HIV zu einer chronischen Krankheit ge-
worden, die aber immer noch Nachteile mit sich
bringt. Die psychische Belastung ist vorhanden,
teilweise auch eine Ausgrenzung im Beruf und
im privaten Bereich. Wie soll Mann die kürzlich
erfahrene Tatsache dem jetzigen oder zukünf-
tigen Freund oder der Familie mitteilen? Und
wie damit umgehen im täglichen Leben und
wie beim Sex? Und wie ist es mit der Therapie
oder der Gefahr, andere anzustecken?
dieses Workshop-Wochenende, welches zum
Teil von ebenfalls HIV-positiven schwulen n-
nern geleitet wird, bietet für alle die Gelegen-
heit, miteinander zu diskutieren, auch indi-
viduell zu zweit oder zu dritt. Die einzelnen
Workshops werden von Fachleuten geleitet, die
schwul und teilweise selbst HIV-positiv sind
und dir auch für persönliche Fragen zur Ver-
fügung stehen. Das Ganze in einer ungezwun-
genen Atmosphäre mit viel Freiraum, um den
Stoos und die Wellness-Angebote des Hotels zu
geniessen. Das Workshop-Wochenende ist übri-
gens gratis.
Die Themen der Workshops
sind sehr vielfältig
HIV in einer Paarbeziehung oder HIV als Single.
Da kommen positive und negative Erlebnisse
mit Familie und Freunden ebenso zur Sprache
wie der praktische Umgang im Darkroom. Wie
behandle ich meinen Arzt? – Soll er die Rechte
und Pichten von HIV-Positiven diskutieren?
Was sind die Psychische Auswirkungen von
HIV? Der Stress einer HIV-Diagnose und deren
Folgen kann auch Angst und Depression her-
vorrufen. Wie unterstütze ich mein Immunsy-
stem? Auch ein Erhrungsberater kommt zu
Wort. Zur Entspannung gibt es Yoga- oder Atem-
Übungen. Die Verantwortlichen des Workshop-
Weekends nehmen gerne nsche aus dem
Teilnehmerkreis für künftige Seminar-Veran-
staltungen oder Kurse entgegen. Mit dabei ist
auch eine Gruppe aus der Romandie, eingeladen
vom Checkpoint Genève. Durchgeführt wird
das Workshop-Weekend von Checkpoint Zürich
im Auftrag und nanziert durch das Bundes-
amt für Gesundheit.
Das Wokshop-Wochenende beginnt am Don-
nerstag, 15. April, um 19.00 Uhr und endet am
Sonntag, 18. April, um 13.00 Uhr. Bitte geeig-
nete Kleider, Schuhwerk und Regenjacke mit-
nehmen. Weitere Infos unter www.checkpoint-
zh.ch, wo man sich anmelden kann. Auch bei
Checkpoint Zürich, 044 455 59 10 oder check-
point-zh@zah.ch
Von Kurt Büchler
Wie komme ich auf den Stoos?
Das Seminar- und Wellnesshotel Stoos liegt auf
1300 m über dem Vierwaldstättersee und kann
entweder mit der Luftseilbahn Morschach-Stoos
oder mit der Standseilbahn Schlattli (Schwyz)-
Stoos erreicht werden. Fahrpläne der beiden
Bahnen www.stoos.ch oder www.sbb.ch
19
CRUISER Edition März 2010
Politik
Wählt Pink
Rot / Gn?
rich wählt am 7. März den
Gemeinde- und Stadtrat
Überall nur strahlende Ge-
sichter. Zürcher Parteien, die
etwas auf sich halten, ha-
ben die Februar-Ausgabe des
Cruiser für Wahlwerbung ge-
nutzt, um die eine oder ande-
re schwule Stimme für sich zu
verbuchen. Die SVP war die
einzige der «Grossen», die sich
nicht r ein Inserat in dieser
Zeitung interessierte. Haben
die Bürgerlichen die schwul-
lesbischen Wähler denn schon
von ihrer Liste gestrichen.
Und diese Wähler die Bürger-
lichen?
In der Februar-Ausgabe erschien ein Überblick
über die schwullesbischen Kandidierenden der
Zürcher Stadt- und Gemeinderatswahlen vom
7. rz. Die Sozialdemokraten stellen mit Cori-
ne Mauch und André Odermatt gleich zwei of-
fen homosexuelle Kandidaten zur Wahl in die
Exekutive. Dies ist ja nicht weiter verwunder-
lich, denn über viele Jahre hinweg war die SP die
unumstrittene Partei für Schwule und Lesben.
Sie setzte sich wie keine andere national aktive
Partei für die Rechte der Community ein.
Beim Kampf um die 125 Sitze im Gemeinde-
rat scheint dies allerdings Glanz vergangener
Zeiten zu sein. Die Grünen starten nämlich mit
acht offen schwulen / lesbischen KandidatInnen,
die SP stellt nur deren fünf. Weicht der schwu-
le Politnachwuchs auf linke Alternativen aus?
Andrea Sprecher, Co-Präsidentin der SP Stadt
Zürich, sieht das nicht so. «Das ist doch völlig
wurscht, in welcher Partei Homosexuelle kan-
didieren. Was mir eher auffällt, ist, dass es ins-
gesamt nur 13 sind - das entspricht ja in keiner
Art und Weise einem Abbild der Gesellschaft.
Die SP setzt sich nach wie vor stark für die Be-
dürfnisse der schwullesbischen Gemeinschaft
ein.»
Bürgerliche Parteien haben einen
Aufholbedarf.
Bei den rgerlichen sind die Tendenzen stei-
gend, denn mit Markus Hungerbühler kandi-
diert der einzige nicht linke Schwule. Er findet
es schade, dass alle anderen Homo-Kandidaten
aus Parteien links der seinigen kommen. Op-
timistisch blickt er allerdings in die schwul-
konservative Zukunft. «Die SP war von Anfang
an mit dabei, wenn es um Schwulenrechte ging,
da haben bürgerliche Parteien natürlich einen
Aufholbedarf. Seit dem Partnerschaftsgesetz
gab es einen Wandel auch bei den Rechts- und
Mitteparteien», sagt der CVP-Mann.
Die SVP ist zwar nicht an Inseraten im Cruiser
interessiert, mit der Gründung einer Schwu-
lensektion namens GaySVP ist nun jedoch
auch die Volkspartei auf die «Gay Flower» auf-
gesprungen. Leider hat sie mit Nachwuchspro-
blemen zu mpfen, da sie schweizweit gerade
mal 27 Mitglieder hat. Thomas Fuchs, einer der
wenigen offen schwulen Politiker im rechten
Lager, sieht die Ursachen für die zu geringe Zu-
wanderung in der Angst vor dem Coming-out.
«Viele schwule Bürgerliche fürchten sich vor
dem Irrglauben Wählerstimmen zu verlieren,
wenn sie sich öffentlich zu ihrer Homosexua-
lität bekennen.» Auf die Frage, warum die Lin-
ken diese Angst wohl nicht teilten antwortet
Fuchs prompt: «In den linken Kreisen scheint
es hip zu wirken, schwul zu sein und seine se-
xuelle Orientierung jedem unter die Nase zu
reiben».
Offen bleibt die Frage, ob eine Partei, deren Mit-
glieder aus Angst vor negativen Reaktionen ih-
rer Stammwählerschaft nicht zu ihrer sexu-
ellen Orientierung stehen, auf die politischen
Bedürfnisse der Community eingehen kann.
Thomas Fuchs würde sie eindeutig mit Ja beant-
worten. «Dies ist sicherlich eine Generationen-
frage, aber mit der Gründung der GaySVP versu-
chen wir, diesem Denken entgegenzutreten».
Auch bastien Rouiller von Smartvote pflichtet
dem bei. Aus seiner Sicht gibt es immer mehr
Gay-Sektionen bürgerlicher Parteien. «Dies
kann als eindeutiges Zeichen gewertet werden,
dass in Parteien rechts der politischen Mitte
schwule Politiker akzeptiert sind.»
Müssen sich Schwule und Lesben dazu
verpflichtet fühlen, Schwule und Lesben
zu wählen?
Dass die absolute Gleichstellung nur mit der
Vertretung homosexueller Parlaments- und Re-
gierungsmitglieder Schritt für Schritt erreicht
wird, liegt auf der Hand. Da Alternativen fehlen,
würde dies zwangsläufig bedeuten, dass man
Linken den Vorzug geben müsste.
In der Politik geht es jedoch darum, Mehrheiten
zu nden, mit der Abstimmungen gewonnen
werden können. Es ist daher nur logisch, dass
die Wahrscheinlichkeit steigt, ein Anliegen
durch das Parlament zu bringen, wenn sich
möglichst viele Parteien dafür erwärmen kön-
nen. Ergo re es sinnvoll so viele Schwule und
Lesben mit unterschiedlichen politischen Ge-
sinnungen wie möglich zu hlen. Das kann
jetzt so verstanden werden, dass schwul einfach
nur schwul hlen soll.
Nein.
Dies hat bereits Corine Mauch in ihrer Kampa-
gne ums Stadtpräsidium richtig erkannt. Die
eigene sexuelle Orientierung sollte nicht zum
dominierenden Argument für eine Person wer-
den. So wird keine Mehrheit gefunden. Aber es
ist ein «nice to have» - oder in diesem Fall «nice
to b.
Von Alex Rudolf
20
Kultur CRUISER Edition März 2010
Peter der Zweite
Gaël Roth erzählt im Ge-
spräch über Aufstieg und Fall
eines von Macht besessenen
Egozentrikers.
In «Peter der Zweitgeht es um
Macht und insbesondere um
die Frage, weshalb jemand
nach Macht strebt. Zu Beginn
wollte Roth ein klassisches Dra-
ma schreiben. Er entschied
sich, die Szenen ins Groteske zu
übersteigern. Aus dem Drama
wurde eine schwarze Komödie.
Zum Inhalt: Peter will Präsident werden. Und
das um jeden Preis. Also muss er Aline heiraten
und nicht seine attraktive Liebhaberin Nata-
scha. Denn Alines Vater ist jetzt noch Präsident.
Doch der Weg zur Macht erweist sich als um-
ständlicher, als er das gerne hätte. Peter kämpft
gegen eine traumatische Kindheitserfahrung.
Wolfgang, sein Kamerad aus dem Kindergarten,
durfte beim Krippenspiel den Joseph spielen,
hrend er selber nur ein Schaf war. Für diese
Demütigung will er sich rächen – wenn er ein-
mal Psident ist. Als Alines Vater endlich stirbt,
sieht er seine Chance gekommen
Wir wollten von Gaël Roth ein
bisschen mehr wissen.
CRUISER: Gaël, wer bist du?
GAËL ROTH: berlegt...). Ich würde mich momen-
tan als Beobachter und Denker beschreiben.
Immer auf der Suche nach Antworten auf
grundsätzliche Fragen. Neugierig auf die Fra-
gen und Antworten anderer Menschen, in der
Hoffnung, dass mich die Auseinandersetzung
weiterbringt. Aber das ist eigentlich eine Fra-
ge, auf die es über den Moment hinaus keine
Antwort gibt.
CRUISER: Du bist in Lesotho, einem kleinen Land
in Südafrika, geboren und hast einen ausserge-
wöhnlichen Namen: Gaël. Woher kommt der?
GAËL ROTH: Gaël ist bretonisch, meine Mutter
stammt von dort. Ich bin dadurch zweisprachig
französisch und deutsch aufgewachsen. In
Lesotho bin ich geboren, weil meine Eltern in der
Entwicklungszusammenarbeit tätig waren. Spä-
ter haben wir noch ein Jahr in Ruanda gelebt.
CRUISER: Als Deutschweizer studierst du in Laus-
anne. Warum?
GAËL ROTH:
Ich wollte Filmwissenschaft im Haupt-
fach studieren, und das kann ich in der Schweiz
nur in Lausanne. Mittlerweile studiere ich zwar
Philosophie im Hauptfach, aber immer noch
in Lausanne, da ich nach dem Grundstudium
nicht mehr die Universität wechseln wollte.
CRUISER: Wie kommst du zu den Ideen für deine
Theaterstücke?
GAËL ROTH:
Ich beobachte das Geschehen in der
Welt, speichere Erlebnisse ab. Irgendwann kris-
tallisieren sich dann die Beobachtungen und Er-
lebnisse zu konkreten Ideen oder Dialogfetzen,
die als Ausgangslage für ein Stück dienen. Meist
geschieht dies in diesem seltsamen Dämmerzu-
stand kurz vor dem Einschlafen.
CRUISER: Und wie entstehen dann die Texte?
GAËL ROTH:
Aus den verschiedenen Versatzstücken
baue ich ein Gest und lle danach die Lücken
auf. Das Vorgehen ist aber eigentlich nie linear.
Dabei geht es mir in erster Linie um ein Ver-
ständnis für die Figuren und ihre Geschichte.
r mich ist Schreiben wie Philosophie: Es ist
eine Auseinandersetzung mit der Welt und der
Versuch, ihr einen Sinn abzuringen, wobei sich
die beiden Disziplinen einfach in ihrer Vorge-
hensweise unterscheiden. Die Fragen bleiben
immer dieselben, nur abschliessende Antwor-
ten gibt es keine (lacht…).
CRUISER: Zurück zum Schreiben, das interessiert
mich...
GAËL ROTH: Ich schreibe parallel zu meinem Stu-
dium, wobei sich die zwei Sachen gegenseitig
befruchten. Das Schreiben gewinnt aber immer
mehr an Gewicht. Ins Schreiben eingestiegen
bin ich mit der Schreibwerkstatt «Schreiben
für die hne» der astej Theater für junges
Publikum –, wo mein Stück «Die Besetzung des
Hinterlandes» entstanden ist.
CRUISER:
In einer Schreibwerkstatt werden die
Texte diskutiert. Wie ist das für dich?
GAËL ROTH: Das ist unglaublich bereichernd. Und
verhindert, dass man sich im Kreis dreht.
CRUISER: Du warst 2007 / 2008 Teilnehmer im re-
nommierten Dramenprozessor. Da hast du das
neue Stück erarbeitet, das nun zur Aufführung
kommt. Worum geht es in «Peter der Zweite»?
GAËL ROTH: In «Peter der Zweite» geht es um Macht
und insbesondere um die Frage, weshalb jemand
nach Macht strebt. Zu Beginn sollte es ein klas-
sisches Drama werden. Bei meiner Recherche
zum Thema jedoch fiel mir auf, dass nach Macht
strebende Menschen oftmals tragische und in
sich gefangene Figuren sind, die eigentlich nur
nach Liebe und Anerkennung für ihr Dasein
lechzen und diese Liebe und Anerkennung mit
allen Mitteln zu erzwingen versuchen, was zum
Teil ein sehr absurdes Verhalten zutage fördert,
so dass ich mich dazu entschied, diesen Aspekt
ins Groteske zu übersteigern. Aus dem Drama
wurde eine schwarze Komödie.
CRUISER: Und... hast du schon Pläne für ein nächs-
tes Stück?
GAËL ROTH:
Ja, zurzeit denke ich über ein Stück
nach, in dem es um Verrat und Vertrauensbruch
geht. Ich stelle mir dabei eine archaische Ge-
meinschaft vor, die sich auf einmal mit dem ego-
istischen Verhalten eines einzelnen Mitglieds
konfrontiert sieht, das möglicherweise das Über-
leben der Gemeinschaft gefährdet. Letztlich
geht es aber um die Frage nach dem Verhältnis
zwischen Gruppe und Individuum. Mal sehen…
CRUISER: Gaël, wir sind gespannt, auf «Peter der
Zweite» und auf das, was wir in Zukunft von dir
hören werden.
Von Kurt Büchler
Theater an der Winkelwiese, 8001 Zürich,
3. bis 13. März 2010
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CRUISER Edition März 2010 Reisen
Sölden
Gay Snowhappening
Schnee, Gletscher, Männer,
Party was will das schwu-
le Ski- und Snowboardherz
mehr? Bereits zum 12. Mal fin-
det vom 20. bis zum 27. März
2010 im österreichischen
Sölden das Gay Snowhappe-
ning statt. Hunderte Schwu-
le aus ganz Europa stürmen
dann den Tiroler Hot Spot im
Ötztal. Ob in einer Gruppe mit
Freunden oder als überzeugter
Single Langeweile kommt in
Sölden beim Gay Snowhappe-
ning garantiert nicht auf!
Bereits am Morgen treffen sich die Ski- und
Snowboardfahrer, um gemeinsam dem Bret-
terspass zu frönen. Egal, ob jungfräulicher An-
fänger oder erfahrener Gletschersprinter hier
findet jeder in der passenden Gruppe raschen
Anschluss. Natürlich ist die Gruppentour kein
Pflichtprogramm, jeder kann selbst entschei-
den, ob und mit wem er den Tag auf der Piste
verbringen will.
Nach einem sportlichen Tag auf den Pisten
sieht man(n) sich am Nachmittag bereits wie-
der beim obligaten Après-Ski. Anschliessend
geht es ab ins Hotel zum Relaxen, Abendessen
oder Vorschlafen. Denn in Sölden ist nach der
Party vor der Party: Der Kult-Hüttenabend auf
der «Hühnersteign», das Mondscheinkegeln,
der Aquadome-Abend und die Disconächte im
Q-Stall und Snowrock Café stehen 2010 natür-
lich ebenso auf der Agenda wie die schillernden
Parties mit den Drag Queens Melli & Mataina,
die vor nichts und niemanden Halt machen!
Last but not least werden einmal mehr Spitzen-
DJs aus London, Berlin und Hamburg ihr mu-
sikalisches Können an den Turntables unter
Beweis stellen.
Doch ist das schwule Programm natürlich
nur die halbe Wahrheit für den Erfolg des Gay
Snowhappenings. Sölden bietet mlich als ein-
ziges Skigebiet Österreichs gleich drei Dreitau-
sender, die bequem per Lift erreicht werden
können: den Gaislachkogl (3058 m), den Tiefen-
bachkogl (3250 m) und die Schwarze Schneid
(3340 m). Nicht nur Party wird hier grossge-
schrieben, auch sportlich gesehen, sst Sölden
kaum Wünsche offen!
Buchungen und aktuelle Informationen zum
Programm gibt es unter:
www.gaysnowhappening.com
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22
Film CRUISER Edition März 2010
Man stelle sich vor: Eine le-
genre Köchin bietet ei-
ner frustrierten Sekretärin
ein neues Lebensrezept. Im
Prinzip handelt es sich dabei
aber um 524 Kochrezepte,
die das Leben der grauen
Maus für immer verändern.
Julie & Julia erhlt zwei
wahre Geschichten: Die von
Julia Child (Meryl Streep), Autorin eines fran-
zösischen Kochbuch-Klassikers, sowie die von
Chéri
****
Drama
Michelle Pfeiffer, welche früher einige Kassenschlager verbuchen konn-
te, lockt heute die Massen nicht mehr ins Kino – lei-
der, muss bemerkt werden. Denn ihre letzten Filme
wie Stardust sind amüsante Meisterwerke und Mi-
chelle Pfeiffer ausnahmslos genial. Auch Chéri war
kein grosser Erfolg beschieden. Das ist schade, denn
Regisseur Stephen Frears inszenierte ein opulentes
Sittengemälde: Die ehemalige Edelkurtisane Léa (Mi-
chelle Pfeiffer) lebt im Paris der Jahrhundertwende in
einem unbeschreiblichen Luxus. Auf Wunsch ihrer
alten Kollegin Madame Peloux (Kathy Bates) soll Léa deren hübschen,
verwöhnten Sohn Chéri (Rupert Friend) in die Geheimnisse der Liebe ein-
weihen. Was als Flirt beginnt, wird zu einer leidenschaftlichen Affäre.
Doch als Chéri heiraten soll, wird beiden schmerzlich ihre Abhängigkeit
voneinander bewusst. Michelle Pfeiffer darf in diesem Film 52 Jahre alt
sein und ist schöner denn je. (dd)
Sagwan
****
Schwul
Der 18-jährige Alfred zeigt Touristen mit seinem Boot die Sehenswürdig-
keiten einer der schönsten Gegenden auf den Philip-
pinen. Diese kommen allerdings nicht nur deswegen,
sondern vor allem wegen der sexuellen Freizügigkeit
der attraktiven Guides, die sich damit ein einträg-
liches Zubrot verdienen. Alfred, noch Jungfrau in
diesen Dingen und voller Zurückhaltung, erliegt nach
und nach dem Wunsch, die gleichen Freuden zu ge-
niessen, die seine Freunde so schätzen. Schon bald
bietet sich ihm eine unerwartete Chance, seine Un-
schuld zu verlieren und seine romantischen Gefühle für seinen Freund
Eman auszuleben. Sagwan wurde vom wichtigsten asiatischen Gay Film
Blog «The Bakla Review» zum besten philippinischen Schwulenlm des
letzten Jahrzehnts gehlt! Nun darf der Film im hiesigen Heimkino
bewundert werden und bietet nicht nur schwulen Asien-Fans eine präch-
tige Unterhaltung. (dd)
Julie & Julia
Komödie
Sekretärin Julie Powell (Amy Adams), welche
sich entschliesst, sämtliche Rezepte des Buchs
in nur einem Jahr nachzukochen und darüber
einen Blog zu führen. Es gilt, eine neue Gene-
ration in die Geheimnisse der fransischen
Kochkunst einzuweihen. Und diese Generation
zeigt sich begeistert.
Regisseurin Nora Ephron, Expertin für leichte
Kost («Schlaflos in Seattle», «e-m@il für Dich»),
serviert einen überaus charmanten Film, der
auf Julie Powells preisgekröntem Roman «Ju-
lie & Julia» basiert. Und wiederum gnzt Me-
ryl Streep in einer Paraderolle, welche ihr die
16. Oscar-Nominierung bescherte, ein Rekord.
Keine andere Schauspielerin (und kein Schau-
spieler) kann so viele Nominationen vorweisen.
Authentisch und pointiert spielt die Streep die
Rolle der ebenso exaltierten wie exzentrischen
Julia Child, die die amerikanische Koch-Kultur
in den 50er-Jahren massgeblich revolutioniert
hat. Neben ihr verblasst Amy Adams als Julie Po-
well, auch wenn diese einige witzige Slapstick-
Szenen in petto hat. (dd)
23
CRUISER Edition März 2010
Fotostrecke
Babalooga
Photographer, Nizza
«An das Theater haben sie ihr
Herz verkauft, sie stehen oben
und die unten schaun sie an.»
«Sie setzen jeden Abend eine
Maske auf und sie spielen, wie
es die Rolle verlangt.»
«Theater, Theater, das ist wie
ein Rausch, und nur
der Augenblick zählt.»
«Sie sind König, Bettler, Clown
im Rampenlicht, doch wies tief in ihnen
aussieht, sieht man nicht...»
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31
CRUISER Edition März 2010
Event
Talent vor
Schönheit
Medienstar, Identifikationsfigur
und schwuler Botschafter.
Der «Schönste Schwule» ist
weitaus mehr.
Ob Medientraining, Foto-
shootings oder Club-Tour. Die
zwölf Kandidaten für den
Titel Mr. Gay Switzerland 2010
leben derzeit auf der Über-
holspur. Doch das ist bei wei-
tem kein Zuckerschlecken.
Ein voller Terminkalender ist
ein Härtetest. Scnheit alleine
zählt nicht.
Wenn Ricco ller am 27. rz im Zürcher
Volkshaus seinen Titel weitergibt, wird der Ge-
winner bestens gewappnet für die Zukunft als
Medienstar sein. Denn die zwölf Kandidaten
leben bis dahin nicht etwa abgeschottet in ir-
gendeinem Camp und frönen der Schönheit,
sondern befinden sich mitten in einem vollen
Programm, welches kaum Zeit für private Din-
ge sst.
Da schon jetzt jede Stimme zählt – und die Pu-
blicity sowieso – befinden sich die Kandidaten
bis Ende Monat auf Clubtour. Glücklicherweise
ist die Schweiz klein. Trotzdem, das bedeutet
nun jeden Samstag bis zum Finale «Showtime».
Es gilt, sich in angesagten Lokalen dem interes-
sierten Publikum zu stellen und auch die Kritik
nicht zu fürchten.
In der Höhle des Löwen
So wagten sich die zwölf angehenden Misters
in die hle des Löwen, auch «Club genannt.
Eine Location, in der Schwule eher verprügelt
werden. Doch das Echo war positiv, weiss Oliver
Eschler, Organisator der Mr. Gay Wahlen. Denn
ein Mr. Gay muss auch vor Heterosexuellen be-
stehen. «Die Menge im Q applaudierte jedenfalls
frenetisc, erinnert er sich. Nur vereinzelt wa-
ren (fremdsprachige) Buhrufe zu hören.
Daneben warten einige Schulungen auf die Fina-
listen. Die wenigsten beherrschen das Spiel mit
den Medien. Entsprechende Trainings müssen
deshalb absolviert werden. Jedes Wochenende
lt Fotoshootings, Medien- oder Tanztrainings
bereit. «Es ist total interessant, wie sich die Kan-
didaten anhand der Kurse vendern. Waren
sie früher eher verklemmt, beweisen sie immer
mehr Mut und Talent», so Oliver Eschler.
In Sachen Safer Sex
Gross geschrieben wird auch der Umgang mit
den Präventionsbotschaften. Ein Mr. Gay soll
schliesslich mehr wissen als nur die üblichen
Safer-Sex-Regeln. Unter der Regie der Zürcher
Aids-Hilfe wurde jeder Kandidat zum Ansprech-
partner eines bestimmten Themas, wie z.B. Ge-
schlechtskrankheiten oder HIV. Fragen sind
daher erwünscht.
Daneben gilt es, für sich selbst zu werben, denn
ein Mr. Gay ist auch Manager. Erlaubt ist, was
Mit-Kandidaten nicht übervorteilt. So re bei-
spielsweise eine eigene Plakatkampagne ein No-
Go. Doch Flyer und Facebook-Mobilisierung sind
beinahe Picht. Ausserdem sind die Jungs gern-
gesehene Gäste in lokalen Medien. Gefragt sind
auch Ideen, welche die eigene Kreativität unter
Beweis stellen. Einer der Finalisten begeistert
derzeit mit eigenem Musikvideo in Netz.
Trotz all der Schulung und Promotion, die Kan-
didaten dürfen sich selbst bleiben. Es wird keine
Person gesucht, die in ein vorbestimmtes Sche-
ma reingepresst werden soll, so Eschler. Die
Anwärter sollen beispielsweise durchaus die
eigene politische Meinung kundtun. Sie sollen
diese nur clever formulieren.
Zwischen Alltag und Showbühne
Ein Finalist auf den Titel hat meist noch ein
Leben neben der Bühne. Der Alltag darf nicht
vernachlässigt werden. Es gilt, alles unter ei-
nen Hut zu bringen. Manche schaffen es, andere
nicht. «Wer am Ende den Titel erobert, hat unter
Beweis gestellt, dass er vieles meistern kann»,
sagt Oliver Eschler. Und er wird nicht müde da-
rauf hinzuweisen, dass ein Mr. Gay eben nicht
«der schönste Schwule» des Landes sei, sondern
der beste Botschafter für schwules Leben.
Obwohl in der Schweiz viel erreicht wurde, sind
manche Anfeindungen noch an der Tagesord-
nung. «Noch immer dürfen wir nicht richtig hei-
raten, geschweige denn Kinder adoptieren. Das
Wort Schwuchtel ist auch noch weitverbreitet»,
meint Eschler. Deswegen brauche es einen Mr.
Gay, welcher die Akzeptanz für die Homosexu-
ellen fördert. Das mag für städtische Bewohner
weniger wichtig sein als für Schwule auf dem
Land. «Gerade dort wird ein Mr. Gay als Identifi-
kationsfigur wahrgenommen», weiss Eschler.
Diesen darf nun das Publikum wählen. Sei es
online oder bei der Clubtour. Eine Jury, welche
30 Prozent der Stimmen kontrolliert, ist mit
im Boot. Das grosse Finale ndet am 27. rz
im Volkshaus Zürich statt und verspricht, ein
Spektakel zu werden. Melanie Winiger und Alf
Heller führen durch die Gala und entlassen die
Gäste in eine aufregende Aftershow-Party, um
den neuen Mr. Gay Switzerland gebührend zu
feiern. Doch, wie erhnt, vor der Party kommt
die Arbeit.
Alle Informationen unter www.mrgay.ch
von Daniel Diriwächter
Der abtretende Mr. Gay Ricco ller
32
Kultur CRUISER Edition März 2010
To the Dark Side
of the Moon
Ein Astronaut fliegt durchs
Weltall seinem sicheren Ende
entgegen
«Kaleidoskop» – die Erzählung von Ray Bradbu-
rys und «The Dark Side of the Moon» von Pink
Floyd gaben die Vorlage r die Bühne mit einem
Schauspieler und nur begleitet von Klavier und
Streichquartett.
Der Himmel, bzw. das unendliche Weltall ist
der Schauplatz von Ray Bradburys Erzählung.
Im Theater Rigiblick ist die Bühne tiefschwarz
der Zuschauer glaubt sich selbst im Weltall. Ein
Komet fliegt vorbei und trifft das Raumschiff.
Die Besatzung, die Raumanzüge mit Funkgerä-
ten trägt, wird herausgeschleudert und treibt
nun, jeder in eine andere Richtung, ins All da-
von, dem sicheren Tod entgegen. Nur die Funk-
verbindung bleibt als Kontakt. Beim Auseinan-
dertreiben kommen trotz oder gerade wegen
der Todesangst alte Rivalitäten und Befindlich-
keiten noch einmal zum Ausdruck, bevor alle
Stimmen nach und nach verstummen. Im An-
gesicht des Todes stellt sich die Hauptfigur (ge-
spielt von Daniel Rohr) die Frage nach dem Sinn
seines Lebens. Schliesslich geht durch seinen
Tod sein letzter Wunsch in Erfüllung, noch ein-
mal etwas Gutes zu bewirken.
Die Musik, die zu den hervorragendsten Zeug-
nissen der Pop-Rock-Kultur des 20. Jahrhunderts
hlt, geniesst Kultstatus. Daniel Fueter schrieb
die Arrangements fürs Theater. Nun wirkt Pink
Floyds Musikvorlage auf eine überraschende
Art neu. (kb)
Theater Rigiblick, rich
www.theater-Rigiblick.ch oder 044 361 83 38
Theater Stok
wird 40
Ein kleines Kellertheater mit
einer grossen Geschichte
Im ehemaligen Weinkeller und späteren Ein-
stellraum für Fahrräder der Stadtpolizei Zürich
feierte Zbigniew Stok 1971 die Eröffnung seines
Kammertheaters, nachdem er bereits ein Jahr
zuvor im Studentenfoyer der ETH sein erstes
Stück in rich inszenierte. In genau diesem
Studentenlokal, wo später, 1972, drei schwule
Chemie-Studenten den Club Zabriskie Point,
kurz Zabi, eröffneten, der hrend Jahren Treff-
punkt der Gays von Zürich und Umgebung war.
Zusammen mit Erica Hänssler hat Stok zwan-
zig Jahre lang, bis zu seinem Tod 1990, das The-
ater geführt. 1972 brachte Alexander Ziegler
sein Stück «Zellengeflüster» hier auf die Bühne.
Damals eine Sensation für rich, ein offen
schwules Theaterstück.
Heute bringt das Stok unter der Leitung von Eri-
ca nssler und Peter Doppelfeld die Eigenpro-
duktionen der beiden Theatermacher, aber auch
Gastspiele mit professionellen Darbietungen in
den verschiedensten Sparten. Die Shake Musical
Company mit Dominik Flaschka hat von hier
aus das Publikum erobert. Chansons en Stok ist
das Festival de la Chanson Française in Zürich
und La Lupa wie auch das Theater 58 treten re-
gelmässig in diesem Kellertheater auf. In den
vierzig Jahren waren es rund 1 Million Besucher
bei etwa 13 000 Anssen mit 1500 verschie-
denen Solisten und Theater-Truppen. (kb)
Theater Stok
Geburtstagsfeier am 26. und 27. März
www.theater-stock.ch oder 044 251 22 80
Nina Hoss, das
«Mädchen Rose-
marie»
Sie spielt die Viola in William
Shakespeares «Was Ihr wollt»
Am Anfang steht ein Schiffbruch am Ende
der Hafen der Ehe. Dazwischen nimmt die ful-
minante Verwechslungskomödie ihren Lauf.
Die Protagonisten haben wenig zu lachen in
Barbara Freys Inszenierung. Nina Hoss arbeitete
schon mehrfach mit Barbara Frey zusammen,
in der «Minna von Barnhelm», in der «Medea»
oder in «Gross und Klein» von Botho Strauss. Als
Filmschauspielerin wurde sie 1996 bekannt als
Rosemarie Nitribitt in Bernd Eichingers Film.
Da wurde sie von der Goldenen Kamera als beste
Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet.
Grosse Publikumserfolge verzeichnete sie mit
den Filmen «Die weisse Massaoder «Nackt»,
unter der Regie von Doris Dörrie. Gegenwärtig
spielt Nina Hoss am Deutschen Theater Berlin in
der Uraufführung von «Öl» dem neusten Stück
des Schweizers Lukas rfuss. (kb)
Schauspielhaus rich, Pfauen
Vom 11. bis 28. März
www.schauspielhaus.ch oder 044 258 77 77
Van Gogh,
zanne und Mo-
net im Kunsthaus
Zürich
Sammlung hrle zu Gast
noch bis zum 16. Mai
Die Sammlung Bührle in Zürich, eine Kollek-
tion von rund 180 Bildern und Plastiken in ei-
ner Stiftung, gehört zu den bedeutendsten Pri-
vatsammlungen weltweit. Nun wird sie nach
mehr als fünf Jahrzehnten wieder vollständig
in jenem Saal ausgestellt, den Emil Bührle dem
Kunsthaus und der Stadt schenkte. 2015 wird
die Sammlung Bührle in die Kunsthaus-Er-
weiterung von David Chipperfield einziehen.
Doch jetzt werden die Meisterwerke des franzö-
sischen Impressionismus von Manet, Cézanne,
Monet und van Gogh bis Picasso und viele über-
raschende Entdeckungen gezeigt.
Vor zwei Jahren wurden vier Kunstwerke von
Cézanne, Degas, Monet und van Gogh in einem
dreisten Raubüberfall in der Villa am Zürich-
berg, die diese Sammlung beherbergt, gestoh-
len und erst zwei sind bis heute wieder auf-
getaucht. Das hier abgebildete Werk aus der
Ausstellung Santa Maria della Salute stammt
von Antonio Canal, besser bekannt als Canalet-
to. Der Eindruck einer hyperrealistischen Ge-
nauigkeit wird noch verstärkt durch die exakt
beobachteten Gondeln und Figuren. (kb)
www.kunsthaus.ch oder 044 253 84 84
© Stiftung Sammlung E.G. hrle, Zürich
33
CRUISER Edition März 2010
Buch
Beautiful Vision
37 Fotografen aus aller Welt
zeigen 250 erotische Bilder,
einfach erotisch oder kunst-
voll genial inszeniert.
Schöne Männer! Der Web-Blog www.beauti-
fulmag.eu hat sich auf männliche Aktfotogra-
fie spezialisiert. Seit fünf Jahren durchforstet
das Pariser Kreativduo, das hinter dem Projekt
steckt, Internet und Zeitschriften, immer auf
der Suche nach neuen Talenten, deren Arbeiten
sie auf ihrer Website präsentieren. Die atem-
beraubende Anzahl Bilder, die es bis heute ge-
schafft haben, in den Blog aufgenommen zu
werden, macht deutlich, dass es so etwas wie die
eine Definition von Schönheit nicht gibt. Schön-
heit ist für jeden Geniesser etwas anders.
Auf den 260 Seiten dieses Bildbandes liegt nun
erstmals ein umfassender Überblick über die
nner von beautifulmag.eu in gedruckter
Form vor. (kb)
Beautiful Vision, Anthologie
Bruno Gmünder Verlag, Berlin
Episodendrama
«Doggy Ba
Überspitzte Klischees und pro-
fane Geschichten
Soaps, Telenovelas und
Serien sie alle ver-
ssen uns mit über-
spitzten Klischees und
profanen Geschichten,
die zwischen realitäts-
nahem Alltag und her-
beigesehnter Tragik
schwanken, die traditi-
onellen TV-Abende. Dass
es diese Form von leicht
bemmlicher Unter-
haltung auch in Buch-
form gibt, ist dem französischen Schriftsteller
Philippe Djian zu verdanken.
Nicht ganz so ffig, dafür mit unverblümt lapi-
darem Wortlaut, rückt der Autor zwei gut bür-
gerliche nner Mitte vierzig, die zusammen
ein Autohaus betreiben und überdies Geschwis-
ter sind, ins Zentrum seiner sechsteiligen
Schmonzette. Den Brüdern Marc und David, die
bereits mit mtlichen Begleiterscheinungen
einer heftigen «Mid-Life Crisizu kämpfen ha-
ben, wird eines Tages ein Strich durch die Rech-
nung gemacht, als die verflossene Liebe der bei-
den, Edith, unerwartet wieder auftaucht. Bis
aufs Blut sollen sich die beiden Brüder vor nun
genau 20 Jahren bekämpft haben, um die Frau
ihrer Träume für sich zu gewinnen. Die geris-
sene Herzensdame ist inzwischen Mutter einer
äusserst attraktiven, heranwachsenden Frau
namens Sonia geworden, die ebenfalls keine
unwichtige Rolle spielt.
«Doggy Bag» liest sich fast so kurzweilig wie
ein Comic, ist sprunghaft und szenarisch wie
eine TV-Soap und bedient sich mtlicher Kli-
schees aus der Männerwelt: Neben erbittertem
Konkurrenzkampf und der Aufwertung des
nnlichen Selbstwertgefühls werden The-
men wie das unkontrollierte «Denken mit dem
Schwandie Demoralisierung des starken Ge-
schlechts, sowie das Einhalten von Traditionen
und Werten auf humoristische Art und Weise
ausgeführt. Djian bedient sich dabei des leicht
chauvinistisch angehauchten Schreibstils sei-
nes Vorbildes, Henry Miller (Sexus, Wendekreis
des Krebses), der seine weiblichen Hauptfiguren
gerne mal als bessere Penishülsen vorführte
schafft es jedoch letztendlich, Gleichstand zwi-
schen beiden Geschlechtern zu erzielen, indem
er dem weiblichen Geschlecht eindeutig mehr
List und Argwohn einräumt.
Das Episodendrama «Doggy Bag» ist in sechs
Taschenbuch-Ausgaben erhältlich. (MPI)
Philippe Djian, DOGGY BAG (Eins bis Sechs)
Diogenes-Verlag
Eine Welt dazwi-
schen
Auswandern, sich verlieben:
zwei neue Welten in einem
grossen Abenteuerroman.
Mit 15 hat Aline Sax ihr
erstes Buch geschrie-
ben, mit 23 ihre Dok-
torarbeit in Geschich-
te und mit «Eine Welt
dazwische eine der
schönsten schwulen
Liebesgeschichten der
letzten Jahre. Die Fami-
lie des 18-jährigen Ale-
xander will ins Land der
unbegrenzten Möglich-
keiten auswandern, ver-
kauft die letzte Ziege fürs Schiffticket. Doch
alles geht schief, der Vater wird krank, der Bru-
der verhaftet, schliesslich findet sich Alexander
ganz allein in den Strassen der bedrohlich wir-
kenden Metropole New York wieder, die Träume
von grosser Freiheit zerplatzen auf dem harten
Pflaster der Realität. Was als erstaunlich genau
recherchierter historischer Migrationsroman
beginnt, kippt in Richtung Romanze, als Ale-
xander bei seiner Arbeit als Tellerwäscher Jack
kennenlernt. Zum zweiten Mal entdeckt er so
eine neue Welt, doch die Gay-Bars befinden sich
1920 in Hinterzimmern, die Liebe muss ver-
steckt werden. Und dann muss sich Alexander
plötzlich entscheiden zwischen Liebhaber Jack
und Zwillingsbruder Adrian.
Warum die schnörkellos und mitreissend er-
hlte Geschichte als Jugendroman vermark-
tet wurde, ist eher unversndlich. Vielleicht
ist es das Buch, von dem man sich wünscht,
man hätte es als erstes überhaupt gelesen, als
14-Jähriger heimlich unter der Bettdecke mit
Herzklopfen, nsehaut und Taschenlampe,
aber eigentlich ist es auf dem besten Weg zum
Regal der schwulen Klassiker. Leicht zu lesen
und daher nicht nur Futter für angefressene
Bücherwürmer, ist es ein Roman für den grau-
en Wintersonntag, der bildhaft und fühlbar in
eine andere Zeit und eine andere Welt entführt,
die Welt dazwischen, zwischen Buchdeckel und
Buchrücken. Am Ende hält man kurz den Atem
an, und will dann sofort zur kürzlich erschie-
nenen Fortsetzung greifen: «In einem Leben wie
diese. (rg)
Aline Sax, Eine Welt dazwischen. Roman
Arena Verlag, 2006
© Dylan Rosser
© Tim Ricks
Nachgefragt CRUISER Edition März 2010
Branko B. Gabriel
trifft...
Neulich an einer Vernissa-
ge in der Kunsthalle Zürich.
Man versprach mir zwei coole,
spannende Ausstellungen von
Elad Lassry und Christodou-
los Panayiotou, beide schwul.
Nun, da ich mich schon län-
ger in der Kunstszene rar ge-
macht hatte, nnte ich mir
einen netten Abend mit mei-
nen Kunstfreunden.
Warum sind eigentlich alle Kunstbegeisterten
oder die, die es sein wollen, dermassen gräss-
lich angezogen. Ich finde das hat weder was mit
Kunst oder gar mit gutem Geschmack zu tun.
Aber eben, es ist wie mit der Kunst. Geschmacks-
sache.
Die kleinformatigen Fotografien des israe-
lischen Künstlers Elad Lassry (*1977) waren
schön, schön bunt, und das war’s dann auch
schon. Mein Blick schweifte ab zur Bar und,
siehe da, das Highlight des Abends: Raphael Gy-
gax. Er ist einer der jungen Wilden in der Zür-
cher Kunstszene, mit seinen 29 Jahren hat der
Kurator bereits Ausstellungen mit Theater-En-
fant-terrible Christoph Schlingensief oder dem
amerikanischen Shooting Star Cory Arcangel
gemacht. Am renommierten Migros Museum
für Gegenwartskunst, wo er tätig ist, kuratiert
er demnächst die Gruppenausstellung While
Bodies get Mirrored. Das passt doch.
CRUISER: Mein lieber Raphael, jedesmal wenn ich
an einer Vernissage eingeladen bin, fällt mir
auf, dass die Leute offenbar mehr in Kunst in-
vestieren als in die Garderobe. Gibt es da einen
Bad-Taste-Kodex?
RAPHAEL GYGAX: Mein lieber Herr Gabriel, da sind
wir wohl mal wieder ohne Brille aus dem Haus
gegangen. Ich sehe zum Beispiel da drüben eine
Frau, die in Rick Owens gehüllt ist und Labou-
tins trägt oder da drüben die jungen Hipsters im
recession chic. Also von Bad-Taste würde ich da
nicht sprechen, exzentrischer als ein Apéro des
UBS-Kaders, ja zum Glück. Sind wir doch froh,
dass in der Kunst dieser uniformierte, 08/15-
Look eher die Ausnahme ist. (Ein junger Mann
mit blauen Jeans und weissem T-Shirt geht vor-
bei. Die Kunstmeute übergiesst ihn mit Benzin
und ndet ihn an.) Wie sagt man gerne; andere
Länder, andere Sitten.
CRUISER: Zurück zur Ausstellung in der Kunsthal-
le Zürich. Die Videoinstallation Guysgocrazy
(2007) des zypriotischen Künstlers Christodou-
los Panayiotou (*1978) zeigt auf zwei Monitoren
das Vor- und Nachher des Spielorts eines Porno-
drehs. Warum lässt er gerade das Interessante,
die Action aus?
RAPHAEL GYGAX:
Ist doch einfach zu verstehen
manchmal ist das Vor- und Nachher interes-