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Cruiser im Oktober 2010

Dieses Magazin ist schwul
CRUISER Edition Oktober 2010
Photographer Roberto
Greco, Laurent N’Diaye,
HAZ-Geschäftsführer
Reto Schindler, Kranken-
kassentipps von Benedikt
Zahno, Incredible !ndia,
Punk Rock mit Laurin
Buser und Julian Anatol
Schneider, Yannick
Aellen, Brandon Flowers,
Sunday – Bloody Sunday
* ERÖFFNUNG IM NOVEMBER 2010 *
DER PLATZHIRSCH HAT SEIN REVIER GEFUNDEN
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5
CRUISER Edition Oktober 2010
Inhalt
Ein Regenbogenhaus für Zürich
Der neue Geschäftsführer der Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich (HAZ) will zusammen mit
dem neuen Vorstand die HAZ gründlich aufräumen und modernisieren. Im Raum steht die Vision
von einem «Regenbogenhaus», das mehr «Sichtbarkeit» für Anliegen, Kultur und Engagement der
Community in Zürich bringt. Raus aus dem Hinterhof ist die Devise. Die neue HAZ sucht nun neue
Mitglieder, die unter anderem mit ihrem Mitgliederbeitrag helfen, die Idee zu realisieren. Gemein-
sam stark werden für die Community-Zukunft.
Martin Ender, Verleger
8
Frischer Wind bei der HAZ
Raus aus dem Hinterhof ist die Devise
12
Incredible !ndia
Ein Regenbogen strahlt über Indien
16
Punk Rock
Ein Stück über Sex und Gewalt in der Schule
21
Roberto Greco
Photographer
28
Branko B. Gabriel trifft...
Yannick Aellen
32
Krankenkassen-Tips von Benedikt Zahno
Die Zürcher Aids-Hilfe bietet Beratungen an
News 610141819
Kultur 20 31343537
Hildegard 3839 394042
6
News CRUISER Edition Oktober 2010
Internationale
News
Washington
Schwulenfeindlicher Bush-
Wahlkampfmanager outet sich
Der Kreuzzug gegen die Homo-Ehe und andere
Reformen für mehr Rechte für Schwule und Les-
ben war ein zentrales Element im Wahlkampf
2004 von Ex-US-Präsident George W. Bush.
Wahlkampfmanager war w, der damals ve-
hement leugnete, selbst schwul zu sein. Jetzt
hat der Republikaner in einem Interview mit
«The Atlantic» seine Dementis dementiert und
sich geoutet. Er habe 43 Jahre seines Lebens
gebraucht, sich «diesem Teil meines Leben
zu stellen, sagte er und fügte hinzu: «Jetzt bin
ich ein glücklicherer und besserer Mensch. Ich
wünschte, ich hätte das schon vor Jahren ge-
tan.» Schwul-lesbischen Aktivisten ist das nicht
genug. «Er muss zugeben, dass er viel Schaden
angerichtet hat, und sich dafür entschuldigen,
dass er das Leben vieler Menschen ruiniert hat»,
erkrte ein Sprecher von Equality California.
Sydney
Adoptionsrecht mit Ausnah-
meregelung
Das Parlament von New South Wales hat An-
fang September in einer Gewissenabstimmung
das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare be-
schlossen. Die Mehrheit kam zustande, nach-
dem die Abgeordnete Clover Moore, die zugleich
Bürgermeisterin von Sydney ist, in den von ihr
eingebrachten Gesetzentwurf eine Ausnah-
meregelung für Kirchen aufgenommen hatte.
Demnach dürfen kirchliche Einrichtungen ho-
mosexuellen Paaren die Adoption eines Kindes
verweigern, ohne dass sie dafür wegen Verlet-
zung bestehender Antidiskriminierungsgesetze
juristisch belangt werden können. Moore, eine
vehemente Kritikerin der Kirchen, hatte mit
diesem Zusatz dem Protest des katholischen Erz-
bischofs von Sydney, Kardinal George Pell, und
seines anglikanischen Kollegen, Erzbischof Pe-
ter Jensen, Rechnung getragen.
Graz
Rosa Steiermark
Als erstes Bundesland Österreichs hat die Steier-
mark ihre Landesgesetze an das Partnerschafts-
gesetz für schwule und lesbische Paare ange-
passt. «In Summe hat der Landtag 38 Gesetze
angepasst», sagte Kurt Zernig, Vorsitzender der
«Rosalila PantherInnen». «Die Steiermark ist da-
mit ein Vorbild und wir hoffen, dass sich auch
die anderen Bundesländer an dieser Vorgangs-
weise orientieren», so RLP-Vorsitzender Kurt
Zernig. Die Abgeordneten des Landtags haben
sich für die Reform auch Rat bei der schwul-les-
bischen Organisation geholt. So hätten «einige
Lücken und Schwachpunkte» in den Gesetzent-
würfen beseitigt werden können. Im Januar
dieses Jahres war in Österreich das Partner-
schaftsgesetz in Kraft getreten, das gleichge-
schlechtliche Partnerschaften weitgehend der
Ehe gleichstellt.
Havanna
-
sexuellenverfolgung
Selten gestehen Politiker ein, Fehler begangen
zu haben. Ausgerechnet der Kommunist Fidel
Castro hat jedoch Einsicht gezeigt. Der ehema-
lige Staatschef Kubas hat die Verfolgung von
Homosexuellen während seiner jahrzehntelan-
gen Herrschaft eine «grosse Ungerechtigkeit»
genannt und dafür die «persönliche Verant-
wortun übernommen. Nach der Revolution
1959 wurden Schwule systematisch verfolgt
und in Internierungslager gesperrt. Homosexu-
alität, so Castros Kommunisten, sei eine kapita-
listische Ausprägung, die es auszurotten gelte.
Ab den 1980er Jahren wurden Homosexuelle
«nur noch» wegen «antisozialen Verhaltens» ver-
folgt. Seit einigen Jahren hat sich die Lage für
Kubas Schwule und Lesben drastisch verbessert
und inzwischen wird gar über eine rechtliche
Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partner-
schaften diskutiert.
7
CRUISER Edition Oktober 2010 News
Sydney
Porno-Priester: Ich habe doch
nur recherchiert
Der extrem schwulenfeindliche, australische
Politiker Fred Nile ist in einen Pornoskandal
verwickelt. Eine parlamentarische Prüfung der
Computer im Büro des Abgeordneten der rech-
ten «Christlich-demokratischen Partei» im Par-
lament von New South Wales (NSW) hatte mehr
als 200 000 Hits auf Pornoseiten ergeben. Der
76-jährige Priester einer protestantischen Sek-
te bemühte allerlei Ausreden für diesen pein-
lichen Fund. Der Besuch der Pornoseiten habe
lediglich der Recherche für seinen Kampf gegen
Pornographie gedient, behauptete der bigotte
Reverend. Nile sieht sich als Retter des christ-
lichen Aust raliens, dem durc h Muslime, Homo -
sexuelle, Pornograe, Ehebruch und Sterbehilfe
der Untergang drohe.
Sacramento
-
sungswidrig
Die «Don’t ask, don’t tel-Politik der US-Armee
i st v er f a s su n g s w id r i g. Da s ent s c h ie d ei n Bu nd es -
gericht in Kalifornien. Es sei diskriminierend,
wenn homosexuelle Soldaten ihre Liebesbezie-
hungen geheim halten müssten, Heterosexuelle
aber nicht, hiess es zur Begründung. Die Politik
war 1993 vom damaligen US-Präsidenten Bill
Clinton eingeführt worden und besagte, dass
Schwule und Lesben nicht über ihre sexuelle
Orientierung reden dürfen. Gleichzeitig war es
den Vorgesetzten verboten, Soldaten nach ihrer
sexuellen Orientierung zu fragen. Damit wollte
Clinton Schwulen und Lesben den Dienst in
der Armee ermöglich, nachdem er mit der Ab-
schaffung des Ausschlusses Schwuler und Les-
ben aus dem Militär gescheitert war. Präsident
Barack Obama hat die Abschaffung von «Don’t
ask, don’t tell» versprochen, stösst damit aber
bei Teilen des Militärs auf Widerstand.
Mexiko City
Kardinal läuft Amok
In Mexiko City liefern sich der Bürgermeister der
Metropole und ein katholischer Kardinal einen
spektakulären Rechtsstreit. Kardinal Juan San-
doval Íñiguez hatte den sozialdemokratischen
Bürgermeister Marcelo Ebrard beschuldigt, zur
Durchsetzung der Homo-Ehe Verfassungsrich-
ter bestochen zu haben. Nachdem der Kardi-
nal weder die von dem sozialdemokratischen
Politiker geforderten Beweise für den Vorwurf
vorgelegt hat noch sich für die Unterstellung
entschuldigte, setzte sich Ebrard mit einer Ver-
leumdungsklage gegen die Kirchenfürsten zur
Wehr. Das Verfassungsgericht hatte die im De-
zember 2009 vom Stadtrat von Mexiko City be-
schlossene Einführung der Hom-Ehe für rech-
tens erkrt. Der 50-jährige Ebrard will 2012 bei
Präsidentschaftswahl gegen den konservativen
Amtsinhaber Felipe Calderón antreten.
San José

Referendum über Homo-Ehe
Das Verfassungsgericht von Costa Rica hat die
für Anfang Dezember geplante Volksabstim-
mung über eingetragene Partnerschaften für
Schwule und Lesben verboten. «Minderheits-
rechte sind Ansprüche gegenüber einer Mehr-
heit und können deshalb nicht einer Volks-
abstimmung unterzogen werden, in der sich
die Mehrheit durchsetzt», beschied das Verfas-
sungsgericht katholischen Organisationen, die
mit mehr als 150 000 Unterschriften das Refe-
rendum durchgesetzt hatten. Ferner hiess es
in dem Urteil, Homosexuelle seien «Diskrimi-
nierungen ausgesetzund würden deshalb die
Unterstützung des Staates zur Sicherung ihrer
Rechte brauchen. Damit ist der Weg frei für
das Parlament, über den schon seit 2007 vorlie-
genden Gesetzentwurf über die Einführung der
Eingetragenen Partnerschaft zu beraten.
Tallinn
Homophober estnischer
Bildungsminister
Der estnische Bildungsminister Tõnis Lukas
hat der Einführung von Unterrichtsmateria-
lien über Homosexualität an Schulen des bal-
tischen Staates eine vehemente Absage erteilt.
Er werde keine «Propaganda für Homosexuel-
len-Ehen» zulassen, erklärte der Politiker der
christlichen Partei «Union Pro Patria und Res
Publ ica», weil Homose xua lität zu r «Ausrot tung»
des estnischen Volkes führe, erklärte der Mini-
ster. Menschenrechtsorganisationen und Oppo-
sitionspolitiker haben Lukas aufgefordert, seine
Aussagen zu rüc kzu nehmen. Homosexualität ist
in Estland legal, jedoch herrschen in weiten Tei-
len der Bevölkerung noch Vorurteile gegenüber
Sc hw ulen u nd Lesben. A llerdi ngs si nd die homo -
phoben Tenden zen nicht so sta rk ausgepräg t wie
in den Nachbarländern Litauen und Lettland.
Los Angeles

Nach Jahrzehnten schlimmster antischwuler
Hetzpropaganda sind die rassistischen und se-
xistischen Sprüche der Dr. Laura Schlessinger
selbst ihrem Sender «Clear Channel Communi-
cations» zu viel geworden. Nachdem die ultra-
konservative Biologin in ihrer Talkshow gleich
elf Mal Schwarze als «Niggebeschimpfte, wur-
de ihre Talkshow im August abgesetzt. Über
Schwule goss Dr. Laura, deren Sendung in den
USA von fast 300 Radiosenden mit mehr als acht
Millionen Hörern übernommen worden war,
kübelweise Schmutz aus. In Interviews nach der
Absetzung ihrer Talk Show inszenierte sich Dr.
Laura als Opfer der Zensur. Schlessinger gilt als
eine Pionierin der extrem konservativen Radio-
Talk-Shows der christlichen Rechten und der
Republikaner, deren prominentester Vertreter
heute Radio-Talker Rush Limbaugh ist.
Moskau


Der vom Milliardär zum fundamentalistischen
Christen russisch-orthodxer Prägung gewandel-
te German Sterligow ruft zum Mord an Schwu-
len auf und beruft sich dabei auf die Bibel. In
einem Radiointerview hatte Sterligow gesagt:
«Wie es bei Apostel Paulus geschrieben steht:
Das Blut sei auf ihnen». Auf die Frage: «Heisst das,
sie zu töten?», antwortete Sterligow: «Ja, klar».
Gesetze zum Schutz Homosexueller vor Diskri-
minierung würde er nie beachten, so Sterligow.
r ihn würden nur «die Gesetze Gottes» gelten.
Sterligow war kurz nach dem Fall der Sowjetu-
nion mit 24 Jahren fast über Nacht zu einem
milliardenschweren Unternehmenszar aufge-
st iegen. E benso sc hne ll u nd aus nie ga nz gek lär -
ten Gründen verlor er vor wenigen Jahren sein
Vermögen. Aus dem Oligarchen mit einem Hang
zum Luxusleben in den Metropolen der Welt
wurde ein Einsiedler auf dem russischen Land.
Kampala

Janet Museveni und ihr Gatte Yoweri Museveni,
se ine s Z eic he ns Staat spr äsident von Ug and a, sind
in ihrem Hass gegen Schwule ein Herz und eine
Se ele. B ei e ine r Vera nsta lt ung an der Ma ke re - Un i-
versität in Kampala verurteilte Janet Museveni Ho-
mosexualität mit starken Worten. Homosexuali-
tät sei ein «Fluch» und ein vom «Teufel geschürtes
Feuer», um «unsere Nation zu vernichten». Zudem
seien das Geld und das Ausland Schuld an Ho-
mosexualität in Uganda. Ausländische Mächte
würden mit «kapitalistischen Kften» nner
aus Uganda zu Homosexuellen machen, um sie
dann dazu zu bringen, aus ihrer sexuellen Orien-
tierung Geld zu machen. Präsident Yoweri Muse-
veni, ein «wiedergeborener» Christ, wollte im
vergangenen Jahr ein Gesetz erlassen, das die To-
desst ra fe f ü r H omose xue lle vor sa h. Au f Dr uc k des
Auslandes und Aufgrund Drohungen westlicher
Staaten, Uganda die Entwicklungshilfe zu strei-
chen, wurde das Gesetz vorerst auf Eis gelegt.
8
Community CRUISER Edition Oktober 2010
Frischer Wind bei
der HAZ
«Die ren der HAZ stehen


Die bisherige Stelle des Sekre-
tärs wurde aufgewertet:
Die HAZ hat nun einen Ge-

von Lola Sara Arnold-Korf
Der neue Geschäftsführer
der Homosexuellen Arbeits-
gruppen Zürich (HAZ) will
zusammen mit dem neuen
Vorstand die HAZ gründlich
aufräumen und modernisie-
ren. Eines steht fest: Langwei-
lig werden rfte ihm dabei
nicht.
Alles neu macht nicht nur der Mai: Nach der
kompletten Neubesetzung des Vorstands im
«Zürich Pride Festiva-Verein Ende letzten Jah-
res, stehen nun auch bei den «Homosexuellen
Arbeitsgruppen Zürich» (HAZ) alle Signale auf
Aufbruch. Es scheint, Zürich macht sich lang-
samt für das neue Jahrzehnt.
Der neue Gescftsführer Reto Schindler (26)
ist sich dabei sicher: «Die HAZ wird in Zürich
bald schon wieder ein Begriff sein!» Angesichts
leicht rückläuger Mitgliederzahlen bleibt dem
Vorstand wohl auch nicht viel anderes übrig.
500 sind es derzeit noch in Zürich. Immerhin
ganz blutleer ist der Organismus HAZ noch
nicht.
Reaktiviert mit altem und aufgefrischt mit jun-
gem Blut, geht es nun unter anderem darum,
die latent wieder aufkeimende Homophobie im
Keim zu ersticken. «Der Status Quo ist für Ho-
mosexuelle in der Schweizer Gesellschaft noch
lange nicht erreicht», bringt Reto Schindler die
Meinung aller bei der HAZ auf den Punkt.
Vor allem jüngere Jahrgänge sind bei der HAZ
derzeit Mangelware. Am Mitgliederbeitrag von
14 0 Fra nken pro Ja hr k ann es kaum liegen. «W ir
müssen durch K reativität wieder die Jugend f ür
uns gewinnen, denn es gibt nach wie vor keine
sorgenfreie Zukunft für Homosexuelle in Zü-
rich und der Schweiz.», sieht Geschäftsführer
Reto Schindler düstere Wolken am Himmel,
sollte sich die Community zu sehr auf ihren Lor-
bee re n, vor al lem nac h der Einf üh ru ng des Part-
nerschaftsgesetzes, auszuruhen gedenken.
«Ich kann nicht behaupten, dass mir die schwule
Sze ne f remd i st . Ich habe m ic h v iel i n i hr beweg t.
Aber von der HAZ habe ich früher nie etwas ge-
hört.», spricht Reto Schindler das Kernproblem
an. Er will nicht nur ein blosser Alibikleider-
ständer für die Jugendpräsenz in der HAZ sein,
sondern soll auch ganz im Interesse von HAZ-
Prä sident Had i Huber «proak tiv f rischen W ind in
den Laden bringen». «Die Türen der HAZ stehen
sperrangelweit offen! Eintreten, bitte!», formu-
liert Hadi Huber den Aufruf der HAZ über die
Grenzen treuer Mitgliedschaftsteile hinaus.
Aber auch die Aktivisten von einst müssen jetzt
ran, denn, so Reto Schind ler, es kann nicht sein,
dass «die einzige Berührung von Aktivisten der
HAZ mit der Jugend im Partyausgang stattn-
det». Vor allem aber muss wohl eine gemein-
same Sprache auf gleicher Augenhöhe gefunden
werden. «Junge Leute wie ich, die mit Take That
und Britney Spears aufgewachsen sind, spre-
chen eine andere Sprache als d ie Revoluzzer der
70er Jahre.», betont Reto.
Unterstützung und Bestätigung ndet Reto bei
einem «Urgestein» der HAZ. Christoph Landolt
(44) fühlt sich bei der HAZ «mittendrin» –sozu-
sagen zwischen einfach zahlendem Mitglied
und Vorstand. Ein aktiver Volunteer und Mit-
glied dazu. Im gleichen Alter wie jetzt Reto hat-
te auch Christoph seine neue Heimat in der
HAZ gefunden ohne es jemals wirklich be-
reut zu haben. «Fher gab es mit ‹Spot 25› eine
Jugendgruppe. Bei den wöchentlichen Treffen
am Mittwoch kamen bis zu 40 junge Leute. Vor
10 Jahren schlief die Gruppe ein und seither
ist tote Hose.» Auch die ehrenamtliche, eis-
sige Mitgliedschaftsbiene Peter Schär (70) sieht
das so: «Ich kam nach dem Jahr 2000 zum Ver-
ein. Nachdem ich auch beim dritten Anlauf
niemanden in der Bibliothek antraf, um mir
ein Buch auszuleihen, habe ich mich selbst als
freiwilliger Helfer angeboten.» Der ehemalige
Primarlehrer mit Coming-out jenseits der 30,
unter zweifelsfrei härteren gesellschaftlichen
Bedingungen wie heute, gehört zu den «Herren
der Büchebei der HAZ. Auch dank ihm hat
die schwule Bibliothek heute wieder geregelte
Öffnungszeiten.
Mehr Hirn weniger Kommerz
Diese sind trendsicher auch der arbeitenden
schwulen Bevölkerung angepasst: Mittwochs
und freitags in der Zeit zwischen 20.00 und
21.00 Uhr wartet er, wie andere Volunteers,
etwa Christoph Landolt, auf Kundschaft. Zu oft
zu aller Leidwesen jedoch vergebens.
Christoph zeigt auf die Registrierkästen der Bi-
bliotheksbesucher. Rechts von ihm stehen zwei
Vintage -Holzmodelle prall gef ül lt m it Papp -Ka r-
ten und / oder -Kameraden. «Das sind zu 90 Pro-
zent Karteileichen.», sagt Christoph resigniert,
aber dennoch nicht desillusioniert. Auf der lin-
ken Seite weist er auf einen schmalen Holzkas-
ten: «Hier drin sind die, die wenigstens hin und
wieder vorbeischauen.» Zwischen beiden liegt
die DVD des Kultlms «Stonewall» über die Re-
volte der New Yorker Transen in der Christopher
Street, der Geburtsstunde der weltweiten Chri-
stopher Street Days.
Was als politischer Kampf- und Partytag der
Homosexuellen für ihre Rechte zur Geschichts-
Picht-Lekre gehört, ist heute für Aktivisten
wie Christoph Landolt zur reinen Party- und
Kommerzveranstaltung verkommen. «Die -
rich Pride in diesem Jahr fand ich komplet t zum
hnen. Wir mussten auf einer Route ohne Zu-
schauer laufen. Früher sahen uns wenigstens
noch die shoppenden Passanten in der Bahn-
hofstrasse. Die Haute Volée hatte Respekt oder
bekam zumindest Angst. Heute beschnkt sich
die Community nur noch auf Kommerz. Ich
glaube eine Community gibt es in der Schweiz
gar nicht mehr. Die wa r noc h stark, als man sic h
9
CRUISER Edition Oktober 2010 Community
als Schwuler verstecken musste und ständig
Angst hatte, geoutet zu werden. Homosexuel-
le in der Schweiz glauben heute, die Insel der
Glückseeligen gefunden zu haben.»
Das Problem der schleichenden Kommerziali-
sierung der Pride in Zürich hat auch die neue
Präsidentin des «Zurich Pride Festival»-Vereins,
Nathalie Schaltegger, bei ihrer Amtsübernah-
me erkannt und begonnen zu handeln. Erste
Schritte sind gemacht: «Denn endlich traten
dieses Jahr w ieder mehr politische Redner auf».
Und Nat ha lie hat sich auc h f ür da s Ja hr 2011 fest
vorgenommen, eine politische Demonstration
aus der Pride zu machen. Und man nimmt es
der Power-Frau auch
ab. «Klar wird die Par-
ty nicht zu kurz kom-
men. Aber es geht
auch um ernste poli-
tische Anliegen. The-
men gibt es genug.»,
sagt die ehrenamt-
liche Aktivistin.
Hasch mich! Pack
mich! Knack mich!
Zu Recht vermisst
sie die Zuarbeit mit
Vorschlägen für die
stattndenden Work-
shops am Rande der
Pride-Parade, Freiwil-
lige Politiker die re-
den wollen oder etwa
Lobby arbeit, um Spon-
soren für den Pride-
Verein zu gewinnen
nicht nur von den zahlreichen Homo-Organi-
sationen, sondern auch gerne von Einzelkämp-
fern und einfach Leuten mit Ideen ohne Organi-
sat ionsz wang. Dabei helfen, das neue Ja hrzeh nt
schwungvoll einzuleiten, können sich Nathalie,
Hadi und Reto jetzt gegenseitig. Erste Gespräche
hat es gegeben. Dennoch hofft Nathalie, dass
möglichst alle Organisationen in Stadt und
Land rechtzeitig mit Vorschlägen und Zuarbeit
in die Vorbereitung der Pride 2011 einsteigen.
«Die Neuen im Verein Zurich Pride Festival wol-
len nicht länger auf Godot warten.», beschreibt
Nathalie eine typisch-unbefriedigende Situati-
on in Zürichs Homo-Community.
Gerade auch Hadi kennt als ehemaliger Präsi-
dent des damaligen CSD-Vereins in Zürich die
schw ier ige Sit uation. Vielleicht hat er gar et was
wiedergutzumachen. Auch mit seiner Stimme
wurde ja bekanntlich die Kommerzialisierung
der Parade in Zürich eingeleitet – oder zumin-
dest stillschweigend geduldet.
Hasch mich! Pack mich! Knack mich! –heisst
es bei Hadi Huber, wie auch bei Nathalie Schal-
tegger. Mitglieder werden in beiden Vereinen
nderingend gesucht. Und Möglichkeiten für
Neue, sich zu engagieren, gibt es in allen Be-
reichen auch i n denen, die bisher schlic ht ver -
gessen wurden, weil niemand sie thematisiert
und auf die Homo-Agenda gehievt hat. Denn:
Vor allem sind heute neue Impulse gefragt. Hadi
fallen da sponta n die Tra nssex uellen u nd Trans-
gender ein.
Das Problem ausbleibender Vernetzung inner-
halb der Community sehen auch Reto Schind-
ler und HAZ- Präsident Patrick Hadi Huber. Aus
Nachlässigkeiten in der Vergangenheit will
man auch bei der HAZ lernen: «Die HAZ muss
wieder zum polit ischen und gesellsc ha ftlic hen
Sprachrohr der Community werden.», formu-
liert Hadi Huber. Und: «Wir müssen wieder rein
in die Politik bis nach Bern!». Reto Schind-
ler ndet: «Selbst im erzkonservativen Spani-
en können Homosexuelle Kinder adoptieren.
Bei uns nicht. In den Schulen gibt es bis heute
leider nur gelegentliche Aufkrung über Ho-
mosexualität. Die gehört in den Lehrplan.» Ein
weiteres Problem sieht er darin, dass Zürich,
«die Hauptstadt von Stric hern ohne jedes Selbst-
wertgefühl, geschweige denn, Kondom in der
Tasche» ist. Auf k lär ung bis h in z u Ausstiegspro -
grammen für junge nnliche Prostituierte,
die aus dem Milieu aussteigen wollen, seien
dringend nötig.
Gefahr erkannt, Gefahr gebannt so könnte
man als neutraler Beobachter den neuen Wind
umschreiben. Der Coup könnte gelingen, denn
die Voraussetzungen sind nicht schlec ht: Wenn
es nach Hadi Huber geht, ist es ngst an der
Zeit, das Potential von Quasi-Agenten, die auch
Mitglieder oder gar Vorständler der HAZ sind,
auszuscpfen. «Im Vorstand der HAZ sitzt ein
Kantonsrat Martin Naef und mit Ulla Blume
die Geschäftsführerin der Grünen im Kanton.»
r ihn sind dies nur zwei Beispiele für brach-
liegenden, fruchtbaren, vor allem aber ertrag-
reichen hrboden. «Retos Vorteil ist, dass er
unverbraucht ist. In der Community wird man
ganz schnell in eine Schublade gesteckt. Bei
einigen bleiben die Türen offen, bei anderen
werden sie leider für immer verschlossen. Und
das sind keine guten Voraussetzungen für einen
Verein wie die HAZ, der sich die Vernetzung
mit ALLEN auf die Fahnen geschrieben hat.»,
so Hadi Huber.
Ein bunter Strauss voller Blumen im
Regenbogenhaus
Vor a llem aber erhoff t man sich im Vorstand der
HAZ mit Reto Schindler ein Zeichen an die Ju-
gend gesetzt zu haben. Die Vision einer auf blü-
henden HAZ könnte
gelebte Wirklichkeit
werden, denn eine
der dringlichsten Auf-
gaben für den Polit-
Groupie ist neben der
Vernetzung und dem
Zusammenkleben
von zerbrochenem
Community-Porzelan
der Aufbau eines Re-
genbogenhauses für
die gesamte Commu-
nity Zürichs. HAZ-Ur-
gestein und Mitglied
Christoph Landolt
träumt nun, wie viele
andere in der Stadt,
«von einem Regenbo-
genhaus, das mehr
‹Sichtbarkeit› für An-
liegen, Kultur und En-
gagement der Com-
munity in Zürich bringt».
Geplant ist ein farbenfrohes Gesamtpaket, be-
stehend aus Café, Disco, Sitzungsräumen und
einer Bibliothek, in der auch die nach wie vor
in Kartons (im Keller) eingemottete lesbische Li-
teratur einen frugalen Platz ndet. Auch Trans-
sexuelle sollen in der künftigen Bibliothek des
Regenbogenhauses nicht mehr im Regal unter
der Rubrik «Varianten» stehen. Genauso schön
und sinnig wie die Regenbogenhäuser in Salz-
burg und anderen Städten Westeuropas soll es
werden. Da rin sind sich a lle einig, nicht nur bei
der H A Z, sonder n beispielsweise auc h beim Ver-
ein Zurich Pride Festival.
Fehlt nur noch das liebe Geld. Und das lag ja
bek annt lich entgegen aller auslä ndischen Be -
hauptungen – auch in Zürich für Homos noch
nie auf der Strasse. Patrick Hadi Huber ist Mit-
glied der SP im «Roten Züric, Ulla Blume vom
Vorstand der HAZ ist Geschäftsführerin im
«Grünen Kanton Zürich» und Martin Naef gar
SP-Kantonsrat kein Schelm, der dabei froh-
lockt! Jetzt heisst es nur noch für alle anderen:
Arsch hoch, Brust raus und rein in die Vereine!
Egal, ob HAZ oder Zurich Pride Festival! Und
auch jung darf das frische Gemüse gerne sein!
Der neue Geschäftsführer Reto Schindler
10
Prominent CRUISER Edition Oktober 2010
Lourdes Ciccone
Madonna und ihre Tochter Lourdes sehen sich
immer ähnlicher, und man weiss gar nicht, ob
hier der Sprössling der coolen Mutti nacheifert
oder die Queen of Pop im Jugendwahn ihrem
Kind. Angeblich soll Lourdes Madonna (und
nicht nur sie!) schon seit einiger Zeit mit den
neusten Modetrends beliefern. Ein Modetrend
wurde dem ambitionierten Teenie dann auch
beim ersten Schultag an der renommierten
New Yorker Kunstschule «La Guardia» fast zum
Verhängnis. Die 13-Jährige trug ein Jamaica-
Armband mit aufgesticktem Hanfblatt. Mami
Madonna musste persönlich antraben und
schlichtete. Das sei doch nur ein modisches
Accessoire. Lourdes‘ Ausbildung ist also nicht
weiter in Gefahr. Sie nimmt zudem Schauspiel-
unterricht und übt wie besessen Klavier, um
Madonna auf ihrer nächsten Tour begleiten zu
können. Offenbar will sie ernsthaft in deren
Karriere-Fussstapfen treten, und bei Madonnas
Macht und Lourdes‘ Ehrgeiz gehts bestimmt
in Riesenschritten Richtung Superstar. Dass
es modetechnisch grobschlächtigere Skandale
gibt als ein Kiffer-Armbändchen, führte Lady
Gaga mal wieder vor, als sie ihre acht MTV Video
Music Awards abholte und sich damit endgül-
tig das Eintrittsticket zum Pop-Olymp sicherte.
Nach Seifenblasen, Blut und Bankräubermas-
ken hat sie nun rohes Fleisch zum modischen
Accessoire geadelt. Ein Glück, dass die 24-Jäh-
rige dafür nicht ihre Mutter um Erlaubnis bit-
ten musste, denn nicht jede hat eine Madonna
als Mami. (rg)
X-Factor
Als der Fernsehsender VOX eine weitere Casting-
Show ins Rennen schickte, ächzten viele. Die
Zuschauerzahlen blieben denn auch wenig be-
rauschend. Dies ist äusserst schade, denn das
Format selbst hat sich in anderen ndern be-
hrt und beweist Unterhaltungscharakter
und eine gewisse Seriosität. So wird weniger
auf Äusserlichkeiten und interne Streitereien
geachtet (Beispiel «Popstars» auf Pro7), sondern
auf echte Stimmen und deren Persönlichkeiten.
In drei Gruppen, den ü25- und den ü25-Sängern
sowie den Sangestruppen, ndet sich ein Sam-
melsurium an Charakteren und optischen Aus-
nahmeerscheinungen. Die meisten sind durch-
aus prädestiniert für die grosse hne. Denken
wir an die Girl-Group «Big Soul», welche ihre
enormen Rundungen stimmgewaltig in Szene
setzte. Oder die beiden jungen nger Marlon
und Pino. Beide wirkten bis zum Redaktions-
schluss unheimlich sympathisch und un-
heimlich schwul. Zudem lagen sich die beiden
ständig in den Armen. Es ist fast so, als würde
der Zuschauer einem schwulen Musical beiwoh-
nen. Nun, wir werden sehen, ob in diesen Tagen
bereits ein schwules Liebesgesndnis auf VOX
zu sehen ist, oder ob dieser Gedanke einfach nur
ein Hirngespinst darstellt. (dd)
Guido Westerwelle
Ja, er hats getan: Der deutsche Aussenminister
Guido Westerwelle heiratete Mitte September
seinen langjährigen Lebenspartner Michael
Mronz. In aller Heimlichkeit, wie betont wur-
de. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel wur-
de erst am Tag der Trauung informiert. Denn
schliesslich sei dies ja eine rein «private Angele-
genheit». Nicht privat genug, die «Bild»-Zeitung
jedenfalls wusste so einige Details: «Westerwel-
le und Mronz trugen beide dunkle Anzüge, der
FDP-Chef dazu eine hellblaue Krawatte, sein
Ehemann eine gelb-grüne», so die Zeitung. Eine
wichtige Station im Leben der frisch Vermähl-
ten. Der 48-jährige FDP-Chef und sein 43-jäh-
riger Event-Manager lernten sich an einem Reit-
turnier 2003 kennen, seither gelten die beiden
als Deutschlands bekanntestes Homo-Paar. In-
des freuen sich nicht alle ob der Hochzeit. So
trat der FDP-Kreistagsabgeordnete von Rottweil,
Dr. Gerhard Aden, aus der Partei aus. «Die Nach-
richt, dass unser Parteivorsitzender Guido We-
sterwelle seinen langjährigen Freund Mronz
geheiratet hat, hat mir endgültig die Augen ge-
öffnet. Ein Deutscher Aussenminister, der auf
internationalem Parkett agieren muss, kann
mit einer solchen Vita nicht erfolgreich sein»,
berichtete Aden gegenüber der Neuen Rottwei-
ler Zeitung. Westerwelle stelle sein Wohl über
das der Bundesrepublik. Der Augenarzt sst
dabei jedoch offen, was gerade er für das Wohl-
ergehen des Landes zu tun gedenkt. (dd)
Daniela Katzen-
berger
Die Gesten sind zu affektiert, die Haare zu blond,
die Lippen zu rot, und das Kichern ist zu hoch.
Zu hoch auch die Augenbrauen mitten auf der
Stirn, Tiefgang hat allein der Ausschnitt. Man
denkt an eine Drag Queen, aber nein, es geht um
Berufsblondine Daniela Katzenberger. Plötzlich
war sie da, und inzwischen ist sie überall, stakst
über jeden roten Teppich, den sie nden kann.
Auf einer Liste der meistgesuchten deutschen
Promis im Internet belegt sie Platz 2. Der fabel-
hafte Aufstieg der gelernten Kosmetikerin er-
hielt seine Initialzündung mit Kalenderbildern
und dem Titel «Topmodel of the World Mallor-
ca». In einem VOX-Format versuchte sie dann
erfolglos, Playboy-Bunny zu werden und eröff-
nete in der Folgestaffel das CaKatzenberg auf
Malle. Nun singt sie auch noch, «Nothing can
stop me now», und fast möchte man es glauben,
denn auch Werbeverträge und eine neue Doku-
Soap hat sie an Land gezogen. Allerdings wird
gemunkelt, die sexy Katze werde bereits 2011
im Dschungelcamp ausgewildert, im Klartext:
Promi-Abstellgleis! Beim Abschminken nach
all den Shows stellt sie dann wohl im Gegensatz
zu einer Drag Queen entsetzt fest, dass die Au-
genbrauen tätowiert sind, die blonden Locken
keine Perücke, und dass sich hinter der Trash-
TV-Fassade gar keine andere Figur verbirgt, als
sie gespielt hat. Oder aber sie kichert sich kaputt
darüber, dass mal wieder alle auf die Dummer-
chen-Nummer reingefallen sind. Obwohl sie
vor ein paar Monaten noch sagte: «In meinem
Körper steckt mehr Geld als auf meinem Kon-
to», dürfte dieses inzwischen mlich genau so
prall sein wie ihr Silikon-Doppel-D. (rg)
11
CRUISER Edition Oktober 2010 Prominent
Mark Zuckerberg
Was heute zum Alltag von 2,2 Millionen Schwei-
zern gehört, begann 2004 in einem Studen-
tenwohnheim in Harvard. Zuckerbergs Face-
book-Idee hat den inzwischen 26-Jährigen zum
jüngsten Selfmade-Milliardär gemacht und 500
Millionen User dazu gebracht, der Weltöffent-
lichkeit mitzuteilen, was sie gerade so tun. Dass
man sich mit 500 Millionen Freunden zwangs-
läug auch einige Feinde macht, erzählt nun
der Film «The Social Network» von Thriller-Re-
gisseur David Fincher (Seven, Fight Club) mit
Justin Timberlake in einer Nebenrolle, der bei
uns am 7.10. ins Kino kommt und die spannende
Entstehungsgeschichte des Social Networks er-
hlt. Hat Zuckerberg seine Idee von Studenten-
Kollegen geklaut? Sind ihm Werbeeinnahmen
wichtiger als die Privatsphäre der Facebooker?
Unangenehme Fragen für Mark, der sich weiter-
hin gern als netter Junge von nebenan gibt. Dass
jede werbewirksame Präsentation des Films auf
Facebook verboten ist, spricht nde. Aber eben:
Mit den Milliarden kommen die Neider und die
Feinde. Ein paar Feinde gemacht hat sich wohl
auch Microsoft. Der Konzern, dem übrigens 1,6
Prozent von Facebook gehören, hat einen Spieler
seines Online-Netzwerks «XBox Live» gesperrt,
weil er als Heimtatort Fort Gay angab. Wohlge-
merkt eine Ortschaft, die es tatsächlich gibt.
Als Alternative kann man natürlich zu Apple
wechseln, dem anderen IT-Giganten, der schwu-
le Comics mit schwarzen Balken versieht und
das Gayromeo-App fürs iPhone wegen unange-
brachter Bilder wieder aus dem Verkehr gezo-
gen hat. (rg)
Karl Lagerfeld
r die legendäre Fashion Week hatte der Mo-
dezirkus seine Zelte mal wieder in New York
aufgeschlagen. Wie üblich gab es allerlei ge-
wagte Kreationen zu bestaunen, Flower Power
von Marc Jacobs, eine neue Kollektion von Gwen
Stefani und eine von Victoria Beckham, die als
Designerin zunehmend ernst genommen wird.
Beyoncé modelte für den bejubelten Tom Ford
und Naomi Campbell verursachte ein Verkehrs-
chaos. Doch betritt einer die Manege, werden
alle anderen Artisten zu Statisten. Man nennt
ihn in den USA The Kaiser, seine hohen Ansprü-
che sind bei den Organisatoren so berüchtigt
wie die hohen Absätze bei den Models. Eine Feier
mit 600 illustren Gästen wurde zu seinen Ehren
abgehalten, an der Tafel zur Rechten Vogue-
Teufelin Anna Wintour (deren blonder Bob mal
wieder so formstabil war wie Karls silbergrauer
Zopf), zur Linken Schauspielerin Diane Krüger.
Karl war das Menu seiner Gäste nicht gut genug,
er orderte für sich kurzerhand Sushi beim Edel-
Japaner. Auf jenen Tag el auch sein Geburtstag,
nach eigenen Angaben der 72., nach ofziellen
Dokumenten der 77., aber so was feiert der Zar
nicht mehr, niemand durfte es erwähnen. Sein
herzlicher Kommentar zur Feier schliesslich:
«Es ist die Woche der Kollektionen, Leute haben
Besseres zu tun als mit Fremden am Tisch zu
sitzenWie immer wurde Lagerfeld begleitet
von betörend schönen jungen nnern. Affä-
ren gebe es nicht mit Leuten aus seiner Entou-
rage, winkte er in einem Interview entsetzt ab.
Er umgebe sich doch nicht mit schwulen Män-
nern. Schade, schade, vor allem, wenn man an
seine Muse Baptiste Giabiconi denkt, den er
vom Hubschrauber-Monteur aus Marseille zu
einem der gefragtesten nnermodels welt-
weit gemacht hat, und der nun sogar sein Erbe
werden soll. (rg)
Camille Paglia
Wenn intellektuelle Zickenkriege das Feuille-
ton beherrschen, so ist zumindest von amerika-
nischer Seite die berüchtigte Camille Paglia mit
von der Partie (in Deutschland re das Alice
Schwarzer). Die Kunst- und Kulturhistorikerin,
welche sich zeitweise auch Feministin nannte,
schiesst gerne scharf gegen andere Frauen, wel-
che ihr gegen den Strich gehen. Das überrascht
und vermittelt den Eindruck, es handle sich bei
Paglia in erster Linie um eine «Desperate House-
wife». Frustriert und weiblich die Offenba-
rung des Klischees. Konkret führt Paglia derzeit
Krieg gegen die erfolgreichste ngerin des Pop:
Lady Gaga. Paglia schrieb einen Artikel, der das
Ende der weiblichen Sexualität kommen sieht
- Lady Gaga sei schuld daran. Die Pop-Queen sei
eine kalkulierte, keimfreie Erscheinung, der
etwas Gruseliges anhaftet. Wörter, die welt-
weit in renommierten Blättern gedruckt wur-
den. «Wie konnte eine derart kalkulierte und
künstliche, eine so klinische und antiseptische
Gestalt ohne alle echte Erotik zur Ikone ihrer
Generation werden?», fragt Paglia weiter und
liefert launische Antworten. Camille Paglia be-
weist Waschküchen-Qualität. Lady Gaga selbst
kümmert das nicht. Ihre Erotik mag kühl sein,
ihr Handeln ist es nicht. Jüngst demonstrierte
sie einmal mehr für Homo-Rechte im konser-
vativen Amerika. Dies ist äusserst waghalsig
für eine Künstlerin, von der Camilla Paglia be-
hauptet, sie sei «ach und unbeholfen». (dd)
Paris Hilton
Pa ris H ilton (29) konsum iert Drogen. Dies muss-
te die Hotelerbin notgedrungen zugeben. Und so
avancierte ein offenes Geheimnis der Glamour-
Szene zur unschönen Tatsache. Die Blondine
stand erneut vor Gericht, weil die Polizei bei
eine r R out ine -Kont rol le Kok ai n in Hi ltons Hand -
tasche gefunden hat. Wochen zuvor wurde sie
wegen Gras in Afrika festgehalten. In beiden Fäl-
len handelte es sich selbstverständlich nicht um
Paris Hiltons Stoff. Fremde Handtaschen usw.
sorgten für lahme Ausreden und ese Lacher.
Gerüchte über den Drogenkonsum Hiltons wa-
ren jedoch schon lange im Umlauf. Einige (ge-
platzte) Auftritte schienen dies zu bestätigten.
Auch beschrieb ein ehemaliger Mitstreiter Hil-
tons, Ryan Simkin, wie die Vagina der Möchte-
gern ngerin als Drogenbox funktionierte. Es
wurde daher eng für Paris. Eine Abmachung
mit dem Staatsanwalt erspart Hilton nun den
Knast. Dazu gibt‘s ein Jahr auf Behrung und
200 Stunden Sozialdienst. Verstösst Paris Hilton
gegen die Auagen, drohen ih r ein Jahr Gef äng-
nis. Und dort dürfte ihre «charmante» Lügerei
eh nichts bringen: Vor drei Jahren stand sie
US-Talkmaster Larry King Rede und Antwort;
sie habe nie Drogen genommen, säuselte Paris.
Totaler Quatsch, wie wir heute wissen, aber der
bald in Pension gehende Larry King musste sich
bestimmt schon viel Mist anhören. (dd)
12
Ausland CRUISER Edition Oktober 2010
Incredible !ndia

strahlt über Indien
Von Michael Lenz
13
CRUISER Edition Oktober 2010
Ausland
Incredible !ndia. Unglaub-
liches !ndien. Wie wahr doch
Indiens Tourismus Werbe-
slogan ist. Indien ist unglaub-
lich reich und unglaublich
arm, unglaublich schön und
unglaublich sslich, un-
glaublich modern und un-
glaublich mittelalterlich,
unglaublich historisch und
schier unglaublich bunt.
Seit dem 2. Juli 2009 strahlen zusätzlich auch die prachtvollen Farben
des Regenbogens über Indien. An dem Tag nämlich hat der High Court
für den Paragraphen 377, der als Erbe der prüden britischen Kolonial-
herren Homosexualität kriminalisierte, die Delete-Taste gedrückt.
Natürlich hat an diesem Tag im Juli die indische Gesellschaft nicht von
einer Sekunde auf die andere von konservativ auf liberal umgeschaltet
und es hat auch schon davor schw ul-lesbisches L eben in Indien gegeben.
«Die erste Gay Pride gab es 1999 in Kalkutta. Aber nur sehr wenige hat-
ten es gewagt daran teilzunehmen», sagt Udayan. Der Mittdreissiger ist
Chefredakteur der Pink Pages, Indiens erstem «lesbian-gay-transgender-
bisexual» Magazin, wie Udayan homopolitisch korrekt betont.
Pink Pages
Pink Pages ist eine direkte Folge der Abschaffung des Paragraphen.
«Vorher hätten sich kaum Schwule und Lesben getraut, für ein solches
Magazin zu schreiben oder darin Kontaktanzeigen aufzugeben», sagt
Udayan, der in diesen Tagen im Stress ist, weil Pink Pages den nächsten
Schritt wagt: «Ab Oktober wird es eine Druckausgabe geben.»
Bisher waren die Pink Pages nur als PDF aus dem Internet herunter-
ladbar. Das Downloadprol sagt viel über Indien aus. Erstens: Die Pink
Pages wurden zu 100 Prozent von Usern aus den indischen Metropolen
wie Neu Delhi oder Mumbai (bis 1995 Bombay) runtergeladen. «Im nd-
lichen Indien, wo 70 Prozent der Inder leben, ist der Internetzugang
schwierig, in vielen Dörfern gibt es nicht einmal Strom und kaum je-
mand spricht Englisch», erklärt Udayan.
Zweitens: 70 Prozent der Downloads stammt von schwulen Usern. «Die
LGBT- Beweg ung ist noch von schw ulen Män nern dominier t. Frauen sind
hier in Indien noch eine sehr unterdrückte gesellschaftliche Gruppe
und Lesben erfahren noch eine zusätzliche Ausgrenzung.» Aber der An-
teil lesbischer Leserinnen steige konstant: «Es entwickelt sich langsam
auch eine lesbische Szene.»
Bollywood
Bollywood lebt. Das beweist laut und durch mitreissende indische
Tanzmusik die samstägliche schwule «Boyzone»-Party im Tanzlokal
«Polka» im Kailash Colony Market, einem der trendigen Stadtviertel
Neu Delhis. Wer je einen Bollywoodlm mit seinen opulenten Tanzs-
zenen gesehen hat, der hat eine Ahnung von indischer Lebensfreude,
die live einfach noch unglaublicher, intensiver, ausgelassener ist. Inder
nnen feiern.
Inder können auch sehr grausam sein. Das offenbarte jüngst der trau-
rige Fall von Professor Siras. Der 62 Jahre alte Sprachwissenschaftler an
der Aligarh Muslim University hatte sich nach seinem Outing unter dem
Druck der Studenten und der anschliessenden Pressehetze aus Scham
im April das Leben genommen. «Der Fall ist symptomat isch für Indiens
Schwule», sagt Udayan. «Viele haben noch keine schwule Identität und
verachten sich oft selbst wegen ihrer Sexualität.»
Tolerantes Mumbai
Dann wieder präsentiert sich Indien von seiner toleranten Seite. In
Mumbai fand ebenfalls im April das erste öffentliche LGBT-Filmfestival
statt und im August konnte die LGBT-Bewegung einen weiteren Erfolg
verbuchen: die für die Volkszählung zuständige Behörde empfahl der
Regierung, in die Fragebögen für den nächsten Zensus «Transgender»
als Geschlecht aufzunehmen.
Einer der Pioniere des schwul-lesbischen Tourismus Indiens ist Sanjay
Malhorta, im Hauptberuf ein populärer, offen schwuler Modedesigner
in Neu Delhi. Sein Reiseunternehmen «Indja Pinbietet massgeschnei-
derte Touren in alle Teile Indiens und garantiert neben «gayfriendly»
und durchaus luxuriösen Unterkünften eine «tiefe Einsicht in die Seele
und Kultur» Indiens. Dazu gehören auch Einblicke in die Gay Commu-
nity, über die Sanjay strahlend sagt: «Die Geschwindigkeit, mit der sie
sich entwickelt, ist atemberaubend.»
Sanjay hält die Monate April sowie August und September für die be-
sten Zeiten für eine Reise nach Indien. «Dann ist es nicht zu heiss und
nicht zu regnerischFolgt man Udayan, dann kommt denitiv noch
der Pride-Monat Juni hinzu. «Es gibt jetzt in jeder grossen Stadt Indiens
Gay-Pride-Veranstaltungen», freut sich Udayan. Zum Beispiel im auf-
st rebenden schw ul-lesbischen Hotspot Banga lore, wo der ehrena mtlich
Pink-Pages-Redakteur als Softwareentwickler arbeitet. «Banglore als Si-
licon Valley Indiens zieht Tausende Computerfachleute aus dem ganzen
Land an. Darunter eben auch sehr viele Schwule und Lesben
Udayan räumt jedoch ein, dass Bangalore touristisch nicht so attraktiv
ist. «Für schwul-lesbische Besucher Indiens ist Mumbai mit seinen Bars
und Parties immer noch der beste Ort.» Zum Chill-Out nach der Party
in Mumbai eignen sich bestens die nur etwas über 400 Kilometer wei-
ter südlich gelegenen Traumstrände des liberalen Goa. Cocktails unter
Palmen, Joints am Strand, relaxen im Spa, schwimmen im Arabischen
Ozean – auch das Spass- und Wellness-Potential Indiens ist einfach un-
glaublich.
14
Szene CRUISER Edition Oktober 2010
Jack The Wet
NWild Issue

Dass die Partysaison eröffnet ist, lässt sich daran
erkennen, dass Jack die Part yszene in regelmäs-
sigen Absnden mächtig aufmischt. Nur etwas
mehr als ein Monat ist es her, dass die Londoner
Kult-DJs «Horse Meat Disco» ein Gaypublikum,
wie es unterschiedlicher nicht sein könnte, zum
Wiehern und Stampfen gebracht haben.
Bereits am 23. Oktober ist es wieder so weit mit
drei Top-DJs, die dem angestammten Jack-Pu-
blikum bekannt sein rften. Der Mixteufel
aus Berlin, DJ Maringo, wird einmal mehr zum
Mainact im Kaueuten Festsaal Zürich erko-
ren. Umrankt von zwei mindestens so leucht-
starken Sternen: Daniel DB und Zör Gollin wer-
den als Team die inzwischen etwas kühleren
Nächte in ein schweisstreibendes Dampfad ver-
wandeln. Wie immer präsentiert sich Jack im
Vorfeld seiner Partynächte nüchtern, sexy und
konsequent. Ein Auftritt, in den sich so einiges
hineininterpretieren lässt. Genau so wollen es
die Macher von Jack, die an ihr selbstbewusstes,
fröhliches Publikum glauben. Nur all zu genau
weiss der harte Kern einer stetig wachsender
Anhängerschaft, die sich aus eingeeischten
Szenies, Newcomern, Partyqueens und Tanz-
bären zusammensetzt, dass es darum geht, den
Partykessel auf ihre ganz individuelle Art zum
Explodieren zu bringen. Und hierfür bedarf es
keiner Gebrauchsanweisung. Wetten, dass
die wilden Jungs auch diese Saison die Stadt
rocken?
Jack – The Wet N’Wild Issue
Samstag, 23. Oktober 2010
Festsaal, Pelikanplatez, 8001 Zürich
www.jackcompany.com)
Hundert Prozent
Testosteron

Zur Testosteron Men-Only-Party lassen Lucas &
A lex eigens aus Kopenhagen DJ John E ltong ein-
iegen. Er hat im kühlen Norden schon einige
Danceoors zum Kochen gebracht und ist auch
im GMF Berlin regelmässig anzutreffen. Um-
rahmt wird sein Set von unseren Jung-Talenten
aus Zürich, die Wanderkameraden, die auch
schon die Heldenbar kräftig gerockt haben.
Kein Wunder, denn Roman und Valentin sind
Stammgäste im Berghain Berlin. Wie üblich
geht die Testosteron im XceS Club in Zürich über
die hne. Mit einer heissen, geladenen Party
dem kühlen Herbst trotzen!
Testosteron wirbt ja auf den Inseraten mit «enjoy
responsabl. Bei aller Ausgelassenheit wird da-
mit an die Verantwortung in Sache «Safer-Se
appelliert. Deshalb wurde «Checkpoint Zürich»
und das «DIZ» der Stadt Zürich zu Gast eingela-
den. Lust am 2. Oktober diese Gelegenheit im
Xces-Club wahrzunehmen?
100 % Testosteron
Men Only Dress Kinky
2. Oktober 2010, ab 23.00 Uhr
Eintritt: Fr. 25.
XceS-Club, Albulastrasse 40, 8048 rich
Flexx Birthday
Bash
Zum einjährigen Bestehen
Anfang Oktober 2010 feiert Flexx das einjährige
Bestehen. Wahrlich ein Grund zum Feiern. Und
wie könnte man das besser als mit Star-DJ José
Parra. Er ist einer der weltweit angesagten DJs
Parties und
Events
15
CRUISER Edition Oktober 2010 Szene
und Flexx ist stolz, ihn wieder hier zu haben.
Se in u nver wech se lbarer Sti l hat sc hon v iele Par -
tygänger in den Bann gezogen. In den letzten
Jahren spielte er unter anderem in Ibiza, China,
rkei, Deutschland und Österreich. In Zürich
kennt man ihn aus dem Moonrage, Om Club,
Kaueuten, Club Q, Stairs, Lotus-Club, OxA ,
Supermarket, Aaah-Club, T&M aber auch in an-
deren Schweizer Städten wie Luzern (Pravda),
Bern (Liqid), Tessin (La Rotonda), Basel (Border-
line). Tatkftige Unterstützung kriegt er vom
Resident DJ Ajaxx, welcher die örtlichen Vorlie-
ben speziell zu berücksichtigen weiss.
FLEXX Birthday Bash
Samstag, 2. Oktober 2010
Loop 38, Albulastrasse 38, 8048 rich
exx-party.ch, loop38.ch, aliens.ch
Revolution Party

Mitte Oktober 2010 wird die Revolution-Party
er st ma ls in de n G em äuer n de s ehema ligen L aby-
rinths, dem Lotus-Club an der Pngstweidstras-
se, stattnden. Das DJ Line-up kann sich sehen
und hören lassen. Es wird Progressive, Tribal-
und Tech-House vom Feinsten geboten. DJ Willi
P. gehört inzwischen zu den eingesessenen
der Szene. Seine innovativen Beats verzaubern
schon seit ngerem das Zürcher Party-Volk.
DJ Ajaxx ist ebenfalls regelmässig im Lotus und
an den Flexx-Parties zu hören, genauso wie im
Rage. Sei ne energ iegelade nen Set s sind ei ne Sy n-
these von verschiedenen Einüssen von Parties
wie der Rapido (Amsterdam), dem Trade (Lon-
don), der La Demence (Brüssel), der Greenkomm
(Köln), dem Souvenir (Barcelona) oder dem Un-
der (Paris). Es verspricht, eine heisse Nacht zu
werden. Also nichts wie hin ins Lotus!
Revolution Party
Samstag, 16. Oktober 2010, ab 23.00 Uhr
Club Lotus, Pngstweidstr. 70, 8005 Zürich
www.party-revolution.ch
www.lotusclub.ch/site/welcome.aspx
menergy
«sunglasses»

Knascht
Menergy ist zurück im Knascht! ...und dies ganz
freiwillig im Oktober. Der Knascht-Club war
früher schon mal Menergy‘s Party-Location und
ist es nun wieder! Inzwischen hat er aber ein
«Facelifting» erhalten.
Diesmal gibt’s auch wieder einen Dresscode:
«sunglasses!». Natürlich ist dieser freiwillig,
aber man sollte der Sonnenbrille nach diesem
Sommer nochmals Gelegenheit gegeben, gross
aufzutrumpfen ...und dies bei Nacht... ganz
schön cool!
Mit den DJs Juiceppe und Taylor Cruz im big-
oor (house/electro) und DJ Groovemaster und
Dynam!ke im small-oor (charts/disco) bleibt
wohl keiner lange sitzen.
Menergy «sunglasses @ night (again)»
Samstag 23. Oktober 2010, ab 22.00 Uhr,
Knascht Club, Löwengraben 18, 6000 Luzern
www.menergy.ch
As we dance


Ein bisschen crazyness gehört dazu: So in etwa
könnte man die Philosophie der neuen Party-
reihe im T&M mit dem Brand «as we dance»
beschreiben.
Ende Oktober wird Premiere gefeiert, und zwar
mit einem Geburtstag, der im Sinne der Ge-
burtsstunde der Party einer ist, aber eigentlich
doch wieder nicht, denn der Untertitel sagt es
ja bereits:«It‘s not my Birthday, but I party any-
way» - ich habe zwar nicht Geburtstag, feiere
aber trotzdem. Passend zur Party werden un-
hlige Ballone an der Decke schweben und na-
türlich gibt es auch einen Kuchen dazu.
Und so werden auch die künftigen Parties blei-
ben: Immer ein langer Untertitel und die pas-
sende Dekoration dazu. Hingehen und den
«Nichtgeburtstag» am Geburtstag von «as we
dance» feiern.
As we dance
Freitag, 29. Oktober, 21.30 Uhr
T&M, Marktgasse 14, 8001 Zürich
Berlin Selection


Natürlich hätte man jetzt was mit Halloween,
glibberigen Kürbissen und ein paar Plastikske-
letten an den Wänden machen können. Den
rstehern seltsame Kostüme anziehen und
das Barpersonal mit grufftigen Schminktech-
niken verunstalten können. Dioch das Leben ist
schon gruselig genug! Dann doch lieber fett ab-
feiern mit den angesagtesten Djs. Dieses Mal aus
der musikalischen Hauptstadt Deutschlands: DJ
Chris Bekker iegt zum Auegen schon auch
mal kurz nach Vancouver oder Rio. DJ Jan Fi-
scher, der üblicherweise mit Busenfreundin
und Deutschlands Vorzeigetranse Gloria Viagra
unterwegs ist, der sich an der Selection mal um
einiges rter gibt als sonst. Aber damit nicht
genug!
Natürlich ist ab Herbst auch wieder der zwei-
te Floor am Start. Dort gibt es den Resident DJ
5th Element und DJ Andreas Kaan mit dem ty-
pischen Zürcher Sound, wie man ihn liebt.
Wer jetzt noch zu Hause bleibt, ist selber
schuld… denn die Selection gibt‘s in diesem Jahr
nur noch vier Mal! Und… wer früher kommt,
kann länger feiern…
Sound: Progressive, Tech-House, House, Tribal…
«einfach laut, stark, geil!»
Anmeldung über Facebook bei Selectionparty
bringt Vorteile!
Berlin Selection
Samstag, 30. Oktober 2010
Einlass ab 23.00 Uhr. Ab 21 Jahren
Club Lotus, Pngstweidstr. 70, 8005 Zürich
Black Party
«Inferno»
-
haus Zürich
An der Black Party 2010 steigen die Angels in
«Teufels Küche» und entfachen ein Feuerwerk
der Leidenschaft. Die angesagtesten Djs der Sze-
ne sowie prickelnd heisse Unterhaltung heizen
nochmals so richtig ein, bevor der kalte Winter
einbricht.
Das Motto «Inferno» spricht für sich: Das Volks-
haus Zürich wird für eine Nacht zum glühenden
Hexenkessel mit heissen Gogo-Tänzern, einem
feurigen Set-up und frenetischen Beats, welche
die Stimmung zum Kochen bringen werden. Die
Nacht beginnt aber erst richtig heiss zu werden,
wenn Phil Romano das DJ-Pult übernimmt. Sei-
ne Gigs überzeugen rund um den Globus; von
Rio de Janeiro über Tel Aviv, New York und Lon-
don. Er ist der Star der Gay-Szene und angesagt
an allen Parties rund um die Welt. Seine Auf-
tritte an Grossevents wie dem Circuit Festival
in Barcelona sind legendär.
Presenting Partner Flexx im Weissen Saal sor-
gen mit Jack Chang für ein weiteres feuriges
Highlight. Sein Tribal Underground Sound
bringt den Saal zum Glühen. Der Angels Resi-
dent DJ Angel O erhitzt die Stimmung im Up-
per Floor und DJ und Producer F-Junior sst
den Vodka in der SKYY Lounge regelrecht ver-
dampfen.
Flexx präsentiert zum ersten Mal die ofzielle
Angels Afterhour nach der Black Party im Lotus
Club. Kombi-Tickets sind bei Starticket und an
der Abendkasse verfügbar.
Ticketreservation und weitere Informationen
unter www.angels.ch
Vorverkauf: Cranberry Bar, Rathaus Café,
Daniel H., nnerzone, Ministry of Kink,
Adidas Store (ZH), Starticket.
Samstag, 6. November 2010,
16
Bühne CRUISER Edition Oktober 2010
Punk Rock
Ein Stück über Sex und Gewalt in der Schule
Von Kurt Büchler
Xenia Wiener als Lilly, Julian und Laurin
17
CRUISER Edition Oktober 2010 Bühne
Sieben junge Menschen
bereiten sich an einer eng-
lischen Privatschule auf
die Abschlussprüfungen
vor. Sie kämpfen mit allen
Mitteln um Bestnoten, aber
auch um Anerkennung
und Respekt.
Lilly, eine neue Schülerin, kommt in die Klasse, und William verliebt sich
in sie blitzt aber ab. Die täglichen Begegnungen in der Schulbibliothek
wechseln blitzschnell von freundschaftlichen Scherzen zu ernsthaften
Beleidigungen. Eine Mischung aus Coolness und Karrieredenken, wech-
selnden Allianzen und quer schiessenden Hormonen ist explosiv und
führt in eine schicksalshafte Dynamik. Schliesslich bittet William am
Mord-Tag Lilly, zu Hause zu bleiben – denn Lilly war trotz allem immer
fair zu ihm. So fair waren andere Mitschüler nicht im Gegenteil.
Der Autor Simon Stephens schildert die komplexe Dynamik der Gruppe
und zeigt Schüler, die andere, schwächere, tyrannisieren. Die sozialen
Beziehungen sind prekär. Den Schülern ist für ihr Selbstgefühl wie für
ihr P rest ige w icht ig, Sex zu haben u nd wenn n icht, so doc h dam it anzu-
geben, so zu tun, als ob. Es geht letzten Endes um die Hackordnung, um
Herrschaft und Unterwerfung.
Punk Rock wurde von Sebastian Nübling am «Jungen Theater Basel» insze-
niert und wird von Nachwuchs-Schauspielern gespielt. Cruiser hat sich
mit zweien der jungen Schauspieler unterhalten. Mit Laurin Buser und
Julian Anatol Schneider.
CR: Laurin und Julian, wer seid ihr??
 Ich bin erst einmal ein Stadtmensch.
 Und ich bin eine sehr offene Person, die gerne neue Sachen erlebt
und die Welt entdecken will. Ich bin lebensfroh, und sicherlich kein Pes-
simist. Ich versuche, dummerweise manchmal zu oft, allen alles recht
zu machen, was manchmal mit Termin-Überschneidungen enden kann.
Ich bin ein Mensch, der Bewegung braucht.
CR: Ihr seid im Stück «William», und «Bennett Francis». Was geht in
den beiden vor?
 William entwickelt einen enormen Hass auf seine Umwelt, natür-
lich auch auf sich selbst und seine Gewalt-Fantasien.

Bennett Francis ist ein Junge, der aus einem sehr angesehenen
Haus kommt. Er hat eine Behinderung am linken Bein. Er ist einer, der
alle anderen erniedrigen will, um seinen Defekt zu überspielen. Durch
sein ganzes Verhalten will Bennett seine nnlichkeit ausdrücken, er
ist jedoch wahrscheinlich schwul. Er überschreitet die Grenzen zu einer
freundscha ftlic hen Beziehung vollkommen, nur um sich selbst zu bewei-
sen, dass er auch mit dieser Behinderung und auch mit seinem Wechsel
zum anderen Ufer jemand sein kann, der mit ihnen machen kann, was
er will. Eigentlich ist er ein sehr einsamer Mensch.
CR: Laurin, hast du kein Problem, einen Mörder zu spielen?
 Nein – ich hätte das gleiche Problem, wenn ich einen Priester spie-
len müsste.
CR: Julian, was geht in dir vor, wenn du in diese Person schlüpfst?
 Für mich ist es eine sehr interessante Verwandlung, da ich in der
Realität niemals so mit meinen Mitmenschen umgehen würde. Es gibt
Szenen in diesem Stück, wo ich wirklich lernen musste, meine inneren
Grenzen zu überschreiten, und mich total diesem Bennett hinzugeben.
CR: Was habt ihr empfunden, bei den Proben... als Täter und als Opfer?

Man gerät mehr und mehr in seine Rolle und muss nach den Proben
achten, wieder in der Wirklichkeit anzukommen.
 Eigentlich ist es sehr interessant, zu sehen, wie schnell diese Sei-
ten sich tauschen. Die ganze Stück hindurch bin ich der Täter und erst
in der letzen Szene werde ich zum Opfer. Bennet t verändert sich dermas-
sen, dass man glauben könnte, er habe eingesehen und gelernt, dass sein
Leben mehr wert ist.
CR: Ihr habt als Ensemble das Stück in Dialekt übertragen. Wie ging das?
 Wir haben in der Gruppe versucht, einen Satz so zu sprechen, wie
man ihn im echten Leben auch sagen würde.
 Jeder hat seinen eigenen Text gelesen. Wir haben einige Passagen
auch in Hochdeutsch gelassen, einige Sätze jedoch auch in Persisch,
Tschechisch, Russisch oder Französisch übersetzt, um dem ganzen einen
eigenen Schliff zu geben.
CR: Sebastian Nübling, hat das Stück mit euch einstudiert. Wie ist das,
mit einem so berühmten Theatermacher zu arbeiten?
 Eine wunderbare Erfahrung. Man spürt seine Fachkenntnis und
sein Umgang mit den Schauspielern ist sehr nahe. Es läuft vieles über die
Bewegungen, über die Sprache und den Ausdruck.
 Es ist ein schönes Gefühl. Am Anfang wusste ich gar nicht, wie
mit dieser ganzen Situation umgehen. Dann merkte ich jedoch schnell,
dass er auch ein Mensch ist, so wie jeder andere, und das Ganze wurde
zu einem richtigen Vergnügen. Inzwischen ist diese Gruppe wie eine
zweite Familie. Sebastian hat ganz klare Vorstellungen von dem, was er
will. Er lässt dem Schauspieler jedoch die Freiheit, seine Interpretation
einiessen zu lassen.
CR: Was hat man eigentlich unter dem Jungen Theater Basel zu verstehen?

Es ist im Grunde genommen eine Nachwuchsförderung mit Kursen
und jährlichen Produktionen mit professioneller Regie.
 Das Junge Theater Basel ist ein Theater für Jugendliche zwischen
14 und 24, die gerne mal wissen und erfahren würden, was es heisst, auf
einer hne zu stehen und zu performen.
CR: Wie seid ihr zum JTB gekommen?
 Ich wurde von Uwe Heinrich, dem Leiter, angefragt.
Julian: Ich habe das von einer Freundin mitbekommen, die vor einem Jahr
dabei war. Ich habe mich dann Ende 2009 entschlossen, zum JTB zu gehen.
CR: Warum soll man eure Inszenierung in Basel anschauen?
 Weil sie sich mit dem Thema Amoklauf auseinandersetzt. Heutzu-
tage ist Gewalt so präsent in den Medien, dass eine Konfrontation genau
das Richtige ist.
 Es ist ein sehr berührendes und schockierendes Sck, welches
zum Nachdenken anregt. Ein weiterer Grund ist die eigenartige Erzähl-
weise des Stücks.
Punk Rock von Simon Stephens, Junges Theater Basel, Kasernenareal
13. bis 10. Oktober und 3. November bis 4. Dezember
Tickets: 061 681 27 80, jungestheaterbasel@magnet.ch oder
www.jungestheaterbasel.ch
Kolumne CRUISER Edition Oktober 2010
Feinfühligkeiten
(aus der Reihe
«Stories from the
closet»)

«Der da drüben.» – mein Begleiter, nennen wir
ihn Fluffy, zeigt auf einen Typen hinter einer
Säule. «Ja, könnte sein.» Fluffys Gaydar hat-
te angezeigt. Der zur Debatte stehende Typ ist
Mitte zwanzig, mittlere Grösse, mittleres Ausse-
hen, mittlere Haarlänge, aber trotzdem llt er
uns auf, weil er de nitiv was Schwules hat.
Auch mein Gaydar bimmelte nach ein paar
Sekunden. Jepp. Der Typ war vieles, aber ko-
scher war er de nitiv nicht. Der Abend tröp-
felt weiter, und kurz vorm Abschied ergibt
sich die Gelegenheit, die Identität des Objekt s
unserer Observation herauszu nden. Ein Mä-
del sagt: «Er ist der Freund von der Soundso,
die heute nicht hier istDas erkrt zumin-
dest, wieso er allein in der Ecke steht, aber es
erkrt noch nicht, wieso er uns aufgefallen
ist. Also gehen Fluffy und ich in die Offensi-
ve: «Weiss denn die Soundso, dass ihr Freund
schwul ist?»
Zugegeben, die Frage ist direkt. Und sie ist un-
fair. Und man mag nun sagen, wir Homos wür-
den i mme r g laube n, dass a lle sc hw ul se ien, nur
weil sie etwas zu lange starren, weil ihre Hand-
gelen ke g ut geölt sind, we il sie die ganze Zeit a n
ihren Manschetten zupfen. Oder wie kürzlich
ein heterosexueller Arbeitskollege beobachtet
zu haben behauptete: Weil sie immer Leder-
armbänder tragen. Das seien doch Klischees
und wir sollten bitteschön über diesen blöden
Klischees stehen, sagte das Mädel und warf ein
paar Dutzend böse Blicke in Fluff ys und meine
Richtung.
Anzeige
Über den Klischees stehen, ist leichter gesagt,
als getan. Denn immer wieder enthüllen diese
Klischees ihre schonungslos wahren Kerne. So
erlebt bei Sally und Fred (Na men dem Ver fasser
bekannt). Tolles Paar. Irgendwann haben sich
die beiden getrennt, keine Woche später latscht
mir im Odeon Fred über den Weg. Ich so: Hey,
alles klar, tut mir Leid, dass ihr euch getrennt
habt, Sa lly u nd du. E r so: K iche r, ja gell, z winker,
weisch, hihihi… Ich hab dann darauf verzichtet,
seine Handynummer aufzuschreiben. Heute
hat Sally einen neuen Mann, er ist ein paar Jah-
re jünger als sie und sieht umwerfend aus. Und
jeder, der ihm begegnet, ist überzeugt: schwul.
Sally zieht das irgendwie an. Nur er hats noch
nicht gemerkt, also gönnen wir ihm ein paar
Jahre als Hetero, das Schicksal wird ihn eines
Tages einholen.
Ich habe n icht s gegen Frauen, ich mag sogar ein i-
ge d avon ganz g ut . A ber dass m an ob i hne n s ei ne
Se x ua lit ät und or ig i nä re B est i mmu ng ve rges sen
kann, das zu glauben, fällt mir auch mit dem
Alter nicht leichter. Wie ist das wohl, wenn man
nach Jahren plötzlich aufwacht und ndet: Hop-
pala. Ich mag ja eigentlich nicht Titten, sondern
Pimmelchen. Dass mir das jetzt erst aufgefallen
ist, heiderdidei.
Vielleicht hat diese Vorstellung aber auch einen
Hang zum Romantisieren. Denn glicherwei-
se ist der Grund, weshalb uns diese Leute auf-
fallen, wenn sie rumstehen, viel einfacher. Sie
fallen uns au f, weil w ir i hnen auf fa lle n. Und da-
mit wäre eigentlich alles Wesentliche gesagt.
19
CRUISER Edition Oktober 2010 Beauty
Costume National Homme

-


-


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
-


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
Im Handel, Eau de Parfum 50ml CHF 94.
Michalsky Men



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

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Ab sofort im Handel, Eau de Toilette 50ml CHF 60.
Issey Miyake Noir Absolu

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
-

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
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Ab Mitte Oktober im Handel, Eau de Toilette 100ml CHF 108.
20
Kultur CRUISER Edition Oktober 2010
Macbeth von
André Chelard
-

Nicht nur Giuseppe Verdi hat die bekannte Tra-
gödie «Macbeth» von William Shakespeare ver-
tont; Es gibt auch eine heroische Oper des fran-
zösischen Komponisten Hippolyte André Jean
Baptiste Chelard (1789 bis 1861). Er wuchs in
Paris auf, studierte in Paris und Rom Violine
und Komposition bei François-Joseph Gossec
und Giovanni Paisiello. 1827 wurde seine Oper
«Macbeth» an der Académie royale de musique
uraufgeführt. hrend die Pariser Aufführung
ein Misserfolg war, fand die Aufführung im
folgenden Jahr in München grossen Beifall. Da-
raufhin liess sich Chelard in München nieder,
wo 1831 seine Oper «Mitternacht» und 1835 «Die
Hermannsschlacht» erfolgreich uraufgeführt
wurden. 1840 wurde Chelard als Nachfolger von
Johann Nepomuk Hummel Hofkapellmeister
in Weimar, konnte sich jedoch nicht gegen die
Konkurrenz von Franz Liszt behaupten.
«Macbet, heroische Oper in drei Akten nach
Shakespeare: Das Libretto von Claude Joseph
Rouget de Lisle lt sich weitgehend an die Vor-
lage, die Tragödie von WilliamShakespeare. Die
Handlung endet aber nicht mit dem Heran-
cken des Waldes von Birnam und Macbeths Tod:
Dunkan lebt bis weit in den dritten Akt hinein
und hat eine Tochter namens Moina, die dem
schottischen Edlen Douglas versprochen ist.
Die Oper im Knopoch, bekannt für ihre Trou-
vaillen und intimen Aufführungen, benutzt
für ihre Produktion die revidierte Fassung von
«Macbet, umgeschrieben für die Aufführung
von 1828 in München. Die Chelardsche Kompo-
sition ist noch ganz in der Tradition der Tragé-
die lyrique von Gluck, Cherubini und Sponti-
ni gehalten. Der Klavierauszug wurde in der
Zentralbibliothek Zürich gefunden. «Macbeth»
ist komprimiert auf fünf SängerInnen und ein
K lav ier. Die Hexen spielen sic h nur im Kopf Mac-
beths ab. Trotzdem singen sie in den höchsten
Tönen. Das Spiel um die Gier nach Macht nimmt
seinen Lauf. Die Neue Produktion mit Rosina
Zoppi Lady Macbeth, Robert Braunschweig
Macbeth, Pawel Grzegorz Stach – Douglas – Ste-
phanie hlman Moina, Jean-Pierre Gerber
Dunkan. Musikalische Leitung: Pianist Andrew
Dunscombe. Regie: Matthias Flückiger. (kb)
2010 im Theater Stok, Zürich.
Premiere am 16. Oktober
Weitere Vorstellungen
am 17. / 22. / 23. / 24. Oktober Theater Stok,
Zürich,
5. November Theater Lachen.
Tickets: vorverkauf@operimknopoch.ch
oder 079 747 95 48
Menschenkinder


Daniel Quaiser singt selbstkomponierte Lieder,
kommentiert sie und begleitet sich am Klavier.
Der junge Bariton, der an der Zürcher Hoch-
schule der Künste das Konzert- und Lehrdiplom
erworben hat, stellt mit «Menschenkinder» sein
zweites Liederprogramm und seine aktuelle
CD vor. In den vergangenen Jahren hat sich
Daniel Quaiser durch Konzerte in Zürich und
den Nachbarkantonen einen Namen als nger
und Songwriter gemacht. In Planung sind jetzt
Auftritte im Ausland, zum Beispiel in Deutsch-
land.
Veranstaltet wird «Menschenkinder» vom Zunft-
wirtepaar Sandra und Sepp Wimmer, das regel-
mässig Konzerte mit anschliessendem Apéro
organisiert. Damit bietet es seinen Gästen ei-
nen Hörgenuss und stellt den Musikern eine
Plattform zur Verfügung. Die Einnahmen aus
den Konzerten gehen vollumfänglich an die
Künstler. Eine Win-Win-Situation für alle Betei-
ligten. Durch das Engagement von Sandra und
Sepp Wimmer wird das Zunfthaus zur Waag zu
einem kulturellen Begegnungsort und damit
zu einem Bindeglied zwischen Gastronomie
und Kultur in Zürich.
Daniel Quaiser gehört zu der Generation von
Musikern, die neben ihren Live-Konzerten das
Internet nutzen, um ihre Karriere voranzutrei-
ben. Über Internetportale wie MySpace und
Facebook pegt er Kontakte mit seinen Fans,
setzt sich mit Veranstaltern in Verbindung und
organisiert so seine Auftritte. Durch seine Vi-
deos auf YouTube erhält Daniel Quaiser positive
Feedback s aus der ganzen Welt. Ü ber seine Web -
seite verkauft er seine CDs und bietet sie auf al-
len grossen Internetportalen, wie zum Beispiel
iTunes, zum direkten Download an. Die Mög-
lichkeiten des digitalen Zeitalters sind für Dani-
el Quaiser von existenzieller Bedeutung. (kb)
Zunfthaus zur Waag, Zürich. 24. Oktober 2010
Tickets inkl. Apéro. Zunfthaus zur Waag.
044 216 99 66
www.danielquaiser.wg.vu
I Love You, You‘re
Perfect, Now
Change



Eine Sturmfahrt durch das lebenslange Paa-
rungsverhalten von Mann und Frau. nner
und Frauen passen eigentlich nicht zusammen,
das wussten im Grunde wohl schon Adam und
Eva. Genau dort mlich beginnt «I Love You,
You’re Perfect, Now Change». Als Gott sprach: Es
werde Licht, da wurde Licht, doch als er sprach:
Da seien Mann und Frau, begannen die Pro-
bleme.
Das Vier-Personen-Musical erzählt von ersten
Begegnungen, vom verzweifelten Single-Dasein,
von erfolglosen Blind Dates, von plötzlichen
Zweifeln vor dem Jawort, von der Freude und
dem Fluch, Eltern zu sein, über Streitereien
beim Autofahren bis hin zum Flirtversuch auf
der Trauerfeier eines verstorbenen Bekannten.
Mit einem Schmunzeln im Gesicht sehen wir
den ewigen Kreislauf des menschlichen Ver-
haltens in Beziehungen aller Art. Und am Ende
des Stückes heisst es: All ihr guten Menschen
auf Erden, lebt fortan in Freuden! Findet eure
Liebe! Findet den perfekten Partner! Und ver-
bringt den Rest eures Lebens mit dem Versuch,
ihn zu ändern!
Eine bunte Szenenfolge über die Irrungen und
Wirrungen des Liebeslebens. Ein unterhalt-
samer Theaterabend, der Erinnerungen weckt,
einen zum Lachen bringt und mit charmantem
Augenzwinkern den Spiegel vorhält. Mal frech
und böse, mal wunderbar witzig oder auch me-
lancholisch, führt dieses Stück durch mancher-
lei bekannte Beziehungssituationen. Die vier
Darsteller singen, spielen und tanzen sich dabei
durch über 50 Rollen. Das Stück ist seit mittler-
weile 14 Jahren und über 5000 Vorstellungen
der Hit am New Yorker Off-Broadway und wurde
schon in zehn verschiedenen Sprachen und in
mehr als 150 Städten weltweit gespielt. In Seeb
mit Noëmi Fretz, Martina Stach, Matthias Dres-
sel & Jochen Schaible, alternierend mit Björn
Reier. (kb)
Kammerspiele Seeb. Premiere 24. September.
21
CRUISER Edition Oktober 2010 Fotostrecke
Roberto Greco
Photographer
www.grecoroberto.com
28
Nachgefragt CRUISER Edition Oktober 2010
Branko B. Gabriel
trifft...
Kürzlich entrümpelte ich wie-
der mal mein Facebook und
stiess auf Yannick Aellen.
Was, jetzt gibt er nicht nur in
der Mode den Ton an, jetzt
macht der auch noch Musik.
Das rt sich ja spannend
an. Keine zwei Tage später,
treffe ich ihn dann in einer be-
kannten Modeboutique in Zü-
rich. Und wie ich halt so bin,
nehme ich kein Blatt vor den
Mund und quatsche Yannick
kurzerhand darauf an.
 Lieber Yannick, jetzt habe ich
gehört und gelesen, dass du unter die Musi-
kanten gegangen bist.
  Musik hat schon immer eine
enorm wichtige Rolle in meinem Leben gespie-
lt, sie war immer da. Ich muss meinen ersten
selbstkomponierten Song mit 13 aufgenommen
haben. Die Musik war also prinzipiell schon
lange vor den Models, Klamotten und Kameras
da. U.a. habe ich mit der Londoner Band Alf ja
bereits zwei Alben aufgenommen, welche bei
Horizontal erschienen sind. Es gab auch schon
verschiedenste Gigs und Auftritte in Grossbri-
tannien, der Schweiz und Spanien. Am aktu-
ellen Soloprojekt «Dark Crooning» mit Produ-
zent Christoph Varga (seiith) arbeiten wir seit
2006. Wir hatten halt keinen Druck von einem
Majorlabel oder so und konnten bis anhin viel-
leicht zu unserem Nachteil – in unserem eige-
nen Rhythmus arbeiten. Nun ist’s aber endlich
passiert, «Dark Crooning», die erste EP einer Vie-
rerserie, ist rausgekommen. In ein paar Wochen
folgt bereits Nummer zwei.
 Hast du demnach dein Schaf-
fen in der Fashion welt an den Nagel gehängt?

Überhaupt nicht. Musik und Mode
passen ja super zusammen, sie ergänzen sich,
leben voneinander. Und zudem, hey, ich will dir
nichts vormachen – meine Arbeit in der Mode-
und Event welt bezahlt auch mein Dasein. Sie
bezahlt mir auch den Luxus, ein paar Tage oder
Wochen eine Auszeit zu nehmen, um mich eben
der Musik widmen zu können.
 Aha, ich dachte schon. Dich
kennt man ja im internationalen Modezir-
kus bestens. Du hast mit Louis Vuitton, Miu
Miu oder Akris zusammengearbeitet. Der
Swiss Textiles Award kam ohne dich nicht in
die nge.
 Ja, ich durfte tatsächlich bereits
bei ein paar sehr schönen und eindrücklichen
Projekten und Produktionen mitwirken. Es ist
mir aber auch nicht einfach so in den Schoss
gefallen. Ich habe viel Energie und Arbeit in
alle Schritte gesteckt und zum Glück trägt das
heute Früchte. Es ist ja immer noch alles «work
in progress» und wird sich weiterentwickeln
und verändern. Das Swiss-Textiles-Award-Pro-
jekt spielt seit über zehn Jahren eine wichtige
Rolle in meinem beruichen Leben. In die n-
ge kam der Award allerdings ohne mich – von
Suzanna Vock mit dem Textilverband initiiert.
Vielleicht hätte der Award aber ohne mich und
meine Funktion als kreativer Motor und Show-
produzent des Events nicht in dieser Form über -
lebt und die bis heute drei Äras durchgemacht
29
CRUISER Edition Oktober 2010 Nachgefragt
Gwand, gefolgt von der Stella und der diesjäh-
rigen Vergabe an den Fashion Days.
 Du warst auch Jurymitglied in
der Schweizer Ausgabe von Topmodel… Wa-
rum gab es eigentlich keine zweite Staffel?
Funktioniert dieses Format in der Schweiz
nicht? Heidi Klum hat ja Riesenerfolg mit Ih-
ren Mädels.

Die «Supermodel»-Sendung war
eine sehr spannende Erfahrung. Vor allem die
erste Staffel hat recht Spass gemacht und war
ehrlich. Und doch, es gab dann eben auch eine
zweite Staffel, moderiert von Franziska Knuppe,
welche Nadja Schildknecht folgte: Ich glaube
aber, dass die Zuschauerzahlen weniger gut als
bei der ersten Staffel waren und 3+ dann kei-
ne dritte Staffel mehr geplant hat. Das witzige
ist nun aber, dass ich den ganzen Oktober für
Heidi Klum als Casting Director / Scout durch
Deutschland ziehen werde und für GNTP die
Kandidatinnen caste. Da kann ich auch meinen
Beruf richtig ausüben, weil da nur sehr selten
Kameras stehen werden und Heidi mehr Wert
auf echtes Modelpotential als Fernsehtauglich-
keit setzt, was mir sehr sympathisch ist.
 Ist das nicht alles eine kranke
Scheinwelt. Gibt es nicht Wichtigeres im Le-
ben, als dem neusten Trend nachzurennen?
 Klar ist es eine Scheinwelt. In der
Mode werden Träume verkauft, Begierde wird
geweckt. Aber das ist ja auch das Schöne daran
wie in der Musik, im Film oder im Theater. Es
hat viel mit smartem Entertainment zu tun.
Eine hübsche Bluse hilft ja dann auch für den
Auftritt auf dem reellen Parkett in der Arbeits-
welt oder beim Dinner. Ein kleines bisschen
krank sind halt leider ein paar Menschen, die in
der Industrie unterwegs sind und ihr Herz auf
der Strecke liegen lassen.
 Zu deinem aktuellen Projekt.
Man munkelt, dass du schon bald ganz mo-
disch auf der hne stehen wirst. Erhl uns
was darüber...

Tatsächlich wird der November
mit der Blickfang-Performance für mich ex-
trem spannend. Zum ersten Mal werden meine
beiden Domänen zu 100 Prozent ineinander
verschmelzen: Ich wurde von der Blickfang für
eine musikalische Fashion-Performance ange-
fragt. Ich werde zusammen mit einem Drum-
mer, den Beats und Sounds von Christoph Var-
ga, Models, dem Styling von ReGloor und
der einen oder anderen Überraschung auf der
Bühne stehen und eben nicht nur die Show um-
setzen, sondern als Musiker da oben stehen. Wir
werden Songs von «Dark Crooning», aber auch
der nächsten neuen EP bringen.
 «Dark Crooning». Was faszi-
niert dich an solcher Musik, ist ja doch sehr
düster, melancholisch...
 Ich mag halt solche Mucke... Ich
bin mit französischem Chanson aufgewachsen,
Ende der 80er und in den 90ern habe ich Depe-
che Mode, Serge Gainsbourg, Massive Attack
und Everything but the Girl gefröhnt. Ich liebe
es, wenn einem die Beats und Arrangements tra-
gen, wenn es oated, es Popsongstrukturen hat
und doch sexy und etwas schmutzig ist. Beim
aktuellen EP-Projekt ist es natürlich auch klar
das Zusammentreffen von Christoph Vargas
und meiner Welt, das genau diesen Sound er-
gibt. Ich freue mich sehr auf die neue EP, welche
etwas leichter, poppiger und melancholischer
wird als «Dark Crooning».
 Du bist ein Weltenbummler,
Paris, London, New York. Ich glaube auch
Dark Crooning entstand in den verschie-
denen Metropolen...
 Als wir «The devil is a woman I ne-
ver slept witaufgenommen haben, studierte
ich Musik an der LIPA in Liverpool, Christoph
war in Berlin gebased. Fertig produziert haben
wir diese und alle anderen Nummern in einem
österreichischen Kaff namens Pinkafeld, wo es
ein wundervolles Studio hat: The Mushroom.
Somit ja, unsere Zusammenarbeit ist eher in-
ternational. Aber es geht ja nicht unbedingt
darum, wie wahnsinnig sexy die Städtenamen
sein können, wo man sich halt rumtreibt, aber
ich glaube schon, dass es gerade als verwöhnter
Sc hweizer w ic htig ist zu reisen und Zeit an a n-
deren Orten zu verbringen. Gerade wenn man
kreativ unterwegs ist. Es hält den Geist extrem
wach und inspiriert, logo.
 Demnächst heisst es wieder
Zurich Fashion Week (Fashion Days). Ich ver-
mute, dass du in irgendeiner Form sicher
auch wieder vor Ort sein wirst.
 Eben, der Textilverband und ich
bleiben uns in Sachen Swiss Textiles Award treu.
Auch wenn dieser im Rahmen der Fashion Days
vergeben wird, welche direkt vom IMG und ih-
ren Teams produziert werden, bleibe ich der
Show-Chef für den 4. November, inkl. After-
Show-Party.
 rfen wir uns demnächst
auch auf Konzerte freuen. Das war jetzt ja
erst eine Single, da folgt auch das Album?
 Die Blickfang-Performance wird
eine Art kompaktes Konzert sein – wir werden
ca. fünf Songs pro Gig spielen. Wir werden si-
cherlich davor einen Gig als «Hauptprobge-
ben und danach will ich ab 2011 unbedingt
in den Genuss von reguren Gigs kommen.
Wir haben uns entschieden, das eigentliche
«Albuin EP-Schritten rauszugeben... Alle
paar Monate soll bis im nächsten Sommer eine
neue EP mit drei bis fünf Songs erscheinen. Im
November folgt eben Nummer zwei… Wir sind
so auch etwas «stilfreier» und können uns los-
gelöst vom Albumgedanken entwickeln und
produzieren. Stell dir vor, wir arbeiten seit über
vier Jahren an den Sachen. Klar hat sich unser
Stil verändert, weiterentwickelt technisch wie
auch von der Richtung her. Die zweite EP wird
sich für uns schon viel aktueller anfühlen
zwischen den Songs von EP 1 und 2 liegen zum
Teil Jahre dazwischen. Eben... Wir sind recht
vielbescftigt...
 Wie wichtig wird für dich in
zehn Jahren Mode sein?
 Zehn Jahre sind eine lange Zeit
auch wenn sie iegt. Für mich ist «Mode» nicht
nur das Kleid. Es geht wirklich um das Ganze,
inkl. Gefühlen. Es geht mir in meiner Arbeit
ehrlich gesagt, nicht so sehr darum, ob DIE Hose
oder DER Jupe nun gerade wahnsinnig angesagt
ist. Ich bin da zeit loser u nd w ill das Ganze wa hr -
nehmen und das Ganze soll sich gut anfühlen
und schön aussehen. Somit wird Mode für mich
in zehn Jahren immer noch wichtiger Teil eines
Ganzen sein bestimmt wird sich aber mein
Berufsbild und die modische Integration ein
bisschen verändert haben. Inschallah.
Yannick Aellen
Yannick Aellen, geboren und aufgewachsen im
Berner Oberland, schlägt trotz kreativer Seele
erst einen kaufmännischen Weg ein, welcher
ihn nach Paris führt, wo er anfangs zwanzig
als Booker in einer Modelagentur arbeitet. Da-
durch lernt er die Welt der Mode und Models auf
beiden Seiten der Kulissen kennen – und auch
Suzanna Vock, welche ihn zum internationa-
len Aufbau der GWAND zurück in die Schweiz
holt. Aellen wird rasch zum Show-Hauptverant-
wortlichen und macht sich daneben für wei-
tere Kunden im In-und Ausland selbständig. Er
wird zum engagierten Show-Produzenten an
den London und Paris Fashion Weeks, bringt
den Swiss Textiles Award in die neue Stellara
und produziert Fotoshootings und Schauen für
Louis Vuitton, Miu Miu, H&M, Todd Lynn oder
Nike. Mit der Londoner Band Alf veröffentlicht
er die Alben «Cajun Wolf» sowie «Suicide Is The
Last Thing On My Mind» und startet 2006 die
musikalische Zusammenarbeit mit Christoph
Varga (seiith).
«Da rk Crooning » ist be i DSQT erschiene n u nd au f
mtlichen digitalen Plattformen zu kaufen.
31
CRUISER Edition Oktober 2010
Film
Dieser Film feierte seine
Weltpremiere im Jahre
1971. Der Werbeslogan da-
mals war simpel, aber be-
zeichnend: «It‘s about three
decent people, and they will
break your heart». Die Kri-
tik war a ngetan von Sunday,
Bloody Sunday. Ausserdem konnten darin die
ersten Leinwandküsse eines homosexuellen
Lieb espa ares bestaunt werden. Im Oktober w ird
der Klassiker nun als DVD veröffentlicht.
Das vielfach ausgezeichnete Meisterwerk (u.a.
mit dem Golden Globe als bester ausländischer
Spiellm) zeigt im London von 1971 das kom-
plizierte Dreiecks-Verhältnis zwischen dem
schwulen jüdischen Arzt Daniel Hirsh (Peter
Finch), der Karrierefrau Alex Greville (Glenda
Jackson) und dem jungen bisexuellen Künst-
ler Bob Elkin (Murray Head). Daniel und Alex
lieben den egozentrischen Bob. Sie teilen sich
den Jungen, obwohl sie vom jeweils anderen
wissen. Die A ngst , Bob zu verl ieren, lässt sie d ie -
se n Kompr om iss ei nge he n. Für Bob ist die Bezie -
hung zu den beiden jedoch das Normalste der
Welt. Schuldgefühle sind ihm fremd, wenn er
vom einem zu der anderen pendelt. Dabei sind
Alex und Daniel auf der Suche nach Nähe, Ge-
borgenheit und einem Quäntchen Glück, wer-
den sich aber mit Bobs Abreise in die USA klar,
dass ihre Liebesbeziehung keine Zukunft hat.
John Schlesingers Film ist ein Meilenstein des
«Queer Cinema» und viele sagen, er sei heu-
te noch seiner Zeit voraus. Cineasten halten
Sunday, Bloody Sunday sowieso für einen der
wichtigsten Filme des 20. Jahrhunderts. (dd)
Sunday, Bloody Sunday
Klassiker
My Big Fat
*****
Gay Wedding

nf hysterische Mütter und deren fünf schwule
Söhne steuern auf fünf Hochzeiten zu. Zugegeben,
die Ausgangslage für diesen spanischen Film ist et-
was verwirrend. Und zu Recht darf die Frage gestellt
werden, ob sich Regisseur Manuel Gomez Pereira an
schwulen Abziehbildern bereichern will, indem er ei-
nige der grossen Komödien bew usst ins Homosexuelle
kopier t. Immerhin sind Diven w ie Carmen Maura und
Veronica Forque mit von der Partie. An ihrer Seite die
Elite der spanischen Jungschauspieler. So wird auf Freiersfüssen gewan-
delt, wie’s verrückter kaum geht. Alle Protagonisten versuchen, die an-
stehenden Events mit Liebe, Sex und Bigotterie zu überleben. Im Grunde
ist My Big Fat Gay Wedding ein urkomischer, gleichzeitig berührender
Film, welcher vorurteilsfrei mit Klischees umgeht. Der ultimative Film
über schwule Hochzeiten und über Mütter schwuler Söhne. (dd)
Lucky Bastard
*****
Erotisch
Die mitreissende Geschichte einer leidenschaftlichen
Beziehung inmitten von Hinterzimmer-Bars, dunkler
Gassen und schäbigen Hotelzimmern des modernen
Los Angeles: Rusty (Patrick Tatten) ist ein erfolgreicher
Architekt mit Brustmuskeln, für die man sterben
könnte, sowie einem Killer-Lächeln. hrend sein spi-
essiger Freund n icht in der Stadt ist, tr if ft er den at trak-
tiven, aber zw ielic htigen Denny. Geblendet von dessen
gutem Aussehen, seiner augenscheinlichen Verletzbar-
keit und dessen Stricher-Charme, beginnt Rusty, sich auf ein erotisches
Verhältnis einzulassen, das von seinen lange schlummernden Begierden
best im mt wi rd. Nach und nach bekom mt Denny aber immer me hr die Kon-
trolle über Rust y. Dieser muss sich bald entscheiden, was er wirklich will.
Lucky Bastard ist eine kribbelnde, sinnliche und aufreizende Erkundung
jugendlicher Indiskretionen, lüsterner Hingabe und des hohen Preises kör-
perlicher Anziehung. G ef ühle, welcher jeder kennt, der schon einmal aus
den richtigen Gründen in den falschen Typen verknallt war. (dd)
32
Gesundheit CRUISER Edition Oktober 2010
30 000 Franken
kostet eine HIV-
Therapie pro Jahr
Allein der Selbstbehalt hat
schon manchen Betroffenen

Von Mar tin Ender
Die Krankenkassenprämien
r das Jahr 2011 schnellen
wieder einmal mehr nach
oben. Das verleitet dazu, die
Franchise hoch anzusetzen,
um Prämien zu sparen. Dass
diese Rechnung gerade für
Schwule und nicht nur für
HIV-positive vielfach nicht
aufgeht, zeigen die Erfah-
rungen von Benedikt Zahno
bei der Zürcher Aids-Hilfe.
Die Krankenkassenprämien machen im Jahr
2011 wieder einmal mehr einen grossen Sprung
nach oben. Es gibt in letzter Zeit Diskussionen
um die Spitzenmedizin. Wie viel Medizin kann
sich die Gesellschaft noch leisten. Alte Leute
kommen als Erste ins Visier. Das «Sterben las-
sen» wird Thema. Wird eines Tages auch die
teure HIV-Therapie von Krankenkassen und Po-
litikern bei Kostenoptimierungsfragen in Frage
gestellt? «Das wird sich in Zukunft zeigen, keine
Ahnung», sagt Benedikt Zahno spontan, fügt
aber auch gleich an: «ich kenne den Prozentsatz
nicht, aber gemessen an den gesamten Gesund-
heitskosten macht das immer noch wenig aus.
Ich glaube nicht, dass es so weit kommt.
Aber man muss schon sehen, dass
eine HIV-Infektion im Jahr rund
30 000 Franken kostet.»
Früher sind HIV-Positive innerhalb
von ein bis zwei Jahren gestorben.
Das bedeutete damals im Einzelfall
Kosten von bis zu 60 000 Franken.
Heute ist zum Glück für die Betrof-
fenen die Lebenserwartung kaum
mehr geringer als ohne HIV. Zählt
man heute die Kosten für eine The-
rapie zusammen, kommt im Laufe
des doch langen Lebens eine immen-
se Summe zusammen. Manch einer
re froh, dieses «Kapital» am Ende
des Berufslebens als Alterssicherung
auf der hohen Kante zu haben.
In den ganzen Präventionskampa-
gnen war das Geld, die hohen Kosten
für die Therapie, nie ein Thema. Ist das
ein Tabu? Darf man darüber nicht re-
den? «Ja, das stimmt, die Kosten sind
nie thematisiert worden», meint
Zahno und präzisiert: «Warum
das so ist, weiss ich nicht. Ver-
mutlich wollte man jene
schützen, die betroffen sind.»
Oder kann es sein, dass man
die Solidarität nicht gefähr-
den will? Dass man jenen,
die da mitzahlen, dies nicht
unter die Nase reiben will? «Da
muss man nun aufpassen. Das ist eine
Gratwanderung», so Zahno, «Man darf auf kei-
nen Fall die bisher aufgebaute und vorhandene
Solidarität untergraben.»
Je länger, umso besser
Die Aids-Hilfe Schweiz gibt eben die Verlän-
gerung ihrer Box-Stop-Kam pagne bekannt: «Je
nger, umso besser: Box-Stop bis Januar 2011
verlängert!» heisst der Slogan und ruft Schwule
Paare zum HIV-Test! Im Juni startete «Gay-Box»,
das Präventions-Label der Aids-Hilfe Schweiz,
die Kampagne Box-Stop. Mit dem Fokus auf
schwule Paare wurde zum gemeinsamen HIV-
Test aufgerufen. Fakt ist: Rund ein Drittel aller
HIV-Infektionen geschehen in festen Partner-
33
CRUISER Edition Oktober 2010 Gesundheit
schaften. Die Aktion hat sich mittlerweile in
der Gay-Community etabliert. Die Checkpoints
in Zürich und Genf konnten vermehrt Paare
beraten und auch testen. Dieser Erfolg führt
nun zur Verlängerung der Aktion bis zum 31.
Januar 2011.
Die Aids-Hilfe Schweiz will mit der Kampagne
daran erinnern, dass ein HIV-Test innerhalb der
Beziehung empfehlenswert ist, bevor auf den
Gummi verzichtet wird. Mit dem Gutschein für
zwei HIV-Tests zum Preis von einem, welcher
auch als PDF auf www.gay-box.ch zum Down-
load bereitsteht, kann sich der Partner kosten-
los mittesten und beraten lassen. Die «2-für-1»-
Gutscheine sind einlösbar bei den Checkpoints
Zürich und Genf sowie weiteren Teststellen lan-
desweit, deren Adressen, neben weiteren Infor-
mationen, auf www.gay-box.ch zu  nden sind.
Die Kostenfalle
Die Kampagne Box-Stop kann Benedikt Zahno
nur recht sein. Dennoch liegt ihm, der in Zü-
rich in Sachen Präventionsbemühungen und
in Sachen praktischer Unterstützung bei Pro-
blemen rund um die Gesundheit der Schwulen
an vorderster Front steht, noch etwas ganz an-
deres am Herzen: die immer steigenden Kosten
für die Gesundheit. Zu oft hat er in letzter Zeit
mit ansehen müssen, dass Schwule mit HIV ihre
Therapie abbrechen, weil sie das Geld für die
Prämien nicht mehr aufbringen.
Aber Moment, sind in der Schweiz denn nicht
alle p ichtversichert und erhalten deshalb ga-
rantiert die Grundleistungen, zu denen auch
die Medikamente zur HIV-Therapie gehören?
«Nicht in jedem Fall», so Zahno, «ich kenne et-
liche Schwule, die einen Krankenkassenstopp
haben. Das passiert, wenn die Prämien oder der
Selbstbehalt nicht mehr bezahlt wird. Sobald
eine Krankenkasse eine Betreibung einleitet,
darf sie die Leistungen stoppen. Das bedeutet
einen Abbruch in der Therapie. Nur im Notfall
wird ärztliche Hilfe geleistet. Eine HIV-Therapie
ist aber kein Notfall. Das heisst, der HIV-Positive
muss die Medis selber bezahlen, aber das kann
er nicht und so muss er die Therapie unterbre-
chen, absetzen... Das bedeutet, dass er wieder
infektiös wird, was er hrend der Behandlung
nicht war. Gemäss der heutigen Studienlage
funktioniert die Therapie bei einem späteren
Wiedereinstieg zwar, aber die Nebenwirkungen
sind höher als zuvor. Eine ungute Situation.»
Auch die selbst gehlte hohe Franchise kann
zur Kostenfalle werden. Zahno: «Viele Schwule
hlen von sich aus den chsten Selbstbe-
halt von 2500 Franken. Weil sie noch jung sind,
sich gesund fühlen und nicht damit rechnen, je
ernsthaft krank zu werden. Das senkt natürlich
die monatlichen Prämien für die Krankenkas-
se. Aber wenn etwas passiert, sind sie schnell
am Anschlag. So kostet Beispielsweise eine PEP
(Postexpositionsprophylaxe) schnell 2500 bis
3000 Franken. Und eine PEP-Situation ist hier
in Zürich schnell mal passiert. Ein Gummi ist
gerissen oder man hat halt in der prickelnden
erotischen Situation den Gummi vergessen›...
und schon ist das vermeintlich gesparte Geld
mehr als weg». In diesem Fall wurde die Rech-
nung ohne das Kondom gemacht.
Irgendwann sollte man abwägen, was wichtig
ist: Jedes Wochenende an Parties gehen und
eventuell noch bis zu 300 Franken in die Nase
ziehen? Ende Monat fehlt dann das Geld für die
Krankenkasse, man handelt sich einen Kran-
kenkassenstopp ein und die körperliche wie
psychische Gesundheit ist im Arsch.
Bei den Arztbesuchen sparen?
Checkpoint emp ehlt heute schon (und startet
mit der Idee nächstes Jahr eine Kampagne), sich
jährlich auf sexuelle Krankheiten wie Tripper
und Syphilis untersuchen zu lassen. «Das emp-
fehlen wir bei Leuten, die eine normale Sexuali-
tät leben und nnern, die sehr viel Sex haben
mit unterschiedlichen Partnern, raten wir zu
halbjährlichen Kontrollen. Diese Krankheiten
sind leicht einzufangen, oral wie genital, sie
sind oft «symptomatisch unproblematiscund
sind stark im Zunehmen. Pro Kontrolle ist mit
einem Betrag zwischen 150 und 250 Franken
zu rechnen. Kommt noch ein HIV-Test dazu, er-
geben sich rund 400 Franken. Zahno stellt sich
da die Frage: «Leisten sich die Leute nun diese
Tests oder verzichten sie aufgrund der hohen
Franchise darauf.» Dies würde wiederum für die
Wahl einer normalen Franchise sprechen.
Die Modellfrage
Gerade Schwule müssen sich gemäss Zahno gut
überlegen, ob sie für ein Kosten sparendes HMO-
oder Hausar<